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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
ChessAcademy 2000  -  Teil 2
besprochen von Peter Schreiner - Februar 2000
 
 
Dateiformate und Tools
Die Chess Academy 2000 unterstützt neben seinem eigenen Dateiformat noch die Standardformate CBF, PGN und EPD. Eine erfreuliche Verbesserung gegenüber der Vorgänger-Version: das Programm kann jetzt neben kompletten Partienotationen auch Stellungsfragmente, also Positionen, abspeichern. Ansonsten ist es möglich, die Datenbestände mit Hilfe der Konvertierroutine via CBF/PGN/EPD auf dem neuesten Stand zu halten. Dies kann sowohl über den Import von Daten dritter Anbieter, das Internet oder den Partienservice von Intelvest erledigt werden.
 
Das hauseigene Format bietet übrigens neben den klassischen Formen der Partiekommentierung (Varianten, Untervarianten, Text) noch Support für Multimedia-Komponenten. Man kann innerhalb der Notation auch Soundkommentare oder Videos einfügen. Für die Generierung dieser Daten benötigen Sie allerdings entsprechende Zusatzsoftware.
 
Die Erfassung eigener Partien oder von Turnieren wird von einer Partieschablone unterstützt, die eine rasche Eingabe von Partien ermöglicht. Dieser Aspekt, übrigens genau wie die exzellenten Druckfunktion mit Seitenvorschau, dürfte bei der Produktion von Bulletins eine wichtige Rolle spielen. Zusätzlich unterstützt das Programm noch zwei weitere, wichtige Datenformate:
  1. RTF - dieses Format kann von jeder gängigen Windows Textverarbeitung eingelesen werden und ermöglicht eine feinere Gestaltung schachbezogener Dokumente mit figuriner Notation und Diagrammen.
  2. HTML - für die Erstellung der eigenen Website wird HTML unterstützt. Beim Test ließ allerdings die Qualität und Gestaltung des HTML-Dokumentes sehr zu wünschen übrig.
Die mitgelieferte Datenbank befindet sich auf einem deutlich besseren Niveau als beim Vorgänger, da deutlich weniger Dubletten enthalten sind. Chess Academy stellt eine ganze Reihe von Tools zur Pflege der Datenbestände bereit, wie z.B. eine erstklassige Funktion zum Aufspüren von Dubletten, oder eine Editierfunktion zur Vereinheitlichung der Indexeinträge der Datenbank. In Punkto Datenaustausch und Datenpflege gibt sich das Programm keine Blöße und stellt alle erforderlichen Werkzeuge zur Verfügung. Besonders hervorheben möchte ich die exzellente Druckfunktion mit einer Seitenvorschau, die beim Erstellen von Turnierbulletins ungemein hilfreich ist.
 
 
Schachanalyse pur
Kommen wir jetzt zu den wirklich essentiellen Erweiterung des Systems: Analyseunterstützung mit Hilfe eines Computerprogramms. In dieser Hinsicht hat Intelvest beeindruckende Arbeit geleistet und bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Sehr konsequent bewerte ich die Tatsache, dass der Hersteller nicht nur eine gut funktionierende Schnittstelle zu den gängigen Winboard-Programmen implementiert, sondern gleich noch ein Schachprogramm in Eigenregie entwickelt hat! Im Lieferumfang befinden sich mehrere Eröffnungsbücher, Mittelspielbibliotheken (enthalten erweitertes Schachwissen) und je nach Engine hat man auch noch Support für Endspieldatenbanken. Mit Hilfe des integrierten Eröffnungseditors kann man recht komfortabel editieren oder noch einfacher aus vorselektierten Datenbanken automatisch Eröffnungsbücher generieren.
 
Es ist über diverse Parameter möglich, die Engine im Spielverhalten vielfältig zu beeinflussen, z.B. in dem man eine individuelle Bewertung der jeweiligen Figurentypen einstellt oder den Handicapmodus auswählt, der große Ähnlichkeit mit dem von Fritz hat. In diesem Modus streut das Schachprogramm während einer Partie immer wieder absichtlich taktische Fehler ein, die der User nach Möglichkeit ausnutzen und verwerten soll. Aus den oben gemachten Ausführungen wird ersichtlich, dass die Chess Academy2000 also nicht nur eine reine Hintergrundanalyse ermöglicht, sondern als voll funktionsfähiges Schachprogramm mit eigenem Spielmodus in das System integriert ist.
 
Gleichzeitig stellt das Interface eine Schnittstelle für die schon öfter besprochenen Winboard-Engines dar. Fragt sich nur, ob die Chess Academy wirklich das Original übertrumpfen kann? Wie schon öfter besprochen, gibt es mittlerweile zu der Freewareoberfläche Winboard von Dr. Tim Mann eine ganze Reihe von alternativen Systemen, die dem Anwender eine grundlegende Kompatibilität zu den zahlreichen Winboard-Programmen versprechen. Etliche Tests belegen die These, dass nichts besser ist als das Original. Genau wie bei Fritz, Genius6.5 gibt es immer wieder das gleiche Problem: manche Engines laufen einwandfrei, andere wiederum nur eingeschränkt oder gar nicht. Dieses Problem habe ich beim Einsatz des Winboards nicht.
 
Im Lieferumfang der Chess Academy2000 befinden sich zwar für jede aktuelle WB-Engine vordefinierte Konfigurationsdateien, so dass im Prinzip nur noch die entsprechende Engine in das Verzeichnis kopiert werden muss. Der Spielmodus und die möglichen Einstellungen für Spielstufe, Engineoptionen usw. lässt nichts zu wünschen übrig und kann mit den bekannten Schachprogrammen durchaus mithalten.
 
Im Spielbetrieb sind mir noch kleinere Schwächen aufgefallen. Störend ist es, dass die Schachprogramme nicht mit einem kleinen Tonsignal auf ihren Zug aufmerksam machen. Wenn man in ernsthaften Partien nicht die Zeit überschreiten will, muss man kontinuierlich auf den Monitor starren. Man kann die verschiedenen Engines lediglich via Autoplayer, aber nicht direkt unter dem Interface Partien gegeneinander spielen lassen. Im Analysemodus ist es nicht möglich, die Bewertungen eines Schachprogramms einfach via Drag und Drop in die Partienotation zu übernehmen.
 
Diesen Einschränkungen stehen natürlich auch eine Reihe von Vorzügen gegenüber. Die Tiefe des Eröffnungsrepertoires kann man z.B. begrenzen oder gezielt mit eigenen Eröffnungsbüchern trainieren. Sehr hilfreich in diesem Bereich ist komfortabel zu bedienende Bucheditor. Experimentierfreudige Naturen können sämtliche relevanten Engineparameter modifizieren und mit Hilfe der integrierten Schnittstelle zum Autoplayer 232 gegen andere Programme austesten. Eine weitere wichtige Hilfe bei der Analyse ist der Support für die bekannten Endspieldatenbanken von Ken Thompson, die sich allerdings nicht im Lieferumfang der Chess Academy2000 befinden und separat zu erwerben sind. Als gut gelungen beurteile ich noch die zahlreichen Spielstufen (es sind unterschiedliche Stufen für Mensch und Computer möglich) und die Option, während der Partie eine Pause einzulegen oder jederzeit einen Zugvorschlag abzurufen.
 
Fazit: die Spiel- und Analysefunktionen der Chess Academy2000 stellen eine gelungene Erweiterung des Systems dar. Vor allem die Implementierung eines reinen Spielmodus zielt in die Richtung universelles Schachsystem und bietet dem Anwender den großen Vorteil, dass er alle relevanten Aufgaben unter einer einheitlichen Oberfläche durchführen kann.
 
 
Trainieren mit dem Computer
Aus meiner Sicht stellt das im Lieferumfang enthaltene Lern- bzw. Trainingsprogramm der Chess Academy2000 ein weiteres Highlight dar. Die gelungene Umsetzung gefällt mir von allen mir bekannten Lösungen am besten. Die Vielzahl und vor allem das sehr hohe Niveau der angebotenen Trainingseinheiten zeigt eindeutig, dass die Entwickler über sehr viel Erfahrung in der Vermittlung von konkretem Schachwissen verfügen.
 
Ich weise ausdrücklich noch einmal darauf hin, dass die Lektionen sich insbesondere an den fortgeschrittenen Spieler wenden und daher auch als Unterrichts- oder Trainingsmaterial in Schachgruppen, Vereinen usw. besonders gut geeignet sind. Die elementaren Grundlagen für Anfänger hat man sinnvollerweise außen vor gelassen, da diese Zielgruppe mit dem komplexen Programm deutlich überfordert ist.
 
Innerhalb der Lektionen bekommt man eine Fülle von Testpositionen zu den unterschiedlichsten Themenkomplexen geliefert, z.B.:
  • Isolierter Bauer, hängende Bauern, Blockade, Läuferpaar, das Qualitätsopfer, usw. Zu jedem der Themenkomplexe gibt es instruktive Beispiele, ausführliche Textkommentare und nachspielbare Hauptvarianten auf dem grafischen Schachbrett.
  • Taktische Motive, z.B. Mittelspielkombinationen, werden ebenfalls erschöpfend abgehandelt.
  • Auch Liebhaber von Schachendspielen kommen nachhaltig auf ihre Kosten. Neben vielen Beispielen aus der Theorie der Endspiele liefert Intelvest über 10.000 (!) Endspielstudien mit aus.
Die Benutzerführung des Programms ist einfach: zuerst wählt man in der Auswahlliste das entsprechende Thema aus. Die Chess Academy lädt zu dem Themenkomplex eine entsprechende Aufgabe mit einer Problembeschreibung der jeweiligen Position. Ab der Schlüsselstellung muss der Anwender versuchen, die geforderte Lösung selbständig zu ermitteln; sämtliche Kommentare und Hinweise werden ausgeblendet. Falls die Aufgabe zu schwer erscheint, kann vom Anwender ein optionales Analysebrett zugeschaltet werden, um Varianten und Zugalternativen auszuprobieren. Je nachdem, wie schnell die Lösung gefunden wurde, werden die einzelnen Lösungszeiten mit einem differenzierten Punktesystem bewertet. Übungsleiter können übrigens die vorgegebene Lösungszeit anpassen. Falls eine Aufgabe nicht gelöst werden konnte, wird der richtige Zug mit Hauptvariante und zahlreichen Erklärungen angezeigt.
 
Ein weiteres Highlight sehe ich in der Option, dass man mit Hilfe des Editors eigene Lehrgänge oder Kurse erstellen kann. Diese Lehrgänge kann man mit Text, eingebetteten Varianten und Diagrammen ausdrucken und als Arbeitsgrundlage verteilen. Falls Sie also Schachtrainer, Jugendleiter o.ä. sind, gibt Ihnen das Programm eine wertvolle Hilfe, um Unterrichtsmaterial zu erstellen und Sie sollten unbedingt sich anhand der Demo-Version selbst einen Eindruck von den Qualitäten des Programms verschaffen.
 
Das Lern- und Trainingsprogramm der Chess Academy2000 wurde hervorragend umgesetzt und stellt für ambitionierte Schachspieler eine wertvolle Bereicherung des häuslichen Schachtrainings dar. Man merkt diesem Modul rundum an, dass sich hier ein Spezialist viele Gedanken sowohl bei der Auswahl der Beispiele und Themen, als auch um die praktische Umsetzung gemacht hat. Meiner Ansicht nach stellt das Trainingsmodul der Chess Academy2000 eine besonders gelungene Komponente des Gesamtpaketes dar. Zu den elektonischen Schachbüchern von Chess Academy gibt es auch einen Beitrag vom Mai 2000.
 
 
Fazit
Die Chess Academy2000 ist in der Summe ihrer Eigenschaften ein komplettes Anwendungspaket für den ambitionierten Schachspieler. Ob Datenanwendung, Analyse, Eröffnungstraining, Computerschach oder einfach nur Trainieren: für jede Anwendung stellt das Programm eine professionelle Lösung zur Verfügung. Beeindruckend war die neue Implementierung des neu hinzugekommenen Spiel- und Analysemodus mit eigener Schachengine und die Schnittstelle zum Winboard. Die Datenbank krankt zwar an kleineren Detailschwächen, mit denen man aber (bis auf die fehlende Suchoption nach Elozahl) in der Praxis ganz gut leben kann.
 
Je nach Ausstattung muss man für die Chess Academy2000 einen unterschiedlicher Preis bezahlen:
  1. Das Startpaket enthält die zwei Lernmodule Strategie und Kombinationen sowie die Profidatenbank mit fast 1,6 Millionen Partien und kostet 199.- DM.
  2. Das Profipaket beinhaltet neben dem Startpaket noch elf weitere Lern- und Trainingsmodule. Kostenpunkt: 299.- DM.
  3. Das Exklusivpaket kommt mit allen Komponenten des Profipaketes und der Enzyklopädie der Schachendspiele.
Vertiefende Informationen sowie eine Demo-Version des Programms finden Sie im Internet unter www.chessacademy.de oder direkt beim Autoren unter W. Braslawski, Urdenbacher Allee 61, 40593 Düsseldorf, Telefon: 02 11 / 74 28 26, Fax: 02 11 / 74 28 31.
 
Peter Schreiner
 
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