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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 7 - das kommunikative Schachprogramm!
besprochen von Peter Schreiner - November 2001 - Teil 2
 
 
Die Räume
Wichtig zum Verständnis des Fritz7-Schachservers sind die unterschiedlichen virtuellen Räume, die in einer explorerähnlichen Ansicht im Fenster Räume dargestellt werden. Hinter jedem Eintrag findet man in einer eckigen Klammer einen Zahlenwert. Der Wert zeigt Ihnen an, wie viele Teilnehmer sich gerade in einem Raum aufhalten.
 
Wenn ein Raum "betreten" (angeklickt) wird, erscheint zuerst einmal eine kurze Beschreibung der Aktivitäten in diesem Raum. Als Default ist der Hauptspielsaal eingestellt, d.h. beim Einloggen auf den Server gelangt man automatisch in den Spielsaal, wo sich erfahrungsgemäss die meisten Teilnehmer tummeln. Am oberen Rand klickt man auf den Eintrag Spieler, um eine Liste mit allen Anwesenden zu erhalten.
 
Spätestens an diesem Punkt werden Sie selbst mit dem frisch gewählten, eigenen Spielernamen in der Liste aufgeführt. Man kann die Liste übrigens mit einem simplen Mausklick nach Name, Elozahl, Nation, Entfernung usw. sortieren. Wenn man einen Spieler anklickt und "Persönliche Informationen" (Rechtsklick) abruft, bekommt man die von ihm frei gegebenen Informationen wie das Porträt usw. angezeigt. Sie werden mit Sicherheit häufig zu einer Partie herausgefordert, sobald Sie in der Liste aufgeführt sind.
 
 
Online Spielen
Im Fenster Herausforderungen wird eine eingehende Herausforderung mit einem kleinen roten, nach unten zeigenden Pfeil gekennzeichnet. Eine Herausforderung, die sich an alle anwesenden Spieler richtet, wird mit einem kleinen schwarzen Pfeil gekennzeichnet. Auch in diesem Fenster gibt es in den Spalteneinträgen Informationen über den Gegner, die Spielkonditionen, Elozahl und die Bedenkzeiten. Sie haben die Möglichkeit, die Herausforderung anzunehmen, abzulehnen oder die Konditionen zu ändern.
 
Wenn Sie einmal verschnaufen möchten, klicken Sie einfach die Option Pause an. In der Spielerliste wird jetzt unter Status gekennzeichnet, dass Sie eine Pause machen wollen und keine Herausforderungen wünschen. Die Konditionen für eine Partie sind in einem Dialog festgelegt. Wertungspartien werden grundsätzlich für die Berechnung einer Elozahl herangezogen. Interessant ist neben den Bedenkzeiten die Option Eröffnungszüge senden. Man kann eine beliebige Zugfolge oder Partie an den Gegner senden. Sie können diese Züge entweder manuell eingeben oder aus einer Datenbank laden.
 
Wird eine Herausforderung angenommen, erscheint ein normales Fritz-Schachbrett, auf dem man wie gewohnt seine Züge eingeben kann. Faszinierend dabei ist für mich, dass die Zugübertragung ohne jegliche Verzögerungen vonstatten geht. Egal ob der Gegner in Deutschland, in den USA, Australien oder wo auch immer sitzt. Der Trick: die Daten, sprich Informationen über Züge, Bedenkzeiten usw. werden nicht über den Server von ChessBase transferiert. Die Client-Software stellt eine Direktverbindung zwischen den beiden Spielern her, d.h. die IP-Adressen werden ausgetauscht und die beiden Spielpartner können verzögerungsfrei agieren.
 
Diese technisch elegante Lösung stellt ein gewaltiges Plus gegenüber anderen Schachservern dar. Unter Fritz 7 ist es natürlich möglich, bei laufenden Partien zu kiebitzen und diese live mitzuverfolgen. Fritz 7 übermittelt also die Partieinformationen auch an den Server, aber nur dann, wenn die Ressourcen dies zulassen. Vorrang hat eindeutig eine flüssige Verbindung zwischen den Spielpartnern.
 
Ein weiteres Beispiel für das sehr praxisorientierte Konzept des Schachservers ist z.B. die Option, bestimmte Teilnehmer als Freund zu kennzeichnen. Es ist wie im richtigen Leben: manche Leute mag man, andere nicht. Sie können einen bestimmten Spieler mit dem Attribut Freund kennzeichnen oder ihn konsequent ignorieren. Falls ein "Freund" eintritt, werden Sie mit einem akustischen Signal und einer Meldung darauf hingewiesen. Ein Spieler, den Sie ignorieren möchten, kann Ihnen keine Mitteilungstexte im Chatfenster und keine Herausforderung zuschicken.
 
Die etwas nüchterne Beschreibung dieser elementaren Funktionen möchte ich an einem praktischen Beispiel erläutern, das sehr anschaulich zeigt, wie interessant das Spielen auf dem Server sein kann. Anfang Oktober tummelte ich mich wieder einmal auf dem Server und bekam die Herausforderung zu einer 3 Minuten-Blitzpartie von einem Teilnehmer mit dem Handle Doccy. Groß war die Überraschung, als ich die persönlichen Informationen meines Herausforderers abfragte. Es war kein Geringerer als der bekannte englische Großmeister Dr. John Nunn. Nachdem ich in der ersten Partie den Fehler machte, gegen Dr. Nunn dreist Sizilianisch zu spielen (er setzte mich im 23.Zug matt) konnte ich in der Revanchepartie etwas länger durchhalten:
 
Doccy - Amateur Wertungspartie, 3m + 0s (03.10.2001)
1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 cxd4 8.Sxd4 Sxd4 9.Lxd4 Lc5 10.Dd2 Lxd4 11.Dxd4 Db6 12.Dxb6 Sxb6 13.Sb5 Kd8 14.0-0-0 Ld7 15.Sd4 a6 16.Ld3 Tc8 17.b3 Ke7 18.Thf1 g6 19.g4 h5 20.f5 gxf5 21.gxf5 Thg8 22.fxe6 fxe6 23.Tf6 Tcf8 24.Txf8 Txf8 25.Tg1 Le8 26.Tg7+ Tf7 27.Txf7+ Lxf7 28.Kd2 Sd7 29.Sf3 Sc5 30.Ke3 Sxd3 31.cxd3 b6 32.Kf4 Lg6 33.d4 Kf7 34.a3 Kg7 35.Kg5 Lc2 36.b4 Lg6 37.Sh4 Lf7 38.Sg2 1-0
 
Auf Schach.de sind solche Überraschungen möglich und man hat die Chance, auch einmal gegen einen Großmeister spielen zu dürfen.
 
 
Kiebitzen
Wer kennt ihn nicht? Den lästigen Kiebitz, der sich im Schachklub in die laufende Partie einmischt und ungefragt seinen Senf zur laufenden Partie abgibt. Auch auf dem Schachserver kann man kiebitzen, also eine laufende Partie live mitverfolgen. Besonders wenn Großmeister spielen, ist man als schachlicher Normalverbraucher häufig überfordert. Um eine Partie mitzuverfolgen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder man aktiviert über den Reiter Partien die Liste mit den laufenden Spielen oder man geht über Zuschauen an das Brett.
 
Wie im Spielmodus werden die Züge ebenfalls verzögerungsfrei auf dem Brett ausgeführt. Im Unterschied zu den beiden aktiven Spielern kann man eine oder mehrere Schachengines im Analysemodus hinzuschalten und hat immer die laufenden Bewertungen eines Schachprogramms zur aktuellen Brettstellung im Blick. An dieser Stelle möchte ich noch einmal dezidiert darauf hinweisen, dass den Spielern keine Möglichkeit zur Verfügung steht, eine Schachengine um einen dezenten "Tipp" zu bitten. Auf das Thema Schummeln und Spielen mit Computerunterstützung gehen wir noch ausführlich ein.
 
Die üblichen Fritzfunktionen wie Multivariantenmodus, Analyse beschneiden stehen uneingeschränkt zur Verfügung. Will man durch die Notation navigieren, um einige Stellungen zu analysieren, muss man mit STRG-U die automatische Übertragung ausklinken. Jetzt kann man durch die Notation scrollen und mit Hilfe der Engine und des speziellen Analysebrettes nach Herzenslust analysieren. Wenn man erneut STRG-U drückt, landet man wieder in der Partie.
 
Effizienter ist es meiner Meinung nach, wenn man die Partie einfach abspeichert und nachträglich analysiert. Die Spieler bekommen übrigens im Fenster Zuschauen sehr genau mit, wer bei der Partie kiebitzt, bzw. zuschaut. Das Chatfenster ist hier nur für die Kiebitze gedacht, damit die Spieler nicht durch Kommentare oder unerwünschte Einmischung gestört werden.
 
 
Kommunizieren
Chatten ist eine der beliebtesten Anwendungen im Internet. Was bedeutet Chatten? Nichts anderes als eine spontane Unterhaltung im Netz, dabei findet die Unterhaltung über getippte Mitteilungstexte statt. Man klickt einfach einen Besucher an, um ihn direkt und privat anzusprechen. Der Name des Adressaten erscheint über der Eingabezeile des Chatfensters. Nachdem der Adressat ausgewählt wurde, geben Sie in der Eingabezeile den Text ein und schicken ihn mit Enter ab.
 
Natürlich kann man beim Chat auch mehrere Teilnehmer oder alle ansprechen. Um auf eingehende Anfragen zu antworten, genügt es, einfach den angekommen Text anzuklicken, da der Sender direkt als Adressat übernommen wird. Sehr praktisch. Während der laufenden Partie kann man mit dem Gegner chatten, was aber bei Blitzpartien einige Übung mit der Tastatur erfordert. Wenn Sie eine besonders anregende oder interessante Unterhaltung geführt haben, können Sie den kompletten Text über die Zwischenablage in einen Editor oder in eine Textverarbeitung übernehmen und zur späteren Einsicht abspeichern.
 
 
Feinheiten
Wenn man die Spielerliste etwas genauer unter die Lupe nimmt, sieht man links vom Spielernamen kleine Symbole. Diese Symbole kennzeichnen den Rang, also den Status eines Teilnehmers auf dem Server. Nach einer Woche Mitgliedschaft erhält man den Rang Springer. Um den nächst höheren Rang Läufer zu bekommen, ist ein Monat Mitgliedschaft und eine Mindestelozahl von 1600 erforderlich. FIDE-Großmeister erhalten von ChessBase auf Anfrage direkt den Rang König zugewiesen. Ein großer Anreiz für viele Spieler ist die Möglichkeit, sich in Wertungspartien eine Elozahl zu erspielen. Momentan gibt es Wertungszahlen für drei unterschiedliche Modi:
  1. Bullet - das sind Partien mit einer Bedenkzeit von weniger als 3 Minuten pro Partie.
  2. Blitz - gilt für Partien mit weniger als 15 Minuten pro Partie.
  3. Lang - alle Bedenkzeiten mit mehr als 15 Minuten pro Partie.
Natürlich möchte man im Laufe der Zeit einfach auch wissen, welche Teilnehmer denn zur Zeit in diesen Disziplinen besonders erfolgreich gespielt haben. Kein Problem. Unter dem Menüpunkt Top Rating List kann man sich eine Liste inkl. Wertung der besten 100 Teilnehmer anzeigen lassen. Kurz vor Redaktionsschluss sorgte der deutsche GM Roland Schmaltz unter seinem Handle Hawkeye für Furore. In Partien mit 1 Minute pro Partie kam Hawkeye in 32 Partien auf 100% und eine Wertungszahl von 3740 Elopunkten! Das sind stramme 1200 Punkte mehr als der Zweitplazierte! Beim "lahmen" 3-5 Minutenblitz fiel Roland Schmaltz dann deutlich ab und kam auf für seine Verhältnisse nur noch "bescheidene" 2800 Elopunkte ...
 
Noch ein Wort zum Wertungssystem. Das System arbeitet mit dem Ratingsystem von Ken Thompson, das eine lineare Gewichtung der Ergebnisse nach Alter vorsieht. Dies bedeutet, dass aktuellere Ergebnisse stärker als beim klassischen Elosystem berücksichtigt werden. Gleichzeitig wurde ein Schwellwert von 300 Punkten implementiert. Wenn z.B. jemand mit Elo 1300 gegen einen Spieler mit 2600 Elo verliert, wird das wie ein Verlust gegen einen Spieler mit Elo 1600 gewertet.
 
 
Die Weltkugel
Ein technischer Leckerbissen ist die Anzeige aller Teilnehmer auf einer Weltkugel. Die Kugel kann beliebig gezoomt werden, zusätzlich kann man die Ansicht mit der Maus drehen und einstellen. Rote Punkte auf dem Planeten markieren den Standort des jeweiligen Teilnehmers, die zur Zeit gerade auf dem Server aktiv sind!
 
Fährt man mit dem Mauszeiger über einen Punkt, wird der Name des Teilnehmers eingeblendet. Man sieht also neben den bereits beschriebenen Nutzerinformationen auf einen Blick, wo sich die anderen Teilnehmer befinden. Wenn Sie sich nur für einen bestimmten Teilnehmer interessieren, hilft die Option Auf Karte finden. Umgehend wird der Standort des Teilnehmers auf der Kugel herangezoomt. Die Darstellung glänzt noch mit einigen weiteren Feinheiten. So ist es z.B. möglich, die aktuellen Tag- und Nachtzonen auf der Erdkugel anzuzeigen.
 
Wer ein Faible für Astronomie mitbringt, kann sich zusätzlich noch den passenden Standort von Sonne und Mond einblenden. Die Himmelskörper werden exakt dort gezeichnet, wo sie gerade im Zenith stehen. Es ist einfach faszinierend, wenn man sich bewusst macht, dass der Gegner momentan in Argentinien, Australien oder den USA sitzt und man trotzdem verzögerungsfrei gegen ihn spielen kann.
 
 
Spielmodi
Auf Schach.de gibt es drei verschiedene Spielmodi:
  1. Mensch
  2. Computer
  3. Zentaur
In den meisten Räumen sind nur Menschen erlaubt, das Spiel mit Computerhilfe gilt als Betrug. Damit Computerschachfreunde auf ihre Kosten kommen, gibt es extra einen Raum, in denen man eine Schachengine vollautomatisch spielen lassen kann. Eingriffe von menschlicher Seite sind nur zwischen den Partien möglich. Der Bediener kann Remis anbieten, aufgeben oder mit seinem Gegenüber den Abbruch der Partie vereinbaren. Fürs Computerschach gibt es eine eigene Wertungszahl.
 
Besonders interessant ist der Spielmodus Zentaur. Zentauren sind menschliche Spieler, die hier offen mit Computerunterstützung spielen. Sie dürfen nicht nur Computerzüge ausführen, sondern während der Partie mit dem Rechner analysieren. Zentauren sind nur in bestimmten Räumen zugelassen. Ein Zentaur entscheidet mit Hilfe des Eröffnungsbuches über die zu spielende Eröffnung, bestimmt die Bedenkzeiteinteilung des Programms, wechselt oder vergleicht die Engines oder macht gar selbständige Züge.
 
Die Kunst im Zentaurenschach ist, die Engine durch interaktive Analyse in die kritischen Varianten hineinzuführen, damit kann man viel größere Suchtiefen erreichen als ein reines Computerprogramm. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um Advanced Schach, man kann hier einmal selber damit experimentieren, wie sich mit Hilfe des Computers eine Partie entwickelt.
 
 
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