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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 6 - in neuem Gewand ...
besprochen von Peter Schreiner - November 1999 - Teil 2
 
 
Neues Interface
Schwerpunkt und Hauptvorgabe bei der Entwicklung der neuen Version war ganz offensichtlich die Neuentwicklung der Programmoberfläche mit der Portierung aller bekannten Programmfunktionen. Bereits nach dem ersten Start und einigen Experimenten wird deutlich erkennbar, dass man hier einen radikalen Einschnitt in das bisherige Konzept der Arbeitsoberfläche vorgenommen hat. Die Durchstrukturierung der Menüs mit den darin befindlichen Funktionen orientiert sich streng an den Standards. Die Menüs befinden sich jetzt nicht mehr am unteren, sondern am oberen Brettrand.
 
Die Strukturierung ist im Vergleich zu den Vorgängern am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig; nach einiger Zeit lernt man das System aber schätzen, da die Anordnung und Gruppierung der Funktionen jetzt viel logischer und intuitiver ist. Einige Tastenkombinationen, wie z.B. STRG-L für direktes Anspringen der Partienliste, funktionieren nicht mehr, bzw. wurden geändert. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die wichtigsten Funktionen, z.B. Datenbank- oder Engineeinstellungen, kann der User direkt über die neben den Pull-down-Menüs angebrachten Funktionsbuttons abrufen.
 
Das neue Layout ist ohne wenn und aber als durchweg gelungen zu bezeichnen. Dem Anwender jetzt stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, das Interface nach seinem Gusto und eigenen Vorgaben zu gestalten. Die einzelnen Fensterelemente kann man nicht nur in der Größe ändern oder verschieben, sondern auch in der Farbgebung anpassen.
 
Je nachdem, welche Fenster aktiviert wurden, kann es auf einem kleineren Monitor etwa eng werden. Auch daran wurde gedacht und eine besonders pfiffige Lösung implementiert. Wenn Sie ein Fenster, z.B. das Brettfenster, verschieben oder in der Größe verändern, passen sich die restlichen Fensterelemente automatisch an die vorgenommene Vorgabe an. Ansonsten empfiehlt es sich, innerhalb der Fenster für die Notation, Listenfenster usw. die Vorgaben für die Fontgrößen zu ändern, um noch mehr Information auf den Screen zu bringen.
 
Fritz 6 ist ein sehr vielseitiges Programm und in der Regel wird ein ambitionierter Anwender das Programm für mehrere schachliche Aufgaben einsetzen. Wenn Sie z.B. häufig mit dem Positionsbaum arbeiten, empfiehlt es sich die Anzeige des Positionsbaums möglichst großformatig einzustellen, während andere Elemente (Schachuhr), die in diesem Trainingsmodus vielleicht weniger wichtig sind, verkleinert oder gar abgeschaltet werden können. Man kann sich nun für jedes Anwendungsgebiet eine eigene Arbeitsumgebung einrichten, speichern und (besonders wichtig!) diese jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf wieder laden.
 
In diesem Zusammenhang möchte ich direkt auf eine elementare Verbesserung von Fritz 6 hinweisen. Während man mit den früheren Versionen beim Eröffnungstraining immer mit der Taste F11 zwischen der Anzeige des Eröffnungsbaums und der Arbeitsoberfläche hin- und herschalten musste, ist dies jetzt nicht mehr notwendig. Man wählt einfach die gewünschten Informationen aus, die auf dem Bildschirm angezeigt werden sollen, passt diese in Größe und Position an und speichert dann das Layout ab. Sehr gut!
 
 
Verschiedene Engines?
Ein weiterer, meiner Ansicht nach gewichtiger Kritikpunkt an den früheren Versionen war die fehlenden Möglichkeit, die Bewertungen zu einer aktuellen Stellung von mehreren Engines gleichzeitig anzeigen zu lassen. Diese Option ist jetzt - allerdings etwas versteckt - ebenfalls vorhanden. Beispiel: nehmen wir an, Sie möchten eine Partie eingeben oder nachspielen und dabei von mehreren Engines parallel eine Einschätzung zu der aktuellen Brettstellung erhalten. Rufen Sie im Menü FENSTER unter Kiebitze den Eintrag Kiebitz hinzuholen auf und wählen Sie die gewünschte Engine aus. Jetzt können Sie auf einen Blick die unterschiedliche Bewertung der Programme zu der jeweils aktuellen Stellung erhalten.
 
Im Prinzip unterliegt die Anzahl der parallel angezeigten Engines keiner Beschränkung. Ich konnte auf meinem System ohne Probleme acht Engines parallel analysieren lassen. Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass zu viele parallele Engines die Performance gewaltig drosseln. Trotzdem: ein sehr gelungenes Feature, das den Gebrauchswert der Software für die Analyse noch einmal deutlich erhöht. Extrem nützlich ist dabei die neue Funktion Verriegeln im Multi-Engine-Modus, die man via Rechtsklick auf ein Analysefenster der jeweiligen Engine aktiviert. Damit rechnet das Programm beharrlich an der vorgegebenen Stellung weiter, während der Anwender mit den anderen Engines eine Partie weiter analysieren kann.
 
Im Menü FENSTER gibt es einen neuen Eintrag, die Engine-Ausgabe. Dieses Fenster ist für künftige Engines vorgesehen, die selbständig Textmeldungen und Hinweise zur Oberfläche senden können oder wollen. Zum jetzigen Zeitpunkt wird dieser Eintrag noch von keiner Engine unterstützt, dies dürfte sich aber in Kürze mit der kommenden Junior-Engine ändern.
 
 
Neugestaltung des Schachbrettes
Mit wie viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde, dokumentiert sich u.a. auch an der Neugestaltung des Schachbrettes. Im Prinzip kann man fast alles einstellen: unterschiedliche Holzbretter, Figurensätze oder Hintergründe dürften für zwar für Schachpuristen weniger interessant sein, es gibt aber eine Vielzahl von Usern, die gerade auf solch optische Feinheiten besonders viel Wert legen. Das Auge isst ja bekanntlich mit ...
 
Die 2D-Figuren kann man in Relation zum Brett anpassen, Schattierungen ein- oder abstellen, usw. Wie von den Office Programmen gewöhnt, kann man Einstellungen und Optionen zum Programm über die üblichen Kartenreiter vornehmen. Vorteil dieser Lösung: man hat sämtliche verfügbaren Optionen mit einigen Mausklicks direkt verfügbar.
 
Die neue Arbeitsumgebung von Fritz 6 hinterlässt also einen sehr guten Eindruck. Dass es sich dabei nicht nur einfach um Kosmetik handelt, wird anhand der beiden oben aufgeführten Beispiele (es gibt noch einige mehr!) bezüglich des Eröffnungstrainings oder der Multi-Engine-Analyse klar. Wer sich ein wenig mit Programmierung auskennt, dem dürfte klar sein, welcher Entwicklungs- und Arbeitsaufwand hinter der Neukonzeption und vor allem der Programmierung des Interfaces steckt.
 
Man kann ChessBase zu dem Erreichten nur gratulieren: nach einer kurzen Einarbeitungsphase kommt man mit der Bedienung des Programms einwandfrei zurecht und die optische Präsentation ist einfach schlichtweg vorbildlich. Sie sollten beim Einsatz des Programms besonders häufig Gebrauch von der Möglichkeit machen, sich für jeden Anwendungszweck eigene Layouts zu erstellen und diese abzuspeichern.
 
 
Neuheiten
Natürlich hat sich ChessBase nicht nur darauf beschränkt, die Oberfläche neu zu programmieren. Auch diese Fritz-Version kommt mit weiteren interessanten Features, die den praktischen Gebrauchswert der Software noch einmal deutlich erhöhen. Zwei markante Verbesserungen, nämlich die Multi-Analyse sowie die parallele Anzeige von Eröffnungsbaum und Partienotation habe ich bereits erwähnt.
 
Die Funktion Kiebitz hinzuholen (Hotkey Strg-K) lässt sich noch vielseitiger einsetzen. In der Regel sind die Programme der heutigen Programmgeneration dem Normalanwender bereits seit Jahren haushoch überlegen. Es kann auf Dauer recht frustrierend sein, immer wieder von einem schier übermächtigen Gegner schachliche Prügel zu erhalten. Fritz verschärft diesen Konflikt zwischen Mensch und Computer noch zusätzlich durch seine teilweise recht dreisten Sprachausgaben oder die Kommentierungsanzeigen auf dem Bildschirm.
 
Mit der Funktion Kiebitz holen kann man sich jetzt im normalen Partiemodus jederzeit einen oder mehrere Partner in Form von Engines auf den Bildschirm holen. Diese Engines sind nur dann aktiv, wenn Sie am Zug sind und geben eine wertvolle Hilfestellung während einer Partie gegen das aktiv geladene Hauptprogramm. Der Kiebitz ist ein sinnvolles Feature und rundet meiner Ansicht nach die bereits im Übermaß implementierten Hilfestellungen, die Fritzen während einer Partie ausgeben kann (Schachtrainer, Hinweise in Form von grafischen Anzeigen wie markierte Felder, Pfeile, Drohungen anzeigen usw.) in vorbildlichem Maße ab.
 
Kein anderes Programm bietet dem Benutzer derart komplexe Analysefunktionen wie Fritz. Das Spektrum der Möglichkeiten reicht von der normalen Daueranalyse, über automatische Analyse von Datenbanken, Analysevergleichen unterschiedlicher Engines, gezielte Fehlersuchen usw. bis hin zu automatisch generierten, verbalen Textkommentaren.
 
Ein besonders nützliches Werkzeug für die Analyse stellt die Funktion Stellung ausspielen dar. Vor einer vorgegebenen Stellung aus können Sie eine oder mehrere Engines gegeneinander spielen lassen. Sie können dabei vorgeben, mit welcher Rechen- bzw. Suchtiefe dabei vorgegangen werden soll. Das Programm erzeugt fein säuberlich Statistiken über die Erfolgsquote; die Partien werden in der Engine-Datenbank abgespeichert. Diese Funktion ist eine wertvolle Hilfe, um eine konkrete Einschätzung der einer Stellung zu erhalten, die besonders tiefgründig analysiert und bewertet sein muss. Mit Hilfe dieser Funktion können sich insbesondere Fernschachspieler eine ganze Menge Arbeit ersparen.
 
Die Druckfunktionen wurden ebenfalls erweitert. Über die Kartenreiter kann man komfortabel alle möglichen Einstellungen zum Ausdruck vornehmen. Neu: Fritz 6 kann jetzt u.a. auch farbige Diagramme ausdrucken.
 
Erwähnen möchte ich noch die ausgezeichnete Hilfe im aktuellen CHM-Format, das auf HTML basiert. Es lohnt sich übrigens, in den Seiten ein wenig zu blättern. U.a. befindet sich dort ein sehr gut aufbereitetes Nachschlagwerk mit allen offiziellen Schachregeln des Weltschachbundes FIDE. Gerade für aktive Schachspieler, dürfte dieses Nachschlagewerk von großem Interesse sein.
 
 
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