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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Mephisto-Schachschule
besprochen von Peter Schreiner - Juli 1998
 
Der Bekanntheitsgrad des Markennamen Mephisto ist insbesondere bei vielen Amateurspielern enorm hoch, obwohl die Firma seit einigen Jahren nicht mehr existiert. Einige renommierte Verlage bieten unter dem bekannten Namen aber schachbezogene Produkte an, die mit einem sehr günstigen Preis-Leistungsverhältnis speziell den lukrativen Massenmarkt mit den vielen schachinteressierten Amateurspielern ansprechen sollen.
 
Der TEWI-Verlag aus München demonstriert seit einiger Zeit ein beachtliches Engagement im Marktsegment Schach und hat im letzten Jahr bereits einige preisreduzierte Versionen von bekannten Windows-Programmen auf den Markt gebracht, die sich aufgrund der professionellen Konzeption durchaus als ernstzunehmende Alternative zu den teuren HighEnd-Programmen eignen; z.B. Mephisto Shredder oder Mephisto Meisterschach.
 
Das neueste Produkt von TEWI, die Mephisto Meisterschule ist eine Kombination aus Lern- und Spielprogramm und richtet sich im Grunde genommen an zwei Zielgruppen: Zum einen an den Anfänger, der mit Hilfe eines Computers das Schachspiel erlernen will und zum anderen an den starken Vereinsspieler, der zu einem günstigen Preis ein spielstarkes Schachprogramm mit Datenbank erwerben möchte.
 
Die Systemvoraussetzungen für den Betrieb des Programms sind keineswegs exotisch: TEWI gibt als Minimalkonfiguration einen 486er oder höher mit 8 MB RAM, 16 MB freiem Festplattenspeicher, SVGA, Soundkarte und ein CD-Rom an. Da es sich um ein reines Windows95-Programm handelt, halte ich diese Angaben für etwas untertrieben: flüssig dürfte das Programm ab einem P90 MHz mit mindestens 16 MB RAM laufen.
 
 
Das Lernprogramm
Die erste der beiden Programmkomponenten, das Lernprogramm, richtet sich klar an Anfänger, die in Ermanglung eines Lehrers von einem kompetenten, geduldigen Partner in die ersten Feinheiten des Schachspiels eingeführt werden. Diese Funktion übernimmt der bekannte Großmeister Dr. Helmut Pfleger, der sich bereits einen ausgezeichneten Ruf speziell mit Schachbüchern für Anfänger erworben hat.
 
Seine dort gesammelten Erfahrungen bei der Vermittlung von grundlegendem Schachwissen sind in vorbildlicher Weise umgesetzt worden. Nach dem Programmstart kann der Einsteiger in den sogenannten Lehrermodus wechseln und die gewünschte Lektion auswählen. Es werden ihm insgesamt zehn verschiedene Lernthemen zum Schachbrett und den Figuren angeboten.
 
Die Schachschule beginnt zuerst mit den grundlegenden Elementen (Brett, Figuren, Zugmöglichkeiten) und zu jeder Lektion gibt es über ein Avi-Video ausführliche Instruktionen und Anleitungen von Helmut Pfleger. Das Programm "merkt" sich genau, an welcher Stelle der Unterricht abgebrochen wurde und knüpft bei einer Wiederaufnahme der Lektionen zu einem späteren Zeitpunkt genau an die letzte Sitzung wieder an.
 
Jedes Kapitel und jede Lektion baut exakt und für den Neuling didaktisch sinnvoll auf den vorangegangenen Einheiten auf. Sehr gut finde ich, dass die Schachschule dem Anfänger die Option bietet, den Lernstoff mit Wiederholungen und zusätzlichen Übungen zu festigen. Zu den behandelten Kapiteln gibt es sogenannte Lernspiele mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden, die das Wissen des Schülers zum jeweiligen Thema vertiefen.
 
Im Kapitel Bauer lernt der Anfänger z.B. alle Zugmöglichkeiten und Besonderheiten dieser Schachfigur kennen. Anschließend kann er sein Wissen in einem Lernspiel vertiefen, wo beide Seiten nur mit König und Bauern spielen. Dieses Konzept ("Learning by doing") setzt sich konsequent über alle Kapitel hinweg fort. Sehr gelungen fand ich die verständlichen Kommentare und Ausführungen von Dr. Pfleger, die jede aktuelle Brettsituation vorbildlich erläutern.
 
Die Bedienung und Steuerung des Lernprogramms (Auswahl der Lektionen + Kapitel) ist zudem äußerst komfortabel und auch programmtechnisch ausgezeichnet umgesetzt. Die Kräftewirkungen und Zugmöglichkeiten der Figuren werden zusätzlich mit farblich unterlegten Feldern auf dem Schachbrett dargestellt.
 
Nach meiner Einschätzung wird das in der Mephisto Schachschule integrierte Lernprogramm dem angestrebtem Ziel einwandfrei gerecht. Es dürfte einem Anfänger ohne weiteres möglich sein, mit Hilfe dieses von Helmut Pfleger ausgezeichnet umgesetzten Kurses das Schachspiel zu erlernen. Die Umsetzung des Lernmoduls gefiel auch besonders gut durch das ausgezeichnete Zusammenwirken der sprachlichen Erläuterungen mit der Darstellung auf dem Bildschirm. Abgerundet wird der Schachkurs durch ein kleines Lehrbuch von Helmut Pfleger, das noch einmal sämtliche Lektionen in Buchform zusammenfasst und damit zum ergänzenden Training am normalen Holzschachbrett anregt.
 
 
Das Schachprogramm
Sinnvoll ergänzt wird das Lernprogramm von dem integrierten Schachprogramm. Dieses stammt (wie übrigens auch die technische Umsetzung des Lernprogramms) aus der "Nimzowerkstatt" des österreichischen Spitzenprogrammierers Chrilly Donninger.
 
Dessen HighEnd-Programm Nimzo98 gewann in den letzten Monaten einige der wichtigsten Computerschachturniere (Offene Holländische Meisterschaft, Wels oder Paderborn), belegt in der aktuellen Eloliste der SSDF den zweiten Rang und gehört zu der Grundausstattung eines PC-Schachfreaks. Das hört sich gewaltig an und man fragt unwillkürlich, ob die angestrebte Zielgruppe mit einem solch starken Programm nicht vielleicht überfordert ist?
 
Die mitgelieferte Nimzo-Version kann man jedoch in der Spielstärke drosseln, so dass sie relativ viele Fehler macht und den Einsteiger nicht allzu sehr frustriert, sondern ihm auch die notwendigen Erfolgserlebnisse vermittelt. Bei der optimalen Einstellung hat das Programm allerdings schachlich einiges auf dem Kasten und dürfte auch sehr starke Turnierspieler bei Dauergebrauch in die Verzweiflung treiben - natürlich nur schlechte Verlierer ...
 
Der aufgeräumte Bildschirm mit großem 2D-Schachbrett - alternativ gibt es ein 3D-Brett mit diversen Figurensätzen - und allen wichtigen Informationsanzeigen (Hauptvariante, Stellungsbewertung, bester Zug usw.) ist im wesentlichen mit der Oberfläche von Nimzo98 identisch. Die in der Eröffnungsbibliothek enthaltenen Züge kann man ebenfalls ablesen; allerdings dürfte die Zielgruppe der Einsteiger mit den sehr technischen Anzeigen zum Suchvorgang relativ wenig anfangen können.
 
Sehr nützlich finde ich die integrierte Partienverwaltung. Innerhalb einer Datenbank kann man komplette Partien oder Schachpositionen abspeichern und bei Bedarf spezielle Partien nach verschiedenen Suchkriterien (Spieler, Turnierort, usw.) herausfiltern. Neben seinem eigenem Datenformat unterstützt das Schachprogramm zum Datenaustausch noch die Standardschnittstelle PGN.
 
Es macht Spaß, mit dem Programm zu analysieren. Neben dem üblichen Eingabemodus, bei dem das Programm im Hintergrund fleißig mitrechnet und die Bewertungen zur aktuellen Stellung einblendet, gibt es einige professionelle Optionen, wie z.B. die Funktion "nächstbester Zug". In Verbindung mit der guten Dateiverwaltung ist der Analysemodus sehr hilfreich; lediglich eine Möglichkeit, die Resultate in einer Textdatei zu protokollieren, sowie eine generelle Druckfunktion habe ich vermisst.
 
Zu der Größe der Eröffnungsbibliothek habe ich keine konkreten Informationen. Der Größenvergleich zum Buch des großen Bruders Nimzo98 fiel aber positiv für die Schachschule aus; die Datei war über 100 KB größer. Die Bibliothek lässt zwei Einstellungen zu (Turnier/Zufall) und kann nicht editiert werden. Dafür werden alle Züge des Buches auf dem Bildschirm angezeigt und der Spieler kann diese via Mausklick direkt abrufen. Die Kombination aus spielstarkem Schachprogramm, ansprechender Grafik, zahlreichen Spielstufen, Analysefunktionen und Datenbanksystem übertrifft die Ansprüche von Einsteigern bei weitem und dürfte auch Turnierspielern genügen.
 
Wie es scheint, profitieren die Spielalgorithmen ganz erheblich von der Leistungsfähigkeit des "großen" Nimzo98, mit dem das Programm offensichtlich eng verwandt ist. Spielt man einige Partien vom Nimzo98 mit dem in der Mephisto Schachschule mitgelieferten Schachprogramm nach, fällt eine weitgehende Übereinstimmung im Spielverhalten auf. Auch wenn man im Vergleich zu Nimzo98 50-70 Elopunkte abzieht, bleibt immer noch ein Gegner mit einem Spielniveau von ca. 2480 Elo übrig. Dieser Spielstärkebereich dürfte eigentlich auch anspruchsvolle Gemüter zufrieden stellen, von der angestrebten Zielgruppe der Hobby- und Freizeitspieler sollte man in diesem Zusammenhang nicht weiter reden.
 
Ein Nachteil soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden: die Programm-CD muss bei jedem Start des Programms im Laufwerk einliegen. Das kann man zwar in Verbindung mit dem Lernprogramm noch einsehen; schließlich verbrauchen die Videos eine Menge Speicherplatz. Will man aber nur dann und wann eine Partie spielen, wird dieser "versteckte" Kopierschutz auf Dauer sehr schnell lästig. Auch einige professionelle Features, wie z.B. der Support des Autoplayers und die Fernschachanalyse bleiben Nimzo98 vorbehalten und sind nicht im vorliegenden Programm integriert.
 
 
Fazit
Das Lernprogramm für Anfänger profitiert erheblich vom KnowHow von Dr. Pfleger und ist für das Selbststudium ideal geeignet. Bisher habe ich keinen besseren Grundkurs zum selbständigen Erlernen des Schachspiels mit Hilfe des PC gesehen. Das Schachprogramm von Chrilly Donninger eignet sich auch für Einsteiger und Hobbyspieler; diese sollten das Programm aber unbedingt (im Gegensatz zum Turnierspieler) abschwächen. Die CD-Rom "Mephisto Schachschule" kostet 99.- DM und ist zur Zeit in den entsprechenden Abteilungen der Warenhäuser verfügbar.
 
Peter Schreiner
 
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