Endspielturbo 2

von ChessBase, Preis: 49.90 Euro
besprochen von Peter Schreiner - März 2004

Eine Schachpartie wird in drei Phasen unterteilt: Eröffnung, Mittel- und Endspiel. Beim Einsatz von Schachprogrammen zeichnet sich die Entwicklung ab, dass die unterschiedlichen Engines vor allem im Mittelspiel selbständig agieren. In der Eröffnungsphase greifen die Programme auf immer größere und ausgefeiltere Eröffnungsbibliotheken zu, im Endspiel hat sich das Format der Endspieldatenbanken (= Tablebases) von Eugene Nalimov als Standard etabliert. Die Idee, Endspieldatenbanken einzusetzen, ist nicht neu. Vor über 10 Jahren veröffentlichte der Computerschachpionier Ken Thompson eine Serie von Endspieldatenbanken. Durch ein spezielles Komprimierungsverfahren passten die wichtigsten Endspiele auf vier CDs.

Diesen Endspieldatenbanken verdankte die Endspieltheorie wichtige neue Erkenntnisse. So konnte bewiesen werden, dass das Endspiel 2 Läufer gegen Springer grundsätzlich gewonnen ist, oder dass in einigen Endspielen wie 2 Läufer gegen Springer oder 2 Springer gegen Bauer mehr als 50 Züge bis zum Gewinn benötigt werden. Der Zugriff auf die Thompson-Datenbanken verlief allerdings statisch. Die in den Thompson-Datenbanken gespeicherten Informationen wurden im Suchprozess des Schachprogramm nur dann genutzt, wenn sich die entsprechende Position auf dem Brett befand.

Die Endspieldatenbanken (= Tablebases) von Eugene Nalimov wurden 1998 veröffentlicht und sind den Thompson-Datenbanken konzeptionell überlegen. Die zur Zeit geläufigen Tablebases enthalten für fast alle wichtigen Drei-, Vier-, Fünf- und Sechssteiner alle möglichen Stellungskonstellationen , die nach einem vorgegebenen Schema systematisiert sind. Für jede mögliche Position innerhalb einer bestimmten Figurenkonstellation ist eine Information über Gewinn, Remis oder Verlust gespeichert. Falls die Stellung konkret gewonnen oder verloren ist, wird zusätzlich noch die maximale Anzahl von Zügen bis zum Matt angegeben.

Ein Schachprogramm mit einer Schnittstelle zu den Tablebases kann also eine absolute präzise Angabe über die Gewinnführung in dem betreffenden Endspiel und im Unterschied zu den Thompson-Datenbanken werden die Werte aus der Endspieldatenbank bereits in der Suche berücksichtigt. Im Unterschied zu den Thompson-Datenbanken müssen die Tablebases zwingend auf der Festplatte installiert sein, damit das Schachprogramm darauf Zugriff während der Suche hat.

Der Lieferumfang des neuen Endspielturbos 2 wird auf fünf prall gefüllte DVD-Scheiben verteilt. Da die Endspieltabellen von der Platte aus betrieben werden, benötigt man über 23 GB freien Plattenspeicher! Den meisten Speicherbedarf erfordern einige der relativ neuen Sechssteiner, die im Lieferumfang des Produktes enthalten sind.

Fast niemand liest gerne Bedienungsanleitungen. Vor dem ersten Einsatz des neuen Endspielturbos sollte man aber trotzdem einen Blick auf die mitgelieferten Dokumentationen im Beiblatt und der Readme-Datei werfen. Mit Hilfe der mitgelieferten TableBase-Engine kann man die Tablebases auch unter dem hauseigenen Datenbankprogramm ansprechen. Damit ein Enginezugriff von Fritz 8 auf die relativ neuen Endspieltypen möglich ist, muss die auf den DVDs mitgelieferte Datei "TBACCESS.DLL" benutzt werden. Man findet diese Datei auf der DVD 1 im Ordner APP. Kopieren Sie diese Datei in das Programmverzeichnis und überschreiben Sie die vorhandene Version, falls die Fritz 8-Engine Probleme beim Zugriff auf die Sechssteiner machen sollte.

In früheren Computerschachzeiten war vor allem das Endspiel die große Schwachstelle im Computerschach. Dank des "Dopings" mit dem neuen Turbo sind die Schachprogramme in diesem Bereich deutlich stärker geworden. Wer sich viel mit Endspielen beschäftigt, erhält mit dem neuen Endspielturbo 2 eine wertvolle Unterstützung für das häusliche Training.

Peter Schreiner

Rochade-EuropaPeter Schreiner