Anwendertipps zu Fritz

Teil 8, von Peter Schreiner – März, Mai + Juli 2004

Drohungen anzeigen

Eine nützliche Funktion beim Nachspielen und Analysieren von Partien unter Fritz oder ChessBase ist die Option, sich Drohungen von einer mitrechnenden Engine direkt anzeigen zu lassen. Nehmen wir an, Sie spielen in ChessBase 8 oder Fritz 8 eine Partie nach und die Engine von Fritz 8 rechnet im Hintergrund eifrig mit. Mit einem Rechtsklick in das Analysefenster der Engine wählen Sie aus dem Popup-Menü die Option 'Drohung' aus. Alternativ geht es auch mit den Tastaturkürzeln 'Shift-T' oder einfach mit 'x'.

Der Aufruf der in brauner Farbe angezeigten Drohvariante stellt eine erhebliche Hilfe zum besseren Verständnis der Partie dar. Häufig übersieht man, warum ein Meisterspieler einen bestimmten Zug gespielt hat. Wenn Sie mit vermeintlich unverständlichen Zügen eines starken Spielers konfrontiert werden, ist es ratsam, noch einmal zurückzugehen und die Position mit der Funktion Drohung zu überprüfen.

Stellungen ausspielen

Fritz 8 & Co bieten die Analysefunktion 'Stellung ausspielen'. Eine oder mehrere Schachengines spielen von der vorgegebenen Stellung aus gegen sich selbst. Das arithmetische Mittel aller Ergebnisse ergibt eine Stellungsbewertung. Diese Methode ist vor allem für tiefschürfende Analysen im Fernschach sehr gut geeignet. Nachdem die zu analysierende Stellung geladen wurde, nimmt man unter 'Extras–Analyse–Stellung ausspielen' die gewünschten Einstellungen vor.

Im ersten Schritt legt man fest, welche Schachengines für die Analyse zum Einsatz kommen sollen. Dazu klickt man den Button 'Neu' an und wählt in dem Dialog 'Engine laden' die gewünschten Engines mit den spezifischen Parametern aus. Die selektierte Engine wird in der Liste unter 'Teilnehmer' ausgeführt. Sie können mehrere Engines auswählen. Zum besseren Verständnis für diese Analyseform sollte man sich merken, dass die Engines in dem Modus immer gegen sich selbst und nicht gegen die anderen Engines von der vorgegebenen Stellung spielen.

Nach der Auswahl der Schachengines kann man festlegen, ob die Engines mit einer bestimmten Bedenkzeit oder einer fixen Rechentiefe zu Werke gehen sollen. Ein Klick auf 'Blitzpartie' oder 'Lange Partie' ruft den entsprechenden Dialog auf, um die Zeiten einzustellen. Die Option 'Zuglimit' begrenzt die Partielänge (in Halbzügen). Ist das Zuglimit erreicht, wird die Partie abgebrochen und mit entsprechendem Bewertungssymbol gespeichert.

Wenn man eine feste Suchtiefe einstellt, wird für jede Tiefe im eingestellten Wertungsbereich eine Partie gespielt. Beachten Sie, dass hohe Suchtiefen zu entsprechend lange andauernden Partien führen. 'Gerade Suchtiefen überspringen' ändert das Verhalten etwas. Viele Schachprogramme erzielen mit ungeraden Suchtiefen bessere Ergebnisse. Aus diese Grund können gerade Suchtiefen im Wertebereich übersprungen werden.

Nachdem man alle Einstellungen festgelegt hat, startet ein Klick auf OK die Analyse der Stellung. Die folgende Abbildung zeigt ein Beispiel für eine Analyseeinstellung:

Analyse

Ausgehend von der ausgewählten Stellung spielt Fritz 8 eine 15 Minutenpartie gegen sich selbst. Im Anschluss wird die gleiche Position von Shredder 8 mit den gleichen Einstellungen ausgespielt. Die gespielten Partien werden automatisch in der Datenbank 'Shootout' gespeichert und können nachgespielt werden. Die Stellungsanalyse bietet damit eine wertvolle Orientierungshilfe, um die Behandlung eines Stellungstyps besser zu verstehen.

Partieaufgabe einstellen

Fritz und seine Kollegen sind Schachprogramm mit Etikette. In der Regel wird es sehr selten vorkommen, dass Fritz in eine aussichtslose Spielsituation kommt. Ein berühmter Spieler hat einmal gesagt, dass man die Klasse eines Spielers auch am Zeitpunkt seiner Aufgabe erkennt. Dieser Standpunkt wurde auch von den Entwicklern des Programms berücksichtigt und Fritz vermeidet es daher, eine hoffnungslos verlorene Partien bis zum bitteren Ende durchzuspielen.

In manchen Fällen kann es aber zu Trainingszwecken durchaus sinnvoll sein, wenn die frühzeitige Aufgabe des Programms etwas verzögert wird. Die Aufgabe des Programms kann man unter dem Menü 'Extras–Optionen–Partie' beeinflussen. Unter dem Abschnitt 'Aufgeben' kann man das Verhalten des Pogramms beeinflussen.

Wenn Fritz bis zum bitteren Ende (Matt) durchspielen soll, wählen Sie die Einstellung 'Niemals'. Späte Aufgabe bedeutet, dass das Programm viermal hintereinander eine Bewertung von schlechter als 6,5 Bauerneinheiten für sich sehen muss, bevor es das Handtuch wirft. Bei einer frühen Aufgabe reicht dreimal hintereinander eine Bewertung von schlechter als 4,8 Bauerneinheiten aus. Hinweis: Das Programm gibt nicht auf, wenn es sieht, dass es forciert mattgesetzt wird.

Fritz 8 und der Endspielturbo 2

Info

In Peters Glossar zum PC-Schach erfahren Sie, was die Tablebases sind und wie sie funktionieren.

Alle aktuellen Spitzenprogramme greifen während der Suche auf die Tablebases zu. Die Tablebases enthalten für bestimmte Endspieltypen mit wenigen Steinen (Vier-, Fünf- oder Sechssteiner) jede mögliche Stellung und ihre Bewertung, d.h. die Information ob die Stellung remis oder in einer bestimmten Zugzahl gewonnen ist. Unter Fritz können Sie die Einbindung der Tablebases besonders komfortabel vornehmen. Die Ansteuerung nehmen Sie über den Menüeintrag 'Extras–Optionen–Tablebases' vor. Die Pfade zu den Tablebases geben Sie über den windowstypischen Standarddialog per Mausklick (Button 'Durchsuchen') vor.

Wenn ein solcher Stellungstyp aufs Brett kommt, muss das Programm nicht mehr zu rechnen, sondern ermittelt den besten Zug durch einen Zugriff auf die Datenbank. Der Zugriff erfolgt auch während der Suche des Programms, wenn eine entsprechende Stellung im Suchbaum erscheint.

Der Endspielturbo 2 beinhaltet neben allen praxisrelevanten 3-, 4- und 5-Steinern noch fünf 6-Steiner (TBB-T, LBB-T, SBB-T, TL-SS und DD-DD). Damit ein Zugriff auf diese relativ neuen Endspieltypen möglich ist, muss die auf den DVDs mitgelieferte Datei 'TBACCESS.DLL' benutzt werden. Man findet diese Datei auf der DVD 1 im Ordner APP. Kopieren Sie diese Datei in das Programmverzeichnis und überschreiben Sie die vorhandene Version, falls die Fritz 8-Engine Probleme beim Zugriff auf die Sechssteiner machen sollte.

Die Zugriffsanzeige im Enginefenster erfolgt nur dann, wenn eine Stellung im Suchbaum auftaucht, die auch in den Tablebases gespeichert ist. Das ist bei Stellungen mit einer geringen Anzahl von Steinen auf dem Brett der Fall. In der Eröffnung und dichten Mittelspielstellungen finden Sie deshalb die Information nicht im Enginefenster.

Die Schachengines zeigen zahlreichen Informationen über den Rechenvorgang und die Bewertung einer Stellung im Enginefenster an. Beim Zugriff finden Sie dort eine Angabe 'tb=xxx'. Sie erhalten damit eine konkrete Information über die Anzahl der Positionen, auf die während der Suche in den Endspieldatenbanken (= Tablebases) zugegriffen wurde. Diese Zugriffe kann man mit der oben dargestellten Anzeige ablesen.

Eröffnungsreferenz bei der Vollanalyse

Bei der automatisierten Vollanalyse von Partien mit Fritz & Co. ('Menü Analyse - Vollanalyse') gibt es die Option, neben Varianten und Textkommentaren Hinweise zu dem gespielten Eröffnungssystem zu integrieren. Dazu gibt es den Schalter 'Eröffnungsreferenz'. Fritz kann mit Hilfe einer Referenzdatenbank die Eröffnung der Partie klassifizieren. Das Programm integriert aktuelle Vergleichspartien und kennzeichnet die Stelle, an der die untersuchte Partie von der Eröffnungstheorie abweicht.

Woran liegt es, wenn der Eintrag grau unterlegt und die Funktion nicht aktiviert werden kann? Die Option ist erst dann aktiv, wenn eine Referenzdatenbank ausgewählt wurde. Klicken Sie auf den Schalter 'Eröffnungsreferenz' und wählen Sie in dem Dateidialog die Datenbank aus, die als Referenz für die Eröffnungskommentierung dienen soll. Im Lieferumfang von Fritz ist eine große Partiedatenbank enthalten, die man als Referenzdatenbank einsetzen kann.

Wertungsmodus rücksetzen

Spielt man gegen Fritz 8 Wertungspartien, simuliert das Programm realistische Wettkampfbedingungen. Verführerische Hilfen wie Zugrücknahmen, Anzeige der Hauptvariante usw. stehen bei Wertungspartien nicht zur Verfügung. Alle Ergebnisse werden vom Programm inkl. einer Elozahl gespeichert. Was ist zu tun, wenn man quasi noch einmal ganz von vorne anfangen und alle bisherigen Ergebnisse löschen will?

Alle Ergebnisse der Wertungspartien werden in der Datei 'Rating.dat' gespeichert. Wenn man diese Datei löscht, kann man eine neue Wertungsserie ohne Berücksichtigung der bisherigen Ergebnisse spielen. Der Speicherpfad für die Datei kann je nach Windowsversion unterschiedlich ausfallen. Am einfachsten findet man die Datei, wenn man die Suchfunktion von Windows einsetzt und als Suchkriterium den Dateinamen 'Rating.dat' eingibt.

PGN/EPD-Dateien mit Fritz 8 importieren

Es gibt mehrere Möglichkeiten, mit dem Datenbankmodul von Fritz 8 die vor allem im Internet verbreiteten Partienotationen im PGN-Format zu importieren. Neben dem Weg über die Zwischenablage kann man den Import rasch im Datenbankfenster unter 'Bearbeiten - Partien anhängen' durchführen. In dem Dateidialog muss man lediglich den Pfad zu der PGN-Datenbank angeben und die Partien werden automatisch angefügt.

Info

Beim Basiswissen beschreibt Peter das EPD-Format sehr ausführlich.

Im Gegensatz zu PGN ist vielen Anwendern das EPD-Format, das ebenfalls auf Ascii (reinem Text) basiert und zur Speicherung von Schachpositionen eingesetzt, weniger geläufig. Im Internet findet man z.B. viele Teststellungen im EPD-Format. Die Konvertierung und Übernahme in eine CBH-Datenbank kann man im Datenbankfenster über den Menüpunkt 'Bearbeiten - EPD anhängen' einfach realisieren.

3D-Darstellung anpassen

Die Ansicht 'Reales 3D-Brett' von Fritz 8 ermöglicht auf schnellen Rechnern eine besonders realistische Ansicht des Schachbretts. Mit der nach vorne ausgerichteten Positionierung der Springer in der Grundeinstellung wird nicht jeder Anwender einverstanden sein. Manche Spieler bevorzugen es, wenn die Springer seitlich gedreht auf dem Brett dargestellt werden.

Man kann die Positionierung der Springer beliebig anpassen. Unterhalb des 3D-Brettes befindet sich der Schalter 'Einstellungen'. Damit ruft man einen Optionendialog auf, in dem man die Ansicht benutzerdefiniert anpassen kann. Unter dem Reiter 'Geometrie und Brett' existiert der Abschnitt 'Springer'.

Mit den Schiebeschaltern neben 'Weiß' und 'Schwarz' kann man die perspektivische Darstellung benutzerdefiniert anpassen. 'Mirror' ermöglicht eine Spiegelung der Perspektive für die beiden unterschiedlichen Springer. Bei den anderen Figuren würde eine Änderung der Perspektive keinen Sinn machen.

Peter Schreiner

ChessBasePeter Schreiner