Anwendertipps zu ChessBase + Fritz

Teil 2, von Peter Schreiner – November 2005 bis Januar 2006

Stellungseingabe mit Fritz 9 bzw. ChessBase 9

Den Dialog für die Stellungseingabe bei Fritz 9 oder ChessBase 9 startet man am einfachsten mit der Taste 'S'. Sollte gerade ein Brettfenster aktiv sein, wird die aktuelle Brettstellung als Vorgabe in den Eingabedialog übernommen. Unter ChessBase 9 gibt es zwei Schalter mit Zusatzoptionen für die Stellungseingabe. 'Weiß‹–›Schwarz' führt eine vertikale Spiegelung der Vorgabestellung durch, während 'König‹–›Dame' zu einer horizontalen Spiegelung der Stellung führt.

Mit Fritz und ChessBase können Sie jedes gängige Datenformat einlesen. In der Regel werden Sie für die Speicherung von Partien und Schachnotationen mit unserem CBH-Format auskommen. Wenn Sie häufig im Internet surfen, werden Sie meistens mit Datenformaten konfrontiert, die auf reinem Ascii-Text basieren. Ein Standard zur Speicherung von Schachnotationen ist das PGN-Format, das zur Speicherung von Schachnotationen benutzt wird.

Das EPD-Format wird im Netz häufig zur Beschreibung einer Schachposition eingesetzt. Sowohl Fritz als auch ChessBase können mit dem Format umgehen. Unter Fritz ist das Einlesen einer EPD-Datei einfach. Im Datenbankfenster gibt es unter dem Menüpunkt 'Bearbeiten' den Eintrag 'EPD anhängen'. Nachdem Sie in dem Dateidiaolog die gewünschte EPD-Datei ausgewählt haben, werden alle Positionen an die Datenbank angefügt.

Unter ChessBase steht diese Funktion nicht zur Verfügung, da das EPD-Format bei einem partienbasierten Datenbankprogramm nur selten benötigt wird. Dem Anwender steht aber trotzdem die Möglichkeit zur Verfügung, einzelne Positionen direkt zu übernehmen. Das kann man ebenfalls in dem Dialog für die Stellungseingabe realisieren. Markieren Sie die Ascii-Beschreibung, also den EPD-String, mit der Maus und kopieren die Information mit der Tastenkombination 'STRG-C' in die Windows-Zwischenablage. Alternativ geht es nach dem Markieren auch mit einem Rechtsklick und dann im Kontextmenü mit 'kopieren'.

Starten Sie jetzt Fritz oder ChessBase. Im Programm drücken wir die Taste 'S' und rufen damit das Dialogfenster 'Stellungseingabe' auf. In der rechten, unteren Ecke des Fensters finden Sie den unscheinbar platzierten Button 'FEN einfügen', der für die Lösung unseres Problems entscheidend ist. Nach einem Klick auf diesen Button wird auf einmal aus dem kryptischen Text eine Schachposition, die wir jetzt umgehend mit Fritz analysieren können.

Der umgekehrte Weg funktioniert, also Export von EPD, ist auch möglich. Wir starten wieder die Stellungseingabe mit der Taste 'S'. Klicken Sie jetzt auf den Button 'FEN kopieren'. Damit wird die Stellungsbeschreibung im EPD-Format in die Windows-Zwischenablage kopiert. Wechseln Sie zu Ihrem Email-Programm oder einer anderen Applikation und übernehmen den EPD-String mit der Tastenkombination STRG-V. Dieser EPD-String kann jetzt mit jedem Schachprogramm eingelesen werden, das über eine Schnittstelle zu dem EPD-Format verfügt. Über die Stellungseingabe von Fritz oder ChessBase kann man einen EPD-String genau da plazieren, wo er benötigt wird. Das kann in einem Textdokument, einer Email oder in einem anderen Schachprogramm sein, das EPD unterstützt.

Spracheinstellungen

Kommentierte Partien werden in Partienlisten mit dem Zeichen 'C' gekennzeichnet. Woran liegt es, wenn nach dem Öffnen der Partie kein Kommentar angezeigt wird? Die Ursache dafür liegt in den Spracheinstellungen. Die Partie enthält einen Kommentar in einer Sprache, die in den Einstellungen nicht berücksichtigt wird. Das Problem lässt sich einfach lösen, indem man unter 'Extras - Optionen -Sprache' die Option 'alle Sprachen' auswählt. Jetzt wird der Kommentar zu der Partie angezeigt.

Schnelle Suche nach Opferpartien

Die Schulung der taktischen Fähigkeiten ist ein wichtiger Bestandteil des häuslichen Trainings. ChessBase und Fritz bieten in der Suchmaske eine nützliche Option, mit der man rasch Partien aus einer Datenbank herausfiltern kann, in denen Opferkombinationen vorkamen. In der Suchmaske findet man diese Option unter dem Reiter 'Stellung'.

OpferAktiviert man die Option 'Opfer' mit einem Häkchen, sucht das Programm automatisch alle Partien in der Datenbank, in denen kurzfristig Material geopfert wurde. Man kann diese Option problemlos mit anderen Suchkriterien kombinieren. Beispiel: Weißspieler = 'Shirov' 'Nur Siege' und 'Opfer' in der Stellungsuche filtert umgehend alle Partien von Shirov aus der ausgewählten Datenbank.

Mit der Suche nach Opfern findet man schnell eine reiche Auswahl an geeigneten Stellungen für das häusliche Training. Schachjournalisten bekommen mit der Funktion ein sehr praktisches Hilfsmittel bei der Sichtung aktueller Turniere in die Hand, um schnell spektakuläre Partien aus der Vielzahl neuer Partien herauszufiltern.

Kopfzeile beim Ausdruck formatieren

Wie kann man beim Ausdruck von Partien oder Diagrammen unterbinden, daß der vorgegebene Text in der Kopfzeile beim Ausdruck auf dem Papier erscheint? Dies ist oft nicht gewünscht und störend. Diese Einstellung kann sowohl mit ChessBase als auch mit Fritz im Menü 'Datei - Druck - Seite einrichten' benutzerdefiniert formatiert werden. Über den Tabulator 'Titel' kann man die gewünschte Einstellung vornehmen. In dem Abschnitt 'Kopfzeile' gibt man in der Eingabezeile den gewünschten Text ein, der in der Kopfzeile des Ausdrucks erscheinen soll. Man kann dort festlegen, wie der Text im Dokument plaziert werden soll.

Die Referenzansicht von ChessBase 9.0

Mit einem Klick auf den Reiter 'Referenz' im Brettfenster startet die automatische Eröffnungsreferenz. Dabei führt das Programm im Hintergrund eine schnelle Suche in der Referenzdatenbank nach der aktuellen Brettposition durch und liefert nach jeder Aktualisierung der Brettansicht zahlreiche statistische Informationen. In dem Spalteneintrag 'Punkte' werden die mit der Partiefortsetzung erzielten Punkte prozentual angezeigt. Bei der Interpretation der angezeigten Ergebnisse in diesem Spalteneintrag ist darauf zu achten, dass der Wert immer aus der Sicht von Weiß resultiert und nicht berücksichtigt, welche Partei gerade am Zug ist.

Informative Anzeigen im Enginefenster

Startet man unter ChessBase oder Fritz eine Analyse, zeigt die jeweils aktive Engine auch die Anzahl der berechneten Knoten an. Mit einem Mausklick kann man dabei zwischen der bisher gewohnten absoluten Zählung mit allen bisher bewerteten Knoten pro Sekunde oder den berechneten Wert pro Sekunde umschalten.

Sie werden beim Vergleich der unterschiedlichen Engines feststellen, dass die Performance der einzelnen Engines sehr unterschiedlich ist. Die Anzeige sollte in erster Linie als eine nützliche Zusatzinformation angesehen werden. Keineswegs sagt diese Information – genauso wenig wie die angezeigten Rechentiefen – etwas über die praktische Spielstärke einer Engine aus!

Sehr nützlich ist der 'Rolliermodus' im Enginefenster, mit dem man die Anzeige der Recheninformationen beeinflussen kann. Die Einstellungen kann man per Rechtsklick in das Analysefenster vornehmen:

  • 'Hauptvarianten als Liste' überlässt Ihnen die Wahl, ob nur die aktuell beste Variante oder alle Hauptvarianten untereinander ausgegeben werden sollen.
  • 'Erweiterte Suchinformationen' schaltet zusätzlich eine Information über Bewertung, Rechentiefe, verbrauchte Bedenkzeit und Knotenzahl ein.
  • 'Nur bei neuem Zug blättern' bewirkt, dass nur dann ein neuer Zug in der Liste aufgeführt wird, wenn sich die Bewertung des bis dahin besten Zuges ändern sollte. In diesem Modus kann man glasklar nachvollziehen, welche Züge die Engine während des Suchvorgangs »angedacht« hat.

Im Analysemodus kann man per Rechtsklick in das Enginefenster die 'Engine verriegeln'. Während die Engine an der vorgegebenen Position weiterrechnet, kann man weiter auf dem Schachbrett Züge nachspielen oder kommentieren. Mit einem Rechtsklick springt man direkt wieder zur verriegelten Position zurück. Im Analysemodus steht die Möglichkeit zur Verfügung, mit einem Klick auf den Enginenamen im Infofenster direkt das Auswahlfenster für die Schachengines zu starten.

Nach Auswahl einer alternativen Engine rechnet diese umgehend an der aktuellen Stellung weiter. Mit dieser Methode kann man blitzschnell zwischen den verschiedenen Engines, z.B. dem taktisch starken Junior oder dem Allrounder Fritz umschalten. Eine sehr nützliche Option im Analysemodus kann ebenfalls via Rechtsklick im Enginefenster gestartet werden. Mittels 'Nächstbester Zug' startet man die Berechnung der aktuellen Engine neu und klammert den bisher untersuchten Zug bei der Analyse aus.

Eröffnungsbuch auf die Festplatte kopieren

Wenn man häufig mit dem Eröffnungsbuch von Fritz arbeitet, empfiehlt es sich, das Buch auf die Festplatte zu kopieren. Fritz ist sogar in der Lage, eigenständig Modifikationen und Änderungen an dem Eröffnungsbuch durchzuführen. Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn sich die Buchdateien nicht auf einem schreibgeschützten Medium wie CD/DVD befinden, sondern auf der Festplatte.

Fritz bietet unter 'Bearbeiten - Buch - Installiere auf Festplatte' die Möglichkeit, das Eröffnungsbuch von CD/DVD auf die Festplatte zu kopieren. Wenn Sie versuchen, das Buch mit Hilfe von Fritz auf die Festplatte zu übertragen, ist der Eintrag 'Installiere auf Festplatte' inversiv dargestellt?

Die Funktion steht nur dann zur Verfügung, wenn zuerst ein Eröffnungsbuch von CD/DVD geladen wurde. Unter 'Datei - Öffnen - Eröffnungsbuch' startet man den Dateidialog, mit dem man ein Eröffnungsbuch laden kann. Geben Sie hier den Pfad zu dem Eröffnungsbuch auf CD/DVD vor. Nachdem das Buch geladen wurde, steht die Funktion 'Installiere auf Festplatte' zur Verfügung.

Diagrammdruck

Sie möchten Diagramme ohne Koordinaten ausdrucken? Mit ChessBase oder Fritz ist das einfach zu realisieren. Menü 'Datei - Druck - Seite einrichten' ruft den Dialog Druckeinstellungen. Deaktivieren Sie den Schalter 'Koordinaten'. Beim Ausdruck oder bei der Übernahme des Diagramms in eine Textverarbeitung fallen die Koordinaten weg.

Falls Sie das Diagramm ohne Koordinaten nicht mit einem Font, sondern lieber als Grafikdatei in die Textverarbeitung übernehmen wollen, gibt es dafür ebenfalls eine einfache Möglichkeit. Im Brettfenster gibt es unter dem Menüpunkt Datei die Funktion 'Diagramm als Bild speichern'. Wenn man unter Brettdesign die Anzeige der Koordinaten deaktiviert, wird das Diagramm ohne Koordinaten als Grafik im JPG-Format gespeichert. Der Weg über die Windows-Zwischenablage ist ebenfalls möglich. 'Bearbeiten - Kopieren - Stellung/Diagramm kopieren' kopiert die aktuelle Brettstellung in die Zwischenablage. Wenn Sie das Diagramm z.B. in Word übernehmen wollen, wählen Sie 'Bearbeiten - Inhalte einfügen - Bitmap'.

Diagramme und Notationen mit Farbe ausdrucken

Mit Fritz oder ChessBase kann man ausführlich Partien kommentieren. Neben der klassischen Kommentierung mit Varianten und Text unterstützen die Programme auch farbige Markierungen auf dem Schachbrett. Damit kann man bestimmte Motive und Pläne noch transparenter darstellen. Wenn man einen Farbdrucker besitzt, kann man neben der üblichen Diagrammdarstellung in Schwarz/Weiß auch die Bildschirmansicht für den Ausdruck einstellen.

Die entsprechende Einstellung nimmt man unter 'Datei - Druck - Seite einrichten' vor. In dem Dialog 'Seite einrichten' gibt es den Tabulator 'Diagrammdruck'. In dem Abschnitt 'Stil' wählt man für den Ausdruck die Option 'Wie Bildschirmbrett'. Beim Diagrammausdruck wird jetzt die Darstellung vom Bildschirm übernommen. Farbige Ausdrucke sind aber nicht nur für Diagramme möglich. Auch Notationen können benutzerdefiniert gedruckt werden. Unter 'Datei - Druck - Seite einrichten' kann man diese Option unter Partien einstellen. Setzt man ein Häkchen hinter 'Druck in Farbe', wird die Notation mit den Farbeinstellungen ausgedruckt.

Peter Schreiner

ChessBasePeter Schreiner