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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Von Dos nach Windows - Hiarcs 7.32
besprochen von Peter Schreiner - Juli 1999 - Teil 2
 
 
Spielverhalten - erste Eindrücke
Bereits vor dem Erscheinungstermin des Programms wurde man von einigen Betatestern in den gängigen Foren des Internets mit zahlreichen Jubelarien über die Qualitäten des neuen Uniacke Programms konfrontiert. Unmittelbar vor der WM schien für bestimmte Quellen nur noch die Frage von Interesse zu sein, wo denn der sichere WM-Pokal aufgestellt werden könnte. Erste Vergleichsmatches gegen die hausinterne Konkurrenz wie z.B. Fritz 5.32, Junior 5.0 verliefen in der Tat durchweg sehr positiv für die neueste Version des Uniacke-Programms. Andererseits läuft die Entwicklung immer mehr auf eine Art von Computerinzest hinaus, da die neuen Programmversionen in der Regel fast ausschließlich gegen andere Schachprogramme ausgetestet werden.
 
Mich persönlich beeindruckte vor allem die taktische Schlagkraft des Programms in diversen Stellungstests, die es trotz umfangreichen implementierten Schachwissens und der damit einhergehenden relativ langsamen Programmausführung, an den Tag legte. Immerhin ist Hiarcs 7.32 im direkten Vergleich zu seinem Kollegen Fritz um den Faktor 10 langsamer, gleicht dies aber mit einer offensichtlich sehr effektiven, ausgeklügelten Suche hinsichtlich der taktischen Motive wieder aus. Mit dieser Eigenschaft eignet sich Hiarcs 7.32 schon einmal sehr gut als Analysehelfer beim Nachspielen und Analysieren von Partien.
 
Trotz des hervorragenden taktischen Leistungspotentials ist es Uniacke offensichtlich gelungen, das schon seit Jahren anerkannt hohe Niveau hinsichtlich des Positionsspiels zu halten. Gerade diese Eigenschaft prädestiniert das Programm zu einem schwer auszurechnenden Gegner für Menschen. In der Summe seiner Spieleigenschaften hinterlässt das erste 32Bit-Programm von Uniacke einen durchweg hervorragenden Eindruck. Erste Vergleiche mit dem kaum einem halben Jahr alten DOS-Vorgänger ließen vom reinen Spielverhalten keine gravierenden Unterschiede erkennen: die Windows-Engine zeigt in manchen Testpositionen geringfügig schnellere Lösungszeiten, was aber in erster Linie auf eine sehr gelungene Portierung nach Windows spricht.
 
Auf Dauer ist es natürlich recht frustrierend, wenn man laufend von einem übermächtigen Gegner zusammengeschoben wird. Ich gehe einmal davon aus, dass viele aktive Schachspieler ihr Programm zur Analyse einsetzen. Ähnlich wie bereits bei MChess oder Shredder 3.0 kommt auch Hiarcs 7.32 mit einer innovativen Funktion:
 
Das Programm ist lernfähig und soll aus seinen Fehlern lernen. Das Uniacke - Programm lernt im Unterschied z.B. zu MChess auch in der Analyse; man kann die Lernfortschritte des Elektronenhirns also selber beeinflussen. Das Prinzip ist relativ einfach: ein Mensch wird aufgrund früherer Erfahrungen versuchen, bestimmte Fehler zu vermeiden (zumindest in der Theorie).
 
Bei der Analyse mit einem Programm führt man in der Regel den Zugvorschlag des Programms auch auf dem Schachbrett aus und testet verschiedene Abspiele aus. Stellt sich im Verlauf der Analyse heraus, dass eine vorgeschlagene Fortsetzung nicht optimal war, wird das Programm bei einem späteren Versuch stoisch immer wieder den gleichen Fehlzug anzeigen. Hiarcs 7.32 bietet in der Dialogmaske zur Einstellung der Engine den entsprechenden Schalter an. Also: Lernfunktion aktivieren und ausprobieren, wie effektiv sie in der Praxis funktioniert.
 
Ansonsten kann man Hiarcs 7.32 die bewährten Qualitäten seines Vorgängers attestieren. Neben der schon immer sehr ausgeprägtem, schön anzuschauenden menschlichen Spielweise hat das Programm vor allem in taktischer Hinsicht einiges auf dem Kasten. Das Endspiel bewegt sich auf einem sehr hohen Niveau, die Implementierung der TableBases dürfte nochmals eine bedeutende Verbesserung in diesem Bereich darstellen.
 
 
Eröffnungsbuch von Eric Hallsworth
Wie bereits erwähnt, stammt das Eröffnungsbuch von Eric Hallsworth und wird in Form eines Positionsbaums ausgeliefert. Eric Hallsworth ist seit vielen Jahren für die Bücher von Hiarcs zuständig und das Programm verdankt einen Teil seiner guten Ergebnisse der mit großem Sachverstand durchgeführten Feinabstimmung der Bibliothek auf die Spielweise des Programms. Positiv anmerken möchte ich, dass die Turnierbibliothek bemerkenswert breit angelegt ist und daher ein sehr abwechslungsreiches Eröffnungsrepertoire bietet.
 
Um das Buch in der Originalform als Positionsbaum übernehmen zu können, waren einige Modifikationen am ursprünglichen Datenformat des Positionsbaums notwendig. Sobald das Buch editiert oder bearbeitet wird, gehen sämtliche von Eric gesetzten Präferenzen verloren! Daher sollte man das Hallsworth-Buch nicht bearbeiten und zu experimentellen Zwecken einen neuen Positionsbaum generieren.
 
 
TableBases
Wie bereits zuvor erwähnt, kommt Hiarcs 7.32 jetzt mit geballtem, universellem Endspielwissen in Form von sogenannten TableBases. Bei den TableBases handelt es sich um Endspieldatenbanken, in denen die Bewertungen zu der jeweiligen Stellung bereits gespeichert sind. Zur Zeit sind diese Datenbanken für Stellungen mit bis zu maximal fünf Figuren verfügbar.
 
Das Format dieser Datenbanken wurde von dem russischen Programmierer Eugene Nalimov entwickelt, der sich in der Szene bereits vor einigen Jahren mit dem Schachprogramm Sibirian Chess einen Namen gemacht hat und heute für Microsoft tätig ist. Um die Größe der Datenbanken in erträglichen Dimensionen zu halten, wurde von Andrew Kadatch eine spezielle Kompressionsroutine erstellt. Für sämtliche Fünfsteiner sind in etwa 6 Gigabyte Plattenplatz zu veranschlagen. Im Lieferumfang der Hiarcs-CD befindet sich ein spezielles Programm, um die TableBases auf der Platte zu generieren.
 
Im Prinzip ist die Nutzung der Endspieldatenbanken bekannt. Ich erinnere an die hier bereits mehrfach besprochenen Endspiel-CDs von Ken Thompson, die u.a. von Shredder oder der TascBase genutzt werden. Gelangt zu einem erfassten Stellungstyp, übernimmt die Datenbank quasi die Gewinnführung. Hiarcs 7.32 nutzt die Datenbanken bereits in der Suche und nicht erst dann, wenn die Stellung auf dem Brett erscheint.
 
Man kann den Zugriff auf die TableBases auch sehr schön im Informationsfenster erkennen, da die Häufigkeit des Zugriffs auf die Datenbanken angezeigt wird. Natürlich eröffnen diese Datenbanken ausgezeichnete Möglichkeiten für das Eröffnungstraining und die Analyse. Nachteil gegenüber den Thompson-CDs: die Datenbanken benötigen entsprechend viel Festplattenkapazität, da man sie nur von der Festplatte betreiben kann. So brandneu, wie der Hersteller übrigens behauptet, ist dieses Verfahren allerdings nicht. So nutzt z.B. MChess Pro die TableBases schon seit längerem auch in der Suche.
 
Der Vorteil des Hiarcs-Paketes besteht darin, dass man sich mit Hilfe des Generators die gewünschten Datenbanken selber erzeugen kann und nicht mit hohem Kostenaufwand aus dem Netz ziehen muss. Außerdem ist der Zugriff bei Hiarcs 7.32 offensichtlich sehr effektiv gelöst, da das Programm trotz häufigem Zugriff nicht in der Performance ausgebremst wird.
 
Wer über relativ begrenzte Festplattenressourcen verfügt, sollte zumindest alle Viersteiner mit dem Generator erzeugen. Diese belegen dann auf der Platte ca. 150 erträgliche MB und dürften Hiarcs 7.32 einigen Benefit bringen; alternativ sucht man sich eben die gewünschten Endspieltypen aus der Liste heraus, die erzeugt werden sollen.
 
Falls Sie alle Datenbanken erzeugen und nutzen wollen, sollten Sie vorher noch einmal bei Ihrem Hardwarehändler vorbeischauen: alle Endspiele benötigen zusammen, falls Sie in komprimierter Form vorliegen, mindestens 8 GB, unkomprimiert sogar 30 GB. Da Hiarcs die TableBases auch im unkomprimierten Format ansprechen kann, fällt die Wahl eigentlich nicht schwer. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass der Generator für die Erzeugung der komplexen Fünfsteiner noch einige Anforderungen an den RAM-Ausbau des Rechners stellt, u.U. mehr als 500 MB für die komplexen Fünfsteiner ohne Bauern.
 
 
Fazit
Für nur 98.- DM erhält man mit der ersten reinen 32Bit-Version von Hiarcs ein Programm der Extraklasse mit einem außergewöhnlich guten Preis-Leistungsverhältnis. ChessBase hat mit Junior 5.0, Fritz 5.32 oder Nimzo 99 schon sehr attraktive Programme im hauseigenen Rennstall, die aber eher in die Kategorie der Schnellrechner gehören. Mit Hiarcs 7.32 hat man jetzt erstmals ein überwiegend wissensbasiertes Programm im Angebot, dass gegenüber dem Spielstil der zuvor genannten Programme nachhaltig den Nachweis erbringt, dass man auch mit einem "langsamen" Programm ein Maximum an Spielstärke erzielen kann.
 
Laut Angaben diverser Tester soll das Programm deutlich schneller als die vor knapp einem halben Jahr veröffentlichten DOS-Version sein. Dies kann ich aufgrund meiner Testergebnisse nicht bestätigen. Im Großen und Ganzen weist Hiarcs 7.32 mit einigen Abweichungen die gleichen spielerischen Qualitäten seines Vorgängers auf, verbunden mit dem deutlich besseren Anwendungskomfort und Funktionsumfang unter der Windowsoberfläche von Fritz 5.32.
 
Dies lässt auf eine gelungene Portierung auf Windows schließen. Allmählich wird es für die letzten Dosianer eng. Nachdem jetzt auch Mark Uniacke den Umstieg auf Windows vollzogen hat, sind Rebel und MChess die letzten Vertreter der DOS-Ära. Es bleibt abzuwarten, ob den Autoren dieser Programme ein ähnlich runder Wechsel gelingt.
 
Die mitgelieferten TableBases sind ein weiteres attraktives "Schmankerl" und runden den Lieferumfang in Verbindung mit den anderen Engines vorbildlich ab. Hiarcs 7.32 kostet den Erstkäufer 98.- DM; das Update von der 16Bit-Engine Hiarcs 6.0 ist in Anbetracht des niedrigen Preises von nur 59.- DM ebenfalls vorbehaltlos zu empfehlen. Weitere Informationen erhalten Sie entweder im qualifizierten Fachhandel oder direkt bei ChessBase.
 
Peter Schreiner
 
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