Wiener Partie C23-C29

Autor: Gregory Huber, Preis: 24.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner – Februar 2006

Die vorliegende CD von Gregory Huber behandelt mit dem Läuferspiel (1.e4 e5 2.Lc4) und der Wiener Partie (1.e4 e5 2.Sc3) eigentlich zwei Eröffnungen. Das ist jedoch logisch, denn in bestimmten Abspielen der Wiener Partie lässt man Lc4 nachfolgen und ebenso geht es im Läuferspiel manchmal nicht ohne Sc3. Der Autor spart aber auch weitere mögliche Übergänge – vor allem zu bestimmten Varianten des Königsgambits – nicht aus, so dass die CD ein komplettes Repertoire gegen 1.e4 e5 bietet.

Die Arbeit des Autoren befindet sich in einer übersichtlichen Datenbank von 26 Datenbanktexten und 330 Partien, davon sind 220 vom Autor mit Kommentaren versehen worden. In seinen Datenbanktexten und kommentierten Partien pflegt Huber einen sympathischen Stil, der anschauliche Worte und Sätze bevorzugt, Züge und Varianten eher als notwendiges Übel betrachtet. Daneben gibt es eine große Datenbank mit über 27.000 Partien (knapp 300 kommentiert, die von Huber kommentierten Partien nicht inklusive), eine Trainingsdatenbank mit 124 Trainingsfragen und einen großen Baum aller Partien.

Ein Vorteil dieser Eröffnung besteht zweifellos darin, dass man vom 1.e4 e5-Mainstream – der besteht vor allem aus Spanisch, aber auch Schottisch und Italienisch – abweicht und den Gegner auf nicht so bekanntes Terrain lockt. Einige attraktive Eröffnungsfallen hat man dabei immer in petto. Eine Variante, auf die Weiß hofft, lautet zum Beispiel 1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.Lc4 Lc5?! 4.Dg4! – nun ist der Fehler 4...Df6? sehr beliebt – Angriff und Verteidigung zugleich, was kann daran falsch sein? Doch nach 5.Sd5! Dxf2+ 6.Kd1 sind die weißen Aussichten erheblich größer.

Diagramm Ein weiteres Beispiel:
1.e4 e5 2.Lc4 Sf6 3.d3 c6 4.Sf3 d5 5.Lb3
Nun gibt 5...dxe4? 6.Sg5! (nicht 6.Sxe5?? Da5+) 6...Le6 7.Sxe6 fxe6 8.Lxe6 Weiß einen zwar kleinen, aber dauerhaften Positionsvorteil.

Wenn Sie aber nie 1.e4 spielen und höchstens als Schwarzer mit 1.e4 e5 2.Lc4 konfrontiert werden, so probieren Sie es doch einmal mit 2...f5!? Königsgambit mit einem Tempo weniger – das kann doch nicht gut sein, meinen Sie? So einfach ist es nicht, denn nach 3.exf5 Sf6 nebst d5 hat Schwarz das Tempo in einer günstigen Variante schnell zurück, und 3.Lxg8 Txg8 ist der eigentliche Witz: denn egal ob 4.Dh5+ oder 4.exf5 d5 5.Dh5+, Weiß wird sich an dem Bauerngewinn nicht erfreuen können. Da bleibt nur 3.d3, was Schwarz aber nicht richtig fürchten muss.

Der Autor, der kanadische FIDE-Meister Gregory Huber legt mit dieser CD sein Erstlingswerk bei ChessBase vor. Die Abhandlung eignet sich aufgrund der transparenten Darstellung mit den ausführlichen Texten exzellent für das häusliche Eröffnungstraining.

Peter Schreiner

Rochade-EuropaPeter Schreiner