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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Gandalf 4.32f
besprochen von Peter Schreiner - November 2000 - Teil 1
 
Die Firma Gambitsoft aus Rottweil zeichnet sich seit vielen Jahren durch einen besonders kundenfreundlichen Service aus. Mit der CD-Rom Gandalf 4.32f - first edition bietet Gambitsoft eine Winboard-Engine an, die nach diversen Verlautbarungen im Internet und laut Anleitung zu den "weltweit stärksten Schachprogrammen" gehören soll.
 
Das macht den an Computerschach interessierten Schachspieler in Anbetracht der starken Konkurrenz natürlich neugierig, zumal das Programm von bestimmten Kreisen in den gängigen Internetforen geradezu als eine Offenbarung hochgejubelt wurde. Wer sich allerdings länger mit Computerschach beschäftigt, dem ist durchaus das Phänomen vertraut, dass manche Fans gegenüber dem Objekt ihrer Testarbeit die notwendige Distanz verlieren und vorgenommene Bewertungen oft auf Wunschdenken anstatt auf Fakten basieren. Im folgenden geht es vor allem darum, präziser auf das schachliche Leistungsvermögen des dänischen Programms einzugehen und eine klarere Vorstellung davon zu vermitteln, wo konkret die Stärken und Schwächen des Produktes liegen.
 
 
Die Autoren
Das Gandalf-Team besteht aus zwei "Machern". Für die Entwicklung der schachlichen Algorithmen ist der Däne Steen Suurballe zuständig, der in Szene durch viele mehr oder weniger erfolgreiche Turnierteilnahmen bekannt ist. Gandalf spielte z.B. bei den WM's in München 1993, Paris 1997 oder bei den mittlerweile legendären Aegon-Turnieren mit. Die Testarbeit und das Eröffnungsbuch des Programms wird von dem aus der Nähe von Kopenhagen stammenden Dan Wulff durchgeführt. Beide Autoren sind mir von diversen Turnierteilnahmen her gut bekannt. Insbesondere Buchautor Dan Wulff beeindruckte mich in meinem Hotelzimmer in Paderborn 1995 immer wieder mit seinen detaillierten Kenntnissen über die Schwachstellen in den Bibliotheken anderer Programme.
 
Gandalf ist also keineswegs ein brandneues, völlig unbekanntes Schachprogramm und wurde bereits vor einiger Zeit von Gambitsoft in einer DOS-Version kommerziell vertrieben. Selbst Puristen sind heutzutage in Anbetracht der reichlich vorhandenen Alternativen kaum noch dazu bereit, sich mit einem DOS-Programm intensiver zu beschäftigen, das eventuell noch eine spezielle Bootkonfiguration benötigt. Andererseits ist Steen Suurballe kein hauptberuflicher Schachprogrammierer und verfügt nicht über die Ressourcen, neben der Entwicklungsarbeit an den Schachalgorithmen noch eine Windows-Oberfläche zu entwickeln, die den mittlerweile gehobenen Ansprüchen des Anwenders entspricht.
 
Aus dieser Faktenlage heraus entschied sich Steen Suurballe für eine pragmatische Lösung und passte sein Programm an das Winboard an. Gandalf ist also eine Winboard-Engine, die nicht nur unter diesem Interface, sondern auch unter fast allen bekannten kommerziellen Schachprogrammen mehr oder weniger gut eingebunden werden kann. Eine auf den ersten Blick sehr clevere Lösung, denn der Interessent kann Gandalf unter den im Vergleich zum Winboard deutlich komfortableren Benutzeroberflächen von Fritz, ChessGenius, ChessAssistant, ChessAcademy, usw. mehr oder weniger problemlos einsetzen. Bevor wir uns die Einbindung unter den unterschiedlichen Oberflächen beschäftigen, zuerst noch einige Worte zum Lieferumfang und der Dokumentation auf der CD.
 
 
Lieferumfang
Bei Durchsicht der Inhalte merkt man auf Anhieb, dass der Hersteller mit der Zusammenstellung verschiedener Komponenten keine Mühen gescheut hat, ein attraktives Angebot zusammenzustellen:
  1. Im Verzeichnis Gandalf3 befindet sich die Vorgänger-Version des aktuellen Programms, also die DOS-Version, die aber aufgrund der bescheidenen Grafik und dem mangelnden Windowskomfort nur bei Anhängern von DOS zum Einsatz kommen dürfte.
  2. Interessanter dürfte das Verzeichnis Gandalf sein, schließlich befindet sich hier die wichtigste Komponente der CD-Rom, die Winboard-Engine Gandalf_432f.exe inklusive dem neuen Eröffnungsbuch von Dan Wulff mit einem Umfang von 8,5 MB.
  3. Den unwahrscheinlichen Fall vorausgesetzt, dass ein potentieller Käufer dieser CD keine der bekannten kommerziellen Oberflächen in seinem Besitz hat, kann er auf die Dienste des "Originals" zurückgreifen. Das Freeware-Interface Winboard von Dr. Tim Mann ist auf der CD-Rom im Unterverzeichnis Winboard enthalten und kann direkt von der CD aus installiert werden.
  4. Im Verzeichnis Nalimov findet man sämtliche Viersteiner Endspieldatenbanken von Eugene Nalimov + einige ausgewählte Fünfsteiner.
  5. Das Verzeichnis Compbase enthält eine Partiendatenbank mit 4756 Partien aus allen wichtigen Computerschachturnieren seit 1990. Die Daten liegen sowohl im CBH- als auch im universellen PGN-Format vor.
  6. Im Verzeichnis Setup befinden sich zwei Unterverzeichnisse mit Installationsroutinen zum automatischen Einbinden der Gandalf-Engine sowohl unter dem Interface von ChessBase als auch der von Winboard.
Offensichtlich war es dem Autoren durchaus bewusst, dass die Einbindung einer WB-Engine speziell für einen unerfahrenen Anwender aus verschiedenen Gründen nicht so trivial sein dürfte, wie das immer wieder behauptet wird. Zu diesem Thema später noch mehr. Zum guten Schluss befindet sich auf der CD noch eine Anleitung im HTML-Format, wo der Versuch unternommen wird, die Einbindung der Gandalf-Engine auch für einen Laien nachvollziehbar und verständlich zu erklären.
 
Im Großen und Ganzen ist der Versuch durchaus gelungen, wenn der Anwender zumindest über fortgeschrittene PC-Kenntnisse verfügt. So müssen die diversen Konfigurationsdateien manuell vom Anwender mit einem Texteditor nachbearbeitet und an die individuelle Konfiguration angepasst werden, was insbesondere für unerfahrene Anwender eine Hürde darstellen kann. Im Handbuch steht z.B.:
»Häufig ist aus verschiedensten Quellen zu entnehmen, dass "Winboard Engines" kompliziert in andere Systeme zu integrieren sind. Diese Information kam leider dadurch zu Stande, dass nunmehr über 60 Programme im Internet frei zur Verfügung stehen und sich die Konfigurationen dieser Programme voneinander unterscheiden.«
 
Wir scheuen uns keineswegs, die Dinge deutlich beim Namen zu nennen. Zu einer der "verschiedenen Quellen" gehört auch das Redaktionsteam der Rochade Europa. Das Problem bei der Einbindung der WB-Engines rührt vor allem daher, dass vom Anwender Kenntnisse sowohl vom technischen Verständnis als auch bei der Konfiguration verlangt werden, die aus unserer Erfahrung den "Normalanwender", der in erster Linie lieber schachspielen als editieren will, oftmals überfordern.
 
Ein Beispiel, dass dies auch versierten Könnern passieren kann, war von der Mikro-WM in London zu vernehmen. Der Münchener Rudolf Huber, Autor des Schachprogramms SOS, spielte mit seinem Programm bei diesem Turnier unter der Oberfläche von Fritz 6 und konnte dabei mit 5.5 Punkten den Titel des Amateurweltmeisters erringen. Während des Turnierverlaufs stellte sich heraus, dass SOS ohne Anbindung an die TableBases spielte, weil der Programmierer nicht wusste, dass man den Pfad zu den Endspieldatenbanken manuell in der Konfigurationsdatei CHSSBASE.INI setzen muss!
 
Wir halten es daher für absolut angebracht, unsere Leser auf diese "Hürde" hinzuweisen, um eventuelle Enttäuschungen zu vermeiden. Man kann es einfach auf den Punkt bringen: wer die Bereitschaft mitbringt, sich in die manuelle Konfiguration des Programms einzuarbeiten, wird mit dem Programm vernünftig arbeiten können. Ein Anwender, der mehr Wert auf Komfort bei der Einbindung seines Schachprogramms Wert legt, sollte sich lieber für eine der zahlreichen Alternativen entscheiden.
 
 
Konfiguration von Gandalf
Der Vorzug einer Winboard-Engine besteht vor allem darin, dass der Anwender selbst entscheiden kann, unter welcher der zahlreichen Benutzeroberflächen er mit dem Programm spielen und analysieren will. Wer viel mit Fritz arbeitet, kann das Programm unter der vertrauten Benutzergrafik genauso einsetzen wie unter Chess Assistant, ChessGenius, ChessAcademy usw. oder eben unter dem "Original", dem Winboard. Die Stärke einer WB-Engine liegt also in der Flexibilität, bzw. den universellen Einsatzmöglichkeiten. Ich selbst habe mit der Konfiguration von Gandalf unter Winboard, Fritz 6, ChessGenius und der ChessAcademy experimentiert.
 
Bevor wir auf die Einbindung unter diesen Oberflächen eingehen, handeln wir zuerst einmal die Grundkonfiguration des eigentlichen Schachprogramms ab. Die dafür erforderlichen Parameter befinden sich in der Datei GANDALF4.RES, die mit einem Texteditor benutzerdefiniert angepasst werden kann. Beispiel:
LEARNING 1
DRAW 6 50
CONTEMPT 0
RESIGN 7 6
TB c:\winboard\gandalf\tb
BOOKPATH c:\winboard\gandalf
HASH 32
TBCACHE 8
 
Hier kann man z.B. die Lernfunktion (Learning) ein- oder ausschalten, Pfadangaben zum Eröffnungsbuch und den TableBases einstellen, Haschtabellengrößen anpassen usw. Wenn unter Learning der voreingestellte Wert von 1 auf 0 geändert wird, ist die Lernfunktion des Programms abgeschaltet. Die einzelnen Parameter sind in der Anleitung exakt beschrieben. Diese Einstellungen für das Programm müssen auf jeden Fall vorgenommen werden, egal, unter welchem Interface man Gandalf einsetzt.
 
 
Einsatz unter dem Winboard
Gandalf 4.32f ist ein Winboard-Programm und läuft unter dem "Original" absolut zufriedenstellend. Die Einbindung von Winboard Programmen in der Konfigurationsdatei Winboard.ini des Winboards haben wir bereits ausführlich beschrieben. Auch in der Anleitung wird auf das Thema dezidiert noch einmal eingegangen. Falls die Vorgabe der Anleitung für die Installation des Winboards unter dem Pfad C:\Winboard übernommen wird, kann man direkt eine vordefinierte Konfiguration aus dem Verzeichnis _examples\winboard übernehmen und loslegen.
 
Für Einsteiger, die direkt spielen wollen, mit Sicherheit die einfachste Lösung. Gandalf 4.32f läuft unter dem Winboard einwandfrei und ich konnte im Betrieb keinerlei Aussetzer feststellen. Nach einigen Partien wird man aber mit Sicherheit auf die Option zurückgreifen wollen, das Programm unter einer komfortableren, intuitiver zu bedienenden Umgebung mit guter Datenbankschnittstelle usw. einsetzen zu wollen. Wenden wir uns daher der Anbindung unter den bekannten kommerziellen Oberflächen zu.
 
 
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