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Diagramm 18-2006
 
Diagramm 18 – 2006
Hier wurde eine »Schachmaschine« demontiert. Wie zerlegte Weiß am Zuge die misslungene schwarze Partieanlage?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Das Königsgambit
Autor: Alexander Bangiev, Preis: 49.90 DM
besprochen von Peter Schreiner - April 2000
 
Das Königsgambit 1.e4 e5 2.f4 gehört zu den ältesten Eröffnungen überhaupt. Obwohl es schon des öfteren "totgesagt" wurde - wie z.B. durch Exweltmeister Robert Fischer in seinem Aufsatz mit dem Thema "The King's Gambit is busted" - erlebt es gerade in der heutigen Zeit durch risikofreudige Großmeister der Extraklasse wie z.B. Short, Fedorov, Gallagher oder Hodgson eine Renaissance.
 
Unter praktischen Gesichtspunkten spricht sehr vieles für das Königsgambit. Bei seiner Anwendung braucht sich der Anziehende nicht mit den zahlreichen Verzweigungen und Alternativen nach 2.Sf3 auseinander zusetzen und kann das Spiel direkt in die von ihm gewünschte Richtung lenken. Ein weiterer, aus weißer Sicht sehr wichtiger Aspekt ist, dass Schwarz bei dem Versuch, Ausgleich durch Vereinfachungen anzustreben, dem Gegner immer eine gewisse Initiative überlassen muss. Gleiches Spiel ist für den Nachziehenden nur dann zu erwarten, wenn er den Fehdehandschuh aufnimmt und den kompromisslosen Kampf annimmt.
 
 
Inhalt der CD-Rom
Die Untersuchungen und Analysen von Autor Alexander Bangiev decken weitgehend alle anfallenden Varianten und Themenbereiche des Königsgambits ab. Sowohl das angenommene wie auch das abgelehnte Königsgambit werden umfassend und instruktiv abgehandelt. Die Partienliste der Datenbank mit dem integrierten Inhaltsverzeichnis und den abgehandelten Kapiteln ist (wie bei einem Schachbuch) sauber durchstrukturiert.
 
Zu jedem Themenkomplex gibt es zuerst einmal eine ausführliche Präsentation in Form eines Datenbanktextes mit den wichtigsten Motiven und Grundideen der jeweiligen Variante. Wie auf einer Website sind in jedem Datenbanktext zahlreiche Verknüpfungen zu Partien und Stellungen eingebettet, über die man die illustrierenden Partien aus der mitgelieferten Datenbank (über 16.000 Partien) direkt anspringen kann. Gegenüber einem herkömmlichen Schachbuch bietet das Konzept nur Vorteile, da man blitzschnell die gewünschten Partien laden und nachspielen kann. Das klassische, zeitraubende Suchen und Blättern in einem Schachbuch entfällt.
 
Bei der Kommentierung der Partien bedient sich das Programm nicht nur der klassischen Komponenten Varianten, Textkommentare oder Diagramme. Das CBH-Format von ChessBase erlaubt auch die Kommentierung mit Hilfe grafischer Komponenten wie z.B. Pfeile, markierte Felder usw. Von diesem Hilfsmittel wurde reichhaltig Gebrauch gemacht, um dem Lernenden bestimmte Sachverhalte und Kräftekonstellationen visuell zu verdeutlichen. Sehr gut!
 
Die mitgelieferte Datenbank enthält Partien aus dem Zeitraum von 1800 bis hin zur aktuellen Turnierpraxis einschließlich dem Jahr 2000. Der Schwerpunkt der Partien liegt nicht ausschließlich, wie man aufgrund der Vergangenheit dieser Eröffnung vielleicht erwarten könnte, auf den glorreichen Zeiten des Königsgambits aus dem letzten Jahrhundert. Auch aus der aktuellen Turnierpraxis der letzten 20 Jahre sind zahlreiche, instruktive Partien mit eingeflossen. Positiv beurteile ich neben den instruktiven, einführenden Datenbanktexten die zahlreichen kommentierten Partien (ca. 1000). Die Liste der Kommentatoren ist durchweg beeindruckend: Namen wie Kasparov, Speelman, Steinitz, Nunn, Hübner usw. bürgen für höchste Qualität hinsichtlich der Partiekommentierung.
 
Neben der Hauptdatenbank gibt es noch weitere Komponenten, die das erlernte Wissen nach dem Prinzip "Learning by doing" vertiefen sollen. Vorab möchte ich die zahlreichen Repertoirevorschläge erwähnen, die bei der Zusammenstellung des eigenen Repertoires eine wertvolle Entscheidungshilfe darstellen. Für die praktische Anwendung ist der mitgelieferte Positionsbaum gedacht, welcher offensichtlich aus den Partien der mitgelieferten Datenbank generiert wurde und welcher unter den hausinternen Schachprogrammen wie Fritz, Junior, Hiarcs, usw. als Eröffnungsbibliothek einsetzbar ist. Es besteht also die Möglichkeit, das erworbene Wissen direkt gegen einen spielstarken elektronischen Konkurrenten auszuprobieren.
 
Bei der Interpretation der angezeigten Statistiken im mitgelieferten Positionsbaum sollte man allerdings beachten, das etliche Partien der dazugehörigen Datenbank aus qualitativ unterschiedlich zu bewertenden Quellen stammen. Beim Durchblättern in der Liste konnte ich z.B. viele reine Computerpartien, z.T. noch von reinen Brettgeräten entdecken. Hier könnte es für die bessere Orientierung und Einschätzung einzelner Varianten ratsam sein, einen eigenen Positionsbaum mit den hochwertigeren Partien aus der Datenbank zu generieren, was mit Fritz + Kollegen oder der hauseigenen Datenbank überhaupt kein Problem darstellt.
 
Abgerundet wird die CD mit einer speziellen, zum Thema passenden Trainingsdatenbank. Hier findet der Anwender ausgewählte Partien, in denen an den kritischen Momenten mindestens eine knifflige Trainingsfrage enthalten ist. Diese Aufgaben sollen natürlich nach Möglichkeit vom Anwender selbständig gelöst werden, um das neu erworbene Grundwissen zu festigen.
 
Falls die richtige Lösung nicht gefunden wird, kann man sich vom Programm kleine Tipps und Hilfestellungen anzeigen lassen. Während des Lösungsversuchs läuft eine Schachuhr mit und man muss die Lösung innerhalb einer vorgegebenen Zeit lösen. Richtige Lösungen werden letztendlich mit der Vergabe von Punkten belohnt. Es fällt schwer, an diesem rundum durchdachten Konzept noch etwas auszusetzen.
 
Um die Inhalte der CD-Rom nachzuvollziehen, ist kein weiteres Zusatzprogramm notwendig. Auf der CD befindet sich eine funktionsreduzierte Fassung des hauseigenen Datenbankprogramms. Sogar eine computergestützte Analyse der Partien ist mit Hilfe einer aktuellen Version des Schachprogramms Crafty von Robert Hyatt möglich, was bei den taktisch geprägten Partien eine weitere hilfreiche Orientierungsmöglichkeit für den Anwender darstellt.
 
 
Fazit
Diese CD überzeugt vor allem durch die akkurate Zusammenstellung der einzelnen Abspiele des Königsgambits und dürfte in der vorliegenden Form eine Art Referenz dieses Systems darstellen. Die Zusammenstellung des gebotenen Materials orientiert sich in erster Linie aus der Sicht des Anziehenden, der hier eine Vielzahl von Anregungen für die Zusammenstellung des eigenen Repertoires gewinnt. Die CD dürfte aber nicht nur Liebhaber des Königsgambits ansprechen. Man kann mit Hilfe der ausgezeichnet kommentierten Partien und der transparenten Darstellung der Grundideen eine ganze Menge über die Angriffs- und Verteidigungsmotive in Gambitspielen und taktisch geprägten Stellungen lernen. Aus meiner Sicht: absolut empfehlenswert.
 
Peter Schreiner
 
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