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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Genius 6.5
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999
 
Zum Lieferumfang des WM-Paketes 2000 der Firma Millennium 2000 gehört die neueste Version des Chess Genius des englischen Programmierers Richard Lang. Die Vorgängerversion des Klassikers ist auf dem deutschen Markt besonders bekannt, so dass wir uns hier im wesentlichen auf die Neuerungen konzentrieren.
 
 
Positionsbaum und Datenbank
Der seinerzeit erstmals mit Chess Genius 6.0 ausgelieferte Positionsbaum gehört nach wie vor zu den besten Lösungen in diesem wichtigen Bereich des Eröffnungstrainings. Besonders gut gefiel uns die übersichtliche, parallele Präsentation der im Positionsbaum eingebetteten Informationen mit dem eigentlichen Partiegeschehen; zu keinem Zeitpunkt muss man in einen separaten Ansichtsmodus wechseln. Eine echte Schwachstelle des Programms war seinerzeit die fehlende Verknüpfung zwischen dem Positionsbaum und der aktiven Datenbank. Nehmen wir an, Sie schauen sich in dem Positionsbaum des Chess Genius 6.5 eine bestimmte Variante und einen bestimmten Zug an. Natürlich ist es sehr hilfreich, wenn man sich direkt entsprechende Partien zu dem Eröffnungsthema anschauen kann.
 
Dies ist jetzt mit mit der neuen Version einfach zu bewerkstelligen, denn Genius 6.5 beherrscht jetzt die gezielte Suche nach Stellungen. Betätigen Sie einfach den Hotkey Strg-F oder klicken auf den Eintrag Brettposition in Datenbank suchen, um die entsprechenden Partien zu finden. Eine weitere, wesentliche Verbesserung: endlich zeigt Genius 6.5 eine konkrete Information zum Verlauf der Suche in einem Infofenster an.
 
Bei einer Positonsuche springt das Programm nach dem Laden der Partie direkt zu der als Suchkriterium definierten Stellung. Innerhalb von CBF- und PGN-Dateien ist alternativ auch eine Suche nach bestimmten Zugmanövern möglich. Beide neuen Suchkriterien, sowohl die Brett- als auch die Manöversuche, können mit den bereits vorhandenen Filtern kombiniert werden. Bis auf die fehlende Option, innerhalb von Datenbanken gezielt nach Materialkonstellationen zu suchen, bietet Chess Genius 6.5 für ein reines Schachprogramm ausgezeichnete Datenbankfunktionen. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle noch die erstklassige Konvertierroutine für die gängigen Dateiformate CBF, PGN und EPD und vor allem die im Lieferumfang befindliche, Datenbank mit über 570 000 Partien im CBF-Format, die übrigens recht viel aktuelles Partienmaterial aus 1999 enthält.
 
 
Interface und Handling
Die Benutzerschnittstelle ist hinsichtlich Übersichtlichkeit und Ergonomie nur schwer zu überbieten und gehört meiner Ansicht nach zu den gelungensten Lösungen im Computerschach. Ganz offensichtlich ist das Interface kein Ressourcenfresser, denn man kann mit dem Programm auch auf älteren Systemen schnell und flüssig arbeiten.
 
Annehmlichkeiten wie eine Funktionsleiste zum schnellen Abrufen häufig genutzter Funktionen, konsequente Bedienung mit der rechten Maustaste sind selbstverständlich. Genau wie Shredder 4 verfügt Genius 6.5 jetzt über ein Variantenbrett, damit der Anwender jederzeit die Hauptvariante plastisch nachvollziehen kann. Eine weitere Annehmlichkeit ist die Schnelleingabe. In der Regel reicht ein Mausklick auf das Zielfeld aus, um einen Zug auf dem grafischen Schachbrett auszuführen; natürlich nur dann, wenn die Zuordnung der zu ziehenden Figur eindeutig ist. Diese Option ist beispielsweise sehr nützlich beim Erfassen von Partien oder bei der Hintergrundanalyse.
 
Genius 6.5 unterstützt jetzt einen wichtigen Windows-Standard, die Zwischenablage oder das Clipboard. Damit ist ein problemloser Datenaustausch mit anderen Anwendungen möglich, z.B. bei den im Internet verbreiteten Standardformaten PGN und CBF. Ein Beispiel für eine Anwendung: nehmen wir an, Sie surfen auf den zahlreichen schachbezogenen Sites im Internet, stöbern interessante Teststellungen auf oder erhalten via Email eine interessante Stellung im EPD-Format. Sie können diese Datei über die Zwischenablage direkt auf das Brett des Programms übertragen. Genius 6.5 unterstützt beim Datenaustausch über das Clipboard sowohl Import als auch Export. Innerhalb von EPD-Dateien akzeptiert das Programm jetzt Kommentare, z.B. für einen bestmöglichen Zug.
 
Sehr gelungen finde ich die Erleichterung bei der Aufbereitung schachbezogener Dokumente. Man kann sowohl Schachnotationen als auch Diagramme direkt in das RTF-Format exportieren, das von jeder vernünftigen Textverarbeitung untrstützt wird. Alternativ können Sie vor dem Ausdruck über den Button Anschauen das Dokument direkt mit der zum RTF-Format verknüpften Textverarbeitung aufrufen und ausdrucken. Damit steht jetzt eine besonders einfache Funktion zur Verfügung, um rasch schachbezogene Dokumente zu erstellen.
 
 
Neue Analysefunktionen
Die Entwickler des Genius 6.5 haben dem Programm einige neue, sehr nützliche Analysefunktionen spendiert. Neben der bereits vom Vorgänger bekannten Möglichkeit, komplette Partien oder Datenbanken auszuanalysieren, beherrscht das Programm endlich die vollautomatische Abarbeitung der im Computerschach so beliebten Testreihen für Schachprogramme. In der Regel enthalten diese Datenbanken Schachpositionen mit einem vorgegebenen Lösungszug. Das Programm zeigt während der Analyse die Lösungsfortschritte in der Titelzeile an und legt gleichzeitig eine Textdatei mit sämtlichen Resultaten des Analysevorgangs an.
 
Prinzipiell ist jetzt unter Genius 6.5 auch möglch, eine bestimmte Stellung dauerhaft vom Programm analysieren zu lassen und gleichzeitig weiter mit dem Programm zu arbeiten, z.B. Notationen nachzuspielen. Allerdings ist das Verfahren im Unterschied zu den sonstigen technischen Neuerungen technisch nicht sonderlich elegant implementiert. Worum geht es?
 
Nehmen wir an, Sie möchten eine bestimmte Stellung langfristig vom Programm analysieren lassen. Gleichzeitig wollen Sie aber mit Genius weiterarbeiten, spielen oder trainieren. Dafür gibt es jetzt im Menü Datei die Funktion Dupliziere Partie. Genius 6.5 startet in diesem Fall einfach eine zweite Kopie des Programms mit der zu analysierenden Position, an der dann im Hintergrund weitergerechnet wird. Ein Blick auf die Taskleiste offenbart den Nachteil dieser Lösung: das Programm wird incl. der Grafik für das Interface zum zweiten Mal in den RAM geladen, was unnötig Ressourcen verschwendet und auf älteren Systemen mit kleinem RAM-Ausbau (unter 64MB) entsprechende Probleme verursacht. In dieser Hinsicht gefällt mir die Lösung von ChessBase mit dem "Locken" (=Verriegeln) einer Engine deutlich besser.
 
Genius 6.5 unterstützt jetzt die im Lieferumfang enthaltenen Endspieldatenbanken von Ken Thompson und zeigt die Statistiken in seinem Buchfenster an. Falls Sie Enginematches unter dem Genius-Interface oder Matches via Autoplayer starten, achten Sie bitte darauf, dass der Zugriff auf die Endspieldatenbanken in den Grundeinstellungen abgeschaltet wird. Falls nicht, fordert das Programm bei einer entsprechenden Position die CD an, was den Ablauf dieser Matches unterbricht. Man kann diese Unterbrechung dadurch umgehen, indem man die Endspieldatenbanken auf die Festplatte kopiert und von dort aus betreibt. Dafür sind dann allerdings 1,7 GB Festplattenspeicher zu veranschlagen. Ansonsten gibt es noch einige kleinere Detailverbesserungen. Hinweise des integrierten Schachtrainers erfolgen z.B. genau wie die Zugvorschläge auch dann, wenn sich das Programm noch im Eröffnungsbuch befindet.
 
 
Sprechendes Genie
Genau wie Shredder kann Genius 6.5 optional Sprachkommentare ausgeben. Man kann die Ausgabe in drei Schritten steuern: das Programm gibt sowohl die Züge des Anwenders als auch die eigenen Spielzüge über die Soundkarte aus. Meiner Ansicht nach macht die Ansage der Computerzüge insbesondere bei dem nach wie vor unterstützten PC-Schachbrett Smartboard Sinn. Bei Aktivierung der Option Sprachkommentare kommentiert das Programm - genau wie Shredder - das aktuelle Spielgeschehen auf dem Brett; die Kommentare sind mit denen von Shredder identisch und stammen von Anatoly Karpov und Millennium-Geschäftsführer Ossi Weiner. Mir scheint diese Option eher für Anfänger interessant zu sein. Sie sollten immer berücksichtigen, dass diese Funktion einiges an Rechenzeit kostet und das Schachprogramm in der Programmausführung ausbremst. Bei Analysen oder ernsthaften Partien empfiehlt es sich, die Kommentierung einfach abzuschalten.
 
 
Neue 16Bit-Engine
Beim Erscheinen des Genius 6.0 im letzten Jahr gab es einige Aufregung darüber, als sich herausstellte, dass die Engine des Chess Genius nach wie vor ein 16Bit-Kompilat war. Insbesondere Ossi Weiner, der meiner Ansicht nach am wenigsten dafür konnte, musste einige Kritik dafür einstecken.
 
Die Aufregung war einerseits verständlich, andererseits stellt sich mir nach wie vor die Frage, wieso viele User so fest daran glauben, dass eine 32Bit-Engine zwangsläufig auch deutlich spielstärker sein soll? Orientiert man sich einfach einmal nüchtern an den gängigen Wertungslisten für Schachprogramme, so halten die immer noch zahlreich vertretenen 16Bitter noch sehr gut mit dem "modernen" 32Bittern mit. Auch der direkte Vergleich von neuen Versionen mit ihren 16Bit-Vorgängern lässt nicht zwangsläufig den Schluss zu, dass 32Bit automatisch mit deutlich höherer Spielstärke gleichzusetzen ist.
 
Wie dem auch sei: im Vorfeld wurde noch heftig darüber diskutiert, ob eine 32Bit-Experimentalversion des Programms im Lieferumfang dabei sein würde. Offensichtlich wollte Richard Lang diese Engine nicht mit ausliefern, dafür gibt es aber eine neue 16Bit-Engine im Lieferumfang, die sich nach unseren Resultaten und den Angaben anderer Tester teilweise deutlich im Spielverhalten von den Vorgängern unterscheidet und in taktisch geprägten Stellungen etwas besser abschneidet.
 
Andererseits findet man auch etliche Positionen, in denen die Vorgänger-Version besser abschneidet. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass schon mimimale Änderungen an einer Engine oft weitreichende Konsequenzen haben, die nur nach gründlicher Prüfung beurteilt werden können. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch keine klare Aussage zu der neuen Engine abgeben. Erste Resultate von anderen Testern, z.B. der Fachzeitschrift ChessBits, klingen aber durchaus vielversprechend.
 
Meiner Ansicht nach ist die Diskussion sowieso überflüssig, denn im Lieferumfang des WM-Paketes gibt es eine reinrassige 32Bit-Engine mit dem Prädikat des amtierenden Computerschachweltmeisters: Shredder 4.0. Das Programm von Stefan Meyer-Kahlen steht in einer für das Interface des Genius 6.5 kompilierten Version zur Verfügung und sollte auch die kritischsten Spielstärkefanatiker zufriedenstellen können.
 
Die Installationsroutine des Genius 6.5 installiert übrigens neben älteren Genius-Versionen noch zwei weitere Programme, die ebenfalls mit dem Prädikat 32Bit aufwarten können, nämlich Nimzo 2000 von Chrilly Donninger und Crafty von Robert Hyatt, das ohne Zweifel zu den stärksten Freeware-Programmen gehört. Zum Lieferumfang des WM-Paketes gehört auch noch der Winboard-Konverter von Stefan Meyer-Kahlen, mit dessen Hilfe man eine Vielzahl von Winboard Programmen unter dem Multi-Engine-Interface des Genius laufen lassen kann.
 
 
Fazit
Die Neuerungen bei Chess Genius sind zwar bei weitem nicht so spektakulär wie bei Shredder, was aber in Anbetracht des mit Features und Funktionen üppig versehenen PC-Klassikers nicht weiter verwundert. Mir gefällt das übersichtliche, komfortabel zu bedienende Interface des Genis 6.5 ausserordentlich gut und die Kombination Datenbank/Positionsbaum stellt für jeden Turnierspieler eine willkommene Bereicherung für das Schachtraining dar.
 
Peter Schreiner
 
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