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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Von Dos nach Windows - Hiarcs 7.32
besprochen von Peter Schreiner - Juli 1999 - Teil 1
 
Mark UniackeDer Engländer Mark Uniacke ist ein Phänomen unter den Programmierern: obwohl er als Amateur nur sehr wenig Zeit für die Weiterentwicklung seines Programms aufbringen konnte, zählte sein Programm Hiarcs (= Higher Intelligence Auto Response Chess System) spätestens nach dem Gewinn des Titels bei der WM in München 1993 zu den Topprogrammen. Der Programmname bringt die Arbeitsphilosophie des Autoren auf den Punkt.
 
 
Wissensbasiertes Programm
Mark Uniacke setzt beim Ringen um höhere Spielstärke nicht auf einen kompakten Programmcode mit höchstmögliche Geschwindigkeit bei der Programmausführung, sondern auf die Implementierung von möglichst viel Schachwissen. Der Nachteil dieser Methode: wissensbasierte Programme verstehen zwar relativ viel vom Schach, sind aber aufgrund der komplexen Algorithmen im direkten Vergleich zu den geschwindigkeitsoptimierten Programmen verhältnismäßig langsam und in kritischen taktischen Momenten einer Schachpartie etwas anfällig.
 
Bereits die Anzeige der bewerteten Knoten pro Sekunde demonstriert eindrucksvoll den Unterschied zwischen einem schnellen Programm wie Fritz 5.32 oder dem neuen Uniacke-Programm. Im Schnitt bewertet Hiarcs 7.32 auf einem K6/333 MHz mit 64 MB RAM für die HashTables um die 35 000 Positionen in der Sekunde, während Fritzen auf dem gleichen Rechner ohne Probleme fast die zehnfache Knotenzahl schafft.
 
Geschwindigkeit ist aber nicht alles; bereits mit der DOS-Version Hiarcs 7.0 demonstrierte Mark Uniacke eindrucksvoll, dass auch ein "langsames" Programm durchaus auch im Schnellschach taktisch stark spielen und hervorragende Leistungen erbringen kann. Trotz des beeindruckenden schachlichen Potentials von Hiarcs stand Mark Uniacke insbesondere in den letzten Jahren vor einem echten Problem: die Resonanz von Seiten der Anwender war vergleichsweise bescheiden. Die Ursache dafür war nicht schwierig auszumachen.
 
Im Zeitalter von Windows erwarten die Anwender für ihr Geld nicht nur ausgezeichnete Spielstärke, sondern eben auch den typischen Windows-Komfort bei der Bedienung des Programms. Eine echte Schwachstelle des DOS-Vorgängers Hiarcs 7.0 bestand vor allem darin, dass der Rechner mit einer speziellen Bootkonfiguration hochgefahren werden musste, um überhaupt Hiarcs mit großen HashTabellen starten zu können. Natürlich ein recht umständliches Verfahren, das außer den fanatischen Freaks, die ja zu fast allem bereit sind, um das Optimum aus ihren Programmen herauszukitzeln, kaum noch jemand zu einer intensiven Beschäftigung mit der Software anregen konnte.
 
Als einzigste Windows-Alternative konnte man bei ChessBase die Hiarcs-Engines (Vers. 4 + 6) erwerben, die allerdings unter Fritz 5.0 nur mit gebremster (z.B. nur maximale Hashtabellengröße von 8 MB) Kraft liefen. Als berufstätiger Amateur war es natürlich für Mark Uniacke unmöglich, neben den eigentlichen Schachalgorithmen noch eine professionelle Oberfläche zu entwickeln. Unmittelbar nach Erscheinen von Hiarcs 7.0 für Dos konnte man überall in den gängigen Foren die einhellige Meinung vieler Experten lesen: ein absolutes Topprogramm, das Interface und der Bedienungskomfort sei aber der Klasse des Programms nicht würdig. Der Ruf nach einer eigenständigen Windows-Version wurde also immer dringlicher.
 
Die Reaktionen von Seiten des Hiarcs-Teams gaben zunächst wenig Anlass auf Hoffnung: der Geschwindigkeitsverlust des Programms unter Windows sei zu groß und es werde daher definitiv keine Windows-Version geben. Noch vor kurzem konnte man auf der Website von Hiarcs lesen, dass es definitiv keine neue Engine-Version für ChessBase geben würde. Offensichtlich war der Druck von Seiten der Anwender doch zu groß: denn seit Ende Mai wird erstmals eine 32Bit-Fassung von Hiarcs sowohl als Standalone-Programm als auch als Engine für Fritz 5.32/ChessBase angeboten.
 
So positiv diese Entwicklung auch ist, zumindest etliche Käufer des DOS-Programms (also die treuesten Anhänger von Hiarcs!), die sich im Vertrauen auf die Aussage des Hiarcs-Teams die DOS-Version gekauft hatten, werden weniger begeistert sein, da viele in Kenntnis dieser Entwicklung mit Sicherheit ihren Kauf bis zum Erscheinen des deutlich komfortableren ChessBase - Produktes verschoben hätten. Wie auch immer, betrachten wir uns zuerst einmal die Systemvoraussetzungen für einen einwandfreien Betrieb des neuen 32Bit-Programms.
 
 
Lieferumfang
Hiarcs 7.32 ist jetzt ebenfalls wie Junior 5.0, Nimzo 99 u.a. ein Bestandteil des Enginekonzeptes von ChessBase. Genau wie die beiden obengenannten Programme wird Hiarcs 7.32 als eigenständiges Programm mit einer im Vergleich zu Fritz 5.32 leicht im Funktionsumfang reduzierten, ansonsten identischen Oberfläche angeboten. Alternativ kann man die Engine, also den Programmteil, der die Algorithmen für den Spielteil enthält, sowohl unter dem Interface von Fritz 5.32 als auch unter dem hauseigenen Datenbanksystem ChessBase 7.0 einsetzen. Für die fälligen 98.- DM bekommt der Anwender einiges geboten:
 
Neben der brandneuen 32Bit-Engine von Hiarcs sind noch einige attraktive Zusatzengines im Paket enthalten. Interessant dürfte der direkte Vergleich zu den älteren Hiarcs-Engines (Versionen 4 und 6) sein. Eine aktuelle Version des Programms Crafty 16.6 vom amerikanischen Computerschachpionier Bob Hyatt ist ebenso enthalten, wie neuere Versionen von Comet (Autor: Ulrich Türke), ExChess (Autor: Dan Houwman) und die bekannte Engine Doctor 3.0 von den deutschen Computerschachpionieren Kraas/Schrüfer.
 
Diese Engines profitieren ohne Einschränkungen von der vorbildlichen Oberfläche und den vielfältigen Funktionen, z.B. bei der Analyse oder den Datenbankfunktionen. Der Erstkäufer von Hiarcs 7.32 kann also direkt mit sieben unterschiedlichen Schachprogrammen trainieren und analysieren; ein Suchprogramm zum Lösen von Mattproblemen rundet den Lieferumfang in dieser Hinsicht vorbildlich ab. Zusätzlich findet man auf der CD noch drei weitere attraktive Komponenten:
 
1.  eine Datenbank mit über 300 000 Schachpartien aus dem Zeitraum von 1790 - 1997. Erfreulicherweise hat man nicht einfach nur unkommentierte Partien in die Sammlung hineinkopiert, sondern man findet etliche ausführlich kommentierte Partien. Der Zugriff wird durch die Hilfe diverser Schlüsselklassifikationen, z.B. nach Eröffnungen, Themen usw., bedeutend erleichtert. Sehr gut!
 
2.  Die Vorgänger-Versionen von Hiarcs profitierten in hohem Ausmaß von der Feinabstimmung des Eröffnungsbuches auf die Spielweise des Programms. Diese Arbeit wird bereits seit vielen Jahren von dem Computerschachexperten und Herausgeber der englischen Fachzeitschrift Selelctive Search, Eric Hallsworth, durchgeführt. Natürlich lag es daher nahe, dieses in jahrelanger Feinarbeit gewachsene Eröffnungsbuch mit als Positionsbaum zu übernehmen. Dazu später noch mehr.
 
3.  Neu: Hiarcs 7.32 kann während der Suche auf die TableBases (= Endspieldatenbanken) zugreifen. Diese Endspieldatenbanken für Drei-, Vier- und Fünfsteiner liegen in komprimierter Form auf der CD vor und im Lieferumfang ist eine Software zur Generierung dieser Datenbanken enthalten. Hiarcs 7.32 nutzt diese Datenbanken sehr effektiv: jedes Mal, wenn es in einer Partie eine Stellung vorfindet, die in einer der Datenbanken enthalten ist, wird sofort deren Bewertung übernommen und die Suche wird abgebrochen. Diese Technik führt insbesondere im Endspiel zu einer drastischen Steigerung der Suchtiefe und damit zu einem deutlich besseren Endspielverhalten.
 
Zu den Systemvoraussetzungen: als echtes 32Bit-Programm können Sie Hiarcs 7.32 unter Win95/98 und NT einsetzen. Beim Einsatz unter NT ist darauf zu achten, dass die älteren 16Bit-Versionen von Hiarcs nicht einsatzfähig sind (nur unter Win95/98). Ansonsten stellt das Programm keine exotischen Anforderungen und läuft auf einem halbwegs aktuellen WIN95/98-Rechner einwandfrei.
 
Wer sich für die TableBases interessiert, sollte berücksichtigen, dass die Endspieldatenbanken nur von der Festplatte aus genutzt werden können und trotz der hohen Komprimierungsrate einen erheblichen Speicherbedarf benötigen. Für alle existierenden Fünfsteiner fallen z.B. schon einmal um die sechs Gigabyte Plattenspeicher an. Um Platz zu sparen, bietet das mitgelieferte Tool die Option an, nur ausgewählte Endspiele auf die Platte zu entpacken. Mit den Viersteinern kann man schon eine beträchtliche Steigerung bei der Performance erzielen, hier ist einfach Experimentieren angesagt.
 
 
Wichtige Funktionen
Der Funktionsumfang von Hiarcs 7.32 entspricht vollständig dem von Fritz 5.32 oder den neuesten Versionen von Junior 5.0, Nimzo 99 (Updates unter www.chessbase.com), weshalb wir auf eine wiederholte Beschreibung der zur Genüge bekannten Features verzichten wollen. Lediglich für die Leser, die das Programm noch nicht so gut kennen, geben wir noch einmal eine Kurzbeschreibung - bei weitem ohne Anspruch auf Vollständigkeit! - der unserer Ansicht nach wichtigsten Ausstattungsmerkmale:
 
:: effizientes Eröffnungstraining
Hiarcs 7.32 verwaltet seine Eröffnungsbibliothek in Form eines Positionsbaums. Die Vorzüge dieses Konzeptes wurden bereits mehrfach von uns besprochen: zahlreiche statistische Informationen über die Anzahl der Partien, Ergebnisse, transparente Darstellung der Ausspielwahrscheinlichkeiten und die Erfolgswahrscheinlichkeiten bestimmter Züge ermöglichen ein effizientes Eröffnungstraining. Bestehende Bibliotheken lassen sich durch den Import von Partien aus einer Datenbank blitzschnell modifizieren oder erweitern.
 
Hinweis: wie bereits erwähnt, spielt Hiarcs 7.32 mit dem Originalbuch von Eric Hallsworth. Dafür wurde das Format des Positionsbaums leicht modifiziert. Während Fritz 5, Junior 5 oder Nimzo 99 die Wahrscheinlichkeiten für die jeweilige Brettstellung berechnen, sind die Ausspielpräferenzen des auf dem Hallsworth-Buch basierenden Positionsbaums direkt an einzelne Züge gebunden. Sobald das Hallsworth-Buch editiert wird, gehen die vom Experten Hallsworth gesetzten Präferenzen verloren!
 
Hiarcs 7.32 kann natürlich die Positionsbäume der anderen Programme einwandfrei einlesen. Im umgekehrten Fall wird man das Book vielleicht auch einmal mit Fritz 5.32, Junior o.a. nutzen wollen. Dies ist nur mit den jeweils aktuellsten Versionen dieser Programme möglich, die man von dem Downloadbereich der ChessBase - Website jederzeit runterladen kann.
 
:: Datenbankschnittstelle
Von allen mir bekannten Schachprogrammen setzen die Produkte aus dem Hause ChessBase in diesem elementaren Bereich die Maßstäbe, an denen die Konkurrenz mächtig zu knabbern hat. Natürlich ist klar, dass bei der Implementierung der Datenbankfunktionen sehr viel von dem gewonnenen KnowHow der Datenbankentwicklung eingeflossen ist. Man kann mit dem Programm beliebig große Datenbanken verwalten; sämtliche im Computerschach relevanten Dateiformate werden dabei unterstützt.
 
Sehr gut gefällt mir die Verknüpfung zwischen dem Positionsbaum und einer Datenbank. Nehmen wir an, sie studieren eine Variante im Positionsbaum. Via Rechtsklick mit der Maus kann man sich z.B. direkt aus der aktiven Datenbank sämtliche Partien abrufen, in denen die aktuelle Brettstellung vorkommt und sich anhand der Partien ein Bild von den Ideen und Motiven der Eröffnung verschaffen. Komplexe Suchfunktionen wie z.B. nach Eröffnungen, Bauernstrukturen, Opfermotiven, Materialkonstellationen, Positionen usw. sind problemlos möglich.
 
Das Datenbankmodul versteht übrigens alle Klassifikationsschlüssel (Eröffnung, Themen- oder Endspielschlüssel) und kann innerhalb des CBH-Formates eingebundene Multimedia-Komponenten lesen. Die Datenbankschnittstelle ist für die effektive Verwaltung von Partien sowie einem Datenaustausch mit anderen Programmen sehr gut geeignet.
 
:: Analyse
Es besteht die Möglichkeit, nicht nur Partien, sondern auch komplette Datenbanken vollautomatisch analysieren zu lassen. Die Resultate des Suchvorgangs werden innerhalb der Notation fein säuberlich protokolliert und können entweder direkt am Monitor eingesehen oder eben ausgedruckt werden. Falls die Datenbank mit verschiedenen Engines überprüft wurde, werden die Resultate zur besseren Unterscheidung gekennzeichnet. Im Analysemodus kann via Rechtsklick eine bestimmte Stellung "verriegelt" werden. Hiarcs 7.32 rechnet an der markierten Stellung im Hintergrund fleißig weiter, während man die Partienotation auf dem grafischen Schachbrett weiter nachspielen kann.
 
:: Multi-Engine-Interface
Aufgrund der strikten Trennung von Interface und dem eigentlichen Schachalgorithmus (= Engine) kann man unter einer einheitlichen Oberfläche unterschiedliche Schachprogramme mit gleichbleibendem Bedienungskomfort einsetzen. Zur Demonstration dieser Option findet man auf der Hiarcs 7.32 ja bereits mehrere Engines von unterschiedlichen Autoren vor. Genau wie bei Fritz 5.32 kann man jetzt mit Hilfe des Winboard-Adapters von ChessBase prinzipiell jede Winboard-Engine unter Hiarcs 7.32 einsetzen. Ich habe dies Testweise mit der Winboard-Engine von Nimzo2000 ausprobiert, die anstandslos ihre Dienste unter Hiarcs 7.32 verrichtete. Das ganze Procedere würde einen noch "runderen" Eindruck machen, wenn es z.B. möglich wäre, die Anzeige der unterschiedlichen Engines gleichzeitig auf dem Monitor anzuzeigen.
 
 
Weitere Stärken
Das Programm hat ein opulent ausgestattetes Infofenster mit wahlweiser Anzeige von scrollenden Hauptvarianten, Stellungsbewertung; Gesamtzahl oder alternativer Anzeige der bewerteten Positionen pro Sekunde; zuschaltbares Variantenbrett mit Darstellung der Endstellung einer berechneten Hauptvariante; Support des Windows-Clipboards zwecks Datenaustausch von Schachstellungen (EPD-Format) und Übernahme von Suchresultaten in eine Textverarbeitung.
 
Das Spielverhalten der Hiarcs-Engine kann mit etlichen Parametern in engen Grenzen vom Anwender beeinflusst werden; besonders interessant ist dabei der neue Lernalgorithmus; das Programm soll aus seinen Fehlern lernen und speichert die Resultate seines Suchvorgangs in der Datei learn.hhp im Unterverzeichnis Engines ab. Der Zugriff auf die Endspieldatenbanken kann bei Bedarf an- oder abgeschaltet werden; Selektivität, Remisvermeidungsfaktor und drei wählbare Spielstile (defensiv, normal und aggressiv) ermöglichen weitere Anpassungen der Engine (direkt via Rechtsklick anwählbar).
 
Der Treiber für den Autoplayer wird mitgeliefert; Freaks können Hiarcs 7.32 im direkten Vergleich gegen ein Schachprogramm auf einem zweiten PC vollautomatisch austesten, zahlreiche Funktionen sind implementiert, um gezielt Engines zu testen, z.B. automatische Schachturniere mehrerer Engines und der Option für den Anwender, ins Turnier einzusteigen und mitzuspielen; umfangreiche Trainings- und Hilfefunktionen für Einsteiger und Anfänger; usw.
 
Ich denke, wir können es uns an dieser Stelle ersparen, die weiteren bereits hinlänglich besprochenen Vorzüge des Interfaces incl. Funktionsumfang zu besprechen. Eines sollte anhand der Kurzbeschreibung klar geworden sein: das brandneue 32Bit-Programm von Mark Uniacke - auch der Anwender! - profitiert enorm von den kompletten Ausstattung der Windows-Version. Ein Vergleich zu dem bei der Ausstattung eher spartanischen Dos-Vorgänger fällt damit schon einmal ganz deutlich zugunsten der CB-Version aus! Wenden wir uns daher der mitgelieferten Engine zu, die wir in einigen Punkten direkt mit dem DOS-Vorgänger verglichen haben.
 
 
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