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Diagramm 16-2006
 
Diagramm 16 – 2006
Schwarz am Zuge benötige hier nur noch zwei Züge, um den Anziehenden zur Aufgabe zu bewegen. Wie setzte er fort?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chessbase 8.0 - das Referenzprogramm! - Teil 2
besprochen von Peter Schreiner - Oktober 2000
 
 
Onlinefunktionen
Seit einiger Zeit betreibt ChessBase mit nicht unbeträchtlichen Aufwand unter www.chessbase-online.com eine Onlinedatenbank. Dort findet man zur Zeit etwa 1,5 Millionen unkommentierte Partien. Die Firma aktualisiert den Datenbestand in regelmäßigen Abständen mit Partien aus den unterschiedlichsten Quellen, darunter nicht nur aktuelle, sondern auch historische Partien. Wir haben hier bereits mehrfach über diesen vorbildlichen und kostenlosen (!) Service berichtet, der übrigens auch mit einem einfachen Internetbrowser wahrgenommen werden kann.
 
Konsequent und eleganter kann man aber die Suchabfragen mit Hilfe des Datenbankprogramms durchführen, das neben den lokalen Datenbanken auf Wunsch auch die Onlinedatenbank nach Partien durchforstet. Grundvoraussetzung für einen Zugriff ist natürlich eine aktive DFÜ-Verbindung. Der Rest stellt auch für Einsteiger kein großes Problem dar. Man kann die Onlinedatenbank nach Spielern oder nach Positionen Suchkriterien durchforsten.
 
Der Suchvorgang via ISDN ging erstaunlich flott voran. Offensichtlich sind auf dem Server optimierte Indexdateien vorhanden, die den schnellen Zugriff zu gewährleisten. Aus technischen Gründen gibt es allerdings eine Einschränkung: um den Server vor einer Überlastung zu bewahren, werden hier maximal 1000 Partien aufgelistet. Diese "Einschränkung" kann man mit einer Verfeinerung der Suchkriterien umgehen.
 
Mit ChessBase 8.0 ist es möglich, eine einzelne Stellung oder Partie, mehrere ausgewählte Partien oder komplette Datenbanken via Email zu versenden. Wenn das Emailkonto über einen gängigen Client wie Outlook Express, Netscape usw. verwaltet wird, ist die Prozedur "watscheneinfach."
 
Nehmen wir einmal an, Sie möchten einem Schachfreund mehrere ausgewählte Partien via Email zusenden. Markieren Sie einfach die entsprechenden Partien in der Partienliste. Via Rechtsklick wird das entsprechende Kontextmenü aufgerufen, wo sich u.a. unter Ausgabe der schlüssige Eintrag "E-Mail" befindet. Das Programm generiert automatisch das Attachment und startet das E-Mail-Programm. Im Grunde genommen muss der User nur noch die Adresse einfügen und die Mail abschicken. Einfacher geht es nun wirklich nicht mehr.
 
Eine weitere bedeutende Neuerung, bzw. Verbesserung gegenüber dem Vorgänger ist Option, ausgewählte Partien inklusive aller Kommentare und eingebetteten Diagrammen in das HTML-Format zu exportieren. Die Aufbereitung und Publikation schachbezogener Dokumente zum Nachspielen mit einem gängigen Internetbrowser ist jetzt ein Kinderspiel. Nehmen wir an, Sie möchten auf einer Homepage Partien aus einem Turnier präsentieren, die der Surfer direkt in seinem Browser nachspielen und analysieren kann. Die Vorgehensweise ist simpel.
 
Man muss lediglich die entsprechenden Partien in der Liste markieren und ruft per Rechtsklick unter Ausgabe den Menüeintrag Javascript auf. ChessBase 8.0 generiert dann automatisch die entsprechende HTML-Seite mit nachspielbarer Notation + eingebetteten Diagrammen und man kann die Inhalte umgehend in Netz stellen. Die Entwickler haben hierbei alle Eventualitäten berücksichtigt und neben den verschiedenen Ausgabeoptionen kann man zusätzlich direkt eine Downloadoption für alle Partien im PGN-Format integrieren. Alternativ kann man auf diese Weise bei der Publikation von Partien im Internet Anwender ansprechen, die kein Schachdatenbanksystem besitzen. Es muss lediglich ein javascriptfähiger Browser installiert sein, eine Voraussetzung, die leicht zu erfüllen ist.
 
Es ist im Rahmen dieses Artikels nicht möglich, sämtliche Neuerungen im Detail zu beschreiben. Bei der Arbeit mit ChessBase 8.0 stellt sich immer wieder ein "Aha-Effekt" ein, wenn man zum wiederholten Mal eine neue nützliche Funktion oder eine substanzielle Verbesserung bereits bekannter Funktionen entdeckt. Jeder Anwender setzt natürlich bei der Arbeit mit einer Schachdatenbank unterschiedliche Prioritäten. Man möge es mir daher verzeihen, wenn die folgende Auflistung der Neuerungen nicht komplett ist und insbesondere Funktionen enthält, die mir subjektiv besonders wichtig erscheinen.
 
 
Dublettensuche
Bei der Interpretation von Informationen ist es zwingend notwendig, dass man als Grundlage einen gepflegten Datenbestand einsetzt, der möglichst einheitliche Schreibweisen für die Spielereinträge, Turniere, usw. und vor allem keine Dubletten enthält. Die sehr ausgeklügelten Statistikfunktionen von ChessBase 8.0 werden beim Einsatz von minderwertigen Datenbeständen abgewertet.
 
Im Zeitalter des Internets ist der Anwender keineswegs mehr wie in früheren Zeiten auf fertige Datensammlungen angewiesen, sondern wird sich eifrig bei den bekannten Quellen für Partiendownloads bedienen. Ein professionelles Schachdatenbanksystem muss daher einen effizienten Algorithmus zum Aufspüren von Dubletten bieten. Das ist leicht dahingesagt, da es für den Computer eminent schwierig zu beurteilen ist, was denn jetzt eine Dublette ist und was nicht.
 
Solange Partienotation und Indexeinträge identisch sind, ist die Aufgabe für das Programm noch recht einfach zu lösen. Was aber tun, wenn eine Partie mehrfach in der Datenbank vorhanden, aber mit unterschiedlicher Notationslänge gespeichert ist? Im Prinzip muss der Suchalgorithmus 2 wesentliche Entscheidungen treffen, wenn er auf vermeintliche Dubletten trifft: Sind die beiden Partien wirklich Dubletten? Die Kriterien für eine Entscheidung basieren auf den Parametern, mit denen das Tool gestartet wurde. Falls die Partien wirklich Dubletten sind, welche Partie soll als gelöscht markiert werden? Ein Mensch wird beim Vergleich der Partien leicht die Übereinstimmung erkennen, für den Rechner sieht das anders aus.
 
Innerhalb von ChessBase 8.0 kann man mit den gleichen Parametern wie beim Vorgänger in engen Grenzen festlegen, was eine Dublette ist und nach welchen Kriterien eine oder mehrere Partien als Dubletten bewertet werden. Der Suchalgorithmus arbeitet im Vergleich zum CB 7.0 deutlich effizienter. Testweise habe beide Versionen mit den gleichen Parametern auf eine recht gut gepflegte, 1,4 Millionen umfassende Partiendatenbank, angesetzt:
Ergebnis:Chessbase 7.0614  Dubletten
 Chessbase 8.02877  Dubletten
 
Beim Vergleich der zur Löschung markierten Partien wurde schnell deutlich, dass die neue Dublettenfunktion von ChessBase 8.0 deutlich effizienter arbeitet und damit eine verlässliche Hilfe bei der Bearbeitung neuer Daten darstellt.
 
 
Kontextmenüs
Hervorheben möchte ich neben der neuen Benutzerführung die konsequente Implementierung der Kontextmenüs, über die man mit einem Rechtsklick zur Arbeitsituation passende Funktionen aufrufen oder Einstellungen vornehmen kann. Klicken Sie z.B. einmal mit der rechten Maustaste auf eine Partienliste, um die entsprechenden Funktionen einzublenden, die sich auf die Bearbeitung der Liste beziehen.
 
Hier möchte ich auf den extrem nützlichen Eintrag "Sortieren" hinweisen. Man kann die Listeneinträge nach 15 unterschiedlichen Kriterien, z.B. Ergebnis, ECO, Weiß, Zügezahl usw. sortieren und anzeigen lassen. Besonders hilfreich finde ich auch das Kriterium "Stärkere Elo", das automatisch die wichtigen Partien an den Anfang der Liste stellt. Ebenfalls nützlich: die Sortierung kann fest fixiert werden.
 
 
Seitenvorschau
Lange hat es gedauert, aber jetzt ist es endlich soweit: beim neuen ChessBase 8.0 wurde eine der wenigen gravierenden Schwachstellen ausgemerzt und eine Seitenvorschau für den Ausdruck von Partien integriert. Gerade beim Ausdruck größerer Partiensammlungen mit eingefügten Diagrammen, z.B. für Bulletins, ist das eine wertvolle Neuerung, die allerdings schon längst überfällig war.
 
 
Erweiterte Suchfunktionen
Die Suchmaske von ChessBase 8.0 bietet neben elementaren Suchkriterien eine Fülle von ausgeklügelten Parametern an. Neu hinzugekommen ist die Suche nach Opferkombinationen, die mit anderen Kriterien kombiniert werden kann. Am einfachsten ist die "nackte" Opfersuche. Mit dieser Option werden alle Partien in einer Datenbank aufgelistet, in denen eine Opferwendung vorkam.
 
Präziser lässt sich diese Option der Suchmaske nutzen, wenn man das Kriterium mit anderen Werten, z.B. Spielern o.ä. kombiniert. Es dürfte klar sein, dass dieser Suchalgorithmus alles andere als trivial ist. Per Definition bezeichnet man eine Abwicklung als Opfer, bei der eine Seite Material aufgibt, um einen konkreten Vorteil zu erlangen.
 
Was sich theoretisch einfach anhört, ist für den Computer analog zur Dublettensuche nicht immer einfach zu entscheiden, vor allem wenn die Konsequenzen des Opfers erst relativ langfristig zutage treten. Aus diesem Grund nimmt diese rechenintensive Form der Suchabfrage auf langsameren Rechnern recht viel Zeit in Anspruch.
 
 
Engine-Analyse
Wie gehabt kann man im Brettfenster eine oder mehrere Engines zur Analyse hinzuschalten, verriegeln oder die Analyse in die Notation übernehmen. Laufen mehrere Engines parallel, kann man nun in ChessBase 8.0 mit der Tastenkombination "Strg-Leertaste" die beste Variante aller rechnenden Engines in die Notation übernehmen.
 
Weitere Verbesserungen: bei der Analyse berücksichtigen die Engines Zugwiederholungen oder die 50-Zügeregel. Zusätzlich kann man die Engineparameter wie bei Fritz modifizieren. Vom kleineren "Bruder" Fritz 6 hat ChessBase 8.0 einige nützliche Feinheiten übernommen. Mit einem Rechtsklick in das Analysefenster einer Engine kann man z.B. die aktuelle Brettstellung (EPD-Format), die Analyseergebnisse usw. in die Zwischenablage übernehmen, oder sich optional ein Variantenbrett mit Anzeige der Hauptvariante einblenden lassen.
 
Beim Nachspielen oder Analysieren der Partien wird es in der Praxis immer wieder einmal vorkommen, dass man von einer bestimmten Stellung aus selbst einmal einige Züge im praktischen Spiel gegen das Schachprogramm ausprobieren möchte. Bei ChessBase 7.0 gab es den undokumentierten Hotkey STRG+SHIFT+ALT+H. Bei der Betätigung dieser Tastenkombination spielte die Datenbank wie ein Schachprogramm die Züge unmittelbar aus.
 
Diese nette Option ist leider bei der Umstellung unter den Tisch gefallen und steht (zumindest bei der mir vorliegenden Beta) nicht mehr zur Verfügung. In ChessBase 8.0 lässt sich dies durch eine "Übergabe" an Fritz 6 lösen. Das setzt natürlich voraus, dass der Anwender das Schachprogramm ebenfalls in seinem Besitz hat, was erfahrungsgemäss bei fast allen ChessBase-Benutzern der Fall sein dürfte. Konkret wird das Schachprogramm explizit gestartet und man kann mit der zuletzt aktiven Stellung weiterspielen.
 
Im Lieferumfang der CD ist ein Update für Fritz dabei, das man unbedingt installieren muss, damit die Übergabe funktioniert. Aus meiner Sicht ist diese Lösung nicht ideal. Besser hätte mir der Lösungsansatz gefallen, wenn man einen beschränkten Spielmodus mit eigener Schachuhr direkt in das Brettfenster integriert hätte. Alternativ kann man sich übrigens sehr gut damit behelfen, in dem man nach der Eingabe des eigenen Zuges einfach mit der Leertaste einen Zug der laufenden Schachengine abruft.
 
 
Design und Layouts
Der Einstelldialog für die Benutzerschnittstelle ist bereits von Fritz 6 bekannt und lässt dem User weitgehende Freiheit bei der Gestaltung des Bildschirms. Insbesondere die Grafiken für die Figuren- und Brettdarstellung sind subjektiv bedeutend angenehmer als die Grafik des Vorgängers. Wie bei Fritz kann man alles einstellen. Puristen dürften an den unterschiedlichen Holzbrettern, Figurensätzen oder Hintergründen zwar weniger interessiert sein, die Mehrheit wird aber mit Sicherheit von den gelungenen Figurensätzen und Brettgrafiken begeistert sein.
 
Diese Auflistung der Features und Verbesserungen, wie z.B. die Kommentierungspalette, über die man mit einem Mausklick die bekannten Kommentierungssymbole in die Notation einfügt, könnte noch über einige Seiten fortgesetzt werden. Es sollte deutlich geworden sein, dass ChessBase mit der neuesten Version des Datenbankprogramms wieder einmal nachhaltig neue Standards bei Ergonomie, Funktionsumfang und Ausstattung gesetzt hat.
 
 
Fazit
ChessBase wird aufgrund seiner Dominanz auf dem Markt häufig mit dem Monopolisten Microsoft verglichen. Man kann nun vortrefflich darüber streiten, ob dies positiv oder negativ zu bewerten ist. Nach m.M. hinkt der Vergleich aber gewaltig. Im Unterschied zu Microsoft berücksichtigt die Entwicklungsabteilung von ChessBase konsequent die Bedürfnisse ihrer Anwender und hat sich diese Dominanz aufgrund der exzellenten Produktqualität mehr als redlich verdient.
 
Schwerpunkte der aktuellen Version waren eindeutig die Portierung des Programms mit dem kompletten Funktionsumfang auf die bedeutend ergonomischere Oberfläche und der dem Zeitgeist entsprechenden Integration von Onlinefunktionen. Wer sich einige Zeit intensiv mit CB 8.0 beschäftigt, wird von der Implementierung vieler neuer, nützlicher Erweiterungen begeistert sein.
 
Essentiell wichtige Funktionen, wie z.B. die Dublettensuche, wurden grundlegend überarbeitet und hängen nun die Messlatte für die Konkurrenz wiederum ein Stückchen höher. Trotz der Komplexität hinsichtlich Funktionsumfang und Optionen ist das Programm erfreulich intuitiv und anwenderfreundlich zu bedienen. Auch die Einsatzmöglichkeiten des Programms sind außerordentlich vielfältig. Wer z.B. selbst eigene Tutorials oder Trainingsunterlagen erstellen will, bekommt mit ChessBase 8.0 das optimale Autorenwerkzeug in die Hand.
 
Noch ein Wort zu den Systemvoraussetzungen. Mit einem Pentium ab 200 MHz / 64 MB RAM und den gängigen Standards wie CD-Rom, 17Zoll-Monitor usw. kann man flüssig mit ChessBase 8.0 arbeiten. Das Programm läuft nach Angaben von ChessBase unter allen Windows-Versionen ab Win95 einwandfrei. Das Startpaket wird für moderate 299.- DM angeboten, daneben gibt es etliche Extrapakete und natürlich auch spezielle Updatekonditionen. Vertiefende Informationen zu den Konditionen sind im qualifizierten Fachhandel oder direkt unter www.chessbase.com erhältlich.
 
Peter Schreiner
 
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