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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Fritz 5.32 - mehr als nur ein Update!
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1998 - Teil 2
 
 
Portierung auf 32 Bit
Auf den ersten Blick scheint sich im Vergleich zu Fritz 5 gar nicht so viel geändert zu haben. Beim ersten Start fällt lediglich das kleine Logo rechts oben neben der Schachuhr auf, wo der Benutzer direkt erkennt, welche Schachengine von den insgesamt 10 mitgelieferten Programm-Versionen momentan aktiv ist. Die Vorteile einer effizienten 32Bit-Programmierung offenbaren sich dem erfahrenen Fritz-User sehr rasch, wenn er die Funktionen etwas intensiver mit dem Vorgänger vergleicht.
 
Bereits mit der Markteinführung von Junior 5.0 demonstrierte ChessBase eindrucksvoll die Vorteile eines effizient programmierten 32Bit-Programms: das Interface ist z.B. deutlich schlanker und damit schneller geworden; die Datenbankfunktionen laufen jetzt ebenfalls viel flüssiger ab und einige Einschränkungen der 16Bit-Version (wie z.B. die Obergrenze von 4000 Partien beim Kopieren in eine andere Datenbank) sind jetzt weggefallen. Dazu später noch mehr.
 
Ganz neue Optionen ergeben sich für die Anwender, die eines der Dual-Prozessor-Boards unter Windows NT einsetzen. Auf einem gängigen Einprozessorsystem unter Win95/98 ist das sogenannte Pondering (= der Computer nutzt die Bedenkzeit des Gegners, während dieser am Zug rechnet) natürlich nicht möglich, da der Computer den größten Teil der Kapazitäten der momentan aktiven Engine zuordnet. Auf einem Dual-Prozessor-Board erhält jede Engine jetzt einfach ihren eigenen Prozessor zugeordnet und agiert dann unter den wesentlich günstigeren Voraussetzungen mit optimalem Spielverhalten. Selbstredend orientiert sich das Programm an den gängigen Konventionen und unterstützt jetzt wie unter Win95/98/NT üblich lange Dateinamen oder situationsbezogene Rechtsklickmenüs zwecks komfortablerer Bedienung.
 
 
Neue Datenbankfunktionen
Fritz 5.32 profitiert in nicht unerheblichem Ausmaß von dem bei der Programmierung des hauseigenen 32Bit-Datenbanksystems ChessBase 7.0 gewonnenen KnowHow. Schon bei Junior 5.0 fielen einige systembedingte Einschränkungen bei den Dateioperationen im Datenbankmodus weg. In Pkto. Geschwindigkeit bei den elementaren Suchfunktionen, sowie bei der Neuzuordnung von Partien, Schlüsseln usw. gibt es deutliche Geschwindigkeitszuwächse auf der Habenseite zu verbuchen. Wir möchten an dieser Stelle nicht zum wiederholten Male eine komplette Beschreibung der bereits von Fritz 5 bekannten umfangreichen Suchfunktionen wiedergeben und beschränken uns diesmal aus Platzgründen auf die wichtigsten Neuerungen:
 
:: Suche nach Kommentaren
Viele Funktionen von Fritz schreiben neben Zugzeiten, Bewertungen oder Rechentiefen auch Kommentare in die Partienotation. Falls Sie beispielsweise Partien mit der Option Training analysieren lassen, trägt Fritz gezielt an kritischen Stellen Trainingsfragen in die Notation ein. Den kritischen Moment einer Schachpartie markiert Fritz mit einer roten Einfärbung in der Notation, so dass man gravierende Fehler auf den ersten Blick erkennen kann. Es gibt noch eine ganze Reihe von diesen automatisch während der Analyse erzeugten Kommentaren, die man jetzt gezielt in der Suchmaske blitzschnell aufspüren kann.
 
:: Dateioperationen
Aufgrund der 16Bit-Architektur von Fritz 5 gab es hinsichtlich der Dateioperationen einige Einschränkungen, die jetzt weggefallen sind. Sie können anstatt maximal 4000 Partien auch sehr umfangreiche Datenbanken kopieren, was ich direkt mit einer Partiensammlung von über 700 000 Partien erfolgreich ausprobiert habe. Besonders pfiffig wurde das Importieren von neuen Partien in ihre Hauptdatenbank implementiert. Wenn Sie sich in der Partienliste ihrer Hauptdatenbank befinden, können Sie via Mausklick mit der rechten Maustaste im Datenbankfenster mit der Funktion Partien anhängen einfach eine neue Datenbank auswählen, die importiert werden soll. Die neu importierten Partien werden unmittelbar an die aktuelle Liste angefügt und angezeigt.
 
:: Kreuztabellen
Dieses Feature ist besonders nützlich. Falls in einer Datenbank komplette Turniere erfasst sind, kann man nun unter Fritz 5.32 die Endtabellen anzeigen oder zur Weiterverarbeitung exportieren. Das ist sehr praktisch für die Auswertung von Enginevergleichen, kann aber natürlich auch sinnvoll mit "normalen" Turnieren kombiniert werden.
 
:: Partienliste
Innerhalb der Partienliste kann man jetzt via Rechtsklickmenü flexibel den Zeichensatz für die Notation anpassen.
 
:: Stellungssuche via Rechtsklick
Noch eine kleine, aber ungemein nützliche Feinheit: man kann innerhalb der Partienotation via Rechtsklick die Funktion Partien suchen abrufen, ohne die Suchmaske aufzurufen. Ideal dazu geeignet, Partien herauszufiltern, in denen die aktuelle Brettposition schon einmal vorkam. Mittels F10 springt man von Partie zu Partie und kann schnell Vergleichspartien sichten.
 
 
Dateiformate
Fritz 5.32 beherrscht alle wichtigen Dateiformate, die zur Zeit im Computerschach eine Rolle spielen. Neben dem bewährten CBH-Format, das im Gegensatz zu CBF neben den klassischen Formen der Kommentierung von Schachpartien (Varianten, Untervarianten, Schachsonderzeichen, Text) sogar Bilder, Ton, Videos oder graphische Symbole als Hilfsmittel zur Kommentierung unterstützt, versteht Fritz 5.32 auch PGN und jetzt endlich: auch das EPD-Format! Trotzdem ist die Implementierung des EPD-Formates im Unterschied zu PGN meiner Ansicht nach immer noch nicht ganz optimal gelöst und eigentlich die einzigste Funktion, deren Umsetzung mich beim neuen Fritz 5.32 nicht vollständig überzeugen kann.
 
Schauen wir uns zuerst einmal an, wie Fritz 5.32 das EPD-Format behandelt. Innerhalb des Dateiauswahlmodus der Datenbank sucht man Dateien mit der Endung *.EPD vergeblich. Klickt man mit der rechten Maustaste in die Partieliste, findet man die Option EPD Stellungen importieren und kann solche EPD-Dateien einwandfrei zur weiteren Analyse mit Fritz 5.32 übernehmen. Das ist im Vergleich zum Vorgänger ein deutliches Plus. Nur in die entgegengesetzte Richtung - also eine Umwandlung von CBH zu EPD - kann der Anwender lediglich auf Umwegen nach EPD exportieren.
 
Die einzigste Möglichkeit dazu von Fritz 5.32 aus besteht in dem Umweg über die Zwischenablage. Das ist je nach Anwendungsgebiet sehr umständlich. Nehmen wir einmal an, Sie haben eine Datei im CBH-Format, die jetzt nach EPD in einem Aufwasch konvertiert werden soll. Dies ist mit Fritz 5.32 nicht möglich und man muss den Weg über das Clipboard gehen. Laut Aussage von ChessBase handelt es sich beim EPD um ein "überholtes historisches Format zur Speicherung von Teststellungen". Nun mag das aus der Sichtweise eines Entwicklers, der unter anderem mit dem funktionell weit überlegenem CBF- und CBH-Format selber wichtige Standards gesetzt hat, durchaus zutreffen. Es gibt aber meiner Ansicht nach zwei Argumente, die man dagegen halten kann:
  1. Viele Schachfreunde tauschen in den gängigen Foren im Internet Meinungen oder Analysen über bestimmte Stellungen aus. Gerade in diesen Internet-Foren leistet das EPD-Format sehr gute Dienste, da es sich um ein simples Ascii-Format handelt, das man einfach in den Text des Postings übernehmen kann.
  2. Viele Anwender haben noch ältere Schachprogramme, die aber meistens das EPD-Format verstehen. Da wäre es doch ungemein praktisch, wenn man ein Tool hätte, mit dem man gleich komplette Testreihen aus CBH nach EPD konvertieren kann. Ansonsten wollen wir es mit der Kritik aber nicht übertreiben. Fest steht: die neueste Fritz-Version unterstützt das EPD-Format und ist so ein Stück flexibler geworden. 
 
Information pur
Fritz 5.32 bietet dem Anwender mit einer Reihe von neuen Informationsanzeigen noch mehr Transparenz zum Geschehen auf dem Brett.
 
:: Spion
Im Menü Coach gibt es die neue Funktion Spion. Nach jedem Zug von Fritz zeigt diese Funktion mit einem roten Pfeil auf dem Brett die unmittelbare Drohung des Computers an. Ähnlich wie die bereits bekannte Funktion Bedrohte Felder ist dies für jeden Spieler (insbesondere Anfänger) sehr nützlich, da das Programm dabei hilft, grobe Figureneinsteller zu vermeiden.
 
:: Materialbilanz
Sehr hilfreich finde ich die Anzeige der Materialbilanz, die man via Rechtsklick im Notationsfenster zuschalten kann. In der kleinen Leiste mit den Schachsymbolen werden Unterschiede im materiellen Verhältnis beider Seiten und nicht einfach nur die geschlagenen Steine angezeigt. Man kann auf den ersten Blick erkennen, wie es in der Partie um die aktuelle Kräftekonstellation bestellt ist.
 
:: Zeitverbrauch
Klein aber fein, endlich gibt es, während Fritzen rechnet, eine Anzeige für die verbrauchte Zugzeit aktueller Züge.
 
:: Knotendarstellung
Zusätzlich gibt es in dem Informationsfenster eine verbesserte Darstellung für die Anzahl der berechneten Knoten. Per Mausklick kann man dabei zwischen der bisher gewohnten absoluter Zählung - alle bisher bewerteten Knoten pro Sekunde - oder (jetzt neu) den berechneten Wert pro Sekunde umschalten. Sie werden beim Vergleich der unterschiedlichen Engines schnell feststellen, dass Fritz 5.32 enorm hohe Werte erreicht, also ein sehr schneller Rechner ist. Ein Wert von 350kN/s bedeutet konkret, dass die Engine auf dem Rechner 350.000 Stellungen in der Sekunde geprüft und bewertet hat! Hinweis: die Knotenleistung sollte in erster Linie als eine nützliche Zusatzinformation angesehen werden. Keineswegs sagt diese Information; genauso wenig wie die angezeigten Rechentiefen, etwas über die Spielstärke aus!
 
:: Rolliermodus
Per Rechtsklick im Infofenster ruft man einen Dialog auf, in dem im Vergleich zu Fritz 5 wesentlich detailliertere Informationsanzeigen angezeigt werden:
  1. Hauptvariante scrollen = überlässt Ihnen die Wahl, ob nur die aktuell beste Variante oder alle Hauptvarianten untereinander ausgegeben werden sollen.
  2. Nur neue Züge scrollen = nur wenn sich der beste Zug ändern sollte, wird eine neue Zeile in die Liste angefügt. Dieser Modus eignet sich besonders gut dazu, im Rückblick nachzuvollziehen, welche Züge die Engine während des Suchvorgangs "angedacht" hat.
  3. Suchinformationen = schaltet eine zusätzliche zweizeilige Information über Bewertung, Zeit und Knotenzahl ein.
:: Variantenbrett
Die ersten DOS-Versionen hatten ein ungemein nützliches Feature: man konnte zwei kleine Minibretter mit visueller Vorführung der aktuellen Hauptvariante und der jeweiligen Endstellung zuschalten. Bei Fritz 5.32 hat man jetzt wieder ein Variantenbrett für das Infofenster implementiert, das exakt die Endstellung der gerade bewerteten Variante anzeigt. Das ist auf jeden Fall sehr nützlich; die DOS-Versionen konnten das aber bereits besser. Als Anregung für eine künftige Verbesserung würde ich mir noch die Option wünschen, wenn man bei einem beliebigen Klick in die Hauptvariante sich die aktuelle Stellung anzeigen oder bei längeren Bedenkzeiten (z.B. bei einer Analyse) gleich die komplette Hauptvariante vorführen lassen könnte.
 
:: Analyseuhr
Endlich hat die Entwicklungsabteilung eine optional zuschaltbare Schachuhr für Langzeitanalysen spendiert. Im Unterschied zu Fritz 5 läuft im Analysemodus die Schachuhr mit und bietet eine bessere Orientierung zum Zeitverbrauch.
 
Berücksichtigt man die bereits bei Fritz 5 vorhandenen zahlreichen Anzeigemodi mit Bewertungsprofil, bedrohte Felder usw., ergänzen die Neuerungen die vorbildliche Informationspolitik des Programms auf ideale Weise. Kein anderes mir bekanntes Schachprogramm bietet sowohl dem Einsteiger als auch dem Computerschachexperten soviel instruktive Informationen zum Rechenvorgang.
 
 
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