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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
MasterChess 2000
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 1999
 
Aus den USA wurden uns von der Firma Chess4Less zwei CD-Roms zugesandt, die dem ambitionierten Schachfreund im wesentlichen zwei Komponenten für das häusliche Training bieten:
  1. Eine Datenbank mit exakt 1.271.382 Millionen Schachpartien, die nach den gängigen Kriterien wie z.B. Spieler, Turnier, Eröffnungen usw. durchforstet werden kann.
  2. Das bekannte Schachprogramm Zarkov 4.6 von John Stanback. Man kann es entweder als Analyseprogramm nutzen oder direkt gegen das Schachprogramm unter der MasterChess Oberfläche spielen. 
 
Das Programm
MasterChess 2000 ist ein Windows-Programm und läuft sowohl unter Windows95/98 als auch unter dem Vorgänger Windows 3.11. Das Produkt wurde von der Firma Bookup entwickelt. Deren gleichnamiges Produkt war eine der ersten positionsorientierten Datenbanken auf dem Markt, konnte sich aber außerhalb der USA trotz sehr gutem Leistungsumfang nie so richtig durchsetzen. Bei der Entwicklung des vorliegenden Produktes ist einiges von dem bei der Entwicklung von Bookup angefallenen KnowHow mit eingeflossen. Dazu später noch mehr. Auf den beiden CD-Roms befinden sich noch diverse Demo-Versionen bekannterer Programme, sowie Zugangssoftware für den Internet Chess Club.
 
Bevor wir uns den einzelnen Komponenten zuwenden, noch ein Wort zur Benutzeroberfläche und der sonstigen Ausstattung. Die Programmoberfläche ist zwar übersichtlich, wirkt aber vom Design und Gestaltung her im Vergleich zu dem hierzulande bekannten Standard etwas hausbacken. Man kann für das Schachbrett drei unterschiedliche Größen einstellen und die Farben der einzelnen Felder verändern. Die übrigen Fenster kann man mit Hilfe eines Trennrahmens auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.
 
Erster Eindruck: etwas spartanisch, aber übersichtlich. Im reinen Spielmodus gegen Zarkov zählt die Schachuhr lediglich die Sekunden herunter; im Analysemodus ist die Schachuhr eingefroren und läuft nicht mit. Abgesehen von diesen kleineren Ungereimtheiten kann man dem Programm zu Gute halten, dass es weniger auf Optik getrimmt ist, sondern in erster Linie ein effektives Schachtraining bei möglichst einfacher Bedienung ermöglichen soll. Ansonsten ist die Bedienung (Englischkenntnisse vorausgesetzt) recht unkompliziert. Sowohl die Menüeinträge als auch die Onlinedokumentation (anstatt einer Onlinehilfe ein einfaches Textfile) liegen ausschließlich in englischer Sprache vor.
 
 
Die Datenbank
Auf der CD befindet sich eine Partiensammlung mit über 1,2 Millionen Schachpartien. MasterChess2000 bietet alle Funktionen, um den Datenbestand nach vorgegebenen Kriterien zu durchforsten. Neben den üblichen Suchbedingungen wie z.B. Spielername, Jahr, Ergebnis oder Turnier kann man mit Hilfe eines kleinen Variantenbrettes bestimmte Anfangszüge vorgeben und so gezielt nach Eröffnungen oder Varianten suchen. Komplexere Abfragen wie nach bestimmten Materialkonstellationen, Figurenmanövern usw. sind nicht möglich, was meiner Ansicht nach den Gebrauchswert der Software deutlich einschränkt.
 
Innerhalb der Eingabemaske akzeptiert das Programm Suchkürzel, z.B. "Kasp" für Kasparov. Die Suchfunktion ist recht flott. Eine Suche nach allen in der Datenbank enthaltenen Partien von Garry Kasparov auf der CD-Rom ergab insgesamt 1496 Partien und dauerte auf einem PII/350 MHz nur 17 Sekunden. Alternativ kann man die Datenbank von der Platte aus betreiben, was die Suchgeschwindigkeit nochmals deutlich erhöht. Die nach einer Suche aufgespürten Partien werden in einem Listenfenster aufgeführt und können direkt in das PGN-Format exportiert werden.
 
Das Highlight des Programmpaketes ist sicherlich die auf CD2 mitgelieferte, große Datenbank mit über 1,2 Millionen Partien. Die Daten liegen in den gängigen Datenformaten für ChessBase (CBF+CBH) und im neuen Datenformat des Chess Assistant vor. Mittlerweile konkurrieren auf dem deutschen Markt mehrere große Datensammlungen um die Gunst des Käufers. Im Unterschied zu früheren Jahren sind Partiensammlungen mit über 1 Millionen Partien keine Seltenheit mehr. Die wichtigsten Kriterien für die Beurteilung der Qualität einer Datenbank sehe ich in einer möglichst geringen Anzahl von Dubletten und einer weitgehenden Vereinheitlichung der Schreibweisen für die diversen Einträge, wie z.B. Spielernamen, Turnierort, usw.
 
Ich habe unter Berücksichtigung dieser Kriterien die Datenbank im CBH-Format eingehend überprüft und lediglich 7 Dubletten gefunden. In dieser Hinsicht hinterlässt das Produkt also einen ausgezeichneten Eindruck; zusätzlich sind die Partien bereits mit dem ECO-Code klassifiziert. Positiv fiel auch auf, dass innerhalb der Partiensammlung keine Fragmente oder fehlerhafte Partiedaten zu finden waren. Hinsichtlich der Vereinheitlichung der Schreibweisen fällt das Produkt gegenüber vergleichbaren Angeboten hierzulande deutlich ab. Nach einigen Stichproben konnte ich zahlreiche unterschiedliche Schreibweisen entdecken, was den Wert der Suchabfragen relativiert.
 
Die Sammlung bietet einen guten Überblick über das gesamte Turnierschach: die Partien stammen aus dem Zeitraum von 1801-1999. Zum Thema Aktualität bleibt anzumerken, dass 34 128 Partien aus dem noch lfd. Jahr 1999 stammen; das ist ein sehr guter Wert. Meiner Einschätzung ist die Aufbereitung der Daten wegen der mangelhaften Vereinheitlichung der Schreibweisen nicht 100% optimal, genügt aber noch einem guten Qualitätsanspruch. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass es auf dem deutschen Markt konzeptionell und finanziell vergleichbare Angebote gibt, die eine deutlich bessere Qualität und Leistungsumfang bieten.
 
 
Zarkov 4.6
Computerschachveteran John Stanback dürfte den eingefleischten Computerschachfans, die seit Beginn des PC-Schach-Booms Anfang der Neunziger dabei sind, gut bekannt sein. Zum Lieferumfang des Programms gehört eine 32Bit-Schachengine von Zarkov, die man zur Analyse oder direkt als Spielprogramm nutzen kann. Auf der CD befinden sich mehrere nach Themen sortierte Eröffnungsbücher, die man je nach Bedarf mit Zarkov laden kann. Eine Schwachstelle: es gibt keine Funktion, eigene Bücher zu erstellen oder vorhandene Books zu editieren. Die Implementierung der Engine ist ebenfalls nicht optimal gelöst. Zwar kann man mit Hilfe von Zarkov 4.6 Partien oder komplette Testsets im EPD-Format analysieren, aber keinerlei Einstellungen zu der Engine vornehmen. HashTables einstellen, Bewertungsparameter modifizieren... kurzum: alles was den Computerschachfan zu vertiefenden Experimenten mit dem Programm anregen könnte, ist nicht vorhanden.
 
Im Spielbetrieb kann der Anwender die Bedenkzeiten für eine Partie frei definieren und dem Programm vorgeben, mit welchem der mitgelieferten Eröffnungsbücher es spielen soll. Im Grunde genommen beschränkt sich Zarkov, wie das komplette MasterChess2000 System auf das Wesentliche. Zarkov rechnet im Analysemodus beim Nachspielen der Partien fleißig mit und zeigt in einem Fenster Stellungsbewertung, Anzahl der bewerteten Positionen und Rechentiefe an; diese werden bei Bedarf gespeichert. Alternativ kann das Programm komplette EPD-Dateien mit vorgegebener Bedenkzeit vollautomatisch analysieren; dies ist für die Abarbeitung kompletter Testreihen oder Fernschachstellungen nützlich, aber eben auch nur minimaler Standard. Seit einiger Zeit gibt es für das Millennium Chess System ebenfalls eine Zarkov-Engine. Mit dieser Engine habe ich die vorliegende Version anhand einiger Testsuites verglichen. Im Grossen und Ganzen ähneln sich die Programme sehr und weisen ein weitgehend identisches Spielverhalten auf.
 
 
Fazit
MasterChess2000 dürfte es trotz des günstigen Preis von 75.- DM sehr schwer haben, sich auf dem deutschen Markt zu behaupten. Bis vor kurzem war eine große Partiensammlung mit über 1 Millionen Partien für unter 100.- DM ein durchaus verlockendes Angebot. Mittlerweile gibt es hierzulande mehrere Produkte, die das gleiche Konzept wie MasterChess2000 verfolgen. Im Lieferumfang der preislich günstigeren GrandmasterBooks II bekommt man neben einer deutlich größeren Datenbank ein funktionsreduziertes Genius-Programm, das ebenfalls über gute Datenbankfunktionen verfügt und mit dem man Partien analysieren kann. Interessant könnte MasterChess2000 für den Schachfreund sein, der sich nicht mit einer Vielzahl von Funktionen und einem dementsprechend komplizierteren Handling auseinandersetzen will. Für das vorliegende Produkt gibt es momentan keinen deutschen Distributor. Der Hersteller bietet potentiellen Interessenten einen interessanten Service: bei Nichtgefallen kann der Kunde das Programm zurückgeben und bekommt den Kaufpreis erstattet!
 
Peter Schreiner
 
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