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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Alle Weltmeisterschaften
Autor: ChessBase, Preis: 49.99 Euro, ISBN: 3-935602-89-8
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2003
 
Diese DVD bietet einen kompletten Überblick zum Thema Weltmeisterschaftmatches. Im Lieferumfang ist eine Fülle von Multimedia-Dateien enthalten, z.B. Bildmaterial und Videos. Die Datenmengen passten nicht mehr auf eine CD-ROM. Deshalb wurde eine DVD gewählt, auf der man natürlich wesentlich mehr Daten unterbringen kann. Bei Interesse an dieser Abhandlung wird also zwingend ein DVD-Laufwerk vorausgesetzt.
 
Auf der DVD befinden sich vier Datenbanken. World Championships 1886-2000 bietet in zahlreichen Datenbanktexten Information pur. Jeder Weltmeister und jeder Herausforderer werden mit einer Kurzbiographie vorgestellt. Zu jedem der offiziellen WM-Matches findet man ebenfalls einen Einleitungstext, in dem wichtige Details und die Rahmenbedingungen vorgestellt werden.
 
Auch auf die Wettkampfbedingungen wird ausführlich eingegangen. Es ist bekannt, dass Spieler wie Fischer oder Botvinnik besonders einfallsreich waren, wenn es darum ging, die Organisatoren bis an die Schmerzgrenze mit "Spezialkonditionen" einzudecken. Bei allen Unterschieden in den WM-Matches gab es immer übereinstimmende Charakteristika. Botvinnik schrieb einmal dazu: "Die Turnierbedingungen - die Zahl der Partien, die Zeitkontrolle usw. - änderten sich wesentlich von Match zu Match. Aber zwei Bedingungen gingen in die Tradition ein: 1. der Kampf trug immer Matchcharakter, und 2. der Prätendent musste den alten Weltmeister überholen, um die Weltmeisterschaft zu erringen."
 
Beim Rückblick auf die WM-Matches wurde versucht, möglichst viele weiße Flecken zu tilgen. Eine Frage, die schnell auftauchte, lautete: Welche Matches zählen eigentlich zu den offiziellen WM-Kämpfen? Einig ist man sich weitgehend, dass die offiziellen Weltmeisterschaften 1886 mit Zukertort-Steinitz anfangen. Das erste Problem gibt es bei Lasker-Janowski, Paris 1909. Laut Expertenmeinung war es keine WM. Doch um das "Deutschen Wochenschach" zu zitieren: "Für das Match selbst ist nicht die geringste Reklame gemacht worden. Es heißt auch gar nicht, dass um die Weltmeisterschaft gespielt wird. Aber ein Match mit dem Weltmeister geht sozusagen immer um die Weltmeisterschaft."
 
Wie auch immer. Da Lasker das Match klar gewann, sind die Auswirkungen auf den weiteren Gang der Schachgeschichte gering und die Daten wurden in die Datenbank übernommen. In der langen Geschichte der Weltmeisterschaftsmatche gab es zwei Ereignisse, die aus dem Rahmen fielen: Als Aljechin 1946 starb, wurde der WM-Thron vakant; bekanntlich löste die FIDE das Problem 1948 in Form eines Turniers (für das es keine Qualifikation gab, die Spieler wurden nominiert).
 
Fischer gab seinen Titel 1975 kampflos ab; seine Forderung für das Match hatte gelautet, Remisen nicht zu zählen, 10 Gewinnpartien sollten zum Matchsieg nötig sein, ein 9:9 bedeutete Unentschieden und ließe ihm den Titel. Aus nachträglicher Sicht klingt die Zahl 10 außerordentlich hoch (Karpov brachte es im 1. Match gegen Kasparov in 48 Partien nur auf ein 5:3), doch ein 9:9 als Unentschieden entsprach nur den Bedingungen, wie sie bei vielen Matchen in der Vergangenheit üblich waren. Die Argumentation, der Herausforderer müsse ja dann mit 2 Punkten Vorsprung siegen, hat sich letztlich auch gegen Karpov selbst gerichtet, denn bei seinen Wettkämpfen gegen Kortschnoj und Kasparov (1. Match) wurde ihm der Weltmeisterbonus eines "Unentschieden genügt" nicht gewährt.
 
Die nächsten Probleme gab es mit Kasparovs und Shorts Ausscheren aus der FIDE und zwei verschiedenen Weltmeisterschaften. Bei der Konzeption des Produktes wurde folgendermaßen vorgegangen. Die Hauptdatenbank folgt der 1886 begonnenen Linie und enthält die Matche, die Kasparov ab 1993 als Weltmeister gespielt hat. In einer zweiten Datenbank sind die Weltmeisterschaften der FIDE ab 1993 enthalten, die, obwohl gewissermaßen offiziell ausgetragen, doch viel weniger Legitimation besitzen, weil sie das klassische Verfahren zur Ermittlung des Weltmeisters nicht befolgten.
 
Erst recht wurden diese Tradition und Botvinniks Bedingungen ab 1997 verlassen, als man anfing die FIDE-Weltmeister im K.O.-System zu ermitteln. Schließlich "gelang es" der FIDE ihre Weltmeisterschaft noch weiter abzuwerten, als sie nämlich die Bedenkzeit bei der FIDE-WM 2001 drastisch* verkürzte. Das Revanchematch Fischer-Spassky von 1992 wurde nicht in eine der Datenbanken aufgenommen. Auch wenn die Prinzipien von Botvinnik befolgt wurden, kam das Match fast 20 Jahre zu spät und besaß damit keine Legitimation.
 
Schließlich ist auch die Aufnahme bestimmter Partien nicht ganz unumstritten, nämlich von jenen, die manchmal noch gespielt wurden, als die Entscheidung im Match gefallen war. Partien mit reinem Showcharakter wie z.B. im Match Euwe-Aljechin wurden nicht aufgenommen. Doch die Partien, die noch gespielt worden, um den Sieger eines Matches zu ermitteln - dem Weltmeister genügte ja fast immer ein Unentschieden zur Verteidigung des Titels - sind alle enthalten.
 
Ein Schmankerl sind die zahlreichen Multimedia-Berichte auf der DVD. Alle Wettkämpfe der neueren Zeit, z.B. Kramnik - Kasparov in London 2000, sind visuell in bewegten Bildern erfasst. Man bekommt einen Überblick über den Wettkampfort und quasi nachträglich "Liveatmosphäre". Zusätzlich gibt es einige historische Aufnahmen, z.B. einen Film von einer Simultanvorstellung Capablancas in Moskau 1925. Abgerundet wird der Lieferumfang mit einer von GM Karsten Müller zusammengestellten Datenbank, die 90 Kombinationen aus allen WM-Matches enthält.
 
 
Fazit
Jedes Zusammentreffen der weltbesten Spieler bei den Weltmeisterschaften war immer ein besonderes Ereignis in der Schachgeschichte. Diese Begegnungen waren immer ein wichtiger Beitrag für die Weiterentwicklung des Spiels. Aus diesem Grund ist eine genaue Kenntnis der historischen Entwicklung für jeden ambitionierten Schachspieler unverzichtbar. Die DVD hat nebenbei mit den zahlreichen Texten, Bild- und Videodateien noch einen enormen Unterhaltungswert und eignet sich damit bestens für lange kalte Winterabende.
 
 
Beispielpartie
Viele der Partien - vor allem die Schlüsselpartien - der einzelnen Matches sind kommentiert. Zur Verdeutlichung können Sie sich eine Beispielpartie zwischen Tal und Botvinnik vom WM-Match 1960 in Moskau mit den Kommentaren von Kasparov anschauen und am Seitenende downloaden. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascript aktiviert haben.
 
Peter Schreiner
 
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