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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 6 - in neuem Gewand ...
besprochen von Peter Schreiner - November 1999 - Teil 3
 
 
Engine-Funktionen
Fritz ist seit der Version 4 als Multi-Engine-System ausgerichtet; man kann also mehrere Engines unter einer einheitlichen Oberfläche benutzen. Seit fast einem Jahr gibt es - wie beim Millennium Chess System - die Möglichkeit, neben den kommerziell vertriebenen Engines mit Hilfe des Winboard-Adapters die zahlreichen frei verfügbaren Winboard-Engines unter Fritz einzubinden. Bereits beim Vorgänger gab es für den Anwender eine Unzahl von Features, die speziell für das Austesten und Experimentieren unterschiedlicher Programme ausgelegt waren.
 
Unter Engineforschung konnte man gegen Fritz komplette Turniere mit unterschiedlichen Engines und sogar mit Beteiligung eines menschlichen Spielers (gut, dass man daran noch gedacht hatte ...) durchführen. Unter Fritz 6 hat man neue Turnierformen hinzugefügt und vor allem die Anzeigefunktionen zu den einzelnen Engines beträchtlich erweitert.
 
Unter Fritz 6 kann man jetzt zusätzlich Turniere im K.O.-Modus und nach Schweizer System - auch hier unter Beteiligung eines menschlichen Spielers - organisieren. Das Prinzip ist wohlbekannt: über den Wert von K.O.-Turnieren wird in der Schachwelt seit der letzten Weltmeisterschaft in Las Vegas heftig diskutiert und das Schweizer System dürfte mit all seinen Feinheiten auf das Beste vertraut sein.
 
Im Prinzip fungiert Fritz 6 als eine Art von Betriebssystem für Engines, die unter dem System laufen. Dies bedeutet, dass sowohl die Resultate, Ergebnisse, Anzeigen als auch die Verteilung der Ressourcen von dem System gesteuert werden. Wie gehabt, kann man diese Turniere jederzeit abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder fortsetzen, der Rechner muss also nicht über einen längeren Zeitraum blockiert werden. Die Resultate werden in einer Art Fortschrittstabelle übersichtlich präsentiert und man kann die Daten über die Zwischenablage exportieren und weiterverarbeiten.
 
Man kann nun zu dem Wert der Enginefunktionen stehen, wie man will. Zumindest ist es auch bei der neueste Version so, dass der Anwender keineswegs zum passiven Statisten degradiert wird, dessen Aufgabe nur im Einschalten der Maschine und dem Auswerten der Statistiken besteht. Mitmachen heißt die Devise! Gerade die Möglichkeit, bei diesen Turnieren mitzuspielen, sehe ich als großen Anreiz an, die eigenen schachlichen Aktivitäten auch zu Hause auszuweiten ...
 
Wie bereits erwähnt, wurden die Anzeigen in den Engine-Engine Matches beträchtlich erweitert. Im Unterschied zum Vorgänger werden die Aktivitäten aller aktiven Engines mit der Darstellung der relevanten Suchinformationen parallel auf dem Monitor angezeigt. Während eines Matches ist die jeweils aktive Engine an dem grünen Ampelsymbol erkennen. Man kann sogar während eines solches Enginematches das Permanent Brain (Programm rechnet während der Bedenkzeit des Gegners) aktivieren. Ich habe dies auf meinem Single-Prozessor-System unter Win98 einmal ausprobiert und es scheint in der Tat zu funktionieren, zumindest wenn man den Anzeigen der Informationsfenster Glauben schenkt, wo man bei Aktivierung dieser Funktion hektische Betriebsamkeit erkennen kann.
 
 
Erweiterte Datenbankfunktionalität
Aus meiner subjektiven Sicht war und ist das Datenbankmodul von Fritz neben dem Positionsbaum ein ganz besonderes Highlight. Es würde an dieser Stelle einfach zu weit führen, sämtliche seit Jahren bekannten Ausstattungsmerkmale zum wiederholten Male aufzuführen. Auch der neue Fritz 6 profitiert natürlich in nicht unerheblichem Ausmaß von dem gewonnenen KnowHow bei der Entwicklung des hauseigenen Datenbanksystems.
 
Die Datenbank ruft man am einfachsten via Mausklick auf den entsprechenden Button neben den Menüs auf. Das Datenbankmodul ist jetzt quasi ein eigenständiges Programm und bleibt auch bei einem Wechsel zum Spielbrett aktiv und wird in der Windows Taskleiste angezeigt. Via Button kann man zwischen Brett- und Datenbankfenster wechseln. Das Datenbankfenster kann man übrigens so verkleinern, dass es zusätzlich auf dem Screen eingeblendet wird.
 
Das Datenbankfenster präsentiert sich ebenfalls in neuer Optik und kann vor allem neben den bereits zahlreichen bekannten Funktionen mit einer besonders nützlichen Neuerung aufwarten: Fritz 6 erzeugt automatisch Schlüsselklassifikationen nach Eröffnungen, Themen, Taktik, Strategie und Endspielen. Damit gibt es weitere nützliche Kriterien, um aus großen Datenbanken schnell gewünschte Partien herauszufiltern.
 
Beispiel: nehmen wir an, Sie suchen alle Partien, in denen Weiß lang rochierte und der schwarze König im Verlauf der Partie im Zentrum stand. Oder Sie interessieren sich für bestimmte Endspiele, wie z.B. T+B gegen T. Solche Abfragen sind zwar prinzipiell auch mit der Suchmaske möglich, aber der Zugriff über eine entsprechende Klassifikation ist natürlich bedeutend komfortabler.
 
Vom großen Bruder ChessBase 7.0 hat das Programm die Fähigkeit geerbt, komprimierte CBV-Dateien oder Suchbeschleuniger anzulegen. Um es auf den Punkt zu bringen: in zahlreichen Reviews über die CB-Programme haben wir die Datenbankfunktionen in epischer Bandbreite beschrieben. Zusätzlich zu den schon beeindruckenden Ausstattungsmerkmalen ist als Highlight noch die automatische Schlüsselklassifikation hinzugekommen.
 
Das Datenbanksystem lässt also kaum noch Wünsche offen. Wenn das Datenbankmodul noch eine Editierfunktion für den Spieler- und Turnierindex bieten würde (wichtig beim Import von neuen Partiedaten), wäre das System meiner Ansicht komplett. Trotz dieser kleinen Einschränkung kann man als Fazit festhalten: das in Fritz 6 integrierte Datenbankmodul bietet fast alle relevanten Funktionen, die ein aktiver Schachspieler benötigt!
 
 
Neue Fritz-Engine
Frans MorschBei der Computerweltmeisterschaft in Paderborn war vom ChessBase-Team zu erfahren, dass der Autor der Fritz-Engine, Frans Morsch (siehe Bild) sein Programm konzeptionell überarbeite und ihm nun vor allem mehr Positionswissen eintrichtern wollte. Der erste Blick auf die Dateigröße der mir vorliegenden Engine offenbarte ein gewaltige Steigerung gegenüber dem Vorgänger: anstatt ca. 88 KB bei der Engine für Fritz 5.32 weist die neue Version den dreifachen Umfang auf! Sollte Frans Morsch tatsächlich die Struktur seines Programms so grundlegend geändert haben?
 
Bisher zeichnete sich durch das Schaffen des Holländers durchweg eine klare Grundlinie ab: ein möglichst kompaktes schnelles Schachprogramm, das in kurzer Zeit möglichst hohe Rechentiefen erreicht. Auf den ersten Blick könnte man anhand der Dateigröße den Eindruck gewinnen, dass Fritz jetzt geradezu mit Schachwissen vollgepfropft worden ist. Bereits nach einigen Testpartien fällt aber auf, dass die Engine kaum langsamer geworden ist (zumindest nach der Anzahl der bewerteten Stellungen pro Sekunde). Anhand von etlichen Teststellungen mit durchweg positioneller Prägung zeigt sich dann recht schnell, dass das Programm seine typischen Spieleigenschaften im Grossen und Ganzen bewahrt hat, in diversen Stellungen aber relativ moderate bis deutliche Abweichungen im Spielverhalten vorkommen.
 
Aufgrund meiner Ergebnisse kann man der neuen Engine durchweg etwas bessere Resultate in positionell geprägten Stellungen bescheinigen, während Vorgänger Fritz 5.32 sich in taktischen Gefilden etwas besser zu orientieren scheint. Es bleibt letztendlich sehr schwierig zu beurteilen, inwieweit sich die ohne Zweifel vorgenommenen Modifikationen auf eine Steigerung in der praktischen Spielstärke auswirken. Die Unterschiede sind nach meinen Beobachtungen und Resultaten nicht so gravierend, dass man der neuen Version ein völlig neues Spielverhalten attestieren könnte.
 
Bleibt noch die Frage zu klären, woher die deutlich Steigerung in der Dateigröße resultiert. Nach Angaben von ChessBase hat Frans Morsch die internen Datenstrukturen radikal umgestellt, um die Parallelisierung auf Thread-Basis zu erleichtern. Dies kann man einfach als prophylaktische Maßnahme für die in naher Zukunft mit Sicherheit an Bedeutung gewinnenden Multi-Prozessor-Systeme sehen. Genau nach demselben Verfahren arbeiten auch die Parallelversionen von Junior und Crafty.
 
Grundlegend neu strukturiert wurde die Verwaltung der HashTables und die damit zusammenhängende Suche des Programms; vor allem um künftigen Speichergrößen Rechnung zu tragen. Ein großer Teil des Programmcodes ist noch für die Anbindung an die TableBases zuständig, auf die Fritz 6 genau wie Hiarcs 6 und Nimzo 7.32 bereits in der Suche zugreift. Gerade die Anbindung an die TableBases (werden auf der CD mitgeliefert) dürfte das Endspielverhalten des Programms nachhaltig verbessern. Weitere Steigerungen verspricht man sich von den resistenten HashTables; die HashTabellen werden also nicht mehr gelöscht. Bereits die zahlreichen Engine-Engine Optionen sind ja ein reines Eldorado für den Computerschachfreak.
 
Die Einstelloptionen zu der Fritz 6-Engine selbst sind etwas spartanisch. Man kann zwar einige Parameter, z.B. die. Selektivität oder den Remisvermeidungsfaktor, ändern. Im Vergleich zu anderen CB-Programmen scheint es der Hersteller zu bevorzugen, wenn das Stammprogramm nach Möglichkeit weitgehend mit den vorgegebenen Grundeinstellungen an den Start geht. Zur Sicherheit weise ich noch einmal darauf hin, dass eine abschließende Bewertung noch nicht möglich ist.
 
Aufgrund der mir vorliegenden Beta würde ich der neuen Engine ein etwas besseres Verhalten im positionellen Bereich bescheinigen, während in taktisch geprägten Stellungen eher der Vorgänger etwas bessere Lösungszeiten bringt. In der Summe der Eigenschaften, z.B. TableBases, bessere Verwaltung der HashTabellen usw. bestehen aber Chancen, dass Fritz 6 vielleicht etwas stärker spielt als der ohnehin schon sehr starke Vorgänger.
 
 
Fazit
Höchste Priorität des vorliegenden, aktuellsten CB-Vertreters war ganz offensichtlich die Portierung des Programms mit allen bekannten Funktionen auf die neu konzipierte Oberfläche. Diese nicht triviale Aufgabe wurde hervorragend gelöst und ich kann bereits der mir vorliegenden Beta ein sehr stabiles Laufverhalten bescheinigen. Dies bedeutet aber nicht, dass man das Programm quasi nur kosmetisch aufgefrischt hat. Neben den unzähligen Detailverbesserungen bereits bekannter Funktionen kamen noch weitere nützliche Features dazu.
 
Wichtig erscheint mir die automatische Schlüsselklassifikation von Datenbanken, die parallele Anzeige mehrerer Engines bei der Analyse, Unterstützung des Windows-Clipboards usw. In der Beta fehlten noch einige Komponenten, die beim Finalprodukt mitgeliefert werden, z.B. ein neues Eröffnungsbuch von Alexander Kure, die Hauptdatenbank mit 320 000 Partien sowie die diversen Engines.
 
Subjektiv beeindruckt mich die Vielseitigkeit des Programms, das nicht nur den ambitionierten Spitzenspieler, sondern genauso die Anforderungen eines Anfängers oder Hobbyspielers berücksichtigt. In Kombination mit den zahlreichen Analyse- und Trainingsmöglichkeiten und der ausgezeichneter Funktionalität kann man dem Programm in der Summe seiner Eigenschaften ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis bescheinigen. Fritz 6 soll in der Vollversion DM 98.- kosten; für das Update sind DM 79.- fällig. Nach unserem Kenntnisstand setzt das Update eine existierende Version von Fritz 5.32 voraus. Nähere Informationen zu dem Produkt erhalten Sie entweder direkt bei ChessBase oder im qualifizierten Fachhandel.
 
Peter Schreiner
 
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