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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Tschigorin-Verteidigung
Autor: Martin Breutigam, Preis: 49.90 DM
besprochen von Peter Schreiner - Oktober 2000
 
Die Zusammenstellung und Pflege des eigenen Eröffnungsrepertoires ist für jeden aktiven Schachspieler von elementarer Bedeutung. Die Ansichten, wie dies geschehen soll, gehen da erfahrungsgemäss weit auseinander. Es dürfte aber unstrittig sein, dass ein berufstätiger Amateur kaum gut damit beraten ist, Systeme in sein Repertoire aufzunehmen, die einen entsprechenden Arbeitsaufwand für das Studium der Neuerungen und Varianten voraussetzen. Für Amateure besteht eine bewährte Strategie zum Aufbau des Repertoires darin, möglichst Systeme auszuwählen, die nicht den aktuellen Modetrends entsprechen und vor allem mit geringem Aufwand erlernbar sind.
 
In diese Kategorie fällt eindeutig die Tschigorin-Verteidigung, die ein sehr aktives System gegen die weißen Eröffnungszüge d2-d4 und c2-c4 darstellt. Die Grundidee des von dem legendären Großmeister Michail Tschigorin (1850-1908) entwickelten Systems tritt insbesondere in der Hauptvariante deutlich zutage: 1.d4 d5 2.c4 Sc6 3.cxd5 Dxd5 (siehe Diagramm). Dogmatisch veranlagte Naturen werden sich wahrscheinlich an dem vom Sc6 blockierten c-Bauern stören, der in den Damenbauernspielen ja fast immer als typischer Hebel c7-c5 gegen das weiße Bauernzentrum eingesetzt wird. Die Grundidee des von Tschigorin gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten Systems ist aber erstaunlich modern und demonstriert eine grundsätzliche Strategie, die später von den "Hypermodernen" als einzigst wahre Form des Schachkampfes propagiert wurde: Zentrumsbekämpfung mittels Figurendruck!
 
Im Unterschied zu den klassischen Verteidigungen im Damengambit strebt Schwarz hier nach anderen Zielen. Schwarz verzichtet auf die Kontrolle des Punktes d5 und übt direkt einen starken Figurendruck auf den weißen Zentrumsbauern auf d4 aus. Als Folge dieser frühen Aktion gegen den Bauern d4 bleibt häufig der schwarze Königsflügel im frühen Partiestadium unterentwickelt, was relativ oft mit der langen Rochade von Schwarz einhergeht. Anhand der vorliegenden CD-Rom wird recht schnell deutlich: die Tschigorin-Verteidigung hat durchaus Substanz, auch wenn sie auf hohem Niveau relativ selten zum Einsatz kommt. Dies bedeutet aber keineswegs, dass es keine brauchbare Eröffnung ist. Ganz im Gegenteil: für den Amateur bietet das System eine ganze Reihe von Vorzügen:
  1. Das System ist relativ leicht erlernbar und wenig "theorielastig". Der Lernaufwand ist also entsprechend gering.
  2. Auf Grund der seltenen Anwendung dieser Eröffnung in der Praxis ist der Überraschungseffekt keineswegs zu unterschätzen. Ihr Gegner hat u.U. zwar viel Erfahrung mit der Bekämpfung von Königsindisch, Grünfeld-Indisch usw., mit der Bekämpfung der Tschigorin-Verteidigung ist er aber vielleicht längst nicht so gut vertraut. Ein nicht zu unterschätzender Effekt, um das Spiel in eigene, vertraute Bahnen zu lenken.
  3. Das System erfüllt weitere wichtige Anforderungen für eine Empfehlung, denn es ist substanziell in Ordnung, bzw. es sind keine Widerlegungen bekannt und vor allem ist die Kenntnis der typischen Muster und Pläne wichtiger als konkretes Auswendiglernen von Eröffnungsvarianten.
Immerhin gibt es unter den aktuellen Topspielern einen großen Verfechter und Anhänger der Tschigorin-Verteidigung: den russischen Weltranglistenvierten Alexander Morozevich, der das System seit Anfang der Neunziger häufig angewandt und um viele Ideen bereichert hat. In der Vergangenheit wurde das System immer wieder von bekannten Spielern wie Boris Spassky, Tony Miles oder Wassily Smyslow gelegentlich als Überraschungswaffe benutzt.
 
Wertet man die Quote der Tschigorin-Verteidigung auf der Basis der MegaBase 2000 aus, ergeben sich für den Nachziehenden 40% der Punkte, also ein ordentliches Verhältnis. Michail Tschigorin selbst erzielte mit seinem System immerhin 45% der Punkte gegen stärkste Gegnerschaft! Letztendlich sollte man diese Statistiken immer mit einer gesunden Portion Skepsis und nicht als endgültige Weisheit betrachten. Es sollte aber klar geworden sein, dass die Tschigorin Verteidigung eine solide, aktive Verteidigung gegen d4 + c4 darstellt.
 
Der Themenkomplex wird auf der CD umfassend abgehandelt und es bleiben keine theoretischen Fragen mehr offen. Das Partienmaterial ist auf zwei Datenbanken verteilt. Sämtliche kommentierten Partien (100 Spiele) stehen übersichtlich in einer kleinen Datenbank. Die Kommentierung der Spiele ist auf hohem Niveau und beleuchtet die typischen Spielpläne beider Seiten in vorbildlicher Weise.
 
Das zur Beherrschung der Hauptvarianten notwendige Wissen wird mit den 100 kommentierten Partien in gewohnt fundierter Weise vermittelt. Zusätzlich ist auf der CD eine Referenzdatenbank mit fast 4000 Partien zum Thema Tschigorin-Verteidigung enthalten. Diese Partien sind allerdings nicht kommentiert und sind wohl in erster Linie zur statistischen Auswertung mit dem mitgelieferten Datenbankmodul gedacht. Auf dieser Datenbank basiert auch noch der mitgelieferte Positionsbaum, der unter den hausinternen Schachprogrammen (ab Fritz 5.0) als Eröffnungsbibliothek eingesetzt werden kann.
 
Dem Autoren, Martin Breutigam, muss man ein Kompliment für die mit viel Liebe zum Detail durchgeführte Bearbeitung zu diesem Themenkomplex machen. Wer eine Referenz zum Thema Tschigorin Verteidigung sucht, ist mit der vorliegenden CD-Rom sehr gut bedient.
 
 
Beispielpartie:
Zur Verdeutlichung können Sie sich eine Beispielpartie von Chigorin anschauen und am Seitenende downloaden, welche der Begründer des Systems vor fast 100 Jahren spielte. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascipt aktiviert haben.
 
Peter Schreiner
 
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