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Diagramm 20-2006
 
Diagramm 20 – 2006
Die Stellung sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Aber Schwarz am Zuge fand eine hübsche Kombination und stellte die Weichen auf Sieg.
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zu www.chessbase.dePeter Schreiner
 
 
Multi-Engine-System Fritz 7
besprochen von Peter Schreiner - Februar 2002 - Teil 1
 
Seit einigen Tagen bietet ChessBase ein brandneues Update für Fritz 7 an, das mit einer Fülle von Erweiterungen daherkommt. Wer über einen Internetzugang verfügt, kann das Update als registrierter Fritz 7-User kostenlos über den F7-Schachserver beziehen. Alternativ kann man das Update mit dem Erwerb des ChessBase-Magazins direkt bei ChessBase oder im Fachhandel bekommen. Für Liebhaber von Schachprogrammen bietet das Multi-Engine-System Fritz besonders vielseitige Möglichkeiten, Schachprogramme zu testen oder damit zu experimentieren.
 
 
Was ist ein Multi-Engine-System?
Zum besseren Verständnis möchten wir zunächst den Begriff Multi-Engine-System präziser definieren. Per Definition sind bei einem Multi-Engine-System die grafische Benutzerschnittstelle und das eigentliche Schachprogramm (= Engine) strikt voneinander getrennt. Die Kommunikation und der Austausch von Informationen, wie z.B. die Anzeige der Stellungsbewertung oder die Übermittlung eines Zuges, werden über ein vordefiniertes Protokoll gesteuert.
 
Programme, die dieses Konzept unterstützen und eine möglichst breite Auswahl an Schachengines bieten, erfreuen sich größter Beliebtheit. Fritz war eines der ersten kommerziellen Programme, das dieses Konzept (ein Interface mit unterschiedlichen Schachengines) zur Verfügung stellte. Eine der Grundlagen für die weite Verbreitung der letzten Fritz-Versionen besteht darin, dass es für diese GUI unstrittig die spielstärksten Engines gibt. Fast alle Top-Programme, wie Fritz, Shredder, Junior, Chess Tiger, Hiarcs, Nimzo usw. laufen mit uneingeschränkter Funktionalität unter den aktuellen Guis von ChessBase.
 
 
Vorzüge des ChessBase-Konzepts
Zusätzlich bietet ChessBase im Internet zahlreiche Amateurengines an, die ebenfalls unter dem Interface von Fritz laufen. Mal abgesehen von den unbestrittenen schachlichen Qualitäten der Engines überzeugt das Konzept vor allem in drei wichtigen Punkten:
  1. Die Anbindung einer neuen Engine ist "watscheneinfach", im Unterschied zu anderen Systemen ist die Anmeldung einer Engine unter Fritz auch für Laien oder Neueinsteiger problemlos zu bewerkstelligen.
     
  2. Die Fritz-GUI bietet zahlreiche Funktionen im Bereich Engineforschung, wie z.B. Enginematches, Engineturniere, automatisches Lösen von Datenbanken mit mehreren Teststellungen, Tabellenfunktion, usw. Diese Funktionalität ermöglicht es dem Anwender, sich schnell einen konkreten Eindruck von den schachlichen Qualitäten einer neuen Engine zu verschaffen. Gerade in diesem Bereich hat Fritz 7 gegenüber den Konkurrenten im Bereich Multi-Engine-Systemen deutlich die Nase vorn.
     
  3. Entscheidend für den Praktiker ist natürlich die schachliche Qualität einer Schachengine. In dieser Hinsicht zeigt die Fritz-GUI der Konkurrenz deutlich die Grenzen. Die Engines Fritz 7, Shredder 6, Junior 7, Chess Tiger oder Hiarcs gehören eindeutig zu den besten Schachprogrammen der Welt und können alle beeindruckende Erfolge vorweisen.
Natürlich gibt es Alternativen. Im kommerziellen Sektor sind dies aktuell die Datenbanken Chess Assistant und Chess Academy. Anwender dieser Programme müssen auf die große Auswahl an Topengines verzichten, dafür bieten sie jedoch Schnittstellen für das Engineprotokoll der Freeware Winboard oder dem von Stefan Meyer-Kahlen entwickelten UCI-Protokoll. Insbesondere die Freeware Winboard erfreut sich unter einigen Computerschachfans großer Beliebtheit und wird - wie zuvor erwähnt - von einigen kommerziellen Anbietern unterstützt.
 
 
Freeware Winboard
Das Winboard ist seit etlichen Jahren im Internet frei verfügbar und bietet neben Enginefunktionalität eine Konsole zur Nutzung diverser Schachserver. Die Freeware bietet ein eigenes Protokoll, das die Einbindung externer Schachengines ermöglicht, das Winboard-Protokoll. Das Konzept war klar: Viele Amateure, die sich nebenbei mit Schachprogrammierung beschäftigen, finden neben dem Hauptberuf nur wenig Zeit, noch eine eigene Benutzerschnittstelle mit Brettgrafik, Dateiverwaltung usw. zu entwickeln. Wozu also das Rad zum x-ten Male neu erfinden?
 
Einige Freaks nehmen die reine Anzahl der verfügbaren Schachengines als Maßstab für die Qualität eines Multi-Engine-Systems. Unter diesem Aspekt muss man konstatieren, dass das Winboard in der Tat eine große Resonanz hervorgerufen hat. Zwischenzeitlich sind mehr als 100 Engines verfügbar, die unter der Freeware laufen und für den Anwender noch eine attraktive Eigenschaft vorweisen: die meisten Winboard-Engines sind kostenlos. Das Winboard steht z.B. unter www.research.digital.com/SRC/personal/Tim_Mann/home.html zum Download bereit.
 
 
Kritik am Winboard
Natürlich sollte man bei der Beurteilung einer Freeware mit Kritik vorsichtig sein. Das Winboard stößt beim "normalen" Anwender, der sich in erster Linie mit Schach beschäftigen möchte, keineswegs auf positive Resonanz. Dafür gibt es im wesentlichen drei Gründe:
  1. Das Winboard bietet nur rudimentäre Funktionen zur Analyse und zum Austesten der unterschiedlichen Engines.
     
  2. Die Spielstärke der meisten Winboard-Engines reicht bei weitem nicht an das schachliche Potential der Topengines heran. Es gibt einige fanatisierte Anhänger von WB-Engines, die häufig in den gängigen Internetforen mit Elozahlen aus dem Fabelbereich um sich werfen, die wohl eher einem Wunschdenken als der Realität entsprechen.
        Bisher sprechen die Fakten, also Resultate in offiziellen Turnieren und Ranglisten eine deutlich andere Sprache. Das ist Fakt. Die spielstärksten Winboard-Engines werden zudem kommerziell vertrieben, man muss also dafür wie bei den kommerziellen Produkten ebenfalls bezahlen, bekommt aber unter dem Winboard nicht den gleichen Bedienungskomfort.
     
  3. Die größte Schwachstelle des Konzeptes ist jedoch ohne Zweifel die Einbindung der Winboard-Programme unter der Benutzerschnittstelle. Damit sind nach unseren Erfahrungen viele durchaus interessierte Anwender überfordert.
Als Beleg für diese Einschätzung und zur späteren Beurteilung der neuen UCI-Schnittstelle von Fritz 7 schauen wir uns einmal an, wie die prinzipielle Einbindung einer Schachengine unter dem Winboard aussieht. Sämtliche Settings der Winboard-Engines werden über die Konfigurationsdatei Winboard.Ini vorgenommen. Verkompliziert wird die Einbindung dadurch, dass einige Engines zusätzlich noch eine eigene Konfiguration benötigen. Prinzipiell wird also vom Anwender vorausgesetzt, dass er die Einstellungen über einen Texteditor und nicht dialoggesteuert vornimmt.
 
 
Konfiguration des Winboards
Die Konfigurationsdatei Winboard.Ini steht im Installationsverzeichnis des Winboard und wird nach dem ersten Programmstart automatisch angelegt. Innerhalb der Winboard.Ini gibt es zwei Abschnitte, in denen die Engines vom Anwender beim Winboard anzumelden sind. Im Abschnitt "First Chess Program" werden die Engines eingetragen, die später als erste Engine gestartet werden. Im zweiten Abschnitt "Second Chess Program" sind die Schachengines einzutragen, die als zweite Schachengine gestartet werden können: Zur Demonstration ein Ausschnitt aus der Datei Winboard.Ini:
/firstChessProgramNames="Comet99 /fd=d:\\winboard\\comet
Gnuchess
\"phalanx\" /fd=d:\\winboard\\phalanx
\"wbnimzo2000b\" /fd=d:\\winboard\\wbnimzo2000
"
/secondChessProgramNames="Comet99 /sd=d:\\winboard\\comet
GnuChess
\"phalanx\" /sd=d:\\winboard\\phalanx
\"wbnimzo2000b\" /sd=d:\\winboard\\wbnimzo2000
"
Die Ansicht ist stark verkürzt worden und enthält zwecks besserer Übersicht nur die Einträge für die zwei Winboard-Engines Phalanx und Nimzo2000. Das Prinzip für die Einbindung einer Engine bleibt aber gleich. Jedes Programm wird in der Textdatei zweimal aufgelistet, um zwischen den Engines Vergleichspartien austragen zu können. Für jede Winboard-Engine muss also eine Zeile angelegt werden, die mit dem Zeichen \ gefolgt von dem Namen der Exe-Datei (= Name des Programms) beginnt. Über den Eintrag /fd= geben Sie dem Winboard die Information, wo die betreffende Engine installiert ist.
 
Im Unterschied zu den Pfadangaben unter Windows muss der Pfad mit einem doppelten Backslash \\ angegeben werden. Dabei ist noch darauf zu achten, dass die Einträge zweimal vorzunehmen sind. Anhand des oben abgebildeten Musters sehen Sie, dass die Einträge doppelt vorhanden sind. Unterschiedlich ist lediglich der vorangestellte Parameter fd oder sd. Falls Sie wirklich alle verfügbaren Winboard-Engines einsetzen, gestaltet sich das Ganze entsprechend "übersichtlich."
 
Bei der Beschreibung ist noch nicht berücksichtigt, dass viele Winboard-Engines noch eigene Konfigurationsdateien benötigen. Nehmen wir z.B. die Anbindung der TableBases, bzw. die Pfadangabe, die bei vielen Winboard-Programmen über einen Eintrag in Konfigurationsdateien definiert werden muss. Bei reinen Multi-Engine-Systemen wie z.B. Fritz 7 oder Shredder 6 wird der Pfad vom Anwender über die Oberfläche definiert und er muss sich darum nicht mehr weiter kümmern.
 
Das unkomfortable Verfahren erinnert einen an die DOS-Zeiten, in denen der Anwender sich permanent mit dem Editieren seiner Systemdateien beschäftigen durfte. Aus diesem Grund werden die Winboard-Engines von vielen Anwender einfach nicht genutzt, obwohl durchaus Interesse an einer Beschäftigung mit diesen Programmen vorhanden sein dürfte. Diese von uns bereits häufiger geäußerte Ansicht führte regelmäßig zu Reaktionen per Internet, wo uns von frenetischen Winboard-Anhängern die befremdlichsten Motive unterstellt wurden.
 
Dabei reicht oft ein Blick in die gängigen Internetforen. Kurz vor Redaktionsschluss fand ich z.B. in einem Forum, das sich in erster Linie mit dem Thema beschäftigt, den verzweifelten Hilferuf eines Anwenders, dem es nach über zwei Stunden intensiven Ausprobierens nicht gelungen war, eine bestimmte Winboard-Engine unter der Freeware einzubinden ...
 
 
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