Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
Weiß fand hier einen eleganten Weg, das Problem mit seiner angegriffenen Dame zu lösen. Sie können es ihm sicher gleichtun?!
 zur Lösung 
 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Der ChessGenius für die Westentasche! - Teil 2
besprochen von Peter Schreiner - September 2000
 
Der für die Palm-Serie angebotene ChessGenius basiert auf dem Roma-Programm, dem WM-Programm von 1987. Natürlich fragt man sich unwillkürlich, warum Richard Lang keine aktuellere Version eingesetzt hat. Auf Rückfrage teilte mir Richard mit, dass diese Version aufgrund des kompakten Programmcodes optimal auf den kleineren Palm-Modellen, wie z.B. dem Palm IIIe, läuft.
 
 
Vergleich mit dem Roma-Programm
Betrachten wir uns zur Einschätzung des Programms einmal die Einstufung des Mephisto-Roma-Programms in der SSDF: dort wird das Programm mit 1964 Elo geführt. Sollte ChessGenius für den Palm diesen Wert erreichen, dann wäre er auch für starke Schachspieler ein adäquater Schachpartner, mit Sicherheit aber das stärkste Reisegerät. Leider besitze ich keinen Roma 68000 zum direkten Vergleich mit dem Palm-Programm. Im Internet veröffentlichte der Herausgeber der englischen Fachzeitschrift "Selective Search", Eric Hallsworth, 2 Stellungen aus dem BT-Test 2450 mit Lösungszeiten. Diese beiden Stellungen habe ich zum Vergleich umgehend mit meinem Palm IIIc überprüft:
 
Diagramm 1Diagramm 2
Gewinnzug: 1.Lxb6!
Roma = 35 Sekunden
Palm IIIc = 74 Sekunden
Gewinnzug: 1...e3!
Roma = 133 Sekunden
Palm IIIc = 98 Sekunden
 
Es fällt auf, dass es offensichtlich doch einige Unterschiede im Spielverhalten, bzw. bei den Lösungszeiten beider Versionen gibt. Während in Teststellung 1 der Mephisto Roma 68000 eine deutlich bessere Lösungszeit vorweisen kann, ist es in Teststellung 2 genau umgekehrt. Laut Angaben von Richard gibt es noch zwei weitere Einschränkungen gegenüber dem Mephisto-Roma:
 
1. HashTables - die vorliegende Version spielt ohne HashTables, einem technischen Standard in der Schachprogrammierung, der insbesondere zu einem deutlich besseren Endspielverhalten führt. In den HashTables legt der Computer jede Stellung, die er bereits einmal untersucht hat, in einem temporären Speicherbereich inkl. Bewertung ab. Vor jeder weiteren Stellungsüberprüfung prüft das Programm, ob bereits Informationen über eine bestimmte Stellung in den HashTables enthalten sind und kann diese ohne relevanten Zeitverlust abrufen. Mit Hilfe dieser Technik wird also wichtige Rechenzeit gespart und das Programm spielt bei der Verwendung dieser Technik stärker. In der Regel ist dieser Effekt hauptsächlich im Endspiel mit wenigen Figuren als bei vollem Brett im Mittelspiel anzutreffen. Da Richard Lang diese Technik schon seit langem in seinen Programmen einsetzt, muss es einen Grund für den Verzicht geben. Zitat:
"Die Speicherverwaltung des Palm macht die Implementierung von HashTables sehr schwierig, vielleicht sogar unmöglich. Lediglich ein kleiner Bereich des Speichers (weniger als 64Kb) kann als schneller Lese-Schreibpuffer genutzt werden."
Man kann daher davon ausgehen, dass der Palm Genius im Endspiel etwas schwächer als der Mephisto-Roma sein wird.
 
2. Permanent Brain - auch diese elementare Technik wird bei der Computerprogrammierung eingesetzt, um wertvolle Ressourcen einzusparen. Während der Bedenkzeit des Gegners rechnet der Computer weiter. Falls der erwartete Antwortzug ausgespielt wird, braucht der Rechner weniger oder manchmal auch gar keine Rechenzeit mehr für seinen Antwortzug. Experten schätzen, dass ein Programm mit Permanent Brain ca. 30 Elo besser spielt. Auch für diese Einschränkung gegenüber dem Original wurden Schwierigkeiten bei der systeminternen Speicherverwaltung des Palm angegeben.
 
In der Praxis wirken sich diese Einschränkungen aber gar nicht so gravierend aus. Offensichtlich ist die Grundsubstanz so gut, dass der Taschenweltmeister immer noch einen adäquaten Gegner auch für stärkere Vereinsspieler darstellt. Im Vergleich zu den aktuellen PC-Programmen bietet der Palm-Genius einen nicht zu unterschätzenden Vorzug: endlich hat man im Spiel gegen einen Computer wieder eine reelle Chance, auch einmal eine Partie zu gewinnen. Dies ist aber keinesfalls wie bei anderen Mini- oder Reisecomputern mal eben so nebenbei möglich, dafür spielt das Programm einfach zu stark.
 
Die Eröffnungsbibliothek unterscheidet sich in positivem Sinne deutlich von der Mephisto-Serie. Der Mephisto-Roma war in der Eröffnung schnell langweilig, da er im Prinzip fast immer die gleichen Varianten ausspielte. Ich erinnere mich noch gut daran, dass das Mephistogerät auf 1.d4 fast immer angenommenes Damengambit oder Slawisch spielte. Ein 1.e4-Spieler durfte sich fast immer mit Caro-Kann oder der Aljechinverteidigung auseinandersetzen, was auf Dauer die Spielfreude mangels Abwechslung erheblich trübte.
 
Nicht so der Palm Genius, der ein deutlich abwechslungsreicheres Spielverhalten an den Tag legt. Auf 1.d4 bevorzugt das Programm immer noch Damengambit, agiert aber abwechslungsreicher auch mit gelegentlichem Nimzoindisch, Grünfeldindisch, usw. Gleiches gilt bei 1.e4, worauf der Palm Genius mit Sizilianisch, Skandinavisch oder Französisch dem Anwender besonders viel Abwechslung bietet. Dafür ist die Variantentiefe der Bibliothek deutlich geringer als beim Mephisto-Roma, vermutlich ein Tribut an den begrenzten Speicher der Geräte aus der kleineren Palm-Serie.
 
Im Mittelspiel zeigen sich die Stärken des Taschengenius. Das Programm spielt recht solide mit viel taktischem Spielwitz. In dieser Phase spielt das Programm deutlich stärker als im Endspiel, wo es aufgrund einiger Schwächen und den fehlenden HashTables die im Mittelspiel erzielten Vorteile oft verspielt. Ich würde bei vorsichtiger Schätzung dem Programm etwa 1900-2000 Elopunkte zugestehen.
 
Damit dürfte das Programm zwar nicht die ewig mäkelnden Spielstärkefetischisten, aber die Mehrzahl der aktiven Vereinspieler absolut zufrieden stellen. Diese Kombination aus komfortabler Bedienung, handlichem Format und guter Spielstärke birgt - wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann - echtes Suchtpotential. So viele Partien wie gegen den Palm Genius habe ich schon lange nicht mehr gespielt. Egal ob im Zug, im Flugzeug, im Bett, in der Mittagspause: man kann mit dem Gerät in (fast) jeder Lebenslage unkompliziert auf gutem Niveau schachspielen.
 
 
Tuning gefällig?
Wer erinnert sich nicht an die seligen Schachcomputerzeiten, in denen viele Schachfreunde ihre Maschinen für viel Geld bei diversen Fachhändlern tunen, also übertakten ließen, um das letzte Quentchen Spielstärke aus den Geräten herauszuholen. Für die Palm Computer gibt es einige Softwarelösungen, mit deren Hilfe man den Prozessortakt bis auf 28 MHz "hochdrehen" kann. Im Internet findet man bei www.palmdownload.de oder www.palmgear.com beispielsweise die Utilities "Afterburner", "Cruise Control" oder "Atool", mit deren Hilfe man den Prozessor übertakten kann.
 
Prinzipiell birgt das Übertakten einige Risiken, das soll hier nicht verschwiegen werden. Die geringsten Probleme stellen dabei noch Programmabstürze oder die reduzierte Lebensdauer der Batterien dar. Ob diese Softwarelösungen dem Prozessor schaden können, wollte ich mit meinem neu angeschafften Palm IIIc nicht unbedingt ausprobieren, zumal ich die gebotenen schachlichen Leistungen des ChessGenius mit dem Standardtakt vollauf ausreichend finde.
 
Dem Programm "Afterburner" wird nachgesagt, dass es die beste Performance aus dem Prozessor herausholt, während "Cruise Control" den nicht unwichtigen Aspekt Systemstabilität in den Vordergrund stellt. Ich persönlich würde insbesondere bei den teuren Modellen der Palmserie vom Softwaretuning absehen, experimentierfreudigere und weniger vorsichtige Naturen beurteilen das wohl anders und so weisen wir zumindest auf die Möglichkeit des Übertaktens hin.
 
 
Fazit
Richard Lang hat für die Palm-Serie ein effizientes Schachprogramm abgeliefert, das auf dem Mobilrechner eine beachtliche Spielstärke bietet. Der Komfort und die Benutzergrafik ist auch unter den mir bisher bekannten Palm-Anwendungen eine Klasse für sich. Trotz einiger Mankos und etwas reduzierter Leistung ist die Kombination aus Palm + ChessGenius rundum zu empfehlen und vor allem beim Kauf des bereits für 399.- DM angebotenen PALM IIIe sehr attraktiv. Rechnet man noch die 25 $ für das Schachprogramm dazu, kommt man bei einer Neuanschaffung auf einen Preis von ca. 455.- DM. Dafür erhält man jedoch mit dem zur Zeit wohl spielstärksten und komfortabelsten Taschenschachcomputereinen einen mehr als fairen Gegenwert.
 
Für mich bezieht die Kombination Palm + Genius ihren Reiz neben dem mobilen, komfortabel zu bedienenden Konzept vor allem aus der Tatsache, dass man gegen dieses Programm im Unterschied zu den PC-Programmen noch eine echte Chance hat und in fast jeder Lebenslage dagegen spielen kann. Für die Palm-Plattform übrigens noch einiges von Richard Lang zu erwarten. Gerade die aktuelleren Modelle der Palm-Serie bieten schon wesentlich mehr Speicher und schnellere Prozessoren. Wie mir Richard mitteilte, plant er eine Portierung des legendären London-Programms (Sieg gegen Kasparov in London 1994) für die Geräte der PalmV-Serie, die dann natürlich auch wichtige Techniken wie HashTables oder Permanent Brain unterstützen soll.
 
Vertiefende Informationen zu ChessGenius finden Sie im Internet auf der Site www.chessgenius.com, bei Fragen und Interesse zu den Mobilcomputern der Palm-Serie empfehle ich Ihnen die Adressen www.palmdownload.de und www.palminfo.de
 
 
Update Version 1.2 - November 2000
Eine der wenigen Schwachstellen des unbestritten spielstärksten Schachprogramms für die Palm-Rechner war die mangelhafte, sprich fehlende Partieverwaltung. Diese Schwachstelle wurde von Richard Lang mit dem kostenlosen Update 1.2 ausgemerzt, das man unter www.chessgenius.com downloaden kann. Innerhalb der Palmumgebung verläuft die Verwaltung recht einfach. Die Partien werden in einem einfachem Textformat gespeichert. Es lag auf der Hand, dass sich der Autor dabei für das PGN-Format entschieden hat, das von jedem besseren Schachprogramm "verstanden" wird.
 
Genial: ChessGenius kann jetzt nicht nur komplette Partien, sondern auch Positionen speichern und laden. Die Positionsbeschreibung innerhalb der von ChessGenius erzeugten PGN-Dateien wurde mit Hilfe der üblichen FEN-Tags realisiert. Wenn Sie eine Partie gespielt haben, können Sie die Notation einfach mit "Speichere Partie" abspeichern. Dazu greift ChessGenius auf die im Lieferumfang des Palm integrierte Minitextverarbeitung Memopad zurück, mit der man die vom Programm erzeugten Notationen einlesen und editieren kann.
 
Das Laden einer Partie ist ebenfalls watscheneinfach. Über die Funktion "Lade Partie" rufen Sie eine Liste mit den gespeicherten Partien auf, aus der das gewünschte Spiel aufgerufen werden kann. Selbstredend wird dabei auch die "Hotsync-Funktion", also der Datenaustausch zwischen Palm und PC in beide Richtungen sehr vorbildlich unterstützt. Sie können ohne weiteres ihre mit dem Palm gespielten Partien zum PC überspielen und die Notationen mit PC-Programmen einlesen. In umgekehrter Richtung übernehmen Sie die Notation einer Partie in die Zwischenablage und übertragen den Eintrag in den Merkzettel.
 
Dabei ist zu beachten, dass man pro Arbeitsschritt lediglich eine Partienotation weiterverarbeiten kann. ChessGenius ignoriert aber in PGN-Dateien sämtliche Kommentare und Varianten, diese werden beim Nachspielen einer Partie nicht angezeigt. Die neuen Funktionen werten das stärkste Schachprogramm für den Palm nochmals deutlich auf und daher ist das kostenlose Update für registrierte Anwender des "Taschenweltmeisters" ein zwingendes Muss.
 
Peter Schreiner
 
zum Seitenanfang zurück |