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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Pocket Fritz! -
eine Vorschau auf den Weltmeister im Taschenformat - Teil 1
besprochen von Peter Schreiner - Juli 2001
 
Dank der immer größeren Fortschritte bei der Miniaturisierung elektronischer Komponenten geht der Trend im Computersektor eindeutig in Richtung portable Rechner, die möglichst einfach zu bedienen sind. Die kleinen, kompakten Rechner werden immer leistungsfähiger und eignen sich neben den bisher vorherrschenden Anwendungsgebieten wie Termin- oder Adressverwaltung auch für anspruchsvollere Anwendungen, wie z.B. Schachsoftware.
 
Im September 2000 hatten wir seinerzeit das Schachprogramm ChessGenius für den Palm-Organizer ausführlich vorgestellt. Die Spitzengeräte der Palm-Serie kosten mit 8 MB Speicher und einem Farbdisplay um die 1000 DM. Zwischenzeitlich stellen die Pocket-PCs mit dem Betriebssystem Windows CE von Microsoft eine sehr gute preisliche Alternative zu den Spitzenpalms dar, für den relativ geringen Mehrpreis erhält man wesentlich mehr Rechenpower und eine deutlich bessere Ausstattung im Vergleich zum Palm. Mit Taktgeschwindigkeiten um die 200 MHz und deutlich mehr Speicher bieten die Pocket-PCs auf Windows-CE Basis einfach viel mehr Leistung und eignen sich daher wesentlich besser für komplexere Anwendungsgebiete, wie z.B. Schachsoftware.
 
Stefan Meyer-KahlenDie Nachfrage von Schachspielern nach einem portablen, aber auch möglichst spielstarken Gerät für unterwegs ist riesengroß. Das hat auch der amtierende Computerschachweltmeister Stefan Meyer-Kahlen erkannt und nun in Zusammenarbeit mit ChessBase ein Schachprogramm mit der Bezeichnung Pocket Fritz für die schneller Pocket-PCs auf CE-Basis entwickelt, das bei Erscheinen der aktuellen RE-Ausgabe verfügbar sein wird. Da dieses Programm für unsere Leser von großem Interesse sein dürfte, möchte ich Ihnen zuerst einmal die aktuellen Pocket-PCs mit Windows CE etwas näher vorstellen.
 
 
Pocket-PCs
Es gibt verschiedene portable Kleincomputer, die man problemlos in der Hand halten oder in der Tasche transportieren kann. Aufgrund der relativ geringen Größe bieten sie im Vergleich zu einem normalen Desktop-Rechner natürlich weniger Hardwarepower. Aus diesem Grund benötigen diese Rechner auch ein möglichst "schlankes" Betriebssystem, das einfach zu bedienen und an die Bedürfnisse des "Mobilcomputings" angepasst ist. Es gibt unterschiedliche Arten dieser Minicomputer.
 
Weit verbreitet sind die "Handhelds" mit kleinem Display und einer extrem kleinen Tastatur für die Benutzereingaben. Diese Geräte lassen sich sehr gut mit einem kleinen Organizer vergleichen. Diese Geräte bieten mit Farbdisplays, Sound, Modems, abnehmbaren Tastaturen einiges an Komfort, sind aber teilweise immer noch recht unhandlich.
 
Aus meiner Sicht sind die "Palm-sized PCs" (= Pocket-PC) viel interessanter. Diese Maschinen kann man wie die Palm-Organizer problemlos in einer Hand halten. Die Darstellung der Farbdisplays ist exzellent und man kann sämtliche Eingaben mit Hilfe eines Stifts vornehmen; bei diesen Geräten ist also keine Tastatur notwendig. Bei der Ausstattung und dem Zubehör brauchen sich die Pocket-PCs keineswegs hinter den Handhelds zu verstecken. Mit Modem, Infrarot-Schnittstelle, externen Speicherweiterungen usw. bieten diese kompakten Rechner unglaublich viel Komfort.
 
Der Pocket Fritz läuft auf Pocket-PCs mit Windows CE und wurde von mir auf einem CASSIOPEIA von Casio mit 150 MHz-CPU und 32 MB Ram getestet. Sehr empfehlenswert, aber auch entsprechend teurer, ist der IPAQ von der Firma Compaq, der mit über 200 MHz Taktfrequenz und optionalen 64 MB Ram sehr gute Voraussetzungen bei der Hardware für den Pocket Fritz bietet. Vergleicht man die Ausstattung, insbesondere die Taktfrequenzen einmal mit den Geräten der Palm-Serie, wird klar, dass die Pocket-PCs definitiv in einer anderen Liga spielen und es kein Wunder ist, dass diese Geräte immer mehr Marktanteile erobern. Ein weiterer positiver Effekt bei diesen Maschinen: die Preise fallen laufend ...
 
 
Windows CE
Als Betriebsystem für die Pocket-PCs fungiert Windows CE von Microsoft, das sich mit dem großen Bruder nur die Oberfläche und den Namen teilt. Das Betriebssystem wurde für Computer optimiert, die ohne Festplatte und GHz-Power auskommen müssen. Die zeigt sich z.B. beim Einschalten des Rechners, wo man nicht wie beim PC das System aufwendig booten muss. Einfach einschalten und der Rechner steht sofort zur Verfügung.
 
Das 32Bit-System ist offensichtlich sehr effizient programmiert, gibt sich bereits mit schlappen 2,5 MB RAM zufrieden und harmoniert mit einer großen Anzahl von Prozessoren, wie z.B. ARM, MIPS, SH3 oder dem 64Bit-Prozessor SH4.Auch die Auslastung des Prozessors ist sehr gering, so das Windows CE sehr viel Ressourcen für die jeweiligen Anwendungen frei lässt. Im Unterschied zu Win98 / ME enthält Windows CE keinerlei DOS-Überbleibsel und bietet zur Freude des Puristen nur absolut lebensnotwendige Funktionen. Da es auf allen möglichen Prozessortypen läuft, ist es im Unterschied zu den großen "Brüdern" eine echte Multi-Plattform. Aus eigener Erfahrung kann ich dem Betriebssystem noch bemerkenswerte Eigenschaft gegenüber einigen seiner großen "Brüder" bescheinigen: das System lief auf meinem Pocket-PC absolut stabil und bisher konnte ich keinen einzigen Absturz verzeichnen. Ein ebenfalls sehr wichtiger Aspekt!
 
Damit kein Missverständnis entsteht: unter Windows CE laufen keine 32Bit-Programme und ein CE-Rechner kann auf gar keinen Fall einen "normalen", sprich Desktop-Rechner, ersetzen. Ganz im Gegenteil. Ein Besitzer eines Mobilrechner mit Windows CE muss z.B. zwingend einen PC besitzen, wenn er neue Software wie z.B. den Pocket Fritz installieren will. Der Datenaustausch zwischen PC und Handheld funktioniert entweder über die USB- oder serielle Schnittstelle und ist dank der Synchronisationssoftware völlig problemlos.
 
Im Lieferumfang von Windows CE ist bereits eine beachtliche Softwareausstattung enthalten. Spezielle Pocketversionen von MS Word, MS Excel, Outlook, Internetexplorer bieten schon einmal die erforderliche Grundausstattung, um unterwegs wichtige Daten zu bearbeiten oder zu kommunizieren. Typisch für einen Mobilrechner sind Anwendungen wie ein Adressbuch, Notizblock, Kalender, Taschenrechner und selbstredend sind auch diese Tools im Lieferumfang enthalten.
 
Obligatorisch ist bei einem Pocket-PC die Dateneingabe mit dem Stift. Die Eingabe der Zeichen funktioniert bei allen mitgelieferten Programmen gleich (MS Word, Excel, Kalender usw.) Man hat die Wahl zwischen einer kleinen Tastatur, die am unteren Teil des Bildschirms erscheint und mit dem Stift bedient wird, oder der Zeichenerkennung. Ist die Zeichenerkennung aktiviert, erscheint am unteren Viertel des Bildschirms eine Fläche, die in Grossbuchstaben, Kleinbuchstaben und Zahlen aufgeteilt ist. Man schreibt die Buchstaben oder Zahlen mit dem Stift in die entsprechenden Felder. Die Erkennung ist sehr gut, man muss keine spezielle Schrift anwenden. Nachteil: man kann immer nur ein Zeichen schreiben, danach muss man kurz abwarten, bis es übernommen wird.
 
Tipp: das Freeware-Programm Transcriber gibt es zum Download bei www.palmtopmagazin.de/download/download-1330.php3
Der Vorteil: man kann komplette Worte über den ganzen Bildschirm schreiben. Auch hier ist die Erkennung der Zeichen sehr gut. Ich kann dieses Programm nur wärmstens empfehlen. Nach einigen Wochen intensivster Nutzung kann ich meinem Pocket-PC echtes Suchtpotential zugestehen und bin schon lange nicht mehr so gut organisiert gewesen.
 
 
Der Pocket-Fritz
Der von ChessBase und Computerschachweltmeister Stefan Meyer-Kahlen entwickelte Pocket Fritz bietet neben sehr hoher Spielstärke einen beachtlichen Leistungsumfang. Das Schlagwort "Taschenweltmeister" ist keineswegs übertrieben, das eigentliche Schachprogramm basiert im wesentlichen auf dem WM-Programm Shredder von Stefan Meyer-Kahlen. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ein Schachprogramm auf einem schnellen PC mit 1 GHz und mehr oder auf einem Pocket-PC läuft.
 
Da Shredder bekanntlich über ein hohes Schachwissen verfügt, war es für uns vor allem die Frage spannend, wie er auf dem Pocket-PC agieren wird. Aus diesem Grund musste der Taschenweltmeister gegen etablierte Konkurrenz antreten, die auf den zur Zeit noch sehr beliebten Palmorganizern läuft. Als erster Gegner musste der mit 2000 Elo bewertete Chess Genius mit hochgetakteten 28 MHz gegen den neuen Pocket Fritz antreten. In einem informellen Match von 10 Blitzpartien verlor das Programm von Richard Lang alle Partien. Ein typisches Beispiel:
 
Chess Genius 28 MHz - Pocket Fritz (Blitz)
1.d4 d5 2.c4 dxc4 3.e3 Sf6 4.Lxc4 e6 5.Sc3 a6 6.Sf3 b5 7.Ld3 Lb7 8.0-0 Le7 9.a4 b4 10.Se2 c5 11.Dc2 Lxf3 12.gxf3 0-0 13.Ld2 Sc6 14.dxc5 Se5 15.Sd4 Dd5 16.c6? Sxd3 17.Dxd3 e5 18.Db3 exd4 19.Dxd5 Sxd5 20.exd4 Tac8 21.Tfc1 Tfd8 22.Tc2 b3 23.Tcc1 Td6 24.c7 Txc7 25.Txc7 Sxc7  0-1
 
Eines der stärksten aktuellen PC-Programme ist Chess Tiger von Christophe Theron. Das Programm ist nun auch für den Palm portiert worden und steht unter www.chesstiger.com/free_tiger.zip in einer laufzeitbeschränkten Testversion zum Download zur Verfügung. Nach Schätzung des Autoren Chriostophe Theron sollte sein Programm auf einem übertakteten Palm in etwa 2200 Elo erreichen. Chess Tiger für den Palm leistete zwar zäheren Widerstand als der Genius, hatte aber letztendlich auf einem übertakteten 28 MHz Palm nicht den Hauch einer Chance.
 
Chess Tiger 28 MHz - Pocket Fritz (Blitz)
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.Sc3 Sf6 4.e5 dxe5 5.Sxe5 a6 6.Le2 e6 7.0-0 Dc7 8.Sc4 b5 9.Se3 Ld6 10.h3 0-0 11.a4 b4 12.Lf3 Lb7 13.Sc4 bxc3 14.Sxd6 Lxf3 15.Dxf3 cxd2 16.Dxa8 Dxd6 17.Df3 Dd4 18.Lxd2 Dxd2 19.Tac1 Sbd7 20.Dc6 a5 21.Tcd1 Dxc2 22.Txd7 Sxd7 23.Dxd7 Dxb2 24.Dc6 Dc3 25.Td1 c4 26.Kf1 Dc2 27.Td7 c3 28.Db5 Dc1+ 29.Ke2 c2 und 0-1
 
Die Ergebnisse gegen die Palm-Schachsoftware zeigen ganz deutlich auf, dass der Pocket Fritz auf einem deutlich schnelleren Pocket-PC eindeutig in einer "anderen Liga" spielt. Natürlich ist das typische Anwendungsgebiet des Pocket Fritz nicht das Spiel gegen andere Computer, sondern er wird mit Sicherheit in erster Linie als Partner gegen seinen Besitzer und als Analysehelfer fungieren. Im Unterschied zur PC-Version wurde Pocket Fritz für das Spiel gegen Menschen optimiert und strebt nach Möglichkeit kampfbetonte, offene Stellungen an. Aus diesem Grund haben wir das Programm mehrfach gegen starke Vereinsspieler in Schnellpartien antreten lassen. Ergebnis: Spieler mit einer Wertung von 2000 - 2100 Elo hatten gegen den Mobilrechner nur wenig zu bestellen. Dazu ein Beispiel gegen einen Spieler mit 2170 Elo:
 
Nach zähem Kampf ergab sich diese schwierige Stellung. Der Spieler zog 56.Kg1 und musste nach 56...e3 57.a7 Ta8 58.Tb7 f3 59.gxf3 gxf3 60.Kf1 Kc6 61.Tb6+ Kd5 62.Tb7 Kc4 63.Tf7 Kc3 64.Ke1 e4 65.Th7 Tf8 die Waffen strecken.
 
Ein Härtetest für den Minirechner waren zwei Partien gegen einen starken, computererfahrenen Fide-Meister mit 2390 Elo. Um den Ernstfall für das Duell in Mainz zu simulieren, wurden die Partien mit 30 Minuten Bedenkzeit auf einem richtigen Schachbrett gespielt. Auch hier konnte das Ergebnis von Pocket Fritz voll überzeugen und es gewann mit 2:0. Anbei die beiden Partien:
 
Pocket Fritz - Spieler (2390)
1.d4 Sf6 2.c4 c5 3.d5 e5 4.Sc3 d6 5.e4 Le7 6.Sf3 Lg4 7.Le2 0-0 8.0-0 Se8 9.b3 Sd7 10.Sd2 Lxe2 11.Dxe2 Lg5 12.Dd3 g6 13.Lb2 Lh6 14.Tab1 Sg7 15.Tbd1 a6 16.Dh3 Lxd2 17.Txd2 Tb8 18.f4 exf4 19.Txf4 Se5 20.Te2 b5 21.cxb5 axb5 22.a4 bxa4 23.bxa4 Tb3 24.Tf1 De7 25.Lc1 Tfb8 26.Tef2 c4 27.Lh6 Tf8 28.Dg3 f6 29.Ta2 Tfb8 30.Tc2 Se8 31.Le3 Sc7 32.Ld4 Sa6 33.Dh4 Sb4 34.Tcf2 Sd7 35.Sb5 Sd3 36.Lxf6 Sxf6 37.Txf6 Se5 38.Sxd6 Tb1 39.Sb5 Txf1+ 40.Kxf1 Db4 41.Df4 Te8 42.Sd6 Db1+ 43.Ke2 Sd3 44.Txg6+ hxg6 45.Df7+ Kh8 46.Dxe8+  1-0
 
Spieler (2390) - Pocket Fritz
1.e4 e5 2.d3 Lc5 3.g3 Sc6 4.Lg2 d6 5.Sf3 f5 6.0-0 fxe4 7.dxe4 Sf6 8.Sbd2 0-0 9.c3 De7 10.h3 Kh8 11.De2 Sh5 12.Kh2 Ld7 13.b4 Lb6 14.Sc4 Le6 15.a4 Lxc4 16.Dxc4 a6 17.De2 De6 18.Ld2 Tae8 19.Sh4 Sf6 20.Sf5 Se7 21.Sxe7 Txe7 22.a5 La7 23.Tad1 Tef7 24.f3 c6 25.h4 d5 26.Lh3 Dd6 27.Lg5 Kg8 28.c4 Ld4 29.exd5 cxd5 30.c5 De7 31.Tfe1 Lc3 32.Ld2 Se4  0-1
 
Es ist vorläufig noch zu früh, ein endgültiges Fazit bezüglich der Spielstärke zu ziehen. Eine realistische Einschätzung dürfte auf der Basis der vorliegenden Testergebnisse und der Einschätzung mehrerer starker Schachspieler ein Wert zwischen 2350 - 2400 Elo sein. Es steht aber jetzt schon definitiv fest, dass die Kombination Pocket Fritz + Pocket PC für einen relativ geringen Preis eine Spielstärke bietet, die deutlich über den klassischen Highend Brettgeräten und den Programmen für die Palm-Plattform liegt. Einem Extremtest wird der Minirechner bei den Chess Classics in Mainz unterworfen, wo er gleich gegen zwei Spieler aus den Top Ten (Peter Leko + Michael Adams) antreten muss.
 
 
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