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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Grundlagen der Schachstrategie - Band 1
Autor: Prof. A. Bartashnikov, Preis: 48.- DM
besprochen von Peter Schreiner - September 1999
 
Diese CD-Rom, dies kann man schon vorab festhalten, hat das Potential, sich zu einem neuen Standardwerk über den elementaren Bereich Schachstrategie zu etablieren. Auf der CD-Rom befindet sich ein kompletter Lehrgang, der sich vor allem an die Zielgruppe von fortgeschrittenen Schachspielern richtet, die bereits mit den Regeln des Spiels vertraut sind und einige praktische Erfahrungen gesammelt haben. Gerade Anfänger und junge Spieler interessieren sich weit mehr für die taktischen Aspekte einer Schachpartie. Positionsspiel gilt eher als langweilig und Spieler, die einen streng positionell orientierten Spielstil pflegen, werden ja häufig als "Schieber" verspottet.
 
Der Grund dafür ist relativ einfach: bei taktischen Manövern ist das Resultat relativ kurzfristig erkennbar, während positionelle Faktoren eher als langfristige Konzepte angelegt sind. Natürlich ist es wichtig, dass man exakt Varianten berechnen kann und elementare Kombinationsmotive beherrscht.
 
Ohne die Kenntnis der Strategie wird man aber im Schach kaum dauerhaft Erfolge erzielen können. Der legendäre Taktiker und Kombinationskünstler GM Rudolf Spielmann wurde in den Zwanzigern nach seiner Einschätzung für die Ursache der beeindruckenden Erfolgsserie von WM Aljechin befragt. Seine Antwort:
"Ich kann die Kombinationen genauso gut erkennen wie Aljechin. Nur gelingt es mir nicht, die gleichen Stellungen auf das Brett zu bekommen."
 
Letztendlich kann man also Taktik und Positionsspiel nicht scharf voneinander trennen. Sehr oft kann man mit taktischen Mitteln einen bedeutenden positionellen Vorteil erreichen. Fakt ist: ohne Kenntnisse typischer strategischer Motive wird man es im Schach nicht weit bringen. Im direkten Vergleich zur Taktik ist die Strategie bedeutend komplexer und daher weniger systematisiert.
 
Wie definiert man eigentlich Schachstrategie? Der erste Spieler, der sich überhaupt über Strategie Gedanken gemacht und sich tiefschürfend mit diesem Thema beschäftigt hat, war der erste offizielle Weltmeister Wilhelm Steinitz. Seine Hauptthese: ein Schachspieler soll auf der Basis einer objektiven Stellungsbewertung einen konkreten Plan für die weitere Vorgehensweise fassen. Die Einschätzung und Bewertung eines Plans basiert lt. Steinitz auf einer ganzen Reihe von Merkmalen, die sich als Grundlage für die Stellungsbeurteilung im Prinzip bis heute bewährt und ihre Gültigkeit behalten haben:
1. Das Zentrum
2. Figurenentwicklung und Platzierung
3. Bauernstruktur
4. Starke und schwache Felder und Punkte
5. Offene Linien und Diagonalen
6. Vorteil des Läuferpaares
7. Stellung des Königs
 
Diese sieben Faktoren gelten auch heute noch als die wesentlichen Elemente der Schachstrategie. Natürlich wurden im Laufe der Jahre viele Methoden verfeinert und viele neue Erkenntnisse gewonnen. Trotzdem hat sich an der Richtigkeit dieser Elemente für die Beurteilung einer Schachposition nichts geändert.
 
Die erste Ausgabe des Bandes über Schachstrategie befasst sich exakt mit diesen Elementen der Schachstrategie. Der Kurs ist gut durchstrukturiert und im wesentlichen einem herkömmlichen Schachbuch nachempfunden. In der Datenbankliste findet der Anwender mehrere ausführliche Datenbanktexte und kann von dort aus sämtliche Lektionen und Beispiele via der integrierten Links ansteuern.
 
Im wesentlichen werden die Lerninhalte dem Anwender mit folgendem Konzept vermittelt. Zuerst gibt es zu einem Thema einen ausführlichen Datenbanktext mit Diagrammen, detaillierten Erklärungen und allgemeinen Orientierungsregeln zu bestimmten positionellen Themen, z.B. der Kampf um das Zentrum. Anschließend wird der Lernstoff mit instruktiven, ausführlich kommentierten Beispielpartien aus der Meisterpraxis anschaulich vertieft. Gerade in diesem Bereich zeigt sich der Vorteil des von ChessBase mit der Markteinführung von ChessBase 6.0 neu entwickelten Datenformates CBH.
 
Neben den bekannten Formen der Kommentierung, wie Varianten oder Text, demonstrieren die zahlreichen grafischen Komponenten wie Pfeile, Diagramme oder farbige Markierungen beim Nachspielen einer Partie nachhaltig bestimmte Konstellationen auf dem Schachbrett. Sehr gut! Abgerundet wird der Lehrgang nach dem bewährten Prinzip Learning by doing mit zehn ausgewählten Testpartien, in denen man sowohl mit Weiß als auch mit Schwarz versuchen muss, nach einigen Einleitungszügen eine konkrete Stellungseinschätzung abzugeben, einen Plan zu entwickeln und die Partie Zug um Zug zu spielen.
 
Für jede gelöste Aufgabe erhält der Anwender eine Anzahl von Punkten. Sehr praxisnah: genau wie in einer richtigen Partie steht dem Spieler nur eine begrenzte Bedenkzeit zur Verfügung. Die Lösung muss also innerhalb einer vorgegebenen Bedenkzeit (2-5 Minuten) gefunden werden. Nach Durcharbeitung aller zehn Testpartien kann man den Durchschnittswert der richtig gelösten Aufgaben ermitteln und erhält dann anhand der mitgelieferten Ergebnistabelle eine grobe Einschätzung des Lernprogramms zu den eigenen strategischen Fähigkeiten.
 
Die Umsetzung ist sehr gut gelöst und dürfte als Motivationshilfe für den Anwender, sich intensiv mit der Materie auseinander zusetzen, allemal ausreichen. Noch mehr Wert würde dieses Konzept gewinnen, wenn das Lernprogramm eine Statistik für mehrere Schüler automatisch anlegen könnte.
 
Diese CD-Rom hat das Zeug dazu, sich zu einem echten Klassiker im Bereich der elektronischen Schachliteratur zu etablieren. Für Übungsleiter in Schachkursen oder Vereinen dürfte diese CD aufgrund der instruktiven Präsentation des komplexen Themas unverzichtbar sein. Noch ein Wort zu dem Lieferumfang der CD: auch auf dieser CD wird eine funktionsreduzierte Version der Schachdatenbank ChessBase 7.0 und dem elektronischen Analysehelfer Crafty ausgeliefert. Man kann also alle Daten auf der CD-Rom einlesen und nutzen, ohne auf die Dienste eines externen Programms angewiesen zu sein. Fazit: für aufstrebende Turnierspieler und Übungsleiter absolut empfehlenswert.
 
Peter Schreiner
 
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