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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chess Assistant 5.0 -
ein universelles Schachsystem? - Teil 2
besprochen von Peter Schreiner - März 2000
 
 
Interface und Bedienungskonzepte
CHESS ASSISTANT 5.0 glänzt mit einer erstklassigen Bildschirmgrafik, die sich weitgehend an den üblichen Win95/98/NT-Standards orientiert und nach eigenen Vorgaben angepasst werden kann. Die Aufteilung des Bildschirms und die Bedienung des Programms ist konzeptionell dem Windows-Explorer nachempfunden. Im linken Bereich des Bildschirms befindet sich eine Navigationsleiste, in der man alle aktiven geöffneten Objekte - z.B. Partiendatenbanken, Positionsbäume oder Listenfenster - angezeigt bekommt und per Mausklick aktivieren kann.
 
Beim ersten Start sollten Sie dort eine Anzeige für die große Hauptdatenbank HugeBase vorfinden. Im oberen Bereich der Arbeitsoberfläche findet man unter den Menüeinträgen eine Funktionsleiste mit aussagekräftigen Icons, über die besonders häufig genutzte Arbeitsabläufe, z.B. Suchabfragen, Engine-Analyse usw. rasch abgerufen werden können.
 
Besonders gut hat mir die durchgehende Implementierung der kontextbezogenen Menüs gefallen, die man mit der rechten Maustaste aufruft. In der Regel kommt man bei konsequenter Nutzung der Kontextmenüs weitaus rascher zum Ziel, als es über die Menüs möglich ist. Nehmen wir z.B. einmal an, Sie möchten die Einstellungen des grafischen Schachbretts verändern. Ein Rechtsklick mit der Maus auf das Schachbrett genügt, um das entsprechende Kontextmenü mit den Optionen aufzurufen, die sich auf die Einstellungen des Schachbretts beziehen. Ein Rechtsklick auf die Notation ruft ein Kontextmenü mit allen wesentlichen Funktionen auf, die im Zusammenhang mit der aktuellen Partie (z.B. Suche nach der aktuellen Position, Zugkommentierung, usw.) stehen.
 
CHESS ASSISTANT 5.0 bietet ein erstklassiges, objektorientiertes Bedienungskonzept, das sich konsequent in allen Funktionsbereichen der Software widerspiegelt. Der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass man parallel mit mehreren Datenbanken, Listenfenstern, Datensätzen oder anderen Objekten arbeiten und die jeweiligen Informationen auf dem Bildschirm darstellen kann. Lädt man eine Partie, fällt einem erfahrenen CA-Anwender neben den neuen Brett- und Hintergrundlayouts sofort weitere wichtige Neuerung in der Bildschirmdarstellung auf.
 
Während des Nachspielens einer Partie zeigt der Positionsbaum detaillierte Informationen und Statistiken zu der jeweils aktuellen Position an, die auf den zuvor beschriebenen Komponenten CAP und der Datenbank mit den Bewertungen einzelner Eröffnungspositionen basieren. Anhand des Bewertungsprofils unter dieser neuen Baumanzeige können Sie anhand eines grafischen Diagramms erkennen, ab welchem Punkt die Partie "gekippt" ist. Ein Klick in das Diagramm lädt die entsprechende Stellung. Unterhalb des Brettes erkennen Sie auf Anhieb, wie es um die Materialbilanz der beiden Parteien bestellt ist.
 
"Drag and Drop" wird beim kopieren von Datenbanken, ein- oder zusammenfügen von Schachnotationen genauso unterstützt wie eine heuristische Schnelleingabe mit der Maus. Man kann auf diese Weise sehr schnell Partien mit Varianten kommentieren, indem man einfach mit der Maus Notationen aus anderen Listenfenstern in die Stammnotation zieht.
 
Eine wichtige Neuerung in CHESS ASSISTANT 5.0 ist die uneingeschränkte Unterstützung der Windows-Zwischenablage (Clipboard) zum Datenaustausch mit anderen Applikationen. In der Praxis werden dies Schachprogramme sein, daher beschränkt sich der Datenaustausch auf die Standarddateiformate PGN (zum Speichern kompletter Schachnotationen) und EPD (zum Speichern von Schachpositionen). Sowohl Ex- und Import wird vom Programm unterstützt.
 
Wer regelmäßig Partien, z.B. für Turnierbulletins, selbst erfassen muss, dürfte mit CHESS ASSISTANT 5.0 besonders gut bedient sein. Zur schnellen Eingabe von Partien gibt es eine gut funktionierende, intelligente Eingabehilfe, die das Erfassen von Partien deutlich beschleunigt. In der Regel reicht ein Mausklick auf das Zielfeld einer Figur aus, um den Zug auf dem Eingabebrett auszuführen. Ergänzt wird das Erfassen eigener Partien durch die ganz ausgezeichneten Druck- und Layoutfunktionen, die den Ausdruck schachbezogener Dokumente mit Diagrammen, figuriner Notation usw. ermöglichen.
 
Die von CHESS ASSISTANT 5.0 angebotenen Optionen gehen also weit über einen einfachen Ausdruck hinaus und beim Erstellen von Turnierbulletins wird man sich besonders über die integrierte Seitenvorschau mit den vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten freuen. Darüber hinaus glänzt CHESS ASSISTANT 5.0 mit vielfältigen Exportfunktionen für die gängigen Textverarbeitungsformate *.DOC (Winword) oder *.RTF (Rich Text), um schachbezogene Dokumente mit einer Textverarbeitung und einem DTP-Programmen zu gestalten.
 
Dem Zeitgeist entsprechend unterstützt das Programm den Export in ein weiteres wichtiges Format: HTML. Die Qualität der Dokumente beim Export in das HTML-Format fiel bei der mir vorliegenden Beta gegenüber den zuvor besprochenen Formaten allerdings etwas ab; insbesondere die Darstellung der eingefügten Diagramme ließ zu wünschen übrig.
 
Wenn sie die Arbeit mit der Datenbank unterbrechen müssen, speichert das Programm alle zuletzt aktiven Einstellungen ab und Sie finden beim nächsten Neustart exakt die identische Arbeitsumgebung der letzten Session vor. Das bezieht sich auf die zuletzt aktiven Brett- und Listenfenster, Datenbanken sowie die Positionierung der Elemente auf dem Bildschirm. Die Grafik sowie die Benutzerführung beurteile ich als außerordentlich gelungen. Das Programm ist in seinen Funktionsreichtum allerdings außerordentlich komplex. Dies setzt von dem Anwender unbedingt die Bereitschaft voraus, sich in die konzeptionelle Struktur des strikt objektorientierten Systems einzuarbeiten.
 
 
Spielen mit Chess Tiger
Die gewichtigste Neuerung von CHESS ASSISTANT 5.0 besteht darin, dass es dem Anwender nicht nur als reines Datenbanksystem dient, sondern gleichzeitig ein komplett ausgestattetes Interface zur Einbindung von Schachprogrammen (= Engines) zur Verfügung stellt. Die mitgelieferte Schachengine Chess Tiger von Christophe Theron muss im Gegensatz zu anderen Engines nicht vom Anwender in das System eingebunden werden und steht direkt nach dem Start zur Analyse oder im normalen Spielmodus zur Verfügung. Das Programm Chess Tiger gehört zu den Newcomern in der Programmiererszene und erreichte auf Anhieb eine Spitzenplatzierung in der Wertungsliste der SSDF (zur Zeit 2. Platz mit Elo 2682 auf K6/2-450 MHz).
 
Ich habe mich bei der Überprüfung der Engine darauf konzentriert, ob die Tiger-Engine unter CHESS ASSISTANT 5.0 ein abweichendes Spielverhalten gegenüber der Standalone-Version des Chess Tiger aufweist. Überprüfungen mit diversen Teststellungen wurden von beiden Versionen mit fast identischen Lösungszeiten bewältigt, was auf eine besonders gelungene Integration und eine weitgehende Identität des Chess Tiger schließen lässt.
 
Betrachten wir uns zuerst einmal den neu integrierten Spielmodus mit Chess Tiger in CHESS ASSISTANT 5.0. Per Mausklick auf den entsprechenden Button in der Funktionsleiste ruft man den Spielmodus auf. Unterhalb des Schachbretts erscheinen neue Icons für die wichtigsten Funktionen im Partienmodus, z.B. für das Einstellen der Spielstufen, neue Partie oder Computerzug abrufen. Neben dem Schachbrett wird eine Leiste mit Anzeige der Schachuhr und der momentan aktiven Engine eingeblendet. Bis auf die etwas unansehnliche Darstellung der Schachuhr gibt es meiner Ansicht nach an dem Konzept nichts auszusetzen. Die Integration der Tiger-Engine bietet im Spielmodus eine Vielzahl von Möglichkeiten, die variabel definiert werden können.
 
 
Einige Annehmlichkeiten
Informative Anzeige der berechneten Varianten mit Rechentiefe, Kommentarsymbol, Hauptvariante und Zugzeiten. Die Anzeige der Bewertungen kann eingestellt werden; z.B. Bewertung aus Sicht des Spielers oder Computers. Auf Wunsch werden diese in die Notation übernommen. Leider werden die Informationen des Suchfensters nach einem Computerzug gelöscht. Es empfiehlt sich daher, die Suchinformationen mit in die Notation zu übernehmen. Dank des abschaltbaren Tonsignals, das auf einen Computerzug aufmerksam macht, muss man nicht andauernd regungslos vor dem Monitor verharren, um einen Computerzug wahrzunehmen. Man jederzeit eine Pause einlegen, die laufende Partie stoppen und zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Unterhalb des Schachbrettes ist eine Anzeige der Materialbilanz, die unterschiedliche Materialkonstellationen auf dem Brett anzeigt.
 
Während der Eröffnungsphase greift das Programm auf ein riesiges Eröffnungsbuch zu, das sich in den Ausspielpräferenzen über eine Vielzahl von Parametern steuern lässt. Das Eröffnungsbuch berücksichtigt sowohl die Informationen von CAP, die Statistiken des Positionsbaums und die Bewertungen der von GM Charitonov editierten Eröffnungsdatenbank. Externe Engines, die ebenfalls unter dem Interface benutzt werden können, werden in der Regel mit einem eigenen Eröffnungsbuch ausgeliefert. Wenn Sie das CA-interne Buch im Optionendialog abschalten, spielt die externe Engine mit dem eigenen Buch. Benutzerdefinierte Bücher können mit Hilfe des externen Utilities Bookbld.Exe erstellt werden.
 
Das Spielverhalten die Tiger-Engine kann mit einer Vielzahl von Parametern beeinflusst werden. Die HashTables sind frei justierbar; das Permanent Brain kann abgeschaltet werden. Die Tiger-Engine ist unter CHESS ASSISTANT 5.0 lernfähig; berücksichtigt also drastische Änderungen in der Bewertung und speichert diese permanent ab!
 
Per Rechtsklick in das Analysefenster wird ein Kontextmenü aufgerufen. Dort kann man zwischen verschiedenen Exportfunktionen für die angezeigten Hauptvarianten und Dateiformaten auswählen. Sie können z.B. eine bestimmte Stellung im PGN- oder EPD-Format zum Datenaustausch in die Zwischenablage übernehmen und wahlweise die Hauptvarianten mit einfügen. Es gibt frei einstellbare Spielstufen für jeden beliebigen Spielmodus. Es wurde auch an eine spezielle Mattsuchstufe zum Lösen von Schachproblemen gedacht.
 
Es besteht die Möglichkeit, unter dem Interface des CHESS ASSISTANT 5.0 unterschiedliche Engines einzubinden. Falls der Anwender Interesse daran hat, kann man unter dem Interface unterschiedliche Engines gegeneinander spielen lassen. Sie können vor einem Enginematch für jede Engine benutzerdefinierte Settings auswählen. Für Matches kann eine beliebige Startposition, z.B. eine bestimmte Eröffnungsstellung, vorgegeben werden. Alle Matches werden automatisch in einer separaten Datenbank gespeichert.
 
Anhand der oben beschriebenen Möglichkeiten wird klar, dass die Kombination CHESS ASSISTANT 5.0 und Chess Tiger im Spielmodus fast alle Anforderungen erfüllt, die man heutzutage von einem starken Schachprogramm erwartet. Aus meiner Sicht gibt es lediglich eine Einschränkung, die je nach Interessenlage des Anwenders unterschiedlich beurteilt werden dürfte: Es gibt keine Schnittstelle zum Autoplayer, um vollautomatisch Partien gegen Programme auf einem zweiten PC zu spielen. Daran dürften sich in erster Linie die Computerfreaks stören.
 
Die Zielgruppe von CHESS ASSISTANT 5.0 ist eindeutig der ambitionierte Turnierspieler, der mit der Kombination Datenbank und Schachprogramm vor allem trainieren und im Spielmodus selbst seine Kenntnisse gegen den Computer erproben will. Wir beurteilen den neu integrierte Spielmodus sehr positiv, da er alle Optionen bietet, die man heutzutage von einem modernen Schachprogramm erwartet und sich mit der Datenbank ausgezeichnet ergänzt. Damit aber noch nicht genug, denn ChessTiger und die externen Programme leisten auch ausgezeichnete Dienste in der Analyse.
 
 
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