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Diagramm 22-2006
 
Diagramm 22 – 2006
In dieser Stellung stellte Weiß seine Dame nach e5 und erwartete von Schwarz die Aufgabe. Dieser spielte aber weiter und zog …
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Zwei Meister aus Seattle
Autor: John Donaldson, Preis: 24.99 Euro,
ISBN: 3-935602-82-0

besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2003
 
Die vorliegende CD-ROM beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema. Auf der CD beschreibt der Internationale Meister John Donaldson die Lebenswege zweier Meisterspieler, die einen großen Einfluss auf die Entwicklung der amerikanischen Schachszene ausgeübt haben. Die beiden Meister sind hierzulande weniger bekannt, obwohl sie im Laufe ihrer Karrieren beachtliche schachliche Leistungen erbracht haben. IM Donaldson lebt selbst in Seattle und würdigt das Schaffen der beiden Meister, die ebenfalls in Seattle lebten, mit dieser liebevoll recherchierten Detailarbeit.
 
 
Olaf Ulvestad
Olaf Ulvestad (1912 - 2000) wurde in den USA geboren und ist in der Schachwelt vor allem durch seinen Zug 5...b5 im Zweispringerspiel im Nachzuge bekannt. Nachdem er erst mit 17 Jahren das Schachspiel erlernte, machte er sich bereits Anfang der Dreißiger in der amerikanischen Turnierszene mit konstant guten Leistungen einen Namen. Ein Highlight seiner Karriere war die Teilnahme am Vergleichskampf UdSSR gegen die USA im Jahr 1946 in Moskau. Dem mit 34 Jahren Jüngsten im damaligen USA-Team (u.a. mit Reshevsky, Fine, Kasdan) gelang ein 1:1 gegen den späteren WM-Kandidaten David Bronstein.
 
Auf der CD ist übrigens ein kompletter Reisebericht von Ulvestad über die damalige Reise in die Sowjet-Union enthalten. Das Ergebnis gegen Bronstein unterstreicht das schachliche Potential von Ulvestad, der aber wie alle damaligen westlichen Spieler dem Schach nur wenig Zeit neben seinem eigentlichen Hauptberuf widmen konnte. Ulvestad nahm bis ins hohe Alter an vielen Open und Turnieren teil und war mit seinem aktivem, unternehmungslustigen Spielstil eine Bereichung vieler Turniere. Er lebte übrigens über einen längeren Zeitraum in Spanien und startete z.B. bei der Olympiade in Siegen für den Zwergstaat Andorra.
 
 
Elmars Zemgalis
Elmars Zemgalis, ein Spieler mit Großmeisterstärke, wurde 1923 in Lettland geboren. Er erlernte mit 11 Jahren das Schachspiel und entwickelte sich rasch zu einem starken Spieler. Sein erstes Vorbild war Capablanca, dessen Buch "Grundzüge der Schachstrategie" sein Spiel nachhaltig beeinflusste. Das lettische Schach konnte in den späten 1930ern auf eine starke Tradition zurückblicken. Vladimirs Petrovs (1908-45) war der führende Spieler Lettlands, als Elmars seine Karriere begann und sein hervorragendes Abschneiden in Kemeri 1937, als er zusammen mit Flohr und Reshevsky geteilter Erster wurde und noch vor Aljechin, Keres und Fine landete, war noch gut im Gedächtnis. Als Teenager bot sich Elmars mehrfach die Gelegenheit Schnellschach mit Petrovs zu spielen, der einige Jahre später in einem sowjetischen Straflager in Vorkuta zu Grunde ging.
 
In der unruhigen Zeit des Zweiten Weltkriegs gewann Zemgalis die lettischen Gewerkschaftsmeisterschaften 1942 und 1943 (geteilter Erster mit A. Krumins) und siegte außerdem bei der Stadtmeisterschaft von Jelgava. Sein größter Erfolg war es, Paul Keres in einer Schaupartie, die nach der Stadtmeisterschaft von Riga im Mai 1944 abgehalten wurde, an den Rand einer Niederlage zu bringen. Diese Partie zeigt, dass Zemgalis damals bereits ein sehr starker Meister war. Die Rückkehr der Sowjets nach Lettland in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 ließ Elmars wie viele seiner Landsleute nach Westen fliehen. Zemgalis lebte von 1946 - 1952 in Deutschland und wirkte an vielen Nachkriegsturnieren mit.
 
Zemgalis blühte in diesem Umfeld auf. Während seines Aufenthalts in Deutschland von 1946 bis 1951 nahm er an zwölf Meisterturnieren teil, von denen er sieben gewann, drei Mal Zweiter und zwei Mal Dritter wurde! 1946 ließ er die Schachwelt das erste Mal aufhorchen, als er in Augsburg und Regensburg jeweils den zweiten Platz belegte; aber das Turnier, das ihn zu einer festen Größe auf der Landkarte des Schachs werden ließ, war Oldenburg 1949. Dort trat er gegen ein Feld an, in dem so bekannte Namen wie Bogoljubow, Rossolimo, O'Kelly, Unzicker und Sämisch vertreten waren, und wurde zusammen mit Bogo ungeschlagen und mit einem Ergebnis von 12-5 geteilter Erster. Das war offensichtlich ein Großmeisterresultat! 1953 verlieh der amerikanische Schachverband Elmars eine vorläufige Ratingzahl von 2624 (die vierthöchste im Land), die vor allem auf seinem Ergebnis in Oldenburg beruhte. Oldenburg bildete den Höhepunkt einer Karriere, die nicht sehr lange dauerte.
 
Bereits im Jahre 1950 konzentrierte sich Zemgalis auf sein Studium. 1952 immigrierten er und seine Frau Cacilia in die Vereinigten Staaten. Die 50er-Jahre boten kein gutes Umfeld für Schachprofis. Selbst Spieler wie Sammy Reshevsky, der zur Weltspitze gehörte, mussten normalen Brotberufen (Reshevsky war Buchhalter) nachgehen. Bald nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten arbeitete Zemgalis tagsüber, während er zugleich ein Abendstudium der Mathematik absolvierte. Aus diesem Grund konnte er keine guten Turnierergebnisse erzielen. Er beschränkte sich darauf, in regionale Wettkämpfen gegen die besten Spieler aus Washington, Oregon und British Columbia anzutreten.
 
Obwohl er wenig spielte und kaum studierte, gewann er beinahe fast jede Partie, die er in 1950ern in Washington spielte. In der 1960ern spielte er noch unregelmäßiger, nachdem er sich im relativ jungen Alter von 43 Jahren nach dem US Open 1966 vom Schach zurückzog. Im Grunde genommen hörte Zemgalis nach seiner Übersiedlung in die Vereinigten Staaten auf, ernsthaft Schach zu spielen. In seltenen Fällen demonstriert der Altmeister sein Können und scheut dabei auch die Auseinandersetzung mit den elektronischen Schachspielern nicht.
 
 
Was bietet die CD?
Die CD bietet vor allem Schachhistorikern eine Fülle von neuen Informationen. Der Lebensweg jedes Spielers wird in vier ausführlichen Datenbanktexten chronologisch dargestellt. Zahlreiche Zeitdokumente und historische Aufnahmen runden den guten Gesamteindruck ab. Die beiden Datenbanken weisen 190 Partien von Zemgalis und 336 Partien von Ulvestad auf. Dies unterstreicht die sorgfältige Recherche des Autoren Donaldson, da die Zahl der Partien im Vergleich zur MegaBase 2003 deutlich höher ist.
 
Aus meiner Sicht ist die CD trotz des speziellen Themas aus mehreren Gründen interessant. Sie ermöglicht einen guten Überblick über die Entwicklung der deutsche Turnierszene nach dem zweiten Weltkrieg und der amerikanischen Turnierszene der Nachkriegszeit. Zudem illustrieren die bewegten Lebensläufe beider Spieler, mit welchen Problemen sich die damaligen Talente in der westlichen Hemisphäre auseinandersetzen mussten.
 
Peter Schreiner
 
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