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Diagramm 23-2006
 
Diagramm 23 – 2006
Schwarz hat zwei Bauern geopfert und steht nun vor der Frage, ob er sich auf e5 wieder einen zurück holen soll. Was meinen Sie?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
ChessAcademy 2000  -  Teil 1
besprochen von Peter Schreiner - Februar 2000
 
ChessAcademyDie 1991 gegründete Firma Intelvest hat sich ebenfalls auf den für ambitionierte Schachspieler so eminent wichtigen Anwendungsbereich Schachdatenbanken spezialisiert. Naturgemäß hat eine kleine Firma wie Intelvest es nicht ganz einfach, sich gegen die etablierten Vertreter (ChessBase und ChessAssistant) zu behaupten. Dies ist nur dann möglich, wenn sich das eigene Produkt prägnant in wichtigen Bereichen gegenüber der Konkurrenz abhebt. Die Vorgängerversionen boten daher nicht nur auf ausgeklügelte Datenbankfunktionen, sondern setzten mit ausgeklügelten Trainings- und Themenkursen einen weiteren Schwerpunkt bei der Unterstützung des aktiven Schachspielers.
 
 
Unterschiede zur Vorgängerversion
Der Gründer von Intelvest, Witali Braslawski brachte von Haus aus als ausgebildeter Schachtrainer die Grundlagen mit und die Chess Academy glänzte mit vielen ausgeklügelten, themenbezogenen Trainingskursen und Schachlehrgängen. Dabei wurde das Team um Witali Braslawski bei der Weiterentwicklung von renommierten Großmeistern, wie z.B. GM Ivantschuk und GM Michaltschischin unterstützt. Die Vorgänger-Version glänzte meiner Einschätzung nach im wesentlichen mit zwei ausgereiften Komponenten:
  1. Einer gegenüber den bekannteren Anwendungen vollwertigen, positionsorientierten Schachdatenbank.
  2. Diversen pädagogisch ausgezeichnet aufbereiteten Lern- und Trainingseinheiten (Tutorials), die konzeptionell vor allem für den fortgeschrittenen Schachspieler interessant sein dürften.
Mit der Kombination Lernprogramm und Tutorial bietet die Chess Academy 2000 bei entsprechendem Arbeitsbereitschaft des Users bereits eine erstklassige Arbeitsgrundlage für das Schachtraining. Bei allem Respekt für die konzeptionelle und programmiertechnische Umsetzung des Systems gab es aber auch eine eklatante Schwachstellen zu bemängeln: im Unterschied zu ChessBase oder Chess Assistant gab es für den Anwender keine Möglichkeit, direkt aus dem Programm heraus mit Hilfe eines Schachprogramms Partien oder bestimmte Stellungen zu analysieren.
 
Dies hat sich jetzt grundlegend geändert und Chess Academy stellt dem Anwender jetzt eine Vielzahl von Optionen zur Verfügung, um mit Hilfe des integrierten Schachprogramms (übrigens eine Eigenentwicklung!) direkt aus der Anwendung heraus zu analysieren! Bei der Analyse geht die Chess Academy2000 noch einen Schritt weiter und ermöglicht dem User nicht nur die hinlänglich bekannte Hintergrundanalyse (= Monitormodus), sondern man kann - wie in einem normalen Schachprogramm - direkt gegen die mitgelieferte Engine Partien spielen!
 
Der Anwender muss sich nicht auf die Dienste der mitgelieferten Engine beschränken. Die neue Chess Academy2000 stellt gleichzeitig ein universelles Interface für die im Internet verfügbaren Winboard Engines dar. Man kann also von Anfang an direkt auf eine Vielzahl von mehr oder weniger starken Schachprogrammen zurückgreifen, die gegenüber den kommerziellen Alternativen vor allem einen wesentlichen Vorteil bieten: bis auf die Downloadgebühren fallen in der Regel keine weiteren Kosten an! Bei der Implementierung hat Intelvest einige bemerkenswerte Feinheiten implementiert, die im weiteren Text noch genauer beschrieben werden.
 
Vorab kann man bereits festhalten, dass die Chess Academy2000 grundsätzlich nicht nur ein einfaches Upgrade, sondern ein um elementare Optionen erweitertes Schachsystem darstellt, mit dem man alle in der täglichen Praxis anstehenden Aufgaben für das tägliche Training bewältigen kann. Bevor wir die Komponenten des Programms ausführlicher untersuchen, werfen wir zuerst einmal einen Blick auf den Lieferumfang und die Systemvoraussetzungen für eine erfolgreiche Installation des Programms.
 
 
Lieferumfang / Installation
Die Chess Academy2000 ist ein echtes 32Bit-Programm für Windows 95/98 und NT. Das Programm wurde von mir auf zwei Computern mit unterschiedlicher Konfiguration getestet: einmal auf einem Rechner mit AMD-K6/Prozessor + Windows95 und auf einem Pentium II/400 MHz + Windows98. Auf beiden Maschinen lief das Programm sehr stabil und ohne Probleme.
 
Obwohl das Programm recht ressourcenschonend programmiert wurde, sollte man für einen flüssigen Arbeitsablauf eine flotte Maschine (PII/300 oder besser) mit mindestens 64 MB RAM einsetzen. Chess Academy2000 unterstützt Multi-Media, z.B. bei einer Sprachkommentierung, also sollte ein Standardsystem mit Soundkarte, CD-Rom usw. vorhanden sein. Der Lieferumfang besteht aus einer Diskette, einer CD-Rom und den entsprechenden Begleitdokumentationen.
 
Die eigentliche Installation ist problemlos zu bewerkstelligen, allerdings wird der Anwender mit einem anachronistischen Kopierschutz konfrontiert: die eigentliche Programmdiskette enthält maximal 20 Installationsberechtigungen. Diese Form von Kopierschutz war noch vor einigen Jahren durchaus üblich, scheint mir aber bei allem Verständnis für den Hersteller, der sich vor Raubkopien schützen will, nicht mehr zeitgemäß. Vor allem besteht keine Möglichkeit, eine verbrauchte Installationsberechtigung wieder auf die Originaldiskette zurückzuspielen, wie es vor einigen Jahren bei ähnlich kopiergeschützten Programmen wie MChess oder Chess Genius durchaus üblich war. Zumindest sollte der Kopierschutz in dieser Hinsicht verbessert werden, da die Erfahrung zeigt, dass viele Anwender relativ häufig ihre Hardware updaten und in diesem Fall eine Installationsberechtigung verlieren.
 
Könnte man als ehrlicher Kunde mit dieser Einschränkung noch leben, denn Intelvest bietet einen professionellen, gegenüber registrierten Anwendern hervorragenden Support, gibt es leider nach dem Programmstart eine weitere, sehr ärgerliche Einschränkung: auf der CD-Rom befindet sich u.a. eine Partiendatenbank mit exakt 1.590.000 Partien. Während der Installation kann der Anwender festlegen, ob die Datenbank alternativ vom CD-Laufwerk oder direkt von der Festplatte aus betrieben werden soll.
 
Trotz Installation auf der Festplatte muss die CD-Rom während der Arbeit mit der Datenbank konstant im Laufwerk liegen, was mir in Anbetracht der zuvor beschriebenen Installationsoption absolut nicht einleuchten will und einfach lästig ist. Ansonsten ist der Lieferumfang durchweg vorbildlich: für die Schachengines gibt es mehrere Eröffnungsbücher und je nach Preisoption eine unterschiedliche Anzahl von Lern- bzw. Trainingsmodulen.
 
 
Interface und Bedienungskonzept
Das Interface überzeugt mit einer sehr guten Bildschirmgrafik, die sich in Maßen benutzerdefiniert anpassen lässt. Unterhalb der Menüeinträge befindet sich eine sehr üppig dimensionierte Schnellstartleiste mit aussagekräftigen Icons, über die man per Mausklick besonders häufig genutzte Optionen abrufen kann. Der Umfang der Icons der Startleiste hat derart zugenommen, dass man die Möglichkeit wahrnehmen sollte, die Schnellstartleiste nach eigenen Vorstellungen zu konfigurieren, ansonsten kann es auch bei einem 17Zoll-Monitor mit einer Auflösung von 1024x768 Bildpunkten dazu führen, dass zuwenig Platz für die Darstellung der Partie-, Listenfenster usw. vorhanden ist.
 
Die Unterstützung der rechten Maustaste wurde ebenfalls konsequent implementiert. Per Rechtsklick auf das Brettfenster kann z.B. in dem eingeblendeten PopUp-Menü zwischen mehreren Brettgrößen oder 2D/3D-Darstellung gewählt werden. Die Darstellung der unterschiedlichen Informationen von Notation, Partienlisten, Eröffnungsschlüssel usw. in einem eigenen Fenster entspricht dem gängigen Standard.
 
Als eine Schwachstelle sehe ich die Tatsache an, dass die Chess Academy2000 die Zwischenablage nicht windowskonform unterstützt. Man kann nicht - wie mit Windowsapplikationen üblich - Daten (Notationen, Stellungen) über die Zwischenablage mit anderen Anwendungen (z.B. Schachprogrammen) austauschen. Dies funktioniert lediglich intern beim Datenaustausch zwischen einzelnen Datasets. Ansonsten hinterlässt das Interface mit der klaren Grafik und dem Support der wichtigsten Standards einen sehr guten Eindruck. Alle relevanten Programmfunktionen laufen flüssig ab und man kann mit dem Interface ausgezeichnet arbeiten. Das Bedienungskonzept mit Datasets, Positionsbaum erinnert ein wenig an die konzeptionelle Aufbereitung des Chess Assistant, unterscheidet sich aber in etlichen Details, wie wir im weiteren Text noch sehen werden.
 
 
Die Schachdatenbank
Mittlerweile zeichnet sich ein Trend immer deutlicher ab: die strikte Trennung zwischen reinen Schach(Spiel)-Programmen mit rudimentärer Partienverwaltung und Datenbanken schwindet. Im Bereich der Schachprogramme stellt man fest, dass die Programme zunehmend professionelle Datenbankfunktionen enthalten, während die ursprünglich als reine Datenbankanwendungen konzipierten Programme immer ausgefeiltere Analyseanbindung durch Schachengines anbieten. So gut die Datenbankfunktionen vieler bekannter Schachprogramme (z.B. Fritz, Rebel oder Genius) auch sind, in vielen Detaillösungen sind die reinen Datenbankprogramme immer noch deutlich überlegen. Eine spezifische Schachdatenbank ist also für einen Turnierspieler immer noch ein absolutes Muss!
 
ChessAcademy2000 ist eine positionsorientierte Datenbank, die sich beim Leistungsumfang hinter den etablierteren Vertretern keineswegs verstecken muss. Neben dem Positionsbaum enthält das Programm übrigens noch ein ausgefeiltes Klassifikationskonzept von Eröffnungs- und Themenschlüssel, die einen schnellen Zugriff auf bestimmte Daten ermöglichen. Die üblichen Selektionskriterien, wie z.B. Spielernamen, Turniere, Jahr usw. um möglichst präzise bestimmte Partien aus der 1,6 Millionen Einträge umfassenden Datenbank herauszufiltern, sind Standard und müssen nicht weiter erwähnt werden. Es ist möglich, unterschiedliche Suchkriterien miteinander zu kombinieren. Auch die Suche nach spezifischen Positionen oder Manövern ist mit Hilfe der ausgeklügelten Suchmaske überhaupt kein Problem.
 
Wie bereits erwähnt, enthält das Programm sowohl einen mit über 20 000 Klassifikationsstellungen fein durchstrukturierten Eröffnungsschlüssel, mehrere themenbezogene Mittelspielschlüssel und diverse Endspielschlüssel, um möglichst rasch komplexe Suchoperationen in der großen Datenbank durchführen zu können. Selbstredend kann der Anwender eigene Suchkriterien als Schlüssel definieren und dauerhaft für spätere Abfragen abspeichern. Damit kann man der Chess Academy2000 sehr gute Suchoptionen bescheinigen; es gibt aber aus meiner Sicht aber auch eine gravierende Schwachstelle: es ist nicht möglich, gezielt nach Elozahlen zu suchen!
 
Andererseits bietet das Programm wiederum echte Highlights. Besonders gut hat mir die Option gefallen, die Eröffnungsbezeichnung gezielt als Suchkriterium einsetzen zu können. Dazu gibt man einfach die entsprechende Eröffnungsbezeichnung ein und die Datenbankroutine der ChessAcademy2000 selektiert automatisch den entsprechenden ECO-Code (Enzyklopädie der Schacheröffnungen) heraus. Wie bereits mehrfach erwähnt, ist im Lieferumfang eine riesige Datenbank mit fast 1,6 Millionen Schachpartien enthalten. Bei einer solch umfangreichen Datenbank ist es natürlich wünschenswert, dass elementare Suchoperationen zügig vonstatten gehen. In dieser Hinsicht überzeugt das Programm, denn die Hauptdatenbank ist mit einem entsprechenden Index versehen, der zügige Datenabfragen ermöglicht.
 
Das Konzept ist durchaus nicht neu, ist aber von Intelvest anscheinend besonders effizient implementiert worden. So dauerte eine Suchabfrage nach einem bestimmten Spieler lediglich eine Sekunde, komplexere Abfragen wie z.B. nach Materialkonstellationen in der Hauptdatenbank lediglich 5-6 Sekunden! Diese beeindruckende Arbeitsgeschwindigkeit ist natürlich nur dann zu erreichen, wenn man die Partiendatenbank von der Festplatte und nicht von einem verhältnismäßig langsamen CD-Laufwerk aus betreibt.
 
Ähnlich wie der Chess Assistant beinhaltet die Chess Academy2000 bereits seit längerem einen Positionsbaum, ein Feature, das sich zunehmend auch in vielen kommerziellen Schachprogrammen wiederfindet. Auch die Chess Academy bietet dem Anwender einen informativen Positionsbaum mit einer Vielzahl von nützlichen Statistiken und Hinweisen. Man kann jederzeit einen temporären Positionsbaum auf der Basis eines Datasets oder dem Resultat einer bestimmten Suche anlegen. Genau wie Chess Assistant verwaltet das Programm die Resultate von Suchen in sogenannten Datasets, die permanent gespeichert werden können. Innerhalb dieser Datasets sind alle wichtigen Zugriffsoptionen sowie der Positionsbaum aktiv. Verbesserungswürdig ist die Tatsache, dass eine Suche immer nur auf die aktuelle Datenbank begrenzt ist.
 
Die Implementierung des Positionsbaums scheint mir im Vergleich zum Pedant Chess Assistant etwas unterlegen, da es nicht möglich ist, konkrete Bewertungen oder Kommentare innerhalb des Positionsbaums abzuspeichern. Zur Auswertung eines eigenen Eröffnungsrepertoires ist es sehr nützlich, dass die Datenbank Gewinnwahrscheinlichkeiten für bestimmte Fortsetzungen berechnet und damit nützliche Hinweise für eine Entscheidungsfindung auf mögliche Fortsetzungen geben kann.
 
Erstes Fazit: Die Datenbankfunktion der Chess Academy 2000 bietet dem ambitionierten Schachspieler alle notwendigen Funktionen, um sich gezielt auf Turniere oder Gegner vorzubereiten. Als Hauptstärke der Datenbank sehe ich die umfangreichen Zugriffsoptionen via Klassifikationsstellungen und Positionsbaum an, die dem Anwender sowohl schnellen Zugriff auf bestimmte Partien als auch optimales Eröffnungstraining ermöglichen.
 
 
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