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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Karpow-Schachschule
besprochen von Peter Schreiner - Juli 1998
 
Die Firma Millennium2000 GmbH aus München sandte uns ein Besprechungsexemplar ihrer neuen Karpow Schachschule zu. Bereits vor einigen Monaten wurde in diversen Presseaussendungen auf die Kooperation mit dem langjährigen Weltmeister Anatoly Karpow hingewiesen, der die Firma aktiv bei der Produktentwicklung und der Vermarktung ihrer Produkte unterstützt. Jetzt liegt uns das erste Ergebnis der Zusammenarbeit vor. Bei der Karpow Schachschule handelt es sich um ein kombiniertes Paket aus Lern- und Schachprogramm, das sich im Grunde an zwei Zielgruppen richtet:
  1. den Anfänger, der in Ermanglung eines menschlichen Partners mit Hilfe eines PC das Schachspiel selbständig erlernen will und
  2. den Vereinsspieler, der zu einem günstigen Preis ein spielstarkes, komfortabel zu bedienendes Schachprogramm sucht.
Beiden Ansprüchen, soviel sei schon einmal vorab verraten, wird das Produkt einwandfrei gerecht. Die Systemvoraussetzungen für den Betrieb der Software sind relativ bescheiden: auf einem PC mit 32 MB RAM, CD-ROM, Soundkarte, usw. sollte das 32Bit-Programm (WIN 95/98/NT) anstandslos seine Dienste verrichten.
 
 
Lernprogramm für Anfänger
Ein Schwerpunkt des Programms liegt in der Zielsetzung, einem Anfänger einen möglichst einfachen Einstieg in die komplexe Materie Schach zu ermöglichen. Das Lernprogramm richtet sich also klar an Anfänger, die in Ermanglung eines menschlichen Partners mit Hilfe des Computers Schritt für Schritt die Grundbegriffe, Regeln und die ersten Feinheiten des Schachspiels erlernen wollen. Als geduldige Lehrer und Partner des Schülers fungieren neben GM Anatoly Karpow noch der Geschäftsführer der Millennium2000 GmbH, Ossi Weiner, der übrigens die Konzeption des Lehrgangs wesentlich mitgestaltet hat.
 
Was viele heute gar nicht mehr wissen: Ossi Weiner betrieb in den 70er-Jahren in München mit großem Erfolg eine Schachschule und kennt aus dieser Zeit die Probleme eines Anfängers beim Erlernen der ersten Schachschritte nur zu gut. Die seinerzeit gemachten Erfahrungen bei der Vermittlung von elementarem Schachwissen sind in vorbildlicher Weise bei dem vorliegenden Produkt mit eingeflossen. Die aktive Mitarbeit von Weiner dokumentiert sich u.a. auch nachhaltig an dem Anteil der von ihm besprochenen Sprachdateien und den gemeinsam mit Anatoly Karpow aufgenommenen Videos. Meiner Ansicht nach hätte man das Produkt auch durchaus "Weiners Schachschule" nennen können ...
 
Nach dem Programmstart wird der Anwender zuerst einmal von einem freundlich lächelnden Anatoly Karpow via Avi-Video begrüßt, der dem User auf diesem Weg viel Erfolg bei der Bewältigung der einzelnen Lektionen wünscht. Danach geht es dann ans Eingemachte und man kann unter dem Menüpunkt Lernprogramm in den Lernmodus wechseln. Dort stehen nach Schwierigkeitsgrad durchstrukturierte Kapitel zur Auswahl, die in einzelne Lektionen untergliedert sind.
 
Naturgemäß beginnt der Lernstoff mit den Basiskenntnissen, z.B. dem Schachbrett, den Koordinaten oder den Zugregeln für die einzelnen Figuren. Auf dem grafischen Schachbrett werden die auf dem Brett vorherrschenden Kräftewirkungen und Zugmöglichkeiten der einzelnen Figuren zusätzlich mit etlichen grafischen Elementen, wie z.B. Pfeilen, farbig markierten Feldern, usw. transparent und verständlich angezeigt.
 
Zu fast jedem Thema geben Anatoly Karpow und Ossi Weiner via Video oder Sprachausgabe ausführliche Hinweise und Anleitungen. In dem Textfenster neben dem Schachbrett werden die Lerninhalte noch einmal in Textform angezeigt. Natürlich wird kein Anfänger die Fülle des Lernstoffes in einer Sitzung durcharbeiten können. Deshalb speichert die Karpow Schachschule eine interne Information ab, an welcher Stelle der Unterricht beendet wurde. Beim nächsten Start des Lernmoduls kann der User den Unterricht direkt fortsetzen und an der gleichen Stelle weiterüben.
 
Nach meiner Einschätzung sind die Trainingsgrundlagen einwandfrei auf die Bedürfnisse eines Anfängers angepasst. Jede Lektion knüpft sich didaktisch hervorragend an das zuvor behandelte Thema an. Ein klassischer und bewährter Grundsatz bei der Vermittlung von Wissen besteht in dem Grundsatz "Learning by doing". Genau nach diesem Motto ging man bei der Konzeption des Lernprogramms vor und es gibt reichlich Gelegenheit für den Einsteiger, die zuvor erlernten Kenntnisse in praktischen Beispielen und sogenannten Trainingsspielen zu vertiefen.
 
Dieses Konzept setzt sich konsequent in allen Kapiteln fort. Das Prinzip ist immer wieder das gleiche: zuerst wird der Anwender mit einem bestimmten Thema in Form von Demos auf dem Schachbrett, Avi-Videos, Sprach- und Textausgaben vertraut gemacht, anschließend kann er sein neu erworbenes Wissen in einer praktischen Anwendung vertiefen. Die Bedienung und Navigation innerhalb des Lernmoduls erfolgt über einen grafischen VCR-Recorder unterhalb des Schachbrettes, der das Handling mit den einzelnen Inhalten sehr benutzerfreundlich gestaltet.
 
Es fällt naturgemäß immer etwas schwer, sich in die Bedürfnisse und Schwierigkeiten eines Anfängers hineinzuversetzen. Was für den erfahrenen Schachspieler eine Selbstverständlichkeit ist, über die man gar nicht weiter nachdenken muss, stellt sich aus der Sicht eines Anfängers oft ganz anders dar. Nach meiner subjektiven Einschätzung dürfte das in der Karpow Schachschule integrierte Lernprogramm den Ansprüchen eines Anfängers voll entsprechen. Mit Hilfe des vorliegenden Lehrgangs sollte es einwandfrei möglich sein, das Schachspiel ohne Hilfe von dritter Seite selbständig zu erlernen.
 
 
Weltmeisterliches Schachprogramm!
Neben dem Lernmodul gibt es natürlich noch ein Schachprogramm, das teilweise mit in den Lernmodus, z.B. bei den Trainingsspielen, integriert wurde. Die CD wurde quasi unter Mitwirkung zweier Weltmeister erstellt: sowohl die programmiertechnische Umsetzung des Lernmoduls als auch das mitgelieferte Schachprogramm stammt vom amtierenden Computerschachweltmeister aller Klassen, Stefan Meyer-Kahlen. Dessen HighEnd-Programm, Shredder gewann im Juni diesen Jahres ohne Niederlage in einem der stärksten Turniere der letzten Jahre den prestigeträchtigen Titel.
 
Nun könnte man zu Recht die Frage stellen, ob die anvisierte Zielgruppe, nämlich Anfänger, mit einem solchen Programm nicht deutlich überfordert sein könnte? Dieses Problem ist relativ einfach zu lösen: man kann das mitgelieferte Schachprogramm mittels verschiedener Vorgaben nachhaltig in seiner Performance ausbremsen. In diesen Modi macht das Programm relativ viele Fehler und sichert damit die unbedingt notwendigen Erfolgserlebnisse.
 
Natürlich handelt es sich bei der mitgelieferten Version nicht um die aktuellste Version des Shredder-Programms, trotzdem hat das Programm bei entsprechend optimaler Einstellung einiges auf dem Kasten und dürfte auch ambitionierte Turnierspieler öfters zur Verzweiflung bringen. Ansonsten bietet das Programm eine bemerkenswerte gute Ausstattung. Der Bildschirm bietet neben einer übersichtlichen 2D-Darstellung noch das von Shredder bekannte 3D-Brett, das mit der Maus beliebig gezoomt, gekippt oder in verschiedenen Perspektiven dargestellt werden kann.
 
Während der Eröffnungsphase zeigt das Programm die Variante glasklar mit Namensbezeichnung und entsprechendem ECO-Code an; mit Sicherheit eine gerade für Anfänger sehr nützliche Funktion. Die Züge der Bibliothek kann man direkt via Mausklick im entsprechenden Buchfenster abrufen und die entsprechende Brettstellung laden. Die Informationsanzeigen während des Rechenvorgangs sind sicher ausreichend: Suchtiefe, Stellungsbewertung, momentan berechneter Zug und die aktuelle Hauptvariante.
 
Der Bedienungskomfort bietet gleichfalls ein ausgezeichnetes Niveau, z.B. kann man häufig genutzte Funktionen direkt mit der Maus über aussagekräftige Icons in einer Symbolleiste abrufen. Überhaupt merkt man dem Programm an, dass einiges von dem bei der Entwicklung von Shredder gewonnenen KnowHow mit eingeflossen ist. Beispiel Stellungseingabe: mit der linken Maustaste gibt man die weißen, mit der rechten Maustaste die schwarzen Figuren ein. Anschließend setzt man noch die Zugrechte und fertig.
 
Spielstufen sind ebenfalls reichlich vorhanden, hervorheben möchte ich noch den Analysemodus, in dem das Programm beim Nachspielen einer Partie seine Bewertungen zur Brettstellung einblendet, ohne selbst einen Zug auszuspielen. Apropos Nachspielen: das Programm der Schachschule unterstützt neben dem PGN-Format sogar das CBF-Format und man kann in Datenbanken (ohne Beschränkungen in der Größe) nach Partien suchen, diese laden und mit dem Programm nachspielen oder analysieren. Im Lieferumfang befindet sich eine Sammlung der schönsten Partien von Anatoly Karpow (fast 1000 Partien), die man mit der Datenbankfunktion sinnvoll nutzen kann.
 
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, alle Ausstattungsmerkmale komplett zu beschreiben. Fakt ist: man kann mit dem Programm einwandfrei spielen, trainieren oder analysieren. Natürlich fehlen, wie schon weiter oben erwähnt, etliche professionelle Features, die aber für die anvisierte Zielgruppe wohl kaum von Interesse sein dürften. Dafür kommt das Schachprogramm mit einer anderen Neuerung: sie kommentiert im Spielmodus die Züge des Anwenders via Sprachausgabe!
 
Es gibt für die Sprachausgabe zwei Modi, die man unter dem Menüpunkt Einstellungen je nach Wunsch an- oder abschalten kann:
  1. Züge ansagen: bei Aktivierung dieser Option werden die Zugkoordinaten jedes Zuges via Sprachausgabe angesagt.
  2. Züge kommentieren: diese Option ist wesentlich interessanter und bringt mehr Abwechslung ins Spiel.
Im Prinzip basiert das Modul auf der Stellungsbewertung des Programms und gibt je nach Spielsituation passende Kommentare über die Soundkarte aus. Generell kann man festhalten, dass die Zuschaltung des Kommentierungsmoduls das Spiel gegen den Computer weniger trocken, sondern abwechslungsreicher gestaltet.
 
Über den Sinn dieser Option mag der Purist lächeln, für den Hobbyspieler oder Anfänger kann gerade diese Funktion besonders reizvoll sein. Falls ein Anwender lieber in Ruhe spielen möchte, kann er die Sprachausgabe jederzeit abschalten. In einigen selbst ausgetragenen Partien konnte ich feststellen, dass das Kommentierungsmodul von Stefan Meyer-Kahlen offensichtlich sehr sauber programmiert wurde: die Kommentare passten immer zur momentanen Spielsituation.
 
 
Fazit
Die Karpow Schachschule deckt meiner Ansicht die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen ab. Der integrierte Schachlehrgang ist meiner Ansicht nach ideal dazu geeignet, sich zusammen mit dem Computer ohne fremde Hilfe die elementaren Kenntnisse über das Schachspiel anzueignen. Man spürt anhand der Konzeption, dass die Beteiligten über reichlich Erfahrung speziell im Unterricht für Schachanfänger verfügen.
 
Das mitgelieferte Schachprogramm von Stefan Meyer-Kahlen dürfte nicht nur in Punkto Spielstärke, sondern mit der kompletten Ausstattung auch anspruchsvollere Schachspieler zufrieden stellen. Insbesondere die pfiffige Implementierung des Kommentierungsmoduls im Spielmodus erhöht den Spassfaktor und dürfte ideal dazu geeignet sein, dass Interesse der anvisierten Zielgruppe am Schach zu erhalten. Weitere Informationen zu der neuen Karpow Schachschule erfragen Sie entweder im Fachhandel oder direkt bei der Millennium2000 GmbH in München.
 
Peter Schreiner
 
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