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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chess Assistant 6.0 -
das universelle Programm - Teil 1
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2001
 
Logo ChessAssistantIm jährlichen Turnus präsentiert die russische Softwareschmiede Convekta die neueste Version ihrer Schachdatenbank. Jeder Schachspieler, der sich zumindest entfernt für das Schachtraining mit dem PC interessiert, dürfte schon einmal von dem Programm gehört haben, das vor allem durch einen schier unglaublichen Funktionsumfang fast alle Einsatzgebiete beim rechnergestützten Schachtraining abdeckt.
 
Der im letzten Jahr veröffentlichte Chess Assistant 5 konnte im Vergleich zu den Vorgänger-Versionen mit einer Vielzahl von Erweiterungen und neuen Optionen glänzen. Den Schritt von der Version 4 auf die Version 5 konnte man kaum noch als normalen Update bezeichnen. Unseren Review über Chess Assistant 5 hatten wir plakativ mit der Überschrift "universelles Schachsystem" publiziert. Um so gespannter waren wir, was die Neuauflage des Programms gegenüber dem bereits opulent ausgestatteten Vorgänger zu bieten hat und wie man dem zufriedenen CA 5-Anwender die Neuauflage, bzw. das Update, schmackhaft machen will.
 
Im folgenden konzentrieren wir uns vor allem auf die aus unserer Sicht wichtigsten neuen Features sowie einige prinzipielle Ausstattungsmerkmale der Version 6.0. Wir halten es für wenig sinnvoll, zum wiederholten Mal auf die ausgetüftelten Optionen der Suchmaske oder die konzeptionellen Vorzüge des Positionsbaums einzugehen. Es ist aufgrund der Komplexität der Software an dieser Stelle unmöglich, den kompletten Leistungsumfang des neuen "Schachassistenten" zu beschreiben. Viele bereits vorhandene Funktionen wurden im Detail geändert und erweitert. Vertiefende ausführliche Informationen über weitere Anwendungsgebiete des Programms finden Sie in unserem Artikel über Chess Assistant 5.
 
Der Artikel ist auf der Grundlage der englischsprachigen Version entstanden, die seit Ende Februar verfügbar ist. Laut Auskunft von Convekta soll die deutsche Version im Mai verfügbar sein, der Funktionsumfang wird identisch sein.
 
 
Konzeption
Convekta hat es sich zum Ziel gesetzt, mit Chess Assistant eine Software zu entwickeln, die prinzipiell alle möglichen Erfordernisse des computergestützten Schachtrainings abdeckt. In der jetzigen Form ist Chess Assistant 6 ein ausgefeiltes Datenbanksystem mit ausgeklügelten Such- und Bearbeitungsfunktionen für Partien und Stellungsdatenbanken, und fungiert gleichzeitig als ein exzellentes Tool für die Analyse von Partien, als Konsole für das Spielen auf dem Schachserver von ICC und eben als vollwertiges Schachprogramm mit einer sehr flexiblen Schnittstelle zu unterschiedlichen Engine-Protokollen.
 
Eine gewichtige Erweiterung gegenüber CA 5 ist die Implementierung von Multimedia-Komponenten wie z.B. Grafiken, Ton, Texten usw., die das Spektrum an Kommentierungsmöglichkeiten erweitern. Besonders interessant ist im Datenbankmodul das neue Klassifikationsschema mittels der vom Windows-Explorer bekannten Ordnerstruktur, die in CA 6 zur eindeutigen, benutzerdefinierten Klassifikation von Partien eingesetzt werden kann. Dieses Konzept, das sich im Grunde genommen an der von ChessBase eingesetzten Zuordnung von Partien mittels Themen-, bzw. Motivschlüsseln orientiert, stellen wir im weiteren Text noch ausführlicher vor.
 
Man kann es einfach auf den Punkt bringen, dass CA 6 für fast jedes schachliche Anwendungsgebiet eine Lösung anbietet. Wer sich z.B. in erster Linie für das Spielen von Partien gegen unterschiedliche Schachprogramme interessiert, bekommt mit CA 6.0 nicht nur ein vollwertiges Schachprogramm mit zwei erstklassigen Topengines, sondern als Bonus noch eine sehr gut funktionierende Schnittstelle zu Schachprogrammen, die mit dem Winboard- und dem von Stefan Meyer-Kahlen neu entwickelten UCI-Protokoll kompatibel sind.
 
 
Interface
Die exzellente Bildschirmgrafik und die Benutzerführung sind im wesentlichen unverändert. Neu ist, dass man zu dem bewährten 2D-Figurensatz alternativ zwischen einigen 3D-Figurensätzen auswählen kann, die aber von der Übersichtlichkeit und Darstellung nur wenig überzeugen konnten. Die Aufteilung des Screens mit der Navigationsleiste am linken Bildrand ähnelt sehr stark dem Windows-Explorer und ermöglicht einen raschen Zugang zu den relevanten Objekten, z.B. Partiendatenbanken, Listenfenstern oder Positionsbäumen.
 
Konsequent wurde die Bedienung mit kontextbezogenen Menüs implementiert. Per Rechtsklick kommt man bei der Bewältigung konkreter Aufgaben häufig schneller zum Ziel als über die prall gefüllten Menüs, deren verschachtelte Untermenüs einen ersten Eindruck davon verschaffen, über welch komplexen Funktionsumfang die Software verfügt. Die GUI ist sehr gut programmiert: man kann parallel mit mehreren Fenstern (z.B. Partielisten, Brettfenstern, usw.) arbeiten und bestimmte Anwendungsgebiete sinnvoll miteinander verknüpfen. Beispiel: es ist kein Problem, in einem Fenster eine Partie- oder Stellungsanalyse durchführen zu lassen und gleichzeitig Partien nachzuspielen oder durch den Positionsbaum zu navigieren.
 
Beim Nachspielen von Partien bietet das System mit der parallelen Darstellung von Notation, Positionsbaum, Engineanalyse, Kenndaten, usw. "Information pur" und man erkennt z.B. auf Anhieb alle Züge, die jemals in den vorhandenen Partien der Datenbank vorgekommen sind. Wenn Sie die Arbeit mit dem Programm unterbrechen, speichert CA 6 die Arbeitsumgebung mit allen aktiven Einstellungen ab und beim nächsten Neustart findet der Anwender die zuletzt aktive Arbeitsumgebung inkl. der Positionierung aller Fenster vor und kann direkt weiterarbeiten.
 
Die Bildschirmgrafik und die Flexibilität beurteile ich als sehr gelungen. Allerdings ist die Bedienung fortgeschrittener Funktionen nicht immer intuitiv gelöst und setzt vom Anwender unbedingt die Bereitschaft voraus, sich möglichst intensiv mit dem strikt objektorientierten Bedienungskonzept auseinander zusetzen.
 
 
Datenbankmodul
Die Schokoladenseite des Systems ist nach wie vor das ausgefeilte Datenbankmodul, das bis auf die etwas komplizierte Bedienung kaum noch Anlass zur Kritik bietet. Die elementaren Funktionen wie das Speichern, Suchen nach beliebigen Kriterien, Dublettensuche sowie die Auswertung der Partien bieten in Kombination mit der hohen Arbeitsgeschwindigkeit kaum noch einen Ansatzpunkt zur Kritik. Jeder setzt die Prioritäten natürlich anders.
 
Aus meiner Sicht ist eine der größten Stärken des Systems die in CA integrierte Bibliothek, die in der Terminologie des Programms als Lexikon bezeichnet wird. Jede Datenbank hat unter CA 6 eine eigene Bibliothek, in der die typischen Kenndaten wie Spieler, Turniere, Event usw. gespeichert werden. Aus meiner Sicht ganz wichtig: man kann die Bibliothek für andere, z.B. eigene Datenbanken übernehmen, was in der Praxis eine bedeutende Arbeitserleichterung darstellt.
 
Wenn Sie z.B. eine Partien eines Spielers eingeben, dessen Name bereits im Lexikon gespeichert ist, wählt man einfach den entsprechenden Eintrag aus der Liste aus. Damit ist auf jeden Fall eine Vereinheitlichung der Schreibweisen gewährleistet, was insbesondere bei der statistischen Auswertung ungemein wichtig ist. Ebenfalls sehr hilfreich ist das System bei der Suche nach Spielern, deren Namen häufig mit unterschiedlichen Schreibweisen versehen sind. Übernehmen Sie einfach den gewünschten Spielereintrag aus dem Lexikon und schon brauchen Sie sich nicht mehr um eventuelle unterschiedliche Schreibweisen zu kümmern.
 
Dem User wird selbstredend die Möglichkeit geboten, die Kenndaten zu editieren oder auch zu vereinheitlichen. Das Konzept mit dem Positionsbaum, in dem alle in der Datenbank enthaltenen Partien in Form von Stellungen miteinander verknüpft sind, ist in CA 6 perfekt integriert. Dies war vom Erfinder dieses Konzeptes auch nicht anders zu erwarten. Schließlich war dieses Feature seinerzeit bereits ein sensationelles Highlight der ersten CA-Version unter DOS. Besonders nützlich ist die Option, dass der Anwender im Positionsbaum Kommentare und Bewertungen einfügen und speichern kann.
 
Die Suchmaske wurde um einige neue Kriterien erweitert. Es ist schon erstaunlich, nach was man alles in CA-Datenbanken suchen kann. Suchabfragen nach Eröffnungen, Brettstellungen, Spielern, Turnieren, Eröffnungen sind heutzutage Standard. Selbstverständlich kann der Anwender diese Kriterien miteinander kombinieren. Auch die Funktionalität hinsichtlich Auswertung (z.B. Turniertabellen) und Export von Partiedaten lassen kaum zu wünschen übrig.
 
Eine nützliche Erweiterung ist z.B. die verbesserte Suche nach Textkommentaren. Viele Partien werden häufig mit den typischen Symbolen wie "!" oder "?" usw. kommentiert. Mit Hilfe des neuen Suchkriteriums ist es kein Problem, Partien aufzuspüren, in denen ein besonders guter Zug (!!) oder gravierender Fehler (??) vorkam. Die Suchroutine erstreckt sich übrigens auch auf Textfragmente. Nehmen wir an, Sie suchen gezielt nach dem Begriff "Neuerung". Sollte dieser Begriff innerhalb der Partiendatenbank vorkommen, werden die entsprechenden Partien aufgelistet. Die Suchroutine berücksichtigt nicht nur die Hauptnotation, sondern erstreckt sich auch auf Varianten und Untervarianten.
 
Ebenfalls neu ist die Suchroutine für bestimmte Manöver, die mir besonders durch die pfiffige Implementierung des Suchstrings gefallen hat. Nehmen wir an, Sie möchten aus einer Datenbank alle Partien herausfiltern, in denen ein Läuferopfer auf h7 vorkam. Nachdem die Grundstruktur der Stellung definiert wurde, zieht man mit der Maus die Figur, in unserem Beispiel den Läufer nach h7 und umgehend wird der Suchstring in die Liste der vorhandenen Suchmanöver eingefügt. Die vordefinierte Suche nach Manövern lässt sich permanent speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder einsetzen.
 
 
Neue Klassifizierung
Im heutigen Informationszeitalter fällt es dem aktiven Schachspieler immer schwerer, den Überblick über aktuelle Entwicklungen und Neuerungen in der Schachtheorie zu behalten. Jedes Jahr nimmt die Zahl starker Turniere und die daraus resultierende Partienflut immer mehr zu. In der Regel empfiehlt es sich, Partien oder Analysen, die das eigene Repertoire beeinflussen, in eigenen, kleineren Datenbanken anstatt in einer großen Hauptdatenbank zu verwalten. Das Handling mit mehreren kleineren Datensammlungen ist einfach übersichtlicher, schneller und damit effektiver. So richtig effizient kann man mit einem System arbeiten, das dem User die Option bietet, bestimmte Partien gezielt nach bestimmten Themen aus der Datenbank herauszufiltern.
 
Der CA 6.0 stellt dafür zwei sehr nützliche Tools zur Verfügung, die das schnelle Auffinden bestimmter Partien deutlich erleichtern. Im Unterschied zu CA 5.1 gibt es jetzt 30 "Standardklassen", z.B. Königsangriffe, Remismethoden, Computeranalysen, Übergänge ins Endspiel, typische Bauernformationen, usw. Dem Anwender steht die Option zur Verfügung, eigene Partien, Positionen oder Analysen in diese vordefinierten Klassifikationsschemata zu übernehmen, die übrigens auch ein Bestandteil der Suchmaske sind. Mit den vordefinierten Klassen stellt CA 6 ein sehr nützliches Tool zur Verfügung, um Daten, die für das eigene Training relevant sind, übersichtlich zu verwalten.
 
Die 30 vordefinierten Standardklassen decken fast die gesamte Bandbreite in der täglichen Praxis ab, andererseits muss ein vernünftiges Klassifizierungssystem dem Anwender die Möglichkeit einräumen, sein eigenes Zuordnung zu entwickeln. Dies ist jetzt in CA 6 mit Hilfe des sogenannten Windows Explorers Classifiers möglich. Im Unterschied zu CA 5.1 erlaubt es die neue Version nicht, neben den vorhandenen Standardklassen neue Klassen anzulegen. Dies wird man in Anbetracht des neuen Tools nicht als Einschränkung empfinden, da der neue Windows Explorer Classifier ein Maximum an Flexibilität bietet.
 
Das Klassifikationsschema ähnelt im Prinzip den Themenschlüsseln von ChessBase, ist aber konzeptionell anders im Programm implementiert. Die Struktur ähnelt, wie der Name bereits vermuten lässt, dem Aufbau des Windows-Explorers mit der bekannten Baumstruktur und verschachtelten Ordnersymbolen. Zu einem neuen Eintrag wird ein entsprechend beschriftetes Ordnersymbol angelegt, das wiederum beliebig viele Unterordner, bzw. Einträge enthalten kann. Mit jedem Eintrag des Klassifikationsschemas kann der Anwender etliche Zusatzinformationen abspeichern, z.B. Icons, Texte, Positionen, Partielisten, Positionsbäume und die ganze Palette von Multimedia-Komponenten, wie z.B. Grafiken, Ton oder Videos.
 
Das Layout kann benutzerdefiniert modifiziert und angepasst werden. So weit, so gut. Beim Test der englischen Erstauflage gab es beim Einbinden von Grafiken ein Problem, da offensichtlich eine für den Aufruf dieser Funktion benötigte DLL fehlte. Nachdem mir Convekta die DLL zugesandt hatte, funktionierte die Einbindung einwandfrei. Anmerkung: die DLL wird im Lieferumfang der deutschen Version enthalten sein. Nur: worin besteht der praktische Nutzen des Systems? Picken wir uns einmal ein Anwendungsbeispiel heraus, das in der Praxis häufig vorkommen dürfte.
 
Nehmen wir an, Sie verwalten Ihr Eröffnungsrepertoire in einer separaten Datenbank. Nehmen Sie nun eine benutzerdefinierte Klassifikation des Repertoires vor, wie z.B. eine Repertoiresortierung für Weiß und Schwarz, und speichern Sie die Klassifikation als Mustervorlage ab. Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt neue Partien erhalten, wird das Programm anhand der benutzerdefinierten Klassifikation die Partien, die für Ihr Repertoire relevant sind, umgehend dem entsprechenden Eintrag zuordnen.
 
Ein selbstdefiniertes Klassifikationsschema kann jederzeit auf andere Datenbanken übertragen werden. Es empfiehlt sich daher, vorsorglich eine Sicherungskopie anzufertigen. Wichtiger Hinweis: das neue Klassifizierungsschema ist u.a. dafür verantwortlich, dass das Datenformat von CA geändert werden musste. Sie sollten daher unbedingt bereits vorhandenen Partiebestände mit Hilfe von CA 6 konvertieren.
 
 
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