Anwendertipps zu Fritz

Teil 10, von Peter Schreiner – Januar + April 2006

Stellungserklärer

Eine ganz neue Funktion in Fritz 9 ist der »Stellungserklärer«. Diese Funktion basiert auf einer eigenen Schachengine und steht sowohl im Schachprogramm als auch auf Schach.de zur Verfügung. Im Gegensatz zu anderen Engines wird kein numerischen Wert zur Stellungsbewertung ausgegeben, sondern in sprachlicher Form auf bestimmte Merkmale der Stellung hingewiesen.

Die Funktion ist in erster Linie für Neulinge gedacht, um auf kritischen Partiemomente hinzuweisen. Fortgeschrittene Spieler werden die Funktion beim Betrachten von Partienübertragungen auf dem Fritzserver im neuen Multibrett nützlich finden. Sie ist deshalb interessant, weil sie beim Anklicken eines Brettes direkt in Sprachform auf das kritische Partiemoment aufmerksam macht.

3D-Darstellung optimieren

Neu in Fritz 9 sind die animierten 3D-Ansichten vom Schachtürken und der Roboterfigur Mia. Für den flüssigen Ablauf dieser Darstellungen ist eine leistungsfähige Grafikausstattung erforderlich. Die 3D-Darstellung fordert von der CPU Ressourcen an. Man kann die Performance der grafischen Darstellung in Fritz 9 im Dialog 'Einstellungen - General' beeinflussen.

Über den Schiebeschalter legt man fest, in welchem Umfang die CPU für das Rendern der Darstellung in Anspruch genommen wird. Wenn die 3D-Engine auf einen hohen Wert eingestellt wird, stehen diese Ressourcen der Schachengine nicht zur Verfügung. Dies führt zu einer Abschwächung der Schachengine. Wenn die Schachengine in der 3D-Ansicht hohe Spielstärke erbringen soll, stellen Sie einen geringen Wert für das Rendering ein. Beispiel: Wenn Sie den Schalter auf »Weniger« einstellen, wird verstärkt Rechenzeit für Darstellung der Animation angefordert. Umgekehrt stellt »Mehr« weitere Ressourcen für die CPU bereit.

Wenn man in dem Dialog die Anzeige der Bildwiederholfrequenz zuschaltet, sieht man auf Anhieb am linken oberen Bildrand, wie häufig die grafische Darstellung wiederholt wird. Falls Sie ein Multiprozessorsystem einsetzen, wird die Auslastung der 3D Engine auf eine CPU verteilt. Die Ressourcen der übrigen CPUs stehen der Engine uneingeschränkt zur Verfügung. Je nach grafischer Ausstattung kann es dauern, bis der Schachtürke von Programm initialisiert und geladen wird. Man kann den Ladevorgang beschleunigen, wenn vor dem Beenden des Programms eine einfachere 3D-Ansicht wählt. Diese Einstellung wird gespeichert. Wenn man beim nächsten Start den Schachtürken explizit lädt, ist der Ladevorgang schneller.

Trainingsdatenbank erweitern

Parallel zum Fritz-Verzeichnis befindet sich das Verzeichnis Training. Dort befinden sich die beiden Trainingsdatenbanken für das Eröffnungs- und Endspieltraining. Dem Anwender steht die Möglichkeit zur Verfügung, diese Datenbanken zu erweitern, z.B. als Trainingsgrundlage für den Schachunterricht. Betrachten wir einmal konkret die Vorgehensweise zum Erweitern der Endspieldatenbank. Damit Fritz die gespeicherten Positionen in dem Trainingsdialog anzeigen kann, muss man die Positionen in der Datenbank »Endgames« speichern, die sich im Verzeichnis Training befindet.

In ersten Schritt gibt man unter 'Datei - Neu - Stellung aufbauen' die gewünschte Stellung ein. Mit Strg-Shift-A kann man jetzt einen Kommentar zu dem Endspieltyp eingeben, z.B. L+B+B / L+B+B. Partie speichern oder STRG-S und als Zieldatenbank Endgame.cbh im Verzeichnis Training auswählen. Im Dialog zum Abspeichern kann man festlegen, wie der Eintrag später in der Auswahlliste des Trainingsdialoges aussehen wird. Dazu klickt man zuerst auf Rücksetzen, um die Eingabefelder zu leeren. Die Eingabe könnte wie folgt aussehen:
Grafik
Bei der Eingabe ist darauf zu achten, dass man keine Zeichen wie '+' oder '/' benutzt. Ansonsten wird in dem Auswahldialog nicht die Diagrammstellung, sondern die Grundstellung angezeigt. Mit dieser Vorgehensweise kann man eine übersichtlich strukturierte Trainingsdatenbank aufbauen.

Schachtraining mit Fritz 9

Hohe Spielstärke im Schach resultiert auch aus der Fähigkeit, die Kräftekonstellationen von Figuren auf dem Schachbrett rasch zu erkennen. Fritz 9 bietet jetzt die Möglichkeit, diese wichtige Fähigkeit gezielt zu trainieren. Drei unterschiedliche Trainingsoptionen stehen unter dem Menü 'Extras - Training' zur Verfügung:

  • Angriffstraining: Hier muss man alle Figuren mit einem Klick markieren, die geschlagen werden können.
  • Schachtraining: Hier muss man alle Figuren mit einem Klick markieren, die durch einen Zug ein Schach geben können.
  • Verteidigungstraining: Hier muss der Anwender alle Figuren mit einem Mausklick markieren, die ungedeckt sind.

Hinweis: Alle drei Trainingsmodi funktionieren nur in Kombination mit Partiendatenbanken. Positionsdatenbanken, die nur Stellungsfragmente (Positionen) enthalten, werden nicht unterstützt! Bei der Auswahl der Partie demonstriert das Programm Eigenintelligenz und lädt immer diejenige Partiestellung, die für den gewählten Trainingsmodus besonders gut geeignet ist.

Die nachstehend beschriebene Vorgehensweise ist für alle drei genannten Trainingsmodi ist gültig. Aktivieren Sie z.B. unter 'Extras - Training' den Eintrag Angriffstraining. Es erscheint der nachstehend abgebildete Dialog:

Im Einleitungstext wird die Aufgabe definiert. Im Taktiktraining muss man z.B. alle Figuren mit einem Mausklick markieren, die geschlagen werden können. Unter 'Datenbank' wählt man die Datenbank aus, aus der das Programm die passenden Beispiele herausfiltern soll. Klick auf den Button mit den drei Punkten startet den Dateiauswahldialog von Windows. Wählen Sie jetzt die gewünschte Datenbank aus.

Unter 'Nächste Partie' legt man die Partienummer fest, ab der die in der Datenbank gespeicherte Partie geladen wird. Dies ist insbesondere bei großen Datenbanken mit vielen Partien nützlich. Diese Einstellung wird gespeichert. 'Minuten' definiert die maximale Zeit für die Umsetzung der Lösung. Wenn z.B. der Wert 1 eingestellt wurde, wird nach einer Minute die Lösung für die ausgewählte Aufgabe angezeigt. Wurde die Aufgabe korrekt und vollständig gelöst, lädt das Programm umgehend die nächste Partie mit einer neuen Aufgabenstellung. Mit einem Klick auf OK wird diejenige Partiestellung geladen, die für die Aufgabenstellung am besten geeignet ist.

Die vom Anwender vorgenommenen Eingaben werden mit grüner Farbe auf dem Schachbrett gekennzeichnet. Nach dem Ablauf der eingestellten Lösungszeit wird der Dialog mit dem Ergebnis des Taktiktrainings und die Lösung angezeigt. In der Ergebnisanzeige das Programm alle in der vorgegebenen Aufgabenstellung korrekte Lösungen mit gelber Farbe. Da die vom Anwender vorgenommenen Eingaben in grüner Farbe dargestellt sind, erkennt man auf Anhieb, welche Möglichkeiten nicht markiert, bzw. übersehen wurden. Fehlerhafte Eingaben werden vom Programm mit roter Farbe gekennzeichnet. Hier sieht man auf Anhieb, wo man eine fehlerhafte Eingabe getätigt hat.

Ergebnis Taktiktraining

Das Programm zeigt die Resultate für alle drei Trainingsmodi in einem Dialog an.

Das oben gezeigte Ergebnis ist wie folgt zu interpretieren:

  • Bei der letzten Einheit wurden 13 Figuren pro Minute richtig markiert.
  • Durchschnittlich wurden sechs Figuren pro Minute bewältigt.
  • Das beste Ergebnis war bisher 17 Figuren pro Minute.

Hinweis: Sollten in einer Aufgabenstellung Fehleingaben vorkommen, vergibt das Programm dafür keine Punkte. Damit soll vermieden werden, dass der Anwender durch Zufallseingaben ( Motto: Einfach mal klicken, vielleicht ist es ja richtig) höhere Wertungen erzielt. Zusätzlich wird die Konzentration für die jeweilige Aufgabenstellung geschärft. Wenn Sie auf das Punktesystem keinen Wert legen, können Sie nach vorgenommener Eingabe durch einen Klick auf den Button 'Stopp' am oberen Bildschirmrand über dem Schachbrett sofort die Lösung einsehen.

Zusammenfassung:
  • Grün markiert die Eingabe des Anwenders.
  • Gelb zeigt die richtigen Lösungen an.
  • Rot zeigt eventuelle Fehleingaben.

Anzeigeprobleme im Enginefenster

In seltenen Fällen kann es unter Windows XP vorkommen, dass im Enginefenster die Anzeige für Rechentiefe, Stellungsbewertung usw. verschwommen oder unscharf dargestellt wird. Nicht alle Grafiktreiber können die Aktualisierung dieser Anzeigen korrekt darstellen. Das Problem kann man in der Regel beheben, wenn man unter 'Extras - Optionen' die Einstellung 'XP-Stil' deaktiviert.

Option Brett drehen

Wenn man mit Fritz eine neue Partie startet, wird in der Regel automatisch das Schachbrett um 180 Grad gedreht. Bei jedem Neustart werden also abwechselnd die weißen und die schwarzen Figuren am unteren Bildrand aufgebaut. Im Support wird relativ nachgefragt, wie man das abstellen kann. Die Einstellung kann man unter den Programmoptionen ändern. Unter 'Extras - Optionen - Partie' gibt es den Eintrag 'Brett drehen bei neuer Partie'. Wenn Sie die Option deaktivieren, werden bei jeder neuen Partie immer die weißen Steine aus Sicht des Anwenders am unteren Bildrand gesetzt.

Fritz und das Powerbook 2006

Das Powerbook 2006 enthält einen Positionsbaum mit weit über 18 Millionen Eröffnungspositionen. Damit erhält man einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Eröffnungstheorie. Die transparente Struktur des Baumformates mit den zahlreichen eingebetteten Statistiken macht eine Auswertung von eröffnungstheoretischen Fragen besonders einfach. In Kombination mit Fritz & Co oder ChessBase 8/9 kann man jederzeit per Mausklick prüfen, ob eine bestimmte Stellung schon einmal in der Praxis vorkam und welche Erfolgsaussichten bestimmte Fortsetzungen bieten.

Unter Fritz kann man den Positionsbaum direkt mit einer Datenbank verknüpfen und zusätzlich zu den statistischen Angaben des Baums direkt die entsprechenden Vergleichspartien einer Eröffnungsvariante aus der Datenbank herausfiltern. Dazu lädt man unter Fritz & Co sowohl das Powerbook 2006 als auch die mitgelieferte Datenbank. Wenn man zu einer interessanten Stellung direkt die korrespondierenden Vergleichspartien sehen will, hilft ein Rechtsklick in das Buchfenster weiter. Der Menüpunkt 'Finde Partien' listet umgehend alle Partien auf, in denen die aktuelle Brettstellung enthalten ist. Damit kann man sich anhand der Vergleichspartien zusätzlich orientieren, welche typischen Strategien in dem Eröffnungssystem angewandt wurden.

Alle Züge erklären

In Hilfemenü von Fritz gibt es die Funktion 'Alle Züge erklären'. Diese Funktion bietet eine Auflistung der legalen Zugmöglichkeiten inkl. einer kurzen Texterklärung. Natürlich ist diese Funktion in erster Linie für Anfänger interessant. Sie bietet aber auch für die Analyse einer Stellung nützliche Dienste. Die Reihenfolge der gelisteten Züge basiert auf der Qualität der Fortsetzungen. Das Programm listet die besten Züge am Anfang der Liste auf, während die minderwertigeren Fortsetzungen am Ende der Liste aufgeführt werden. Das kann z.B. bei der Analyse von Eröffnungszügen nützlich sein.

Peter Schreiner

ChessBasePeter Schreiner