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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Philidor-Verteidigung
Autor: Alexander Bangiev, Preis: 25.50 Euro
besprochen von Peter Schreiner - März 2002
 
Die neue CD-ROM von Alexander Bangiev beschäftigt sich mit einer altehrwürdigen Eröffnung: der Philidor-Verteidigung. Dieser Variante, die schon vor über 200 Jahren von Philidor regelmäßig angewandt wurde, gilt nicht unbedingt als Musterbeispiel für ein auf aktives Gegenspiel ausgerichtetes System. Andererseits hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass man mit als "minderwertig" eingestuften Systemen durchaus auf hohem Niveau beachtliche Erfolge erzielen kann.
 
Wer erinnert sich nicht an experimentierfreudige Spieler wie GM Bent Larsen, der in seiner Glanzzeit seine Gegner immer wieder mit weniger bekannten Systemen verblüffte und diese durchaus erfolgreich in der Praxis angewendet hat. Nach den Zügen 1.e4 e5 2.Sf3 d6 kommt bereits die Grundstellung auf das Brett. Das System unterstreicht die Spielauffassung von Philidor, dass die Bauern die Figurenentwicklung nicht behindern und eine aktive Rolle einnehmen sollen. Den Zug 2...Sb8-c6 hielt Philidor nicht für zweckmäßig, weil er den Bauern c7 blockiert. Die typischen strategischen Ideen in der Philidor-Verteidigung treten deutlicher nach der Hauptfortsetzung von Weiß, 3.d2-d4 (siehe Diagramm), hervor.
 
Philidor-Verteidigung Die Felder c7, d6, e5, f6, g7 sollen den für Schwarz wichtigen Spielraum sichern, deshalb sind diese Felder für den Nachziehenden von großer Bedeutung. Analog sind für Weiß die Felder g2, f3, e4, d5, c4, b3, a2 von erheblicher strategischer Bedeutung, da diese Felder dem Anziehenden wichtigen Spielraum sichern. Schwarz muss bestrebt sein, die eigenen strategischen Felder auf der Diagonalabschnitten c7-e5 und g7-e5 zu verteidigen und die für den Weißen bedeutenden strategischen Felder auf den Diagonalenabschnitten a2-d5 und g2-d5 anzugreifen. Ein grundsätzliches Problem für den Nachziehenden ist die Entwicklung des Läufers auf c8.
 
Wie der Autor anhand zahlreicher Beispiele nachweist, stellt die Philidor-Verteidigung eine absolut spielbare Eröffnung mit klaren Eröffnungsideen dar, die besonders einfach zu erlernen und anzuwenden ist. Das Überraschungsmoment aus schwarzer Sicht sollte man nicht unterschätzen, da Weiß ohne richtige Vorbereitung wegen der Vielzahl an Möglichkeiten in der Eröffnung und im Mittelspiel unter Umständen Schwierigkeiten bekommen kann.
 
Der Autor dieser CD ist als Schachtrainer tätig, besitzt die B- und C- Trainerlizenz des DSB und verfügt über die Gabe, komplexe Sachverhalte anschaulich "rüberzubringen." Im Rahmen der Datenbanktexte auf der CD beschreibt der Autor, was ihn dazu bewogen hat, sich intensiver mit der Philidor-Verteidigung zu befassen:
 
"In meiner Tätigkeit als Schachtrainer traf ich sehr häufig auf Schachspieler, die nach einer unkomplizierten Eröffnung suchten, in der man sich mit nur wenigen Theoriekenntnissen zurechtfindet und zu der es nicht buchstäblich jeden Tag neue wichtige Partien gibt, die man, wenn man auf dem laufenden bleiben will, unbedingt kennen muss. Mit anderen Worten - eine Eröffnung, bei welcher der persönliche Arbeitsaufwand klein ist. Auf der Suche nach einer derartigen Eröffnung stieß ich schließlich auf die Philidor-Verteidigung, die diesen Anforderungen genügt und die außerdem ein paar weitere angenehme Eigenschaften hat, nämlich:
  1. Es gibt nur wenige taktische Kniffe, die man unbedingt kennen muss.
  2. Die ihr zugrunde liegenden strategischen Ideen sind relativ einfach und auch einem Spielanfänger vermittelbar."
Die Aufbereitung des Materials ist durchweg vorbildlich. Das Material ist in 18 unterschiedliche Kapitel untergliedert, in denen der Anwender wie in einem Schachbuch zuerst einmal eine ausführliche Erklärung zu den strategischen Plänen und typischen Ideen der Philidor-Verteidigung erhält. Das Material wird dabei nicht einseitig nur aus der Sicht des Nachziehenden dargestellt, sondern vorbildlich objektiv unter Berücksichtigung der Interessen des Weiß- und Schwarzspielers abgehandelt. Auf der CD ist eine Datenbank mit über 13.000 Partien zur Philidor-Verteidigung enthalten, davon sind über 300 mit ausführlichem Text und Varianten kommentiert.
 
Zusätzlich enthält die CD-Rom einen Positionsbaum, der aus den Partien der Datenbank generiert wurde. Mit Hilfe des Positionsbaums mutiert Fritz zum allwissenden Philidor-Experten und man kann seine frisch erworbenen Kenntnisse direkt gegen das Schachprogramm ausprobieren und sich die notwendige Spielpraxis verschaffen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, mittels einer Trainingsdatenbank mit ausgewählten, systemtypischen Positionen das frisch erworbene Wissen zu festigen.
 
Wie gehabt, sind sämtliche Inhalte der CD-ROM ohne Zusatzsoftware nutzbar, da im Lieferumfang der auf der Schachdatenbank ChessBase basierende Reader als Lesewerkzeug mitgeliefert wird. Alternativ kann man die Inhalte natürlich auch mit Fritz oder den anderen Schachprogrammen von ChessBase einlesen. Nach meiner Einschätzung hebt sich die vorliegende CD in zwei wichtigen Punkten von anderen Eröffnungsbüchern oder Monographien ab:
  1. Die gründliche Erläuterung der typischen Ideen dieses Systems mit viel Text und anschaulichen Diagrammen.
  2. Bei der Zusammenstellung des Materials wurden bemerkenswert objektiv die Möglichkeiten für Weiß und Schwarz berücksichtigt.
Damit eignet sich die CD-ROM auch für Spieler aus unteren Spielklassen, die sich gründlich ein zuverlässiges Eröffnungsrepertoire gegen 1.e4 aneignen wollen. Bleibt noch die Frage zu klären, ob die Philidor-Verteidigung ein gutes System für Schwarz ist? Welche Erkenntnisse kann man aus dem Studium der CD ziehen? Für Anfänger bietet das System den Vorteil, das hier Stellungen auf das Brett kommen, die vor allem das Thema "Kampf um das Zentrum" in den Mittelpunkt stellen.
 
Dieses Thema ist für das allgemeine Schachverständnis sehr wichtig, außerdem ist die Eröffnung leicht zu erlernen und zu verstehen. Zudem ist der Zeitaufwand für den Erwerb der notwendigen Kenntnisse relativ gering, von dem Überraschungseffekt gegen einen weniger gut vorbereiteten Gegner einmal abgesehen. Fazit: Entscheidend ist letztendlich nicht die Eröffnung, sondern vor allem eine gute Kenntnis der typischen Pläne und Ideen. Mit Hilfe dieser CD-ROM erhält man eine erstklassige Grundlage, um Philidor erfolgreich in der Turnierpraxis anzuwenden.
 
Peter Schreiner
 
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