Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
 zur Lösung 
 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 5.32 - mehr als nur ein Update!
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1998 - Teil 3
 
 
Erstklassiger Bedienungskomfort
Die rechte Maustaste wird unter Fritz 5.32 besonders strapaziert; viele Funktionen kann man auf diese Weise situationsbezogen rasch ansteuern. Ein Rechtsklick in das Informationsfenster aktiviert neben den zahlreichen Einstelloptionen der Informationsanzeigen noch einige hochinteressante Funktionen:
 
:: Verriegeln
Diese Funktion kennt man bereits von ChessBase und Junior 5.0. Befindet man sich im Analysemodus, kann man nachdem Aktivieren dieser Funktion weiter auf dem Schachbrett Züge nachspielen oder kommentieren, während die aktive Engine an der vorgegebenen Position weiterrechnet. Via Rechtsklick springt man direkt wieder zur verriegelten Position zurück. Wünschenswert wäre es in Anbetracht der Vielzahl von Engines gewesen, wenn man mit mehreren Programm gleichzeitig - wie unter ChessBase - hätte analysieren können. Es gibt aber eine Lösung, die diesen Zweck - mit ein paar Klicks - fast genauso gut erfüllt. Wenn mehr als eine Engine geladen und aktiv ist, kann man im Analysemodus durch einen Klick auf den Enginenamen im Infofenster ein kleines Menü laden, und dort die gewünschte Engine wählen, die an der aktuellen Stellung rechnen soll. Mit dieser Methode kann man blitzschnell zwischen verschiedenen Programmen, z.B. dem positionell sehr starken Hiarcs oder dem Taktiker Fritz umschalten; noch schneller geht es übrigens - wie so oft - über die Tastatur: mit der Tastenkombination ALT+F3 schaltet man zwischen den Engines hin und her.
 
:: Auf Zwischenablage kopieren
Damit kopieren Sie alle Ausgaben des vorher wunschgemäß konfigurierten Infofensters in das Clipboard, um die Informationen eventuell mit einer Textverarbeitung auszudrucken. Das ist schon sehr gut, aber als Verbesserungsvorschlag würde ich mir noch wünschen, dass man die Ergebnisse direkt vom Programm aus in eine Protokolldatei im Textformat schreiben könnte. Innerhalb des Notationsfensters gibt es viele neue Funktionen zur Bearbeitung von Partienotationen, die man dort ebenfalls ohne Umweg über die Menüleiste oder den Datenbankmodus via Rechtsklick abrufen kann.
 
:: Varianten bearbeiten
Varianten kann man direkt löschen oder zur Hauptvariante aufwerten. Zusätzlich lassen sich unter Fritz 5.32 in der eigentlichen Notation alle vorhergehenden oder nachfolgenden Züge zur aktuellen Brettstellung entfernen. Dies Funktion eignet sich ideal dazu, wenn man sich z.B. Datenbanken mit ausgewählten Positionen und nicht kompletten Partien zusammenstellen möchte. Alle Kommentare oder Varianten kann man in einem Aufwasch entkommentieren; gleiches gilt für die von Fritz in die Notation eingetragenen Bedenkzeiten und Bewertungen. Logisch und konsequent, dass sich hier jetzt auch alle notwendigen Funktionen zur Kommentierung einer Partie finden:
  1. "Text vor Zug" oder "Text nach Zug" platziert einen Kommentar vor oder nach dem Partiezug.
  2. Die bekannten Symbole für die Kommentierung von Zug- oder Stellungsbewertung.
  3. "Diagramm" setzt eine Markierung für ein Schachdiagramm in der Notation, die bei einem späteren Druck berücksichtigt wird. 
 
Engine-Konzepte
Eine bahnbrechende Idee war das seinerzeit mit Fritz 4 eingeführte, modulare Engine-Konzept. Es erweist sich im Nachhehrein als eine ungemein weitsichtige Entscheidung, dass man sich bei der Konzeption des Windows-Programms auf eine strikte Trennung von Interface und dem eigentlichem Schachalgorithmus (= Engine) festlegte. Wie sich heute zeigt, ging man damals völlig zu recht von der Überlegung aus, dass viele gute Schachprogrammierer Amateure sind und nur in ihrer Freizeit an den Algorithmen ihrer Programme feilen können.
 
Heutzutage sind die Anforderungen der Anwenderschaft an ein Schachprogramm in erheblichem Ausmaß gestiegen. Neben sehr guter Spielstärke erwartet der Benutzer auch eine Schnittstelle zur Datenbank, vielfältige Analysefunktionen, usw. Die Programmierung dieser Features ist aber extrem zeitaufwendig und für einen Amateur gar nicht zu bewältigen; mal abgesehen davon haben viele Autoren an der Entwicklung solcher Oberflächen auch gar kein Interesse und möchten in erster Linie ihr Programm verbessern. Die Richtigkeit damals vorgenommene Überlegung, dass nicht jeder Autor unbedingt ein Experte bei der Programmierung von Datenbankschnittstellen oder Benutzeroberflächen ist und gerne auf einem bereits etablierten System aufsetzen würde, dokumentiert sich jetzt in einer beeindruckenden Vielfalt von kompatiblen Engines. Bereits im Lieferumfang von Fritz 5.32 sind 10 verschiedene Engines enthalten!
 
Zusätzlich bietet ChessBase mit den optional zu erwerbenden Junior 5.0, Nimzo 99 und Hiarcs 6.0 weitere Spitzenprogramme für das Interface an, die das System mit völlig unterschiedlichem Spielverhalten bereichern und eins gemeinsam haben: es sind auch hinsichtlich der praktischen Spielstärke absolute Spitzenprogramme. Damit kommt man schon auf die beeindruckende Zahl von 13 Engines, die unter der Oberfläche von Fritz 5.32 laufen. Es fällt mittlerweile etwas schwer, den Überblick zu behalten: mir fallen noch unterschiedliche Versionen von Crafty und letztendlich die 16Bit-Engine von Junior ein, so dass ich im Moment auf 17 (!) verschiedene Engines komme. Ich bin mir aber sicher, dass da noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Schauen wir uns nun einmal einige Möglichkeiten an, wie man diese verschiedenen Engines sinnvoll einsetzen kann.
 
 
Engineforschung
Viele Funktionen in Fritz 5.32 beschäftigen sich mit der konkreten Bestimmung der Spielstärke und dem individuellen Spielverhalten der unterschiedlichen Engines. Laut ChessBase fungiert Fritz 5.32 sogar als eine Art Betriebssystem zur Erforschung der Spielstärke von Schachprogrammen. Alle Funktionen, die sich auf die Abtestung der Engines beziehen, findet man jetzt unter STUFEN/Engineforschung. Insbesondere Computerschachfreaks, die einen großen Teil ihrer Zeit mit dem Austesten und Experimentieren verbringen, dürften in Anbetracht der neuen Funktionen glänzende Augen vor Begeisterung bekommen. So einfach und unkompliziert war es noch nie, Unterschiede in im Spielverhalten zu überprüfen.
 
Bisher konnte man z.B. komplette Wettkampfserien zweier Engines untereinander oder Testreihen vollautomatisch ablaufen lassen; also ein Autoplayer für ein Single-System. Es lag in Anbetracht der Vielzahl von Engines auf der Hand, noch einen Schritt weiter zu gehen: nämlich komplette, von Fritz 5.32 verwaltete Rundenturniere unter der Oberfläche mit Beteiligung beliebig vieler Engines vollautomatisch auszutragen!
 
Die Grundidee, die hinter dieser Option steckt, ist logisch: je breiter die Gegnerschaft ist, um so aussagekräftiger sind die Ergebnisse einer bestimmten Engine. Jede Engine kann vom Anwender mit spezifischen Parametern in das Turnier geschickt werden; z.B. spezielles Eröffnungsbuch, Größe der Hashtabellen, Tuning der Engineparameter usw. Unter Umständen könnte ein Turnier mit vielen Engines und längeren Bedenkzeiten den Rechner auf Tage hin blockieren. Was ist zu tun, wenn der Computer außerhalb des Schachs genutzt werden muss? Die Lösung ist simpel: man kann jederzeit das Turnier abbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen, da Fritz 5.32 alle turnierbezogenen Daten akkurat abspeichert. Alle Partien werden vollautomatisch in einer Datenbank gespeichert und mit Hilfe der Tabellenfunktion kann man eine Turniertabelle mit Fortschritt und Endstand in eine Textdatei oder Excel übernehmen. Phantastisch oder doch nicht?
 
Bei aller Anerkennung für die elegante technische Umsetzung dieses Features drängte sich - zumindest mir - unmittelbar die Frage auf, ob das die Zukunft des Computerschachs sein soll? Der Computer übernimmt alle Aktivitäten, spielt Schach und der Anwender wird zum Statisten degradiert, dessen Aufgabe nur noch auf das Einschalten der Maschine und ein paar Mausklicks reduziert wird? Nein, auch dieses Problem hat man vorausschauend berücksichtigt, denn: der Anwender kann sich aktiv an diesen Turnieren beteiligen und mitspielen! Ich konnte natürlich nicht der Versuchung widerstehen und habe direkt ein kleines, doppelrundiges Blitzturnier mit der Beteiligung von Junior 5.0, Fritz 32 Bit, Hiarcs 6.0 und meiner Wenigkeit gestartet. Es funktionierte incl. Fortsetzung zu einem späteren Zeitpunkt einwandfrei! Zum Ausgang des kleinen Turniers möchte ich nur so viel sagen, dass Junior 5.0 recht deutlich gewann.
 
 
Analysevergleich
Dies ist eine weitere hochinteressante Funktion, um Unterschiede zwischen verschiedenen Engines auszuloten. Damit kann man z.B. das Analyse- und Lösungsverhalten von verschiedenen Engines direkt miteinander vergleichen. Das könnte z.B. interessant sein, wenn Sie Analysen des Taktikers Fritz 32Bit oder dem positioneller agierenden Hiarcs 6.0 oder Abweichungen zwischen unterschiedliche Versionen des gleichen Programms herausfinden wollen. Ich finde dieses Feature auch unter rein schachlichen Kriterien sehr hilfreich, da die diversen Programme eine Partie oft sehr unterschiedlich beurteilen und man eine Vielzahl von Anregungen bekommt. Bei einem direkten Vergleich, z.B. zwischen den diversen mitgelieferten Fritz-Versionen, sollte man besser mit einer festen Rechentiefe, als mit einer vorgegebenen Zeiteinteilung vorgehen.
 
Viele Freaks trauen den Einstellungen der Hersteller bezüglich der Engines nicht immer und "drehen" gerne an den Parametern eines Schachprogramms, falls dies vom Hersteller ermöglicht wird. Bisher sah es in dieser Hinsicht bei Fritz eher etwas flau aus; auch das hat sich geändert. Mittlerweile kann man die Parameter der Fritz-Engines in (allerdings) engen Grenzen, verändern. Im Vergleich zu den separat verfügbaren hausinternen Konkurrenten Junior 5.0 oder Nimzo 99 ist die Anzahl der Parameter spartanisch; von den Möglichkeiten des Chessmaster weit entfernt. Folgende Parameter stehen bei der Fritz-Engine zur Verfügung:
 
CONTEMPT VALUE entspricht dem von Genius bekannten Remisvermeidungsfaktor und bewirkt, dass Fritzen entweder bei einem objektiven Stellungsnachteil Remis vermeidet, auf Gewinn spielt oder trotz positivem Wert in aussichtsreicher Position in ein Remis einwilligt. Das mitgelieferte Crafty wird seit Jahren im Internet gegen menschliche Spieler getestet und verfügt über einen für das Programm von Bob Hyatt wichtigen Parameter = NO TRICKS. Damit aktiviert man einen speziellen Algorithmus, der die typischen, beliebten Tricks von menschlichen Spielern gegen Computer vermeiden soll. Es wäre toll, wenn sich ein Experte auf diesem Gebiet mit diesen Einstellungen einmal beschäftigen würde. COMPUTER OPPONENT zielt logischerweise in die entgegengesetzte Richtung und ist in erster Linie beim Spiel gegen andere Computer zu aktivieren.
 
ChessBase hat sich eine ganze Menge einfallen lassen, damit der Anwender die Möglichkeiten der verschiedenen Engines möglichst nutzbringend für sein häusliches Training einsetzen kann. Computerschachfreaks bekommen eine derartige Fülle an neuen Testverfahren in die Hand, so dass ich eigentlich nur einen Nachteil sehe: künftige Stromrechnungen werden wohl deutlich höher ausfallen ...
 
 
zum Seitenanfang zurück | Teil 4