Logo "blaue" Seiten

 
 
 
 
- Anzeige -
Für den Erwerb von Schachartikeln empfiehlt Ihnen der SC Leinzell den
 Schachversand Dreier 
 
 
Testen Sie Ihr Schach!
 
Diagramm 23-2006
 
Diagramm 23 – 2006
Schwarz hat zwei Bauern geopfert und steht nun vor der Frage, ob er sich auf e5 wieder einen zurück holen soll. Was meinen Sie?
 zur Lösung 
 
 
 
 
zur Startseite
 News | Sitekalender | Sitemap | Team | Kontakt 
Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Weltmeister Emanuel Lasker
von ChessBase, Preis: 25.50 Euro
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2002
 
Emanuel LaskerDie vorliegende CD-Rom beschäftigt sich mit dem schachlichen Lebenswerk von Emanuel Lasker, der 1894 Schachweltmeister wurde und diesen Titel bis 1921 behielt. Die in der heutigen Zeit unvorstellbaren 27 Jahre auf dem Schachthron haben Lasker einen besonderen Platz in der Schachgeschichte verschafft und es darf bezweifelt werden, ob dieser Rekord jemals überboten wird. Auch nach dem Verlust des Titels erzielte Lasker phantastische Turniererfolge und Resultate, die seine besondere Stellung noch festigen. Im Unterschied zu den heutigen Spitzenspielern war Lasker ein extrem vielseitiger Mensch, der als promovierter Mathematiker, Philosoph und Schriftsteller nicht nur in der Schwachwelt seine Spuren hinterlassen hat.
 
Neben dem Schach hat er sich mit vielen anderen Spielen wie Go oder Bridge beschäftigt und sogar ein eigenes Spiel erfunden, das er Lasca nannte. Lasker war ein echter Kosmopolit, der außer in Deutschland seine Lebensstationen in vielen Ländern wie England, den Niederlanden, der Sowjetunion und den USA hatte. Im Unterschied zu der bekannten Biographie von Hannak beschäftigen sich die unterschiedlichen Autoren dieser CD vor allem mit dem schachlichen Wirken des Weltmeisters, während außerschachliche Aspekte nur am Rand gestreift werden.
 
Bei der Würdigung des schachlichen Wirkens von Lasker findet man in vielen zeitgenössischen Anmerkungen und Büchern zwar große Bewunderung für den langen Zeitraum der Weltmeisterschaft, aber die Spielweise und der Spielstil des einzigen deutschen Weltmeisters wurden kontrovers diskutiert. In vielen Kommentaren wurde Lasker in die Ecke des hauptsächlich mit psychologischen Mitteln agierenden Spielers gesteckt, während dem Spielstil von Capablanca oder Aljechin eher eine Vorbildwirkung zugestanden wurde. In vielen ausführlichen Texten gehen kompetente Autoren wie Rainer Knaak, Albin Pötzsch u.a. auf diese Fragen ein. Zur Verdeutlichung ein gekürztes Beispiel von der CD-ROM, in dem sich GM Rainer Knaak mit der Spielstärkeentwicklung von Lasker befasst.
 
 
Wie hat sich Laskers Spielstärke entwickelt?
Es darf angenommen werden, dass Lasker bei seinem Titelgewinn 1894 seine spätere Spielstärke noch nicht erreicht hatte. Die Beantwortung der gelegentlich aufgeworfenen Frage, ob Tarrasch zu diesem Zeitpunkt vielleicht stärker als Lasker und Steinitz war, wäre rein spekulativ. Die in Nürnberg gezeigten Schwächen - siehe Analyse Lasker in Nürnberg 1896 - unterstreichen, dass Lasker trotz der Siege im Revanchematch gegen Steinitz sowie in St. Petersburg und Nürnberg noch nicht die souveräne Klasse der folgenden Jahre besaß. Auch in Rogozenkos Analyse von St. Petersburg 1895/96 wird erwähnt, dass Lasker sich zwar gut in leicht schlechteren Endspielen verteidigte, aber schon eher den Kopf verlor, wenn sein König angegriffen wurde.
 
Doch bei den Turnieren in London 1899 und Paris 1900 war seine Überlegenheit bereits so gewaltig, dass er es sich leisten konnte, zwischen 1900 und 1907 nur ein einzigen ernsthaften Wettkampf zu bestreiten: das Turnier Cambridge Springs 1904, bei dem er hinter Marshall nur 2. wurde. Doch der Amerikaner hatte in Turnieren davor und danach alles andere als überzeugt und konnte so nicht an Laskers Nimbus kratzen. Mit dem überzeugender Sieg im Match gegen Marshall drei Jahre später hat Lasker dann seine Vormachtstellung in der Schachwelt erneut bewiesen.
 
Im Nachhinein gesehen ist völlig klar, dass es völlig neuer Spieler bedurfte, die evtl. an Laskers Thron rütteln konnten. Solch ein neuer Spieler war zunächst Akiba Rubinstein, der zusammen mit Lasker in St. Petersburg 1909 gewann und zudem Lasker im direkten Aufeinandertreffen besiegte. Doch es zeigte sich schnell, dass Rubinstein wegen seiner psychischen Instabilität nicht für den Schachthron geeignet war und niemals eine Gefahr für Laskers Anspruch auf den WM-Titel darstellte. Schon anders sah dies mit Capablanca aus, der 1911 die internationale Schachbühne betrat. Auch wenn es immer eine Spekulation bleiben wird, kann man wohl sagen, dass der Kubaner bereits zu diesem Zeitpunkt Lasker hätte in einem WM-Match gefährlich werden können, denn mit seiner Spielweise geriet Capablanca selten in schlechtere Stellungen und schien so für das Matchspiel wie geschaffen zu sein.
 
In St. Petersburg 1914 konnte Lasker allerdings noch vor Capablanca bleiben. Es folgten sieben Jahre ohne bedeutendes Kräftemessen. Das Match im klimatisch heißen Havanna 1921 wurde vielfach als ein Nachteil für den älteren Lasker angesehen. Das mag sein, doch andererseits passt die Wachablösung ganz gut in den Gang der Schachgeschichte.
 
Nach dem Verlust des Weltmeistertitels 1921 spielte Lasker drei Turniere (Mährisch-Ostrau 1923, New York 1924 und Moskau 1925), in denen er nachwies, dass er noch mindestens zu den besten drei Spielern der Welt gehörte. Dass Lasker dabei zweimal auch vor Capablanca blieb, heißt ja nicht, dass er ihn auch im Match hätte besiegen müssen. Lasker hatte keinerlei Probleme mit den neuesten Entwicklungen der Eröffnungstheorie und ein Nachlassen der Kraft ist in diesen Jahren noch nicht festzustellen.
 
Dies änderte sich erst nach der erneuten größeren Pause von 1925 bis 1934. Beim Züricher Turnier von 1934 war Lasker bereits 65 Jahre alt und seine Leistung ist aller Ehren wert. Teilweise klappt es wie früher: Lasker geht in ein schlechtes Endspiel und gewinnt (Roselli del Turco). Gegen Euwe hat er großes Glück, dass der seine vorteilhafte Stellung verschustert. Aber andere bringen ihren Vorteil konsequent nach Hause. Vielleicht hat ja auch das allgemeine Spielniveau schon zugenommen. Lasker kann nun nicht mehr ganz mit den Allerbesten der Welt mithalten.
 
 
Was bietet die CD?
Die Aufbereitung der Inhalte lässt an Übersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig. Am Anfang der Datenbankliste findet man neben dem Inhaltsverzeichnis fünf ausführliche Texte mit einer ausführlichen Schilderung der schachlichen Laufbahn von Lasker. Innerhalb der Texte sind direkte Verknüpfungen zu den zitierten Partien, Stellungen oder Matches integriert. Zusätzlich wurden die großen Turniere Laskers mit speziellen Turnierreports gewürdigt, die viele zusätzliche Hintergrundinformationen enthalten.
 
Die CD enthält zwei Datenbanken. In der ersten Datenbank sind ausschließlich Partien enthalten, die in wichtigen Turnieren und Matches gespielt wurden. Die zweite Datenbank enthält zusätzlich Partien oder Stellungen aus Simultanveranstaltungen, den seinerzeit beliebten Beratungspartien und freien Partien. Damit bietet diese CD eine komplette Übersicht über alle bekannten Partien von Emanuel Lasker. Viele Partien sind ausführlich mit Text und Varianten kommentiert, man findet unter den Kommentatoren auch einen der Nachfolger Laskers auf dem Weltmeisterthron, Garry Kasparov.
 
Die vorliegende Monographie stellt einen wichtiger Beitrag dar, Vorurteile geradezurücken und Fragen zu beantworten. Viele Partien wurden für diese CD erstmals kommentiert oder einer neuen Bearbeitung unterworfen. Eine dritte Datenbank enthält Multimedia-Daten, die auf der Lasker-Konferenz im Januar 2001 in Potsdam entstanden sind. In den Vorträgen von Dr. Hübner, Wolfgang Unzicker, Andre Lilienthal, Yuri Awerbach usw. werden dem Anwender weitere interessante Details aus dem Leben von Lasker zugänglich gemacht. Die Interviews, Vortragsausschnitte und andere Dokumente sind alle bei dieser Gelegenheit entstanden.
 
 
Fazit
Eine informative und schachhistorisch hochinteressante CD-ROM, die vorbehaltlos jedem Schachliebhaber empfohlen werden kann.
 
 
Beispielpartie:
Zur Verdeutlichung können Sie sich eine berühmte Beispielpartie zwischen Siegbert Tarrasch und Emanuel Lasker anschauen und am Seitenende downloaden. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascipt aktiviert haben.
 
Peter Schreiner
 
zum Seitenanfang zurück |