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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 5.32 - mehr als nur ein Update!
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1998 - Teil 4
 
 
Neue Analysefunktionen
Die zahlreichen Analysefunktionen waren schon immer eine Schokoladenseite von Fritz. Neben den bereits von F5 bekannten komplexen Funktionen habe ich innerhalb des Artikels schon einige neue Optionen angesprochen, z.B. den Analysevergleich mehrerer Engines. Die Fernschachanalyse wurde noch in zwei wichtigen Bereichen verfeinert:
 
Zusätzliche Zeit in der Ausgangsstellung - unter Umständen soll die Ausgangsstellung länger als die nachfolgenden Züge analysiert werden? Geben Sie in diesem Fall einfach einen Extrabonus in Sekunden unter plus (Wurzel) ein. Alternativ kann man bei der umfassenden Analyse einer Stellung statt einer vordefinierten Zeit auch eine feste Suchtiefe vorgeben.
 
Es ist auch noch eine neue Option im Analysemodus dazugekommen. Via Rechtsklick in das Infofenster findet man im Auswahlmenü die Funktion "Nächstbester Zug". Die aktuelle Engine startet dann ihre Berechnung neu und klammert den bisher untersuchten Zug bei der Analyse aus.
 
 
Elobewertung + Verwaltung
Ein völlig neuartiges Modul innerhalb von Fritz 5.32 ist die neu im Programm integrierte Verwaltung und Bewertung von Elozahlen. Jede aktive Schachspieler weiß natürlich genau, was eine Elozahl ist - deshalb können wir uns eine Erläuterung des von Prof. Arpad Elo entwickelten Verfahrens zur Bestimmung der Spielstärke eines Schachspielers an dieser Stelle sparen. Fritz 5.32 liefert ein komplettes System, um Elozahlen zu berechnen oder zu verwalten, erkennt automatisch erzielte IM- und GM-Normen und kann damit ideal für zwei Anwendungsbereiche eingesetzt werden:
 
Sie möchten entweder im Rahmen der Engineforschung die Spielstärke einer der vorhandenen Schachengines mit einer Elozahl ermitteln, oder auf der Grundlage von Datenbanken anhand der erzielten Resultate Elobewertungen errechnen. Besitzt man bereits eine Eloliste, kann man anhand dieser Zahlen neue Turniere exakt auswerten und die Wertungen einzelner Teilnehmer entsprechend der erzielten Leistungen neu bestimmen.
 
Natürlich stellt sich erst einmal die Frage, wie man denn bitte schön an eine ausführliche Eloliste kommt? Wer hat Zeit genug, um die Werte von tausenden aktiven Spielern neu einzugeben? Wohl kaum jemand und deshalb bietet Fritz 5.32 nun die Möglichkeit, eine Wertungsliste vollautomatisch generieren zu lassen. Es liegen bereits Erfahrungswerte vor, die wohl in die Entwicklung dieses Features mit eingeflossen sind. Viele erinnern sich noch gut daran, als Kasparov aus der Fide ausscherte und seinen eigenen Verband gründete. Damals wurde für die PCA von dem amerikanischen Wissenschaftler und Computerschachpionier Ken Thompson ein Algorithmus zur Erzeugung einer Eloliste aus einer beliebigen Datenbank vorgeschlagen:
 
Man betrachtet die Datenbank einfach als ein riesiges Turnier und setzt vor der Neuberechnung die Elozahl für jeden Teilnehmer auf eine gleichen Wert, z.B. auf Elo 2400. Dies bedeutet, dass jeder Spieler der Datenbank zuerst einmal mit gleichen Voraussetzungen startet und sich die neue Wertungszahl ausschließlich aus den Turnierleistungen innerhalb der Datenbank berechnet. Aus dieser Erstbewertung resultiert zunächst eine recht grobe Einstufung, da verschiedene Faktoren nicht berücksichtigt werden können. Diese neuen Wertungszahlen werden jetzt als neuer Startwert gesetzt und man lässt dann eine neue Leistungszahl berechnen, die sich bei mehrfacher Wiederholung der Prozedur auf realistischere Werte einpendeln. Die nun ermittelte Elozahl hängt natürlich immer noch von den Startwerten ab.
 
Jetzt kann man im nächsten Schritt die Liste anhand von bekannten Werten führender Großmeister eichen. So wird Kasparov seit Jahren recht konstant mit einem Wert um die 2800 geführt. Die von Fritz 5.32 generierte Eloliste kann man durch die Eingabe dieses Wertes dann eichen und präzisieren. Das Verfahren funktioniert aber nur dann zuverlässig, wenn die Schreibweisen der Spieler vereinheitlicht sind. Natürlich sollte die als Berechnungsgrundlage eingesetzte Datenbank auch keine Dubletten oder fehlerhafte Partien enthalten.
 
Wichtig: man kann die erzeugte Eloliste direkt über das Clipboard in eine Tabellenkalkulation übernehmen und dort mit allen für diese Art von Programmen typischen Möglichkeiten weiterbearbeiten, z.B. Diagramme, Statistiken, usw. Neue Partien, Matches oder Turniere kann man direkt von der Datenbankliste aus per Rechtsklick auswerten und falls ein Spieler (oder Engine!) die entsprechenden Voraussetzung für eine Norm erzielen konnte, wird das Kürzel für einen Titel automatisch mit in die Liste übernommen. Die Funktion eignet sich wunderbar zum Experimentieren und ist einfach zu bedienen; leider bin ich kein Experte bezüglich der Auswertung und Bestimmung von Elozahlen und kann daher kein definitives Urteil darüber abgeben. Mich würde es einmal sehr interessieren, wie Experten das in Fritz 5.32 implementierte System hinsichtlich professioneller Ansprüche beurteilen.
 
 
Noch mehr Features!
:: Spielstufen
Beim Blitzen gegen den Computer verliert man während der Zugeingabe immer etwas Zeit. In den Blitzstufen kann man sich eine Bonuszeit gewähren, die auf die normale Bedenkzeit aufgeschlagen wird. Neu hinzugekommen ist noch der Fischer - Modus.
 
:: Fritz der Zocker
Wer regelmäßig Schachcafes besucht, kennt das: Zocken um Geld mit Kontra/Re-Ansage. Falls Sie während der Partie Kontra ansagen, muss der Gegner entweder den verdoppelten Einsatz akzeptieren oder aufgeben. Falls er weiterspielt, hat er seinerseits das Recht, wiederum zu den gleichen Konditionen zu verdoppeln (Re!). Während diese Spielform des Schachs in der rauen Wirklichkeit ziemlich nervenaufreibend und vor allem teuer werden kann, ist dies bei Fritz nicht zu befürchten. Schließlich kann man dem Computer jederzeit den Saft abdrehen ...
 
:: Aufgabeverhalten einstellen
Unter Optionen/Einstellungen kann man etwas flexibler vorgeben, wann die Engine ihre Niederlage eingestehen soll.
 
:: Auto 232
In der Wertungsliste der SSDF wurde Fritz 5 seinerzeit mit einem nicht öffentlich verfügbaren Autoplayer getestet. Darüber gab es heftige Diskussionen und Auseinandersetzungen, da sich einige konkurrierende Teilnehmer natürlich nicht mit dem Einsatz dieser Spezialsoftware abfinden wollten. Zwischenzeitlich ging die Entwicklung so weit, dass etliche Top-Autoren gar keinen Autoplayer mehr implementieren wollten. Im Artikel Fritz 5 und die SSDF wird die Problematik in allen Facetten in epischer Bandbreite beleuchtet. Fakt ist: Fritz 5.32 unterstützt jetzt das Auto232-Protokoll, das übrigens mit allen verfügbaren Engines funktioniert. Die SSDF hat vor kurzem bekannt gegeben, dass man zukünftig nur noch Programme ohne geheime Autoplayer-Software zum Test zulassen wird. Inwieweit diese Entscheidung mit dazu beigetragen hat, dass der Autoplayer jetzt öffentlich verfügbar ist, wissen wir nicht. Es zeichnet sich aber ab, dass zukünftig wieder alle Top-Programme mit Autoplayer ausgeliefert werden und der interessierte Anwender ebenfalls damit experimentieren kann.
 
:: DGT-Brett
Seit dem Sommer ist das von DGT produzierte, turniergroße Holzsensorbrett verfügbar. Wie bereits unter Fritz 5 kann man auf dem Brett gegen sämtliche Engines spielen. Wichtig: das Brett verfügt über keine Diodenanzeige und man sollte daher Züge ansagen unter Einstellungen aktivieren, damit der Computer via Soundkarte die Züge mitteilen kann.
 
 
32Bit-Engine von Frans Morsch
Zu den Qualitäten der ersten 32Bit-Engine für die Fritz-Serie von Frans Morsch konnte ich für diesen Artikel noch keine definitive Beurteilung abgeben, da die endgültige Fassung des Algorithmus erst zwei Tage vor Redaktionsschluss bei mir eintraf und für eine gründliche Abtestung keine Zeit blieb. Mit Hilfe der weiter oben beschriebenen Funktionen zur Engineforschung kann man sich in kurzer Zeit natürlich eine relativ große Datengrundlage schaffen. Ich stehe aber aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen im Umgang mit Schachprogrammen diesen hauptsächlich automatisierten Testverfahren generell etwas skeptisch gegenüber.
 
Der Wert der bekannten Testreihen ist meiner Ansicht nach ebenfalls recht gering, da diese z.B. nur etwas über einen winzigen Teilbereich und nichts über die praktische Spielstärke aussagen, bzw. viele Schachprogrammierer diese Testreihen zwecks Abtestung ihrer Zwischenversionen einsetzen und daher bewusst oder unbewusst auf diese Stellungen optimieren. Viele kritische Verhaltensmuster von Schachprogrammen werden mit diesen Testreihen außerdem überhaupt nicht erfasst.
 
Ich möchte daher noch einmal ausdrücklich betonen, dass ich nur einige erste Eindrücke wiedergebe, die nur ein unterschiedliches Verhalten zum Vorgänger dokumentieren. Die neue Fritz-Engine ist im Vergleich zum Vorgänger deutlich kompakter (ca.30 KB) geworden und erreicht eine höhere Rechentiefe (47 Halbzüge) als der in der SSDF so erfolgreiche 16Bit-Vorgänger (37 Halbzüge). Im Großen und Ganzen ist das Lösungsverhalten des 16Bitters und seines Nachfolgers sehr ähnlich. In einigen Teststellungen weist die neue 32Bit-Engine aber ein deutlich schnelleres Lösungsverhalten (auch nach Knotenanzeige) auf.
 
 
Fazit
Das "Produkt" Fritz 5.32 ist z.Z. nicht nur hinsichtlich Ausstattung und Vielseitigkeit, sondern auch in Pkto. Lieferumfang und Preis ein unglaublich attraktives Angebot. Wer hätte vor noch nicht allzu langer Zeit solch einen Lieferumfang für nur 98.- DM für möglich gehalten? Dieses "Upgrade-Produkt" bietet unglaublich viele Anwendungsmöglichkeiten für die verschiedensten Zielgruppen vom Anfänger bis hin zum absoluten PC-Freak. Betrachtet man einmal die Ausstattung und den Lieferumfang, (in diesem Artikel wurden nur die Neuerungen vorgestellt!) so wird klar, wie man heutzutage bei stark gestiegener Konkurrenz in einem hart umkämpften Markt überleben kann: in dem man sich bei der Konzeption und der Umsetzung neuer Produkte streng an den Wünschen der Kundschaft orientiert.
 
Dies ist ChessBase in vorbildlicher Weise gelungen und die oben durchgeführte Beschreibung des Funktionsumfangs von Fritz 5.32 spricht wohl für sich. Ich weise noch einmal darauf hin, dass hier eine Beta-Version besprochen wurde und sich durchaus noch Änderungen am Lieferumfang ergeben könnten. Exakte Informationen zu Lieferumfang und Bezugskonditionen erhalten Sie überall im qualifizierten Fachhandel.
 
Peter Schreiner
 
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