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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Geheimnisse der englischen Schachschule
Autor: GM Daniel King, Preis: 49.90 DM
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2001
 
Der englische Großmeister Daniel King beherrscht wie kaum ein anderer die Kunst, komplizierte Sachverhalte anschaulich und gleichzeitig unterhaltsam zu vermitteln. Die vorliegende CD-ROM stellt keine systematische Abhandlung über ein bestimmtes Thema dar. GM King betreute in den letzten fünf Jahren die Rubrik Strategie für das ChessBase Magazin.
 
Für jede Ausgabe dieser Zeitschrift wurde eine Partie tiefschürfend analysiert und kommentiert. Sie haben noch nie von dem ChessBase Magazin gehört? Diese vom ChessBase Verlag herausgegebene Schachzeitschrift unterscheidet sich von anderen Publikationen dadurch, dass im Lieferumfang nicht nur eine Printausgabe, sondern parallel eine CD-Rom mit ergänzenden Inhalten zum Heft mitgeliefert wird.
 
Auf den beiliegenden CDs findet man in der Regel aktuelle, von Topgroßmeistern kommentierte Partien, Partiendatenbanken und Multimedia-Berichte von wichtigen Turnieren. Gerade die Multimedia-Berichte und Videos mit Interviews von Spitzenspielern vermitteln eine Lifeatmosphäre, die mit einer reinen Printausgabe natürlich nicht zu realisieren ist.
 
Zurück zur vorliegenden CD-ROM. Es handelt sich nicht um einen systematisch zusammengestellten Trainingskurs, sondern um insgesamt 29 Artikel mit unterschiedlichen Themeninhalten. Die 29 Beiträge wurden auf der CD in 8 Gruppen aufgeteilt:
Der König
Die Dame
Leichtfiguren
Bauern
Angriff
Taktik
Eröffnungsideen
Verschiedenes
 
Zu jedem Thema wird zuerst ein Video mit Daniel King eingeblendet. In fließendem Deutsch werden dem Anwender die Grundmotive vorgestellt. Die Kommentare zu den thematisch ausgewählten Partien sind nicht nur instruktiv, sondern auch in höchstem Maß unterhaltsam. Zwei Beispiele von der CD-ROM:
 
Geller,E - Rublevsky,S   RUS-ch Elista 1995
1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.Sc3 a6 4.d4 cxd4 5.Sxd4 Dc7 6.Le2 Sf6 7.0-0 d6 8.f4 Le7 9.De1 Sbd7 10.Lf3 h6
Das ist das erste Zeichen dafür, dass etwas Seltsames passiert. Der kleine Bauernzug genügt, um Geller von seinem Damenmanöver abzubringen.
11.Kh1
Mehr als alles andere ist das ein Wartezug. Weiß will sehen, was die Absicht des Schwarzen ist.
11...Tg8
Und da ist sie. Rublevsky glaubt, dass sein König hinter dem Wall von drei Bauern im Zentrum und verschiedenen Leichtfiguren sicher genug steht, und versucht, durch den Angriff auf das weiße Bauernzentrum die Initiative zu übernehmen.
Typischerweise versucht Geller die Idee direkt zu widerlegen: Er betrachtet offensichtlich den geplanten Bauernvorstoß g7-g5 als nicht gerechtfertigt. Doch es wäre wohl besser gewesen, 12.a4 zu spielen, um 12...g5 mit 13.g3 zu beantworten. Zwar könnte Schwarz dann die g-Linie öffnen, wäre aber nicht in der Lage, eine Bresche in das weiße Bauernzentrum zu schlagen.
12.Dd1!? g5
Positionell gesehen ist der Vorstoß des g-Bauern völlig gerechtfertigt: Wenn Weiß auf g5 schlägt (13.fxg5 hxg5), erhält Schwarz das Feld e5 für seinen Springer und hat eine exzellente Stellung.
13.f5 e5 14.Se6?!
14.Sb3 b5 würde Schwarz gutes Spiel auf dem Damenflügel und im Zentrum geben. Der König wäre sicher in der Brettmitte, da die zentrale Bauernstruktur geschlossen ist. Vergleichbare Beispiele mit einer geschlossenen Bauernstruktur, die dem König Sicherheit verschafft, gibt es in Massen.
14...fxe6 15.Lh5+ Sxh5 16.Dxh5+ Kd8 17.fxe6 Sf6 18.Df7 Tf8 19.Txf6 Txf7 20.exf7 Lf8 21.Sd5 Dxc2 22.Le3 Lh3 23.Tf2 Dd3 24.Td2 Lxg2+ 25.Kg1 Dxe4!
Schwarz besteht nicht auf seinem Materialvorteil und geht in ein gewonnenes Endspiel über.
26.Lb6+ Kd7 27.Sf6+ Ke6 28.Sxe4 Lxe4   0-1
 
Besonders gut gefallen haben mir die Ausführungen von GM King zum Thema isolierter Bauer:
 
... wohl kaum ein originelles Thema für eine Bearbeitung werden Sie sagen, und Sie haben natürlich recht. Aber einige aktuelle Partien zeigen, dass da noch viel Spielraum für neue Gedanken zu diesem Stellungstyp ist. Was ursprünglich mein Interesse weckte, waren einige Partien von Anatoly Karpov. Doch dazu später noch. Zuerst eine kurzer Abriss darüber, was beide Seiten zu erreichen versuchen.
 
Bauernstruktur d-IsolaniDie klassische Bauernstruktur des isolierten d-Bauers. Weiß hat drei "Bauerninsel" - Schwarz nur zwei, sollte also besser stehen. Der Bauer auf d4 kann nicht durch einen anderen Bauern verteidigt werden und droht daher, zur Schwäche zu werden. In den diversen Mittelspielbüchern wird immer gesagt, dass Weiß besser nicht tauscht, um die Angriffschancen zu bewahren, während Schwarz ein Endspiel anstreben soll, um dem schwachen d-Bauern besser zu Leibe rücken zu können. Wenn es doch nur so einfach wäre! Alles hängt von der Stellung der Figuren ab.
 
Wie Mihail Suba in seinem provokativen Buch "Dynamische Schachstrategie" so schön sagt: "Die einzige goldene Regel besagt, dass es keine goldenen Regeln gibt!" Trotzdem will ich einiges Licht in die Stellung mit dem d-Isolani bringen. Ich finde, da es immer hilft, einige "klassische" Partien im Hinterkopf zu haben, um bestimmte Positionstypen zu spielen. Natürlich nicht, um sie sklavisch zu kopieren, sondern um Ziele anzustreben oder einfach zum Vergleich. Viele Motive kehren wieder. Wenn ich an den d-Isolani denke, springen einige Partien sofort in mein Bewusstsein.
 
Kortschnoj,V - Karpov,A   Wch Meran 1981
1.c4 e6 2.Sc3 d5 3.d4 Le7 4.Sf3 Sf6 5.Lg5 h6 6.Lh4 0-0 7.Tc1 dxc4 8.e3 c5 9.Lxc4 cxd4 10.exd4 Sc6 11.0-0 Sh5!
Dieser clevere Zug forciert einen Abtausch, welcher Schwarz etwas mehr Freiheit gibt und gleichzeitig die weißen Angriffschancen reduziert. Falls nun 12.Lg3, dann löst 12...Sxg3 13.hxg3 Lf6 die schwarzen Probleme recht einfach.
12.Lxe7 Sxe7
Auch 12...Dxe7 nebst ...Td8 und Druck auf den d-Bauern kam in Frage, aber 12...Sxe7 ist der prinzipielle Zug: d5 überdeckend und, so die Gelegenheit es will, nach f5 "schwingend", um den d-Bauern anzugreifen. Kortschnojs nächste Züge erscheinen ziellos. Er fügt sich weiterem Abtausch und erlaubt Karpov, die Initiative zu übernehmen.
13.Lb3?! Sf6 14.Se5 Ld7
Natürlich wäre es nett, den Läufer auf die lange Diagonale zu bringen, aber im Moment muss die Möglichkeit eines weißen Einschlags auf e6 oder f7 beachtet werden.
15.De2 Tc8 16.Se4?!
16.Tfd1 sieht normal aus. Figurentausch ist nicht angesagt.
16...Sxe4 17.Dxe4 Lc6 18.Sxc6 Txc6 19.Tc3 Dd6 20.g3 Td8 21.Td1
Und jetzt der Killerzug der Partie:
21...Tb6! 22.De1 Dd7 23.Tcd3 Td6
Diese Position hatte Karpov angestrebt, aber das sofortige 21...Dd7, statt 21...Tb6 hätte 22.La4 erlaubt.
24.De4 Dc6 25.Df4 Sd5 26.Dd2 Db6 27.Lxd5 Txd5 28.Tb3 Dc6 29.Dc3 Dd7
Jetzt kann man die Absichten von Schwarz erkennen. Scheinbar kann Weiß dem Druck gegen den d-Bauern allein mit seinen Schwerfiguren widerstehen, doch e6-e5 nutzt die Fesselung auf der d-Linie aus und gewinnt einen Bauern. Der nächste weiße Zug ist daher forciert, aber er schwächt die weiße Königsposition erheblich.
30.f4 b6 31.Tb4 b5 32.a4 bxa4 33.Da3 a5 34.Txa4 Db5 35.Td2 e5!
Karpov verzichtet auf evtl. Bauerngewinn mittels ...f6 und ...e5 und schätzt seinen Angriff gegen den offenen König als gewinnträchtig ein, da die Dame auf a4 und der Turm auf a3 aus dem Spiel sind.
36.fxe5 Txe5 37.Da1 De8 38.dxe5 Txd2 39.Txa5 Dc6 40.Ta8+ Kh7 41.Db1 g6 42.Df1 Dc5+ 43.Kh1 Dd5+ 0-1 (44.Kg1 Td1).
 
Ergänzend zu jeder der 29 Lektionen gibt es eine Datenbank mit Stellungen und Partien, die das ausgewählte Thema vertiefen und intensiver beleuchten. Die Zielgruppe für diese gelungene, sehr unterhaltsame CD-Rom ist einfach auszumachen. Sie eignet sich für Schachspieler jeglicher Spielstärke, die Freude an ausführlich kommentierten Partien haben.
 
Peter Schreiner
 
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