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Diagramm 17-2006
 
Diagramm 17 – 2006
In dieser Stellung verspeiste Weiß ohne Argwohn den Bauern auf e5. Dieser war jedoch vergiftet. Was hatte Weiß übersehen?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Die Schule der Elementartaktik
Autor: Martin Weteschnik, Preis: 49.90 DM
besprochen von Peter Schreiner - April 2001
 
Jedem Schachpraktiker ist die Bedeutung des Elements Taktik in der Schachpartie aus eigenen Erfahrungen bewusst. Zum Thema Eröffnung, Endspiel oder Schachstrategie findet man eine Vielzahl von Abhandlungen, die sich mehr oder weniger systematisch mit der Materie auseinandersetzen. Die Analysen vieler Fortsetzungen reichen heutzutage auf Topniveau bis in das Mittel-, teilweise sogar weit bis in das Endspiel hinein. Was den immens wichtigen Bereich der Schachtaktik angeht, herrscht immer noch die Ansicht vor, dass dieses Feld nur schwer zu klassifizieren ist.
 
Es ist sicher richtig, dass es bei taktisch geprägten Spielsituationen in erster Linie auf die Fähigkeit ankommt, präzise und über mehrere Halbzüge hinaus vorauszuberechnen. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich viele Lehrbücher über Taktik vor allem mit Methoden beschäftigen, welche die Fähigkeit zur exakten Vorausberechnung schulen. Einen anderen Ansatz verfolgt Autor Martin Weteschnik mit der vorliegenden CD-Rom.
 
Er geht zu Recht davon aus, dass vor einer erfolgreichen Anwendung eines kombinatorischen Motivs zuerst einmal die Grundlage, bzw. das Motiv geläufig sein muss. Erst wenn man die Grundlagen kennt und beherrscht, kann man eine Technik oder ein bestimmtes Verfahren auch erfolgversprechend in der Praxis umsetzen. Dieses pädagogisch anerkannte Prinzip wird auf der vorliegenden Trainings-CD sehr instruktiv und anschaulich umgesetzt.
 
Zuerst einmal wurde von dem Autoren eine Klassifizierung der einzelnen Kombinationsmotive vorgenommen:
 1. - der Bewegungshorizont
 2. - der Doppelangriff
 3. - der Abzug
 4. - die Fesselung
 5. - das Matt
 6. - der Tempogewinn/Zwischenzug
 7. - das Nachlademotiv
 8. - die Linien
 9. - der Röntgenangriff
10.- Statusuntersuchung
 
Zu jedem Thema werden die einzelnen Basiselemente des Motivs gründlich und anhand vieler Beispiele mit ausführlichem Text und instruktiven Beispielen erklärt. Gegenüber einem klassischen Schachbuch bietet die CD bedeutend mehr Komfort und ist bei weitem vorzuziehen. Zu jeder Klassifikation gibt es zuerst einmal eine persönliche Einführung in das Thema durch den Autor mit Hilfe eines Videos. Im ausführlichen Datenbanktext wird dann das jeweilige Motiv in seine einzelnen Bestandteilen "seziert." Als sehr gelungen beurteile ich den sinnvoll strukturierten Aufbau der Lektionen, die dem Anwender die Gelegenheit bieten, sämtliche Komponenten der Kombination gründlich kennenzulernen.
 
Innerhalb des Datenbanktextes befinden sich Grafiken, Diagramme und natürlich Verknüpfungen zu Schachpartien oder Stellungen, die das jeweilige Thema besonders instruktiv unterstreichen. Mit einem Klick kann man die Partie auf das Schachbrett übertragen und nachspielen. Auf dem Schachbrett werden die jeweiligen Kräftekonstellationen oder wichtige Felder sehr anschaulich mit grafischen Elementen gekennzeichnet; eine Hilfestellung, die dem Anwender das rasche Verständnis für das Kernproblem nochmals erleichtert.
 
Auf der CD findet man zusätzlich noch eine Trainingsdatenbank mit 174 ausgewählten und kommentierten Positionen. Der Anwender sollte im Idealfall zuerst versuchen, die Lösung selbständig zu finden. Erst wenn ihm das nicht gelingt, wird die Lösung mit ausführlichen Texterklärungen angezeigt.
 
Nach Durchsicht der einzelnen Kapitel kann man dem Autoren bescheinigen, dass es ihm gelungen ist, den relativ komplizierten Mechanismus der unterschiedlichen Kombinationsmotive für den Anwender verständlich herauszuarbeiten. Jedes Kapitel zeigt, aus welchen Bestandteilen das jeweilige Element besteht und wie es funktioniert. Ein Anwender, der sich intensiv mit der CD beschäftigt, dürfte einiges für sein kombinatorisches Können und taktisches Verständnis hinzugewonnen haben.
 
Aufgrund der gelungenen Systematik dürfte diese Methode viel zielführender sein, als das einfache Lösen von Kombinationen. Darüber hinaus bietet der Autor einen hochinteressanten Ansatz zur Systematisierung bei der Untersuchung eines Stellungsproblems. Die Basisüberlegung geht davon aus, dass es nicht nur genügt, die einzelnen Bestandteile zu kennen und zu verstehen, sondern diese miteinander zu verknüpfen. Dazu ein Beispiel von der CD-Rom:
Borisenkow - Mezenew, UdSSR 1950
 
Es sieht so aus, als ob Weiß beide Bauern kontrollieren würde. Jeder Brettabschnitt ist jeweils von einem Teil der weißen Kräfte kontrolliert. Der weiße König bewacht den Läufer und Bauern auf b3. Der weiße Turm droht beim Vormarsch des f-Bauern hinter dem König auf der f-Linie Schach zu geben und sich zu opfern, um dann sogar mit dem verbleibenden h-Bauern noch gewinnen zu wollen! Die einzige Möglichkeit dem Turmschach zu begegnen, ist nach theoretischer Bestandsaufnahme der vorhandenen - aber anscheinend nicht zur Verfügung stehenden - Teile ein Dazwischenziehen des Läufers auf f5. Bewegt sich aber der Läufer, um dem König Schutz zu geben, würde ihn der schwarze König sofort eliminieren.
 
Nach Betrachtung der einzelnen Teile sollten wir zu dem Schluss kommen, dass diese Partie sich schon zu Gunsten (Zugzwang) von Weiß geneigt hat. Aber wir haben den Zusammenhang der einzelnen Teile miteinander, unterschlagen! Erst mit dem Zusammenwirken aller Teile erschließt sich das Ganze! Die Auswirkung der einzelnen Teile auf anderes erst erschließt die Lösung, den Sinn der ganzen Position. Die Verbindung und Auswirkung zeigt neue Möglichkeiten des Motiveinsatzes (z.B. Zwischenzug und Tempogewinn).
 
Der Geist, der dazwischen andere Ordnungen schafft (und erhält!?), wird uns erst mit der Verknüpfung unserer Einzeluntersuchungen erschlossen. Hier sehen wir wieder, welche Anforderungen an eine Systematik gestellt werden müssen: die einzelnen Teile müssen in Beziehung zueinander gesetzt werden und jeder Status bzw. jede Veränderung muss methodisch in Zusammenhang mit anderen Teilen und dem Ganzen gebracht werden.
 
1...f2! 2.Tg8 Lb1! 0-1 der Zwischenzug, die Verbindung der Bretteile, die den weißen König auf ein Feld, bzw. Linie zwingt, wo ein entscheidendes Tempo gewonnen wird.
 
Fazit: eine exzellente, originelle Abhandlung zum Thema Taktik, die sich ideal für das Selbststudium und als Arbeitsgrundlage für Schachtraining eignet. Für Anfänger ist die Abhandlung meiner Ansicht nach zu komplex. Zielgruppe ist eindeutig der erfahrene Schachspieler, der schon einige Erfahrung im praktischen Spiel besitzt und gezielt sein taktisches Können verbessern will.
 
Peter Schreiner
 
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