Italienisch

Autor: Reinhold Ripperger, Preis: 24.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner - Mai 2004

Diese Arbeit fällt unter die Kategorie Schachtraining und behandelt mit der Italienischen Eröffnung eine der ältesten Schacheröffnungen. Dieses gut erforschte Abspiel wurde erstmalig in der "Göttinger Handschrift" um 1490 erwähnt. 1512 hat der Portugiese Damiano in Rom das erste Schachbuch in italienischer Sprache veröffentlicht. "Questo libro e da imparare giocare a Schacchi et de li Partiti" beschäftigt sich unter anderem auch mit der Zugfolge 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5. Etwa um dieselbe Zeit befassten sich mit ihr auch einige italienische Autoren, weshalb sie den Namen "Italienische Partie" erhielt. Aber auch in anderen Ländern Europas beschäftigen sich Schachspieler mit dieser Zugfolge. So wird die Eröffnung beispielsweise in der Schrift des Spaniers Luis Ramirez de Lucena beschrieben.

Die ersten ausführlichen Analysen über die Italienischen Partie veröffentlichten Polerio (1590) und später der Kalabrese Gioacchino Greco (1619). Diese Publikationen stellten einen wertvollen Beitrag zur Theorie dieser Eröffnung dar und förderten ihre weitere Entwicklung. Relativ genaue Analysen sind in der Abhandlung von Lolli, "Osservazioni Teoretico Practiche Sopra il ginoco degli Scacchi" (Modena 1763) zu finden. Lange Zeit herrschte die Ansicht vor, dass der weiße Angriff im Italienischen äußerst gefährlich und die Verteidigung gegen ihn unheimlich schwer ist. Im Laufe der Jahre wurde die Verteidigungstechnik immer weiter verbessert, so dass der Nachziehende der weißen Anfangsinitiative erfolgreich Paroli bieten kann.

Die Italienische Partie ist in der Regel eine zweischneidige Eröffnung, die den Kampf um die Initiative vor allem auf taktischem Wege sucht. Den meisten Varianten liegt die Idee zugrunde, ein mächtiges weißes Bauernzentrum zu errichten, um danach den schwächsten Punkt im schwarzen Lager – das Feld f7 – anzugreifen. Weiß scheut schon im Anfangsstadium der Partie keine Verluste, opfert bereitwillig Bauern, mitunter sogar Figuren, nur um den Gegner in der Entwicklung zu überholen und die Initiative an sich zu reißen. Die Vielzahl von Angriffs- und Gegenangriffsmöglichkeiten macht die Italienische Partie für viele Schachspieler attraktiv, weil ihre regelmäßige praktische Anwendung die Kombinationsfähigkeit des Schachspielers fördert. Zudem kann man die Anwendung dieses Systems vor allem jungen Spielern nur nachhaltig empfehlen, weil sie das Verständnis für elementare Grundlagen wie Zentrum, Entwicklung, Initiative nachhaltig schult.

In der fünf Jahrhunderte andauernden Geschichte dieser Eröffnung gab es natürlich immer wieder grundsätzliche Umbewertungen vieler wichtiger Varianten. Auch im 20. Jahrhundert ist dies nicht anders gewesen. In seinem Werk, "Theoretische Abhandlung über die Italienische Partie", Berlin 1924, behauptete der deutsche Theoretiker A. Ritzen, dass der weiße Angriff dem Anziehenden unbedingt Vorteil einbringt. Der Verfasser ging sogar so weit, den schwarzen Zug 3...Lc5 mit einem Fragezeichen zu versehen. Diese Bewertung ist 1925 von dem prominenten sowjetischen Großmeister Grigori Löwenfisch widerlegt worden. Einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung der Theorie leistete der sowjetische Theoretiker Sek. Als Ergebnis seiner Arbeit erfolgte eine Neubewertung mancher Variante. Eines der wichtigsten deutschsprachigen Werke ist "Die Italienische Partie" von Jakow Estrin aus dem Jahre 1984.

Schachtheorie ist ein nie endender Prozess. Tag für Tag finden auf der ganzen Welt etliche Partien statt, die unser theoretisches Wissen erweitern. Diese Eröffnung spiegelt wie kaum eine andere die Entwicklung des Schachspiels selbst wieder. Deshalb ist die Italienische Partie als Einstieg in die spezielle Eröffnungstheorie bestens geeignet. Jeder gut ausgebildete Schachspieler soll in seiner persönlichen Vervollkommnung die Entwicklung des Schachspiels nachempfinden. Ein großer Vorteil des Systems besteht auch darin, dass sich sowohl ein scharfe taktische Gefechte als auch eher ruhige positionelle Stellungen ergeben können.

Die Aufbereitung des gebotenen Materials lässt an Übersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig. In der Hauptdatenbank mit den zahlreichen kommentierten Partien findet man zu jedem relevanten Abspiel einen ausführlichen Datenbanktext, in dem auf die Besonderheiten des jeweiligen Systems eingegangen wird. Aus den Texten heraus kann man über die entsprechenden Schlüssel direkt auf die relevanten Partien zugreifen. Zwei zusätzliche Datenbanken mit über 44 000 Partien sind im Lieferumfang enthalten und ermöglichen den schnellen Zugriff auf weitere Musterpartien. Die Trainingsdatenbank mit über 160 Fragestellungen zu typischen Motiven dieser Eröffnung hilft dem Anwender dabei, sein Verständnis für die Feinheiten des Systems zu schulen.

Fazit

Ein didaktisch gut aufgebauter Schachlehrgang, der sich ideal zum Erlernen dieser Eröffnung eignet. Da aus Partien mit Italienisch sehr häufig elementare Kombinations- und Strategiemotive enthalten sind, eignet sich die CD exzellent für Übungsleiter und Schachtrainer.

Peter Schreiner

Rochade-EuropaPeter Schreiner