Caro-Kann: Panow-Angriff + Abtauschvariante

Autor: Zoran Petronijevic, Preis: 24.99 Euro
besprochen von Peter Schreiner – Februar 2005

Der internationale Meister Zoran Petronijevic beschäftigt sich auf dieser CD mit der wohl schärfsten Waffe gegen die grundsolide Caro-Kann Verteidigung, dem Panow-Angriff. Mit dem Panow-Angriff (3.exd5 cxd5 4.c4), attackiert Weiß sofort das Zentrum und erhält freies Figurenspiel. Im Gegenzug muss er dafür Positionen mit dem isoliertem Bauern d4 in Kauf nehmen. Ein zweites Thema der CD ist die Abtauschvariante, in der Weiß zwar auf d5 tauscht, aber dann nicht c4 spielt. Sie gilt als harmlos, hat aber durch Fischers großartigen Sieg gegen Petrosian (Belgrad 1970) eine beachtliche Popularität erlangt. Sie wird gern von Spielern angewandt, die kein Risiko eingehen wollen.

Der Zug 3.exd5 ist seit langem bekannt. Ursprünglich war er mit der Idee verbunden, das Zentrum mit c3 zu stabilisieren und durch rasche Entwicklung eine zufriedenstellende Position einzunehmen Die nach 3.exd5 entstehenden Stellungen – vor allem der Panow-Angriff – sind sehr dynamisch. Diese Variante wird vor allem von Spielern bevorzugt, die ein komplexes Spiel anstreben und für die der Besitz der Initiative extrem wichtig ist. Der Panow-Angriff wurde sehr häufig von den Weltmeistern Aljechin und Botwinnik angewandt.

Die prinzipiellen Ideen und Angriffsmotive, speziell mit dem Isolani auf d4 sind gut erforscht und systematisiert. Weiß hat zwei prinzipielle Pläne. Sein erster Plan (der ältere) in der Abtauschvariante besteht darin, dass er versucht, das Zentrum mit c3 zu konsolidieren (in der Regel nach 4.Ld3) und anschließend seine Figuren entwickelt. Der Weiße entwickelt sich mit dem Schema Ld3, Sf3, 0-0, Lf4 (oder Lg5) und Db3. In der Praxis zeigt sich aber, dass mit diesem Plan die »Festung« nur schwer zu erschüttern ist, weil Schwarz sich dagegen relativ bequem verteidigen kann. Der zweite Plan des Weißen ist aggressiver und erfolgversprechender. Mit dem Zug 4.c4 greift er umgehend das Zentrum an und führt dynamische Stellungen herbei, die an den Nachziehenden wesentlich größere Anforderungen stellen.

Der Autor bietet mit der vorliegende akribischen Fleißarbeit eine hervorragende Anleitung für das Studium der typischen Motive und Pläne für beide Seiten. Hervorheben möchte ich zuerst einmal die 145(!) Datenbanktexte, die Anfang der Liste stehen. Diese Texte dienen gleichzeitig als Inhaltsverzeichnis und bieten dem Anwender zu jedem Abspiel eine genaue Erklärung der wesentlichen Stellungsmerkmale. Insgesamt 800(!) ausführlich kommentierte Partien helfen dabei, die typischen Motive und Wendungen genau zu verstehen.

Insgesamt sind über 25.000 unkommentierte Partien auf der CD zu den beiden Varianten enthalten. An welche Zielgruppe wendet sich der Autor mit dieser akribischen Fleißarbeit? Vereinsspieler, die diese Varianten in ihr Repertoire aufnehmen wollen, finden viele grundsätzliche Erläuterungen und Erklärungen. Etliche typische Bauernstrukturen, die in der jeweiligen Variante entstehen können, sind hervorgehoben und die grundsätzlichen Ideen für beide Seiten erläutert und mit Beispielen versehen. Die einzelnen Datenbanktexte weisen auf die wichtigen Motive hin und gehen sehr detailreich auf die stellungsgemäßen Pläne ein.

Sehr gelungen finde ich die Auswahl der kommentierte Modellpartien, die beim Studium der Varianten sehr hilfreich sind. Alle Varianten sind mit einleitenden Datenbanktexten versehen, die Erläuterungen, Links auf die Eröffnungsschlüssel, andere Varianten und die wichtigsten Partien enthalten. Der beste Zug wird jeweils am Ende des Textes erörtert. Am Ende jedes Textes steht eine Zusammenfassung mit kommentierten Partien. Spieler die sich schnell mit den grundsätzlichen Ideen dieser Variante vertraut machen wollen, haben die Möglichkeit, sich auf den Abschnitt mit den Modellpartien zu beschränken.

Da Eröffnungen dynamisch sind und sich das Material oft ändert, sind Ideen das Wichtigste. Obwohl viele Varianten aus klassischen Partien altmodisch geworden sind, tragen sie erheblich zum besseren Verständnis der Entwicklung der Eröffnung und moderner Ideen bei. Deshalb sind klassische Partien wertvoll. Besonders wichtig sind die graphischen Kommentare der ChessBase-Grafik, welche die Pläne deutlicher und für den Anwender transparenter machen.

Die Datenbank wurde vom Autoren mit einem verfeinerten Eröffnungsschlüssel klassifiziert. Die feine Strukturierung und Auswahl der in der Datenbank enthaltenen Partien machen die CD auch für sehr starke Spieler interessant, in deren Repertoire die untersuchten Abspiele des Caro Kann vorkommen. Abgerundet wird die CD mit einer Trainingsdatenbank, die sich an Spieler jeder Spielstärke wendet.

Fazit: Eine exzellente Abhandlung über die Abtauschvariante und den Panow-Angriff im Caro Kann, die mit vielen Modellpartien das Verständnis für die Behandlung dieser Systeme schult und damit alle Voraussetzungen für die erfolgreiche Anwendung in der Praxis bietet.

Beispielpartie

Zur Verdeutlichung können Sie sich die sehr ausführlich kommentierte Beispielpartie zwischen Botvinnik und Konstantinopolsky anschauen und am Seitenende downloaden. Damit das Diagramm immer sichtbar bleibt, besteht die Seite aus einem Frameset. Um die Partie nachspielen zu können müssen Sie Javascipt aktiviert haben.

Peter Schreiner

Rochade-EuropaPeter Schreiner