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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Wie spielt man Nimzoindisch
Autor: Reinhold Ripperger, Preis: 19.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner - Juni 2002
 
Die vorliegende CD-ROM beschäftigt sich mit der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung, einem System, das in der Turnierpraxis besonders häufig angewandt wird. Die Konzeption der CD-Rom basiert auf der Erkenntnis, dass für die erfolgreiche Behandlung eines Systems das Verständnis der typischen Mittelspielformationen wichtiger ist als stures Auswendiglernen der Hauptvarianten. Die Grundstellung der Nimzowitsch-Indischen Verteidigung ensteht nach den Zügen 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 (siehe Diagramm).
 
Grundstellung Nimzoindisch Die Grundidee besteht in der Organisierung eines Figurendrucks auf die zentralen Felder (in erster Linie d5 und e4). Im weiteren Partieverlauf wird der Figurendruck durch die Sprengungszüge d7-d5, c7-c5, häufig auch e6-e5 und mitunter durch b7-b5 und f7-f5 unterstützt. In ihrem Entwicklungprozess wurde die Nimzowitsch-Indische Verteidigung durch eine Vielzahl von Ideen und Plänen bereichert. Über mehrerer Jahrzehnte hinweg entstanden komplette, in sich geschlossene Systeme, die heute den Hauptteil der Eröffnung ausmachen. Namhafte Persönlichkeiten der Schachgeschichte wie Mikhail Botvinnik, Alexander Aljechin, José Raoul Capablanca, Friedrich Sämisch, Oleg Romanishin und Robert Hübner haben das System Nimzowitschs weiterentwickelt, verfeinert und ergänzt. Auch heutzutage ist es eines der wichtigsten Eröffnungssysteme. Es kommt z.B. regelmäßig in Partien von Größen wie Kasparov, Karpov, Tal, Kortschnoj, Spassky, u.v.a. vor.
 
Nimzoindisch bietet den großen Vorteil, dass bei diesem System die Verknüpfung von Eröffnung, Mittel- und Endspiel besonders stark ausgebildet ist. Das Ziel dieser Abhandlung besteht vor allem darin, dass der Anwender die typischen Formationen des Systems kennenlernt. Der große Vorteil dieser Methode: bei eventuellen Abweichungen von den Hauptvarianten kann man sich anhand der typischen Pläne und Strategien besser orientieren. Im Unterschied zu zahlreichen anderen theoretischen Abhandlungen findet man auf der CD durchweg exemplarische, sehr gut kommentierte Partien. Lapidare Kürzel wie "Weiß steht besser" usw., die für den Lernenden in der Regel unbefriedigend sind, werden Sie auf der CD also nicht finden.
 
Aaron NimzowitschNimzoindisch ist die wohl nachhaltigste Entdeckung des legendären, dänischen GMs Aaron Nimzowitsch. Er wurde am 7. November 1886 in Riga geboren und starb am 16. März 1935 in Kopenhagen. Obgleich er einer der stärksten Spieler seiner Zeit war, erhielt er nie die Gelegenheit zu einem Wettkampf gegen Capablanca oder Aljechin. Zusammen mit Réti und Tartakower war er der führende Kopf der "Hypermodernen Schachschule", einer Gruppe von Meistern, die vor allem in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die damals vorherrschende Schachlehre einer unerbittlichen Prüfung unterzogen.
 
Die Bewertung des Zentrums war die fundamentale Neuerung Nimzowitschs. Bis dahin ging man davon aus, die Besetzung mit Bauern sei die einzig spielbare Methode. Die Idee, das gegnerische Zentrum einem Figurendruck auszusetzen, wird mit der Nimzoindischen Verteidigung besonders anschaulich verwirklicht und führt in der Regel zu kämpferischen Partien. Nimzowitsch hat die Schachliteratur durch eine ganze Reihe vortrefflicher Werke bereichert. Sein Hauptwerk "Mein System" ist nach wie vor Legende und sollte in keinem Schachregal fehlen. Seine theoretischen Ansichten revolutionierten das Schachspiel. Seine Auffassung vom Wesen der Strategie und von der Dynamik ist höchst zeitgemäß. Sie spiegelt sich in den meisten Varianten des von ihm geschaffenen Eröffnungssystems wieder.
 
Die Aufbereitung des Kurses ist höchst instruktiv umgesetzt. Am Anfang der Partienliste in der Hauptdatenbank findet der Anwender das Inhaltsverzeichnis. In den umfangreichen Texten werden die grundlegenden Motive und Strategien von Nimzoindisch für beide Seiten aufgelistet. Beherrschende Themen des Nimzoinders, wie die verschiedene Aspekte des Zentrums (Beweglichkeit, Hemmung, Blockade), typische Bauernstrukturen im Nimzoinder (Isolani, Doppelbauer) werden tiefschürfend mit viel Text und illustrierenden Beispielpartien vorgestellt. Dazu ein Beispieltext aus der Datenbank.
 
 
Doppelbauern
Zwei gleichfarbige Bauern auf einer Linie nennt man im Schach Doppelbauer. Der Doppelbauer zählt zu den klassischen Bauernschwächen. Er hat aber auch seine guten Seiten. Die Stärken und Schwächen von Doppelbauern sind leicht verständlich. Ihre Schwächen resultieren daraus, dass Doppelbauern meist nicht durch benachbarte Bauern gedeckt und mitunter sogar isoliert sind. Doppelbauern sind nur mit Mühe vorzurücken und schwer zu verteidigen.
 
Im Kampf um Raum haben sie jedoch auch ihre positiven Seiten, besonders dann, wenn es um zentrale Felder geht. In der Nimzoindischen Verteidigung kommen Doppelbauern naturgemäß sehr häufig vor. Da beide Spieler den Abtausch des Läufers b4 gegen den Springer c3 anstreben beziehungsweise zulassen und Weiß oft mit dem b-Bauern zurücknimmt, kann der Doppelbauer nicht nur Nachteile haben. Der Doppelbauer kann beim Kampf um das Zentrum ein gewichtiges Wort mitsprechen.
 
 
Der aktive Plan
Die aktive Seite ist meist jene, die über den Doppelbauern verfügt. Nachdem sie diesen zuverlässig gesichert hat, wird sie bestrebt sein, auf den durch den vorderen Bauern gedeckten Feldern eine oder zwei Figuren, in der Regel einen Springer oder Läufer, zu postieren. Dem Gegner ist eine entsprechende Operation auf den Feldern die sein festgelegter Bauer angreift, nicht möglich, da der hintere Bauer diese Punkte für Figuren unzugänglich macht.
 
Hat er den wichtigen Vorposten befestigt, wird der Angreifer darangehen, den Druck auf die feindliche Stellung zu verstärken, wobei er die Ausstrahlungskraft dieses Stützpunktes ausnutzt. Ist es dem Gegner überdrüssig, die vorgeschobene Figur zu dulden, und tauscht er sie ab, ändert sich der Plan des Angreifers grundlegend. Er wird dann die Kraft des gedeckten Freibauern nutzen und durch das im Ergebnis von Abtausch möglich werdende Vorrücken seiner Bauern die Armee des Gegners noch mehr einengen.
 
 
Der Verteidigungsplan
Hauptziel des Verteidigers ist, die vorgeschobene gegnerische Figur zu vernichten. Er muss dabei sehr umsichtig verfahren und die Aktion sorgfältig vorbereiten. Die günstigste Methode ist, den entstehenden Freibauern sofort zu blockieren. Tauschen wir z.B. auf d5 einen weißen Springer ab, gelangt auf dieses Feld der weiße Bauer c4. Wenn wir für den Abtausch gut gerüstet sind und unmittelbar darauf einen eigenen Springer nach d6 stellen, das heißt den Freibauern des Gegners zuverlässig blockieren können, ist die Operation zur Beseitigung des wichtigen Stützpunktes gelungen. Ist ein derartiger Abtausch nicht zu verwirklichen, muss sich der Verteidiger auf abwartende Manöver beschränken und so lange wie möglich vom Tausch und damit der Bildung eines fürchterlichen, nicht aufzuhaltenden gegnerischen Freibauern absehen.
 
 
Was bietet Ihnen diese CD?
Neben dem Inhaltsverzeichnis mit den diversen Datenbanktexten findet man in der Hauptdatenbank eine gut strukturierte Übersicht der gängigen Hauptsysteme von Nimzoindisch. Die systematische Aufbereitung ist enorm hilfreich, sich schnell das notwendige Wissen über Nimzoindisch anzueignen. Neben einem Beschreibungstext findet man zu jeder Variante ausführlich kommentierte Beispielpartien. Die instruktiven Kommentare beschränken sich nicht nur auf das reine Eröffnungstraining. Der Anwender lernt viele typische Methoden der Strategie und Taktik beim Übergang aus der Eröffnung ins Mittelspiel und vom Mittelspiel ins Endspiel kennen.
 
Aus meiner Sicht ist es optimal, dass die Präsentation der Lerninhalte konsequent anhand von kompletten, mit viel Text kommentierten Partien demonstriert wird. Dadurch wird das Verständnis für das System bedeutend geschärft. Die Hauptdatenbank enthält insgesamt 323 kommentierte Partien. Im Unterschied zu einem herkömmlichen Schachbuch weist die CD-Rom einen weiteren großen Vorzug auf. Zusätzlich zu den ausführlich kommentierten Partien findet man in zwei Zusatzdatenbanken über 47 000 Partien, die mit Nimzoindisch gespielt wurden. Mit Hilfe dieser Daten kann der Anwender rasch auf entsprechende Vergleichspartien zu einem bestimmten System zugreifen.
 
Nützlich ist dabei, dass der Zugriff auf sämtliche Datenbanken mit Hilfe eines Index möglich ist. Die Datenbanken sind nicht nur mit einem fein strukturierten Eröffnungsschlüssel, sondern zusätzlich mit Themen- und Endspielschlüsseln klassifiziert. Abgerundet wird der Lieferumfang mit einer kleinen Trainingsdatenbank. Die 35 Trainingsaufgaben sollen dabei helfen, das erlernte Wissen unter praxisnahen Bedingungen mit begrenzter Bedenkzeit zu vertiefen. Ein Bonussystem dient dabei als Motivationshilfe.
 
 
Fazit
Eine mit viel Liebe zum Detail erstellte CD-ROM, der man anmerkt, das der Autor das Projekt mit viel Enthusiasmus gestaltet hat. Sie eignet sich vor allem für Spieler, die den "Nimzoinder" neu in ihr Repertoire aufnehmen wollen. Sowohl für Weiß als auch den Nachziehenden stellt die CD aufgrund der hervorragenden Systematik eine erstklassige Grundlage dar, um sich die Feinheiten des Systems rasch anzueignen. Nach dem Studium dieser CD besitzt der Anwender das notwendige Rüstzeug, um Nimzoindisch erfolgreich in der Praxis anzuwenden.
 
 
Beispielpartie
Zur Verdeutlichung können Sie sich eine typische Beispielpartie zwischen Efim Geller und Vassily Smyslov anschauen und am Seitenende downloaden. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascipt aktiviert haben.
 
Peter Schreiner
 
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