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Diagramm 21-2006
 
Diagramm 21 – 2006
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Weltmeister William Steinitz
Autor: Thorsten Heedt, Preis: 24.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2003
 
William SteinitzDiese Monographie auf CD-ROM ist einem der bedeutendsten Schachdenker der Geschichte gewidmet, dem ersten offiziell anerkannten Schachweltmeister Wilhelm Steinitz (1836-1900). Steinitz war der erste Spieler, der bestimmte Gesetzmäßigkeiten im Schachspiel systematisch erforschte und die Grundlagen für das Positionsspiel schuf. Die Behandlung von Stellungen mit isolierten Bauern, dem Läuferpaar, allgemeinen Bauernschwächen und der Begriff vom Gleichgewicht der Stellung sind heutzutage Allgemeingut, wurden seinerzeit von Steinitz entdeckt und grundlegend untersucht. Steinitz spielte nach bestimmten Grundsätzen und Prinzipien, die Bestandteil des klassischen Schachs geworden sind.
 
Zum Beginn seiner Karriere spielte er wie alle Romantiker vor allem wilde Angriffspartien gespickt mit spekulativen Opfern. Im Laufe der Jahre fand ein drastischer Stilwechsel statt und Steinitz erzielte vor allem mit solidem Positionsspiel und der hartnäckigen Verteidigung schwieriger Stellungen einen Großteil seiner Erfolge. Nach seinem Wettkampfsieg gegen den deutschen Spitzenspieler Adolf Anderssen im Jahr 1866 ernannte sich Steinitz selbst zum Weltmeister.
 
Im Gegensatz zu vielen seiner Nachfolger war Steinitz ein Kämpfer, der niemals einem starken Konkurrenten aus dem Weg ging. In zahlreichen Wettkämpfen war er jederzeit bereit, seinen Titel zu verteidigen. Ab 1862 lebte der gebbürtige Österreicher Steinitz im damaligen Mekka der Berufsspieler, in London. Dort betreute er lange Jahre eine Schachspalte in der Zeitschrift The Field. In den Jahren 1874-1881 nahm Steinitz eine heutzutage unvorstellbar lange, achtjährige "Auszeit", in der er sich neben seiner Tätigkeit als Schachjournalist vor allem mit der Ausarbeitung der Grundlagen des Positionsspiels beschäftigte.
 
Im Rahmen seiner journalistischen Arbeit lieferte Steinitz gerade bei der Bearbeitung und Kommentierung von Partien vorbildliche Arbeit und setzte Maßstäbe. Ein bezeichnendes Bild auf seinen Charakter werfen die zahlreiche verbalen Feldzüge in seinem Magazin, die Steinitz gegen missliebige Konkurrenten und Kritiker führte. Diese wurden dann schon einmal als "hinterhältige journalistische Bestie", "seltsamer literarischer Köter" oder "elender literarischer Lackaffe" bezeichnet, ein Niveau, dass man heutzutage in manchen Computerschachforen antrifft. Auf der CD wird dieses Thema nur dezent angedeutet, während Harold Schonberg auf diesen Charakterzug von Steinitz deutlicher eingeht.
 
Seine Rückkehr in die Turnierarena nach der langen Pause in Wien 1882 war auf Anhieb erfolgreich; er teilte sich mit Simon Winawer den ersten Preis vor zahlreichen starken Meistern. Im Jahr 1883 verlegte Steinitz seinen festen Wohnsitz von England in die USA, wo er vor allem als Herausgeber und Bearbeiter des International Chess Magazine seinen Lebensunterhalt bestritt. Speziell in der Kommentierung und Bearbeitung der unterschiedlichen Rubriken seines Magazins machte Steinitz seine Erkenntnisse über das Positionsspiel der Allgemeinheit zugänglich.
 
Im Jahr 1886 spielte Steinitz einen viel beachteten Wettkampf gegen Johannes Hermann Zukertort, den er souverän mit 10-5 bei 5 Remisen gewann. Seit diesem Wettkampfsieg wird Steinitz offiziell als Weltmeister anerkannt. Er untermauerte seinen Führungsanspruch in zwei Wettkämpfen gegen seinen großen Widersacher Michail Tschigorin in den Jahren 1889 (10-6 für Steinitz) und 1892 (12.5-10.5 für Steinitz). Zwischendurch gewann Steinitz im Jahr 1890 gegen den Ungarn Isidor Gunsberg mit 6-4 bei 9 Remisen. Im Jahr 1894 verlor Steinitz zur Überraschung der Schachwelt seinen Titel gegen den 32 Jahre jüngeren, damals noch recht unbekannten Emanuel Lasker. Im Revanchekampf 1896 stand der alternde Steinitz gegen den neuen Weltmeister auf verlorenem Posten und erlitt eine deutliche Niederlage.
 
Auf der CD findet man neben den biographischen Daten zahlreiche Anekdoten, Fotos und Details, welche die Persönlichkeit des ersten Schachweltmeisters gründlich beleuchten. Am wichtigsten ist natürlich der schachliche Aspekt. Gerade in dieser Hinsicht sind die Partien von Wilhelm Steinitz nach wie vor ungemein lehrreich. In der großen Hauptdatenbank auf der CD findet man neben den zahlreichen Datenbanktexten fast 1100 Partien aus dem Schaffen von Steinitz, viele davon sehr ausführlich kommentiert.
 
In der Datenbank Spezielle Themen geht der Autor auf die typischen Eigenarten im Stil von Steinitz ein. Steinitz bevorzugte teilweise sehr provokante Eröffnungssysteme. Sogar an völlig aussichtslosen oder passiven Systemen hielt er fest, nur um den Versuch zu unternehmen, noch irgendeine versteckte Feinheit herauszuarbeiten. Gegen schwächere Spieler kam er meist mit dem Schrecken davon, gegen äquivalente Gegner hingegen verschenkte er somit immer wieder wichtige Punkte. Anhand der Themen in der Datenbank kann man sich einen guten Eindruck von den Stärken und Schwächen der Spielerpersönlichkeit Steinitz verschaffen.
 
Abgerundet wird die Monographie mit der Trainingsdatenbank, die insgesamt 200 ausgesuchte Partiefragmente von Wilhelm Steinitz enthält. In der Trainingsdatenbank geht es darum, selbständig den Schlüsselzug zu ermitteln. Bei der Durchsicht der Datenbank stellt man übrigens fest, dass Steinitz taktisch hervorragend beschlagen war.
 
Ein Beispiel:
Steinitz,W - Chigorin,M
Havanna, 1889
 
33.Txe5! fxe5 34.Lxe5 g5 35.Lg6+ Kf8 [35...Kg8 36.Dxd7 Da7 37.Lh7+ Kf8 38.Lg7 matt] 36.Dxd7 Da7 37.Df5+ Kg8 38.d7 1-0
 
Die vorliegenden CD von Thorste Heedt kann jedem interessierten Schachspieler vorbehaltlos empfohlen werden. Man erfährt nicht nur viel über den Mensch Wilhelm Steinitz, sondern erhält mit den zahlreichen kommentierten Partien eine gute Schulung im klassischen Positionsspiel. Rundum empfehlenswert.
 
 
Beispielpartie:
Zur Verdeutlichung können Sie sich die legendäre Beispielpartie zwischen Wilhelm Steinitz und Curt von Bardeleben anschauen und am Seitenende downloaden. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascript aktiviert haben.
 
Peter Schreiner
 
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