Das Königsgambit

Autorin: Eva Moser, Preis: 24.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner – März 2006

Wer das Schachspiel gut beherrschen und verstehen will, sollte sich nicht nur mit aktuellen Eröffnungssystemen und Partien beschäftigen. Das Königsgambit ist ein echter Klassiker des Schachspiels. Nach 1.e4 e5 wird mit dem Zug 2.f4 direkt eine der taktisch brisantesten Eröffnungen angesteuert, die es überhaupt gibt. Die Gefährlichkeit des Königsgambits wurde bereits im 16. Jahrhundert erkannt. In der Folgezeit wurden unzählige Turniere ausschließlich dieser Eröffnung gewidmet. In diesen Thementurnieren gab es von Seiten der Veranstalter die Vorgabe, dass jede Partie mit 1.e4 e5 2.f4 beginnen musste.

Woraus bezieht dieses System seine Brisanz? Weiß opfert bereits im zweiten Zug einen Bauern und schwächt gleichzeitig seinen Königsflügel. Weiß ist sogar bereit, ein eventuelles Eindringen der gegnerischen Dame zuzulassen. Dies alles nur für eine Öffnung der f-Linie und einer eventuellen Besetzung des Zentrums. Aus dieser Konstellation entwickeln sich in der Regel Kampfpartien, in denen taktische Motive permanent präsent sind. Läuferopfer auf f7, Springeropfer sind typische Motive und kommen in den bekannten Königsgambitpartien immer wieder vor.

Heutzutage haben viele Spieler Vorurteile gegenüber dem Königsgambit. Es wird als unsolide Eröffnung abqualifiziert, in der es für Weiß nicht viel zu holen gibt. Diesen Argumenten muss man entgegenhalten, dass zahlreiche Spieler der Weltspitze diese scharfe Waffe in ihr Eröffnungsrepertoire ausgenommen haben. Spieler wie Steinitz, Tschigorin, Aljechin, Keres, Bronstein und Spassky wussten die Vorzüge dieser Eröffnung sehr wohl zu schätzen und erzielten damit ausgezeichnete Resultate auf hohem Niveau. Heutzutage wenden Großmeister wie Morozevich, Short oder Fedorov das System gerne an, um die ihre Gegner mit dem Zug 2.f4 vor große Probleme stellen.

Das wesentliche Thema des Königsgambits besteht darin, dass es zu einer Abwägung zwischen dynamischen Komponenten und dem Faktor Material kommt. Bauern- und Figurenopfer zur Durchsetzung bestimmter Motive sind keine Seltenheit, daraus resultieren scharfe Kampfpartien. Darüber hinaus schärft diese Konstellation ganz entscheidend das allgemeine Schachverständnis und vor allem das Verständnis für die Gesetzmäßigkeiten des Angriffsschachs.

Die vorliegende DVD stellt damit nicht nur eine komplette Übersicht über die Hauptvarianten und typischen Motive des Königsgambits dar. Der große Reiz der DVD besteht meiner Einschätzung nach darin, dass hier in exemplarischer Weise das Verständnis für dynamische Komponenten des Schachspiels verständlich erklärt wird. Ein weiteres Plus des Königsgambits besteht natürlich darin, dass man seine Gegner damit überraschen kann. In der Regel wird das System bei der Vorbereitung nicht genug beachtet. Die Autorin zeigt auch eigene Partien: in einer setzte sie ihren Gegner bereits im 13. Zug Matt. In welcher Eröffnung sonst kann man gegen einen Turnierspieler so schnell gewinnen?

Großmeisterin Eva Moser präsentiert in insgesamt 22 Lektionen mit drei Stunden Spielzeit die wichtigen Motive und Ideen des Königsgambits. Dabei werden alle wichtigen Varianten sowohl des Angenommenen wie des Abgelehnten Königsgambits ausführlich erläutert und sowohl typische Angriffspläne für Weiß, als auch Verteidigungsmethoden und Kontermöglichkeiten für die schwarze Seite erklärt. Gleichzeitig bekommt man mit den Videolektionen einen schönen Einblick in die Gesetzmäßigkeiten des Angriffsschachs, speziell bei offenen Spielen.

Peter Schreiner

Rochade-EuropaPeter Schreiner