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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chess Assistant 5.0 -
ein universelles Schachsystem? - Teil 3
besprochen von Peter Schreiner - März 2000
 
 
Analyse pur
Eine weitere Stärke des Systems sind die ausgeklügelten Funktionen in einem Bereich, der Turnierspieler besonders interessieren dürfte: der Analyse. Man stellt schnell fest, dass das Programm wie in fast allen Bereichen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Turnierspielern konzipiert wurde. Wie im zuvor beschriebenen Spielmodus können Analysen über die Zwischenablage mit anderen Anwendungen ausgetauscht werden. Folgende Möglichkeiten bietet CHESS ASSISTANT 5.0 im Bereich der Analyse:
 
Sowohl im Ansichtsmodus als auch im Positionsbaum kann man die Hintergrundanalyse zuschalten. Zu der aktuellen Brettposition werden im Infofenster die berechneten Varianten mit den zuvor beschriebenen Informationen der aktiven Engine dargestellt. Der Anwender kann die Analyse per Mausklick in die Partienotation einfügen. Diese wichtige Funktion ist heutzutage Standard. Eine Feinheit wurde in diesem Modus ebenfalls implementiert. Die Lernfunktion ist in diesem Modus ebenfalls aktiv und funktioniert analog zu Shredder, Hiarcs oder Fritz. Sie können dies selbst ausprobieren. Nehmen wir an, die Engine schlägt einen Hauptvariante vor, die im Endeffekt einen Fehler darstellt. Sie führen einige Züge der Hauptvariante aus und das Programm erkennt nun die Konsequenzen und ändert die Bewertung. Nehmen Sie daraufhin die Züge noch einmal zurück und starten die Analyse neu. Das Programm wird jetzt eine Alternative vorschlagen.
 
Die Hintergrundanalyse ist nicht auf eine Partie beschränkt. Es besteht die Option, in mehreren Fenstern gleichzeitig zu analysieren, allerdings nicht mit der gleichen Engine. Es ist für die parallele Analyse notwendig, für jedes Fenster eine eigene Engine zu starten. Natürlich kostet die Parallelanalyse einiges an Ressourcen und man sollte diese Option nur mit leistungsstarken Systemen anwenden. Aussagekräftige Langzeitanalysen benötigen entsprechend viel Zeit. Während die Engine an einer bestimmten Position rechnet, kann der Anwender trotzdem mit der Datenbank weiterarbeiten. Sie können parallel Suchabfragen durchführen, Partien nachspielen oder kommentieren usw.
 
Bei der Analyse einer bestimmten Position kann der Anwender die Rechenkraft der Engine auf bestimmte Züge beschränken. Diese Option wurde unter CHESS ASSISTANT 5.0 besonders pfiffig implementiert. In der Dialogbox erscheint die aktuelle Position mit einer Auflistung aller legalen Züge. Per Mausklick kann man komfortabel Züge von der Analyse durch das Schachprogramm ein- oder ausschließen. Die automatische Analyse mehrerer Positionen ist ebenfalls möglich. Dabei spielt es keine Rolle, ob mehrere Positionen in einer Partie oder aus unterschiedlichen Partien analysiert werden sollen! Die Resultate des Suchvorgangs werden automatisch von CHESS ASSISTANT 5.0 in die Notation eingefügt.
 
Die gezielte Suche nach taktischen Fehlern in einer oder mehreren Partien ist ebenfalls ein sinnvolles Feature, das viele Turnierspieler interessieren dürfte. Es besteht mittels einer Dialogbox die Möglichkeit, über verschiedene Parameter - z.B. durch einen Schwellwert für die Stellungsbewertung - die Fehlersuche des Programms einzugrenzen.
 
Die Analysefunktionen von CHESS ASSISTANT 5.0 harmonisieren wunderbar mit der Tiger-Engine. In Verbindung mit den Möglichkeiten des Datenbankmoduls hat sich CHESS ASSISTANT 5.0 fast zu einem fast universellen Schachsystem gemausert. Es gibt aber einen Bereich, der bei der Analyse schmerzlich vermisst wird: es gibt keine direkte Schnittstelle zu den aktuellen Endspieldatenbanken (Thompson/Nalimov). Zumindest bei der mir vorliegenden Beta war keine Schnittstelle zu entdecken. Wenn diese Scharte noch ausgewetzt würde, würde das System dem Anspruch "universelles Schachsystem" vollends gerecht. Ansonsten sind die ausgereiften Funktionen der Analyse ein optimales Werkzeug für jeden Turnierspieler und die Integration ist durchweg gelungen.
 
 
Externe Schachengines (MCS)
Wie bereits erwähnt, ist Chess Assistant 5.0 bis auf Genius 6.5 kompatibel zu sämtlichen MCS-Engines, die natürlich extern zugekauft werden müssen. Da viele Anwender im Besitz des amtierenden Weltmeisterprogramms Shredder 4.0 von Stefan Meyer-Kahlen sind, besteht die Möglichkeit, unter CHESS ASSISTANT 5.0 das aktuelle WM-Programm sowohl im Spiel- als auch im Analysemodus einzusetzen. Im Grunde genommen kann man es als für den User fruchtbaren Austausch ansehen: Shredder (3.0 + 4.0) profitiert von den ausgereiften Datenbankfunktionen des Datenbanksystems, während CHESS ASSISTANT 5.0 natürlich mit einer weiteren, sehr attraktiven Top-Engine aufwarten kann.
 
Beim Einsatz der MCS-Engines gibt es je nach Engine kleinere Einschränkungen. Offensichtlich hat man sich intensiv mit der Integration von Shredder 4.0 unter CHESS ASSISTANT 5.0 beschäftigt; das aktuelle WM-Programm von Stefan Meyer-Kahlen funktioniert sowohl im Spiel- als auch im Analysemodus ohne Probleme. Die Schachengine des Chess Genius 6.5 ist eine 16Bit-Applikation und läuft bedauerlicherweise nicht im Spielmodus. Diese Engine kann lediglich im externen Analysemodus eingebunden werden. Bleiben noch die beiden Engines WChess und Zarkov der beiden Computerschachveteranen David Kittinger und John Stanback.
 
WChess2000, die 32Bit-Engine von David Kittinger, funktioniert sowohl in der Analyse als auch im Spielbetrieb einwandfrei. Lediglich beim Schlagen "En Passant" kann es kleinere Probleme geben. Mit der vorliegenden Beta stürzte das Programm bei einer Testpartie beim Schlagen "En Passant" manchmal ab. Der Vorgang ließ sich aber nicht immer reproduzieren. Beim Einsatz von Zarkov 5.0, der 32Bit-Engine von John Stanback, kam es dann und wann zu etwas lästigen Verzögerungen in der Anzeige der Hauptvariante und die Reaktionszeiten der Antwortzüge waren manchmal etwas langsam. Lt. Convekta sollen diese Schwachstellen in der endgültigen Final-Version behoben sein.
 
Generell bleibt festzuhalten, dass insbesondere die Anbindung von Shredder 4.0 unter CHESS ASSISTANT 5.0 sehr gut funktioniert. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Analyseengines, auf die der User direkt aus dem Programm heraus zugreifen kann, unterstützt CA 5.0 wie bereits in den Vorgänger-Versionen weitere externe Schachprogramme zur Analyse. Ich nenne an dieser Stelle wichtige Programme wie Rebel 9.0/10.0, MChess Pro 6.0/7.0/8.0, Hiarcs 3.0/4.0/5.0/6.0 und Chess Genius 4/5/6/6.5.
 
Die Anbindung ist allerdings bei weitem nicht so elegant wie die zuvor beschriebenen neuen Optionen. Im Grunde genommen erfolgt ein externer Aufruf und das jeweilige Programm (z.B. MChess Pro) wird mit der aktuellen Stellung im Analysemodus gestartet. Nach Beendigung des externen Schachprogramms kann die Hauptvariante optional als Kommentar in die Notation übernommen werden. In Anbetracht der neu implementierten Optionen wird wesentlich unkomfortablere Form der Analyseanbindung wohl nur die Schachfreunde ansprechen, die eines der oben erwähnten Schachprogramme auch weiterhin zur Analyse einsetzen wollen. Die Anbindung der MCS-Engines wertet das System deutlich auf. Insbesondere die Integration der MCS-Engine des amtierenden Computerschachweltmeisters Shredder 4.0 ist sehr gelungen, zumal das Programm nicht unerheblich von den Datenbankfunktionen des CHESS ASSISTANT 5.0 profitiert.
 
 
Support von Winboard-Engines
CA 5.0 stellt gleichzeitig eine universelle Benutzerschnittstelle für die in der Regel als Freeware vertriebenen Winboard-Engines zur Verfügung. Im Lieferumfang ist eine Version von Crafty des amerikanischen Computerschachveteranen Robert Hyatt enthalten. Diese Winboard-Engine lief unter dem Interface einwandfrei. Die Einbindung der externen Winboard-Engines ist auch für Computerlaien relativ einfach: es muss in der Dialogmaske lediglich der Pfad zur Winboard-Engine vorgegeben werden. Ich habe unter dem Interface des CHESS ASSISTANT 5.0 versucht, die spielstarke WB-Nimzo-Engine von Chrilly Donninger einzubinden, was zu meiner großen Freude direkt auf Anhieb funktionierte.
 
Nach mehreren Experimenten mit unterschiedlichen WB-Engines muss aber festgehalten werden, dass die Schnittstelle von CHESS ASSISTANT 5.0 zu den WB-Engines nur eingeschränkt funktioniert. Manche Engines, wie z.B. Crafty, Comet oder Nimzo laufen einwandfrei, während andere Engines ihre Berechnungen nicht anzeigen oder immer wieder aussetzen. Dieses Problem konnte ich bisher bei allen Programmen feststellen, die über eine Schnittstelle zu den WB-Engines verfügen. Anhand der Final-Version des Programms werden wir uns noch einmal mit der Schnittstelle zu den WB-Engines befassen.
 
 
Die Schachdatenbank
Wir ersparen es uns, die zahlreichen Suchfunktionen des Datenbanksystems zum wiederholten Male in epischer Bandbreite zu beschreiben. CHESS ASSISTANT 5.0 ist ein seit Jahren anerkanntes, ausgereiftes Datenbanksystem, das alle Optionen und Funktionen anbietet, die ein Turnierspieler von einer modernen Schachdatenbank erwartet. Wie bereits erwähnt, ist die Software streng objektorientiert und zählt zu den positionsorientierten Datenbanken. Im Positionsbaum des CHESS ASSISTANT 5.0 sind alle in der Datenbank enthaltenen Partien in Form von Stellungen miteinander verknüpft. Die Vorzüge dieses Systems mit der Anzeige exakter Statistiken zu der Erfolgsquote eines bestimmten Zuges ist für das Eröffnungstraining ungemein hilfreich und mittlerweile von etlichen Schachprogrammen bekannt. In den Positionsbäumen kann der Anwender, genau wie in Partienotationen, jederzeit Kommentare oder Bewertungen von Schachprogrammen sowohl für Züge als auch für Stellungen einfügen und permanent speichern.
 
Im Ansichtsmodus für den Positionsbaum zeigt das Programm eine direkte Bewertung zu der Stellung an, die manuell von Experten vorgenommen wurde. Die Bewertung von Positionsbäumen ist auch nicht auf eine Datenbank begrenzt. Sämtliche Kommentare, Bewertungen und Zusatzinformationen (z.B. CAP) sind im Unterschied zur normalen Partiekommentierung für jede Partie in der Datenbank verfügbar, wenn die entsprechende Stellung/Zug vorkommt. Es ist möglich, maximal bis zu 32 Bäume im Ansichtsmodus miteinander zu verknüpfen. Nach dem Import neuer Partien wird der Positionsbaum jetzt automatisch aktualisiert und als weitere wichtige Neuerung besteht jetzt für den Anwender die Möglichkeit, direkt zwischen verschiedenen Positionsbäumen zu wechseln. Folgende Funktionen möchten wir noch hervorheben:
 
1. Datenformate
Kaum ein anderes Programm unterstützt die komplette Bandbreite der im Computerschach vorherrschenden Datenformate so universell wie CHESS ASSISTANT 5.0. Das Programm supportet neben seinem eigenen Datenformat zur Speicherung von Partien sowohl CBF, CBH, PGN, EPD. Es ist keine Konvertierung notwendig, um Daten in den zuvor beschriebenen Formaten einzulesen, dies ist direkt möglich. Die vielfältigen Exportfunktionen in gängige Textformate wurden bereits erwähnt.
 
2. Eröffnungsreports
CA 5.0 kreiert einen Eröffnungsreport mit exakten Angaben über die Erfolgsaussichten eines bestimmten Zuges und listet die abweichenden Hauptvarianten mit auf. Gleichzeitig listet die Datenbank alle Züge auf, die zu einer vorher spezivierten Stellung führen könnten. Dieses Feature ist ungemein nützlich, wenn in der Eröffnungsvorbereitung Zugumstellungen berücksichtigt werden müssen. Zusätzlich zeigt das Programm, welche Fortsetzungen in der Praxis nicht vorgekommen sind, aber zur Ergänzung des Positionsbaums (Zugumstellungen) mit in den Baum eingeflossen sind. Auf Wunsch zeigt das Programm Neuerungen auf und fügt die entsprechenden Referenzhinweise direkt in die Partienotation mit ein!
 
3. Performance
Das Programm überzeugt mit einer schnellen Arbeitsgeschwindigkeit in seinen Grundfunktionen, z.B. Suche nach Spielern, Positionen, Eröffnungen usw. Temporäre Positionsbäume sind übersichtlich mit der entsprechenden Datenbank verknüpft und werden extrem schnell auch beim Einsatz großer Datenbanken generiert. Gerade bei der Überprüfung von Eröffnungsrepertoires bestimmter Spieler (eine häufige Anwendung) kann man mit CA 5.0 auf einem aktuellen Rechnersystem quasi in "Echtzeit" arbeiten. Suchvorgänge sind nicht auf eine Datenbank beschränkt und sind parallel in mehreren Datenbanken möglich.
 
4. Datenpflege
Das Programm bietet eine Vielzahl von effizienten Tools zur Datenpflege. CA 5.0 verfügt z.B. über eine sehr effiziente Funktion zum Aufspüren von Dubletten. Beim Import von neuen Daten, z.B. aus dem Internet, ist diese Option sehr wichtig, da der Wert der statistischen Anzeigen eines Positionsbaums durch doppelte Partien stark entwertet wird. Der in CA 5.0 implementierte Algorithmus zum Aufspüren von Dubletten ist nach meinen Erfahrungen besonders effizient. CA 5.0 verwaltet die Indexeinträge für Spieler, Turnierort, Turniere oder Quellen in sogenannten Bibliotheken. Der Anwender kann die Schreibweisen für Spieler, Turniere, Quellenangaben usw. vereinheitlichen, nicht benötigte Einträge aus dem Index beseitigen oder verschiedene Bibliotheken zu einer Datei zusammenfassen.
 
5. ECO
Im Bereich Eröffnungstraining und Vorbereitung setzt die Datenbank einen Schwerpunkt. Neben dem Positionsbaum, der Enzyklopädie der Schacheröffnungen mit den Eröffnungsübersichten kann man aus der Datenbank gezielt nach der ECO-Klassifikation Partien suchen. Die Option, einen Teil der Notation im ECO-Standard tabellarisch anzuzeigen oder für das Training ohne Computer auszudrucken, ist ebenfalls sehr gelungen.
 
 
Fazit
Bereits CA 4.0 war eine ausgereifte Windows Schachdatenbank, die bis auf die fehlende Analyseunterstützung durch eine Spitzenengine kaum noch Wünsche offen ließ. Hervorheben möchte ich das stabile Laufverhalten, die rasche Arbeitsgeschwindigkeit und vor allem die ausgeklügelten Such- und Dateioperationen. Der Schwerpunkt bei der Programmentwicklung von CHESS ASSISTANT 5.0 lag eindeutig in der Anbindung von Schachengines und den damit einhergehenden, ausgeklügelten Analysefunktionen. Bleibt die Frage zu klären, ob der CA 5.0 dem Anspruch "universelles Schachsystem" gerecht wird?
 
Meiner Ansicht nach ja, denn die Integration von Schachdatenbank und Schachprogrammen wurde bis auf kleine Detailschwächen hervorragend umgesetzt und Convekta hat - bis auf die fehlende Anbindung von Endspieldatenbanken - die Möglichkeiten optimal ausgenutzt, dem User ein komplexes, universelles Schachsystem anzubieten. Dies bedeutet, dass der User sämtliche praxisrelevanten Aufgaben unter einer einheitlichen Arbeitsumgebung bewältigen kann, ohne zwischen mehreren Anwendungen zu wechseln.
 
Das Programm Chess Tiger ist meiner Ansicht nach in der Arbeitsumgebung des CHESS ASSISTANT 5.0 bedeutend besser als im Original aufgehoben und kann in dieser ausgezeichneten Arbeitsumgebung seine Stärken ideal zur Geltung bringen. Auch der amtierende Computerweltmeister Shredder 4.0 macht unter CHESS ASSISTANT 5.0 eine gute Figur. Berücksichtigt man den Lieferumfang des Programmpaketes mit Datenbankprogramm, einer sorgfältig editierten großen Partiensammlung mit 1.160.000 Schachpartien und einem Schachprogramm der absoluten Spitzenklasse, ist der anvisierte Preis von 299,- DM absolut gerechtfertigt. Die deutsche Version der Windows-Datenbank wird wohl ab Mitte März im Fachhandel erhältlich sein. Vertiefende Informationen zu den Lieferkonditionen und dem Programm erhalten Sie überall im qualifizierten Fachhandel.
 
 
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