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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chessbase 8.0 - das Referenzprogramm! - Teil 1
besprochen von Peter Schreiner - Oktober 2000
 
Logo ChessBaseDas ohne jeden Zweifel etablierteste Datenbankprogramm stammt von der Firma ChessBase aus Hamburg, die bereits seit vielen Jahren unangefochtener Marktführer mit dem gleichnamigen Datenbanksystem aus der eigenen Entwicklungsabteilung ist. Wenn man sich mit aktiven Schachspielern über optimale Vorbereitung, effizientes Eröffnungstraining und "Schachinformation pur" unterhält, dann dreht sich alles um das deutsche Datenbankprogramm. Der hohe Bekanntheitsgrad in der Szene ist den Entwicklern natürlich nicht in den Schoß gefallen, sondern in erster Linie das Resultat aus einer Kombination von harter Arbeit, Ideenreichtum und der umfassenden Berücksichtigung von den Ansprüchen des aktiven Schachspielers.
 
Bereits Mitte der Achtziger erkannte der ChessBase-Chef Matthias Wüllenweber das Potential des Personal-Computers zur optimalen Vermittlung und Aufbereitung von schachspezifischen Informationen. Seit dieser Zeit wird das Programm konsequent weiterentwickelt und jede neue Version war bisher eine beeindruckende Demonstration in Punkto Innovation, Ausstattung, intuitiver Benutzerführung und höchstem programmtechnischen Können.
 
Dies gilt natürlich auch uneingeschränkt für die neueste Version ChessBase 8.0, die mit einer Fülle von Detailverbesserungen und einem brandneuen Interface daherkommt. Diese Vorschau entstand auf der Basis einer Beta-Version, die mir freundlicherweise von Matthias Wüllenweber zur Verfügung gestellt wurde. In Anbetracht des hohen Bekanntheitsgrades erübrigt es sich, die hinlänglich vorgestellten Features der Vorgänger-Versionen erneut in epischer Bandbreite zu beschreiben.
 
ChessBase 8.0 kann alles, was seine Vorgänger auch konnten, nur sind viele bekannte Funktionen verfeinert und noch eleganter implementiert. Das man mit dem Programm riesige Datenbestände nach ausgeklügelten Kriterien durchforsten und auswerten kann, dürfte jedem Leser bewusst sein. Im folgenden Text werden daher vor allem die markantesten Neuerungen beschrieben.
 
Beim neuen ChessBase 8.0 wurde (genau wie beim "kleinen Bruder" Fritz 6.0) sowohl das Interface als auch die Benutzerführung völlig neu konzipiert. Im Unterschied zum Vorgänger gibt es jetzt drei unterschiedliche Fenstertypen, welche quasi als eigenständige Anwendungen laufen und jederzeit über die Taskleiste aktiviert werden können.
 
 
Das Datenbankfenster
Beim Erst- bzw. Neustart landet man beim "Eingangsportal" des Programms, dem neu gestalteten Datenbankfenster, dessen Funktionsweise sich sehr gut mit dem Windows-Explorer vergleichen lässt. In der "Zentrale" von ChessBase 8.0 findet man vor allem Funktionseinträge, die zur Verwaltung und Pflege der Datenbanken (z.B. öffnen, durchsuchen, usw.) zwingend notwendig sind. Das Layout ist dem Windows-Explorer nachempfunden. Der Arbeitsbereich ist in zwei Hauptfenster unterteilt. Im linken Fenster sieht man alle installierten Datenträger mit der entsprechenden Verzeichnisstruktur. Im rechten Fenster werden - falls vorhanden - die entsprechenden Datenbanken angezeigt.
 
Ein besonders häufig genutzter Eintrag im Verzeichnisfenster wird der Eintrag "Meine Datenbanken" sein. Hier können benutzerdefiniert die entsprechenden Verknüpfungen zu häufig genutzten Datenbanken festlegt und diese entsprechend schnell beim Start des Programms aufrufen werden. Zusätzlich kann in einem separaten Fenster die Partienliste mit der jeweils aktiven Datenbank angezeigt werden. Häufig genutzte Funktionen ruft man per Mausklick über die unter den Menüs integrierte Schnellstartleiste mit den aussagekräftigen Buttons ab.
 
Anhand der in den Menüs integrierten Funktionseinträge wird schnell klar, dass dieses Arbeitsfenster quasi die "Zentrale" des Programms darstellt. Alle essentiellen Operationen zur Datenbankverwaltung (wie z.B. löschen, kopieren, usw.), oder auch die Grunddialoge für die Programmoptionen sind hier abzurufen. Der Zugriff auf Datenbanken und die Einstelloptionen ist gegenüber dem Vorgänger bedeutend vereinfacht und noch anwenderfreundlicher.
 
 
Das Listenfenster
Nach einem Doppelklick auf ein Datenbanksymbol im "CB-Explorer" öffnet sich das Listenfenster der entsprechenden Datenbank, das wiederum unter ChessBase 8.0 als eigenständige Anwendung läuft. Im Listenfenster befinden sich über der Liste elf "Reiter", also Schalter, über die man rasch nach den unterschiedlichen Kriterien auf die Inhalte der jeweiligen Partiendatenbank zugreifen kann.
 
Ein Klick auf "Partien" ruft die entsprechende Partienliste auf, in der man Blättern, Filtern oder sie nach vielfältigen Kriterien sortieren kann. Spieler-Turnierindex, Kommentatorenverzeichnisse und vor allem die Eröffnungs- oder Themenschlüssel kann man jetzt mit einem Mausklick schneller aufrufen. Auch im Listenfenster steht neben den Menüs eine kontextbezogene Schnellstartleiste zum Abruf bestimmter Funktionen zur Verfügung.
 
 
Das Brettfenster
Besonders wichtig ist das Brettfenster, also der Arbeitsbereich, in dem der Anwender Partien eingeben, nachspielen, analysieren, kommentieren oder nach Vergleichspartien suchen kann. In diesem Arbeitsbereich treten die Vorzüge der neuen Benutzerschnittstelle am deutlichsten zutage. Innerhalb des Brettfensters können mehrere Informationsfenster ein- oder ausgeblendet werden; man kann diese Fenster in der Größe ändern oder verschieben.
 
Dies war beim Vorgänger auch möglich, es gibt aber einen kleinen, aber feinen Unterschied, der die Arbeit bedeutend erleichtert: sämtliche Fenster "docken" automatisch aneinander an und der Anwender wird nicht mehr mit dem lästigen "Überlappen" mehrerer gleichzeitig geöffneter Fenster konfrontiert. Das Procedere zum Anpassen der Größe dürfte vielen Anwendern bereits von den Schachprogrammen Fritz 6 oder Junior 6 geläufig sein. Einfach mit der Maus die Trennleiste zwischen zwei Fensterflächen ziehen und auf die gewünschte Größe einstellen. Sämtliche anderen Fenster passen sich dabei automatisch an die neue Einstellungen an.
 
ChessBase ist ein sehr komplexes Programm. Aus diesem Grund wird es in der Praxis häufig vorkommen, dass man das Programm für sehr unterschiedliche Aufgaben einsetzt. Wie bei Fritz 6 kann der User benutzerdefinierte Layouts für verschiedene Einsatzgebiete erstellen, speichern und bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt wieder laden. Überhaupt merkt man erst bei genauerem Hinsehen, wie viele subtil versteckte Neuerungen und Verbesserungen integriert wurden. Neben der gelungenen Brettgrafik stehen innerhalb des Brettfensters folgende Informationsfenster zur Verfügung.
 
 
Notation
Am oberen Rand des Notationsfensters finden sich Reiter, über die man benutzerdefiniert die Anzeige der Züge einstellen kann. Es ist z.B. möglich, über die Reiter direkt im Fenster von der Anzeige der Spielzüge zur Anzeige eines Positionsbaums zu wechseln. Eine wesentliche Verfeinerung ist die Implementierung der tabellarischen Ansicht für das eigene Eröffnungsrepertoire mit dem Reiter Tabelle im Notationsfenster.
 
Diese Ansicht eignet sich ausgezeichnet für die übersichtliche Darstellung von Partien, die umfangreiche Eröffnungskommentare besitzen. Solche Eröffnungskommentare kann man leicht mit ChessBase erzeugen, indem man z.B. alle Partien einer bestimmten Variante miteinander verschmilzt. Unterhalb der Tabelle erscheint in einem kleinen Fenster ein separater Anzeigebereich.
 
Wenn man innerhalb der Tabelle einen bestimmten Zug anklickt, erscheint der Rest der Notation inkl. aller Varianten. Beim Nachspielen der Tabellennotation springt der Cursor automatisch zu einem kleinen Notationsfenster, wenn man den rechten Rand der Tabelle erreicht hat. Noch komfortabler kann man die Navigation in verzweigten Eröffnungsansichten kaum noch gestalten.
 
Eine weitere Verbesserung besteht darin, dass man direkt zur Anzeige eines vorher zu ladenden Positionsbaums umschalten und damit direkt eine weitere wertvolle Orientierungshilfe bei der Bewertung eines bestimmten Eröffnungssystems konsultieren kann. Sehr gut!
 
 
Spielerlexikon
Im Lieferumfang von ChessBase 8.0 wird ein neues Spielerlexikon mit weit über 11 000 Bildern enthalten sein. Der Anwender kann festlegen, ob die Photos der Spieler im Brettfenster angezeigt werden sollen. Falls die entsprechenden Daten im Lexikon enthalten sind, kann man per Mausklick auf ein Photo umgehend einen "virtuellen" Ausweis des betreffenden Spielers sehen. Im "Personalausweis" gibt es übrigens die entsprechenden Buttons zum Aufruf eines Spielerdossiers oder des Eloprofils.
 
 
Buchfenster
Beim Eröffnungsstudium ist es ungemein nützlich, wenn man sich zusätzlich zu der Notation noch eine Ansicht mit einem Positionsbaum einblenden kann. In ChessBase 8.0 ist der direkte Vergleich zwischen einem Positionsbaum, der alle in einer bestimmten Stellung gespielten Züge anzeigt, sowie der Partienotation möglich.
 
Damit aber noch nicht genug. Es gibt noch ein weiteres Fenster, das diese vorbildliche Informationspolitik optimal abrundet: das Buchanalysefenster. Im Unterschied zum Positionsbaums, der zu einer Stellung alle bekannten Züge inkl. Erfolgsstatistik anzeigt, wird die Information in diesem Fenster um die Darstellung kompletter Varianten erweitert!
 
Hinter jeder Variante steht die Anzahl der mit einer bestimmten Variante gespielten Partien und mit einem Prozentwert wird die Erfolgsquote aus der Sicht von Weiß gekennzeichnet. Mit einem Rechtsklick kann man kontextbezogene Funktionen aufrufen. Diskret versteckt findet man in dem PopUp-Menü die Funktion Kritische Variante.
 
ChessBase 8.0 berechnet die kritische Fortsetzung, wenn beide Seiten auf Basis der Statistik immer den optimalen Zug ausführen. Diese Schlüsselvariante wird in roter Farbe angezeigt. Dass man die Schlussstellung dann per Mausklick anschauen, bzw. mit einem Doppelklick auf dem Brett ausführen kann, rundet den Informationsgehalt vorbildlich ab.
 
 
Referenzdatenbank
Hier werden sämtliche Partien aus der Referenzdatenbank aufgelistet, in denen die Brettstellung vorkam. Mit einem Klick auf einen Listeneintrag wird die Partie ohne Rückfrage in das Notationsfenster übernommen, zur Originalpartie kommt man mit einem Klick auf den Schalter Originalpartie zurück. Diese Funktion eignet sich ausgezeichnet dazu, wenn man die Entwicklung des Spielverlaufes einer bestimmten Variante anhand von mehreren Partien miteinander vergleichen und auswerten will.
 
Diese Arbeit wird noch bedeutend erleichtert, wenn man den Schalter "Züge" anklickt. Diese Funktion erstellt eine Statistik, die vom Informationsgehalt dem des Positionsbaumes ähnelt. Den Unterschied zwischen den Verfahren versteht man schnell, wenn man berücksichtigt, dass zur Anzeige eines Positionsbaums ca. 60 Byte pro Stellung anfallen.
 
In der MegaBase gibt es z.B. weit über 400 000 Schachpartien, die mit 1.d4 eröffnet wurden. Prinzipiell kann man natürlich für eine Erfolgsstatistik einen Positionsbaum auf der Basis dieser Partien zu generieren. Auch wenn Festplattenspeicher heute spottbillig und damit ausreichend verfügbar ist, wäre der Aufwand für das Abrufen dieser Information übertrieben.
 
Der Schalter "Züge" generiert im Unterschied dazu nur eine temporäre Anzeige für die Erfolgsquote der einzelnen Züge, die in Kombination mit der Anzeige der Partien ein weiteres effizientes Hilfsmittel zur Beurteilung einer Stellung darstellt.
 
Darüber hinaus liefert diese Funktion aber auch Hinweise, die der Positionsbaum nicht darstellen kann. Ein praktisches Beispiel: per Definition werden genau die Züge aus den Partien angezeigt, die im Suchfenster unter "Partien" stehen. Mit einem Rechtsklick in der Partienliste kann man nach dem Eloschnitt sortieren und hat damit die wichtigsten Partien direkt am Anfang der Liste stehen.
 
Nehmen wir jetzt an, Sie sind ein begeisterter Anhänger des Königsgambits und möchten sich einen ersten Eindruck von der Zugfolge 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Sf3 g5 4.Lc4 verschaffen. Auf der Basis der Referenzdatenbank erkennen Sie, dass der Zug 4...Lg7 (193 Partien) besonders häufig im Jahr 1933 angewandt wurde, während der klassische Zug 4...g5-g4 seinen Zenit im Jahr 1900 hatte. Der Schalter Züge erlaubt also die Schlussfolgerung, dass die ganze Variante nicht mehr aktuell ist und der momentan bevorzugte "Modezug" 4...Lg7 ist.
 
Ein neuer Zug auf dem Brett führt hier im Unterschied zum Positionsbaum nicht zu einer automatischen Aktualisierung der Anzeige. Dies bedeutet, dass die Suche jeweils neu in der Referenzdatenbank durchgeführt werden muss, was je nach Systemausstattung einige Zeit dauern kann.
 
Falls ausreichend RAM vorhanden ist, kann man aber mit dieser Funktion flüssig arbeiten. Unter Einstellungen/Grenzen kann der Anwender festlegen, wie viel RAM für die Pufferung großer Teile der Referenzdatenbank zur Verfügung stehen soll. Falls bei Ihnen entsprechende Ressourcen frei sind, sollten Sie den Wert hier möglichst hoch einstellen.
 
 
Erstes Fazit
Die neue Benutzerführung überzeugt in allen Bereichen. Als versierter ChessBase-Anwender stellt man bei der Arbeit mit der neuen Version schnell fest, dass unter der ansehnlichen Grafik eine Vielzahl von eleganten Verbesserungen und einfallsreichen Detaillösungen steckt, die auf das Beste dazu geeignet sind, das Training mit der Datenbank noch effizienter und komfortabler zu gestalten.
 
Das neue Konzept setzt natürlich vom Anwender die Bereitschaft voraus, sich am Anfang intensiv mit der Benutzerführung und den unterschiedlichen Programmmodi auseinander zusetzen. Nach kurzer Zeit kommt man mit dem durch und durch logisch strukturierten System sehr gut zurecht, zumal die Benutzerführung sehr intuitiv ist und die meisten der bekannten Shortcuts durchgängig übernommen wurden.
 
 
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