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Diagramm 19-2006
 
Diagramm 19 – 2006
Die schwarzen Figuren stehen äußerst aktiv. Nun gilt es loszuschlagen. Haben Sie eine Idee, wie Schwarz seinen Gegner zur Aufgabe zwang?
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Rochade-EuropaPeter Schreiner
 
 
Damengambit mit 5.Lf4
Autor: GM Rustem Dautov, Preis: 25.50 Euro
besprochen von Peter Schreiner - Dezember 2001
 
Das orthodoxe Damengambit erfreut sich seit vielen Jahrzehnten großer Beliebtheit in der Turnierpraxis. Die aus dem orthodoxen Damengambit resultierenden Systeme stellen nach wie vor eine der solidesten Entgegnungen für den Nachziehenden dar. Wer sich als Weißspieler auf das Abspiel nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 Le7 5.Lg5 einlässt, muss sich mit einer Vielzahl von möglichen Entgegnungen gut auskennen.
 
Die Alternative im 5. Zug nach 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 Le7 5.Lf4 erscheint auf den ersten Blick nicht ganz logisch, da sie keinen Druck auf den Verteidiger des Feldes d5, den Sf6, ausübt. Andererseits bietet das System den klaren Vorzug, dass es weit weniger erforscht als die gängigen Hauptvarianten nach 5.Lg5 ist.
 
Eine Prüfung des Systems mit 5.Lf4 in der Megabase 2001 zeigt einen deutlichen Trend auf: im Vergleich zu der klassischen Fortsetzung mit 5.Lg5 ist das System 5.Lf4 ist in den letzten Jahren außerordentlich populär geworden. Ein Hauptgrund für diesen Trend dürften die soliden Resultate der Nachziehenden mit der Tartakower-Variante und dem Lasker-System sein (5.Lg5 0-0 6.e3 h6 7.Lh4 b6 bzw. 7...Se4).
 
Welchen Unterschied macht nun der Umstand, dass der Läufer auf f4 statt auf g5 steht? Das wichtigste Merkmal besteht vor allem darin, dass der Nachziehende bei 5.Lf4 nur sehr selten zum Abtausch der schwarzfeldrigen Läufer kommt, ein Motiv, dass bei 5.Lg5 in diversen Abspielen häufig mittels Sf6-e4 realisiert wird und zu einer Verflachung des Spiels führt. Nach 5.Lf4 ist dies nur sehr selten der Fall und die Partien verlaufen komplizierter und zumeist gehaltvoller.
 
Ein weiteres unterschiedliches Merkmal in den klassischen Systemen ist der schwarze Vorstoß c7-c5, der vom Nachziehenden häufig in den Systemen mit 5.Lf4 gespielt wird. Aus dem Angriff auf den Punkt d4 resultiert häufig ein schwarzer Freibauer auf d4, dessen Blockade durch den Anziehenden ein typisches Motiv in diesem System darstellt. Ansonsten kann man festhalten, dass dieses System sehr vielfältige Möglichkeiten bietet. Man findet Partien mit trockenem Positionsspiel gegen den Isolani genauso häufig wie z.B. scharfe Mattangriffe.
 
In der Turnierpraxis wurde 5.Lf4 von dem englischen Großmeister Joseph Henry Blackburne etabliert, der diesen Zug im 19.Jahrhundert häufig anwandte. Der Autor dieser CD, GM Rustem Dautov, gehört seit vielen Jahren der deutschen Nationalmannschaft an und wendet 5.Lf4 erfolgreich in der eigenen Turnierpraxis an. Der Eröffnungskurs ist in 12 unterschiedliche Kapitel unterteilt. Konkret behandelt Rustem Dautov alle Hauptabspiele nach 5.Lf4 0-0:
6.e3 a6
     b6
     c6
   Sbd7
     c5 7.dxc5 Lxc5 8.Le2
                    8.a3 Sc6 9.Tc1 dxc4 10.Lxc4 Dxd1+
                    8.cxd5 Sxd5 9.Sxd5 exd5 10.a3
                    8.Dc2 Sc6 9.a3 Da5 10.Sd2
                                       10.0-0-0
                                       10.Td1 Le7 11.Sd2
Bei der Sichtung der Daten wird klar, dass der Autor bei der Auswahl der Partien den Schwerpunkt vor allem auf die Sicht des Weißspielers gelegt hat. Wer mit Schwarz das Damengambit spielt, wird aus den tiefschürfenden Analysen von Rustem Dautov ebenfalls großen Nutzen ziehen können. Zumindest muss er auf die Anwendung von 5.Lf4 durch den Gegner vorbereitet sein und sich mit den typischen Ideen und Plänen auskennen.
 
Auf der CD befinden sich insgesamt 3657 Partien, davon sind 255 ausführlich kommentiert. In den 3636 vollständigen Partien dieser CD erreichte Weiß mit 5.Lf4 sagenhafte 63% der möglichen Punkte. Fast die gesamte Weltelite hat schon einmal das System 5.Lf4 angewandt. Mit Weiß wird es regelmäßig vor allem von M. Gurevich (84%, +22 =10, eine phänomenale Leistung!) und Van Wely (61%, +14 =16 -6) gespielt. Ebenfalls eine großartige Leistung bei weniger Partien weisen folgende Weißspieler auf: Kramnik (80%, +9 =6), Kasparov (79%, +4 =3), Topalov (69%, +4 =3 -1) sowie Bareev (75%, +5 =5).
 
Wie bei den Trainings-CDs von ChessBase üblich, kann der Anwender nach dem klassischen Lernprinzip "Learning by doing" seine frisch erworbenen Kenntnisse mit Hilfe einer Trainingsdatenbank unter turnierähnlichen Bedingungen überprüfen. Die Trainingsdatenbank enthält 20 Stellungen mit typischen Motiven aus dem System 5 Lf4. Hier gilt es, bei begrenzter Bedenkzeit möglichst selbständig den Lösungszug zu finden. Das integrierte Wertungssystem ist ein weiterer Anreiz für den Anwender, sich intensiv mit den Inhalten auseinander zusetzen.
 
Abgerundet wird der Lieferumfang mit einem Positionsbaum, der auf der Basis der mitgelieferten Partien erstellt wurde. Mit Hilfe des Positionsbaums, der unter den aktuellen Schachprogrammen von ChessBase auch als Eröffnungsbibliothek eingesetzt werden kann, ist es kein Problem, seine neu erworbenen Kenntnisse direkt gegen einen der elektronischen Großmeister praktisch auszuprobieren. Die CD leistet vor allem Weißspielern ausgezeichnete Dienste, die eventuell ihr Repertoire komplett auf dieses System umstellen wollen.
 
Bei der Auswahl und vor allem der Kommentierung der Partien beschränkt sich der Autor nicht auf lapidare Variantenkürzel und abstrakte Wertungssymbole. Viele der typischen Ideen und Strategien werden dem Anwender mit ausführlichem Text erklärt. Damit eignet sich diese CD nicht nur für fortgeschrittene Spieler, sondern auch für den Vereinsspieler, der nach neuen Anregungen für die Gestaltung seines Eröffnungsrepertoires sucht.
 
Peter Schreiner
 
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