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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Chess Assistant 5.0 -
ein universelles Schachsystem? - Teil 1
besprochen von Peter Schreiner - März 2000
 
Chess AssistantBereits seit vielen Jahren bietet die in Moskau beheimatete Firma Convekta mit ihrem Datenbanksystem Chess Assistant ein in jeder Hinsicht hochwertiges, sehr komplexes Datenbanksystem an. Generell kann man festhalten, dass im Verlauf der letzten Jahre sowohl die reinen Datenbanksysteme als auch die ursprünglich als reine Spielprogramme konzipierten Schachprogramme mit immer ausgefeilteren Funktionen und Optionen daherkommen. Ein Trend zeichnet sich dabei ganz klar ab: die Trennung zwischen reiner Schachdatenbank und reinem Spielprogramm fällt immer mehr weg.
 
Während die gängigen Schachprogramme wie z.B. Fritz, Rebel oder Chess Genius dem Anwender mittlerweile recht ausgereifte Datenbankfunktionen offerieren, bieten die Datenbanksysteme zumindest die Analyseunterstützung durch ein starkes Programm. Fakt ist aber auch, dass trotz aller Verbesserungen wichtige Detaillösungen ausschließlich mit dem jeweils spezialisierten Programm zu bewältigen sind.
 
 
Universelles Schachsystem?
Der Markt verlangt aber ganz offensichtlich nach einem universellen Schachsystem, dass dem User die Möglichkeit bietet, sämtliche in der Praxis anfallenden Aufgaben unter einer einheitlichen Oberfläche zu bewältigen, ohne laufend zwischen verschiedenen Programmen wechseln zu müssen. In der Vergangenheit gab es bereits von verschiedenen Firmen mehrere Versuche, eine entsprechende Kombinationen aus Schachdatenbank und Spielprogramm auf dem Markt zu etablieren. Ich erinnere nur an die Schachdatenbank PerfectBase mit dem extrem spielstarken Schachprogramm von Johan de Koning oder das System ChessVision. Außerdem haben wir über die Chess Academy berichtet, die konzeptionell mit der Verbindung Schachdatenbank + Spielprogramm + Lernprogramm ebenfalls in die Richtung universelles Schachsystem abzielt.
 
CHESS ASSISTANT gehört mit ChessBase zu den profiliertesten Vertretern im Bereich der Schachdatenbankentwicklung. Bereits in der Vorgänger-Version 4.0 war mit der rudimentären Anbindung des Freeware-Programms Crafty deutlich zu erkennen, dass in der kommenden Version eine komplette Anbindung eines Spielmodus anstand. Bei der Entwicklung der neuesten Version 5.0 wurde also der Schwerpunkt ganz eindeutig - aber nicht nur - auf eine perfekte, möglichst praxisnahe Anbindung von starken Schachengines gesetzt.
 
Die gelungene Windows-Oberfläche des CHESS ASSISTANT dient jetzt gleichzeitig als Interface für bekannte Schachprogramme, die mit voller Rechenpower unter dem System laufen. Man kann die Engines nicht im reinen Analysemodus einsetzen, sondern bei Bedarf wie mit einem normalen Schachprogramm Partien spielen. Im weiteren Text werden wir uns vor allem mit der Frage beschäftigen, ob das neue CHESS ASSISTANT 5.0 dem Anspruch als universelles Schachsystem gerecht wird. Ich weise darauf hin, dass als Grundlage für diesen Review eine frühe Beta-Version diente, die aber laut Convekta im wesentlichen dem Funktions- und Leistungsumfang der kommerziellen Version entsprechen wird.
 
 
Systemvoraussetzungen
Bevor wir uns mit dem Lieferumfang und den einzelnen Komponenten des Systems intensiver befassen, noch pflichtgemäß ein Wort zu den Systemvoraussetzungen. Als Minimalkonfiguration wird von Convekta ein Pentium 75 MHz, 16 MB RAM, VGA-Grafik mit CD-Rom angegeben. Ich selbst würde einem Interessenten für einen flüssigen Arbeitsablauf mindestens ein System ab Pentium 200 aufwärts und mindestens 64 MB RAM empfehlen. Besonders wichtig erscheint mir ein großer Monitor mit einer Mindestauflösung von 1024x768 Bildpunkten, damit eine gute Übersicht mit den überaus zahlreichen Informations- und Listenfenster gewährleistet bleibt.
 
Wichtig ist ausreichend Festplattenspeicher. Sie können zwar mit den meisten Daten auch von der CD-Rom aus arbeiten; im Sinne eines zügigen Arbeitsablaufs sollten die Daten nach Möglichkeit auf die Festplatte installiert werden. Dafür sind bei einer Vollinstallation um die 600 MB Speicher zu veranschlagen, was in Anbetracht der günstigen Festplattenpreise kein großes Problem darstellen sollte. Der de facto nicht vorhandene Kopierschutz kann nur positiv bewertet werden: das Programm kann beliebig oft installiert werden und die Original-CD wird im Dauerbetrieb nicht abgefragt. Nur bei einer Änderung der Systemkonfiguration, z.B. beim Aufrüsten neuer Hardware, muss die CD als Berechtigungsnachweis eingelegt werden.
 
 
Komponenten
Der Lieferumfang auf der CD-Rom ist beeindruckend und stellt alle erforderlichen Komponenten zur Verfügung, die man für ein effektives Schachtraining benötigt.
 
1.) Neben dem eigentlichen Hauptprogramm wird im Unterschied zu anderen Anbietern direkt eine große Datenbank mit exakt 1.160.000 Schachpartien mitgeliefert. Die Partiendatenbank ist bei der Aktualität zufriedenstellend; Redaktionsschluss war der Januar 2000. Laut Convekta sind viele kommentierte Partien in der Datenbank enthalten. Dies trifft zwar in der Tat zu, es muss allerdings klargestellt werden, dass die Partien in der Regel mit den üblichen Kürzeln und Schachsonderzeichen oder Varianten kommentiert wurden. Ausführlich (mit viel Text kommentierte und analysierte Partien) konnte ich keine entdecken, obwohl das Datenformat des CHESS ASSISTANT 5.0 durchaus auch ausführliche Kommentierung mit Text zulässt. Die Aktualisierung der Partiendatenbank ist für registrierte User kein Thema: Convekta bietet einen kostenlosen, wöchentlichen Download mit ca. 1000 Partien aus aktuellen Turnieren an.
 
2.) Zusätzlich ist eine Datenbank mit Bewertungen zu den gängigen Eröffnungssystemen enthalten. Über 70 000 Eröffnungspositionen und mehr als 100 000 Züge sind von diversen Eröffnungsexperten unter der Leitung von GM Charitonov analysiert und bewertet worden. Diese Bewertungen, die in den diversen Ansichtsmodi durchgängig verfügbar sind, können jederzeit angezeigt werden und stellen ein nützliches Kriterium zur Beurteilung eines bestimmten Eröffnungszuges dar.
 
3.) Bei der mitgelieferten Enzyklopädie der Schacheröffnungen handelt es sich um eine nach ECO (= Enzyklopädie der Schacheröffnungen) klassifizierte Datenbank, die in erster Linie Partien aus der aktuellen Turnierpraxis enthält und bei möglichen Eröffnungsreports, Turniervorbereitung nützliche Dienste leistet.
 
4.) Im Internet gibt es unter ftp://38.168.214.175/pub seit einiger Zeit ein Projekt mit der Bezeichnung CAP (Computer Analysis Project). Das Ziel des Projektes besteht darin, eine Datenbank mit von Computern ausanalysierten Positionen zusammenzustellen. Naturgemäß werden dabei hauptsächlich Eröffnungspositionen mit Computern analysiert (im Schnitt 10 Minuten pro Position); teilweise aber auch Endspielstellungen. Innerhalb von CA 5.0 werden die Daten in Form eines Positionsbaums mitgeliefert, der im Eröffnungssektor über 2 Millionen bewertete Positionen enthält. Dazu kommen Bewertungen für ca. 1 Millionen bewertete Positionen aus dem Endspielbereich. Dies hört sich erst einmal eindrucksvoll an.
 
Prinzipiell stehe ich aber diesem Baum etwas skeptisch gegenüber, insbesondere die Analysen im Endspielsektor dürften mit Vorsicht zu genießen sein, zumal die Bewertungen mit unterschiedlichen Programmen (Crafty, Hiarcs, Rebel, usw.) erstellt wurden. Hier wäre es mit Sicherheit günstiger gewesen, eine Schnittstelle zu gängigen Endspieldatenbanken (Thompson/Nalimov) zu implementieren. Die in CAP gespeicherten Bewertungen werden als zusätzliches Informationskriterium angezeigt. Genau so sollte man die Analysen auch verstehen: als zusätzliche Orientierungshilfe zur Beurteilung einzelner Züge. Da Computer manchmal eine menschliche Eigenschaft haben (auch Computer irren sich gelegentlich) ist bei der Interpretation der Bewertungen von CAP ein gesundes Maß an Skepsis angebracht.
 
5.) Convekta kann für sich in Anspruch nehmen, das heutzutage von fast jedem Spitzenschachprogramm benutzte Feature Positionsbaum erfunden zu haben. Wie von den Erfindern dieses ungemein nützlichen Statistiksystems nicht anders zu erwarten war, befindet sich im Lieferumfang der aktuellen Version 5.0 ein riesiger Positionsbaum mit zahlreichen Bewertungen und Statistiken, der direkt mit der Partiendatenbank verknüpft ist. Besonderheit: man kann in dem Positionsbaum Bewertungen und Kommentare speichern.
 
6.) Ein echtes Highlight ist die Integration des Schachprogramms Chess Tiger 12.0, das sich ebenfalls im Lieferumfang des Programms befindet und nicht extern zugekauft werden muss. Wenn man sich an der aktuellen Eloliste der SSDF orientiert, belegt eine Version von Chess Tiger (Autor Christophe Theron) dort mit einer Wertungszahl von 2682 Punkten (AMD K6-450 MHz) knapp hinter Junior 6.0 den zweiten Platz. Ein absolutes Spitzenprogramm, das man unter dem Interface des CHESS ASSISTANT 5.0 nicht nur als Analysemodul, sondern gleichzeitig auch als vollwertiges Spielprogramm mit eigenem Eröffnungsbuch und editierbaren Parametern einsetzen kann! Die gelungene Integration in das neue Gesamtkonzept fand ich absolut überzeugend und meiner subjektiven Ansicht nach macht Chess Tiger unter dem Interface des CHESS ASSISTANT 5.0 eine wesentlich bessere Figur als die seit kurzem ebenfalls erhältliche Standalone Version aus dem Hause Schröder B.V. Abgerundet wird der Lieferumfang mit einem großen Eröffnungsbuch, welches auf die Spielweise des Programms abgestimmt ist und das in seinen Ausspielpräferenzen variabel einstellbar ist.
 
7.) Letztendlich gibt im Interface des CHESS ASSISTANT 5.0 noch zwei Schnittstellen zu weit verbreiteten Schachprogrammen: einmal werden die als Freeware vertriebenen Winboard-Engines supportet, die ebenfalls zur Analyse oder zum Spiel eingebunden werden können. Die zweite Schnittstelle existiert zu den Schachengines des Millennium Chess Systems, man kann also das System mit einer weiteren Anzahl von starken Schachprogrammen, insbesondere mit dem amtierenden Computer-WM Shredder 4 "verstärken".
 
Damit es keine Missverständnisse gibt: die Engines des MCS-Systems müssen natürlich extern zugekauft werden. Das Programmpaket hinterlässt mit der ausgewogenen Zusammenstellung der Komponenten einen hervorragenden Eindruck, da es für alle in der Praxis auftretenden Aufgaben die entsprechenden Module bereithält, die ein ambitionierter Turnierschachspieler benötigt. Insbesondere die Kombination aus einem modernem Datenbankprogramm mit großer Datenbank und erstklassigem Schachprogramm dürfte der anvisierten Zielgruppe alle Möglichkeiten bieten, die anfallenden Aufgaben (Eröffnungstraining, Analyse, Trainingspartien, usw.) komplett unter einem einheitlichen System zu erledigen.
 
 
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