Anwendertipps zu ChessBase 9.0

Teil 5, von Peter Schreiner – April 2006

ChessBase 9 als PGN-Reader einstellen

Das Standardformat für Partienotationen im Internet ist das PGN-Format, das auf reinem Text basiert. Ein Standardfeature von Windows ist die direkte Verknüpfung von Dateitypen mit den Anwendungsprogrammen. Wenn Sie z.B. Dateien mit der Endung *.doc im Windows Explorer doppelt anklicken, wird automatisch die Textverarbeitung Word gestartet. Unter 'Extras - Optionen - Misc' kann man festlegen, ob nach einem Doppelklick auf eine PGN-Datei direkt ChessBase 9 gestartet werden soll. Aktivieren Sie mit einem Häkchen die Option 'PGN registrieren'. Nach einem Doppelklick auf eine PGN-Datei wird künftig umgehend ChessBase 9 gestartet und Sie können direkt auf die Inhalte der PGN-Datei zugreifen.

Spielerindex von ChessBase 9

Schnelle und genaue Ergebnisse bei der Suche nach Spielern liefert der Spielerindex von ChessBase 9. Nehmen wir an, Sie suchen über die Suchmaske nach Partien des Spielers Leonhard Hanke. Das Suchergebnis listet zwar die Partien des Spielers Hanke, es werden aber auch Partien eines Spielers Hanker aufgeführt. Wie bekommt man jetzt ausschließlich die Partien des Spielers Hanke? In diesem Anwendungsbeispiel führt der Weg über den Spielerindex rasch zum Ziel.

Öffnen Sie die zu durchsuchende Datenbank und aktivieren den Spielerindex mit einem Klick auf den Reiter 'Spieler'. Am unteren Bildschirmrand finden Sie die Eingabezeile 'Suche', dort gibt man den Namen ein. Das Programm springt sofort zum ersten Spieler mit dem Namen »Hanke«. Die Partienliste mit Partien des ausgewählten Spielers befindet sich im Partienfenster rechts neben den Einträgen aus dem Spielerindex. Zusätzlich bekommt man von dem Programm eine Auflistung aller gespielten Turniere des erfassten Spielers. Über 'Filter' können Sie die Suche zu dem betreffenden Spieler noch einmal eingrenzen, weil sich die Suche hier nur auf die ausgewählte Teilmenge (Partien des Spielers Hanke in unserem Beispiel) bezieht.

Eröffnungen überprüfen

Dia Schauen wir uns zunächst ein Beispiel an: 1.e4 e5 2.Sc3 Sf6 3.Sf3 Lc5 4.Lc4 0-0 5.0-0 Sc6 6.d3 d6 7.Lg5 h6. Hier setzte Weiß mit 8.Lxf6 fort. Öffnet man unter ChessBase 9 ein weiteres Fenster mit den Statistiken des Powerbooks, wird nur die Fortsetzung 8.Lh4 angezeigt. Weiß hat also mit seiner Partiefortsetzung die bekannte Theorie verlassen? Mit einem Rechtsklick auf 7...h6 können wir unter 'Spezialkommentar - Kritische Eröffnungsstellung' die Position kennzeichnen. Damit der Kommentar dauerhaft übernommen wird, muss man mit 'Partie ersetzen' den Eintrag neu in der Datenbank speichern. Die angezeigte Statistik des benutzten Positionsbaums bietet zu dieser Fortsetzung leider zu wenig Information. Deshalb klicken wir jetzt auf den Reiter 'Referenz' in der Notationsansicht.

Hier werden zu 8.Lh4 noch fünf Alternativen aufgelistet. Die Abweichung hinsichtlich der Partienzahl und Inhalte ist damit zu erklären, dass der Positionsbaum auf der Basis einer anderen Datenbank erstellt wurde. In der Referenzansicht finden wir jetzt auch Informationen zu der Partiefortsetzung 8.Lxf6. Sie können jetzt die Partien nachspielen und mit der Originalfortsetzung vergleichen. Führen Sie den Partiezug 8.Lxf6 auf dem Brett aus (Klick auf den Eintrag in der Referenzansicht genügt) und markieren Sie die angezeigte Partienliste. 'Rechtsklick - Buch aus ausgewählten Partien' erstellt ein neues Eröffnungsbuch auf der Basis der in der Datenbank gespeicherten Partien.

Ein weiteres nützliches Anwendungsgebiet ist in diesem Zusammenhang das Verschmelzen von Partien. Dies kann man einfach per Drag & Drop realisieren. Öffnen Sie dazu die Ursprungspartie und die Referenzpartien. Ziehen Sie einfach mit gedrückter Maustaste die Referenznotation in die Notation der Ausgangspartie. Mit dieser Vorgehensweise können Sie sich umfangreiche Eröffnungsübersichten zu bestimmten Variantenkomplexen erstellen. Denken Sie daran, die Änderungen mit 'Partie ersetzen' dauerhaft abzuspeichern.

Die Fritz-Funktion 'Alle Züge erklären' gibt es unter ChessBase 9 nicht. Sie können aber auch unter dem Datenbankprogramm eine Information darüber bekommen, wie eine beliebige Engine eine Zugfolge bewertet. In unserer ersten Beispielstellung klicken wir erneut die Fortsetzung 7.Lc4 an und starten eine beliebige Engine im Analysemodus. Mit der 'Taste +' kann man die Anzahl der angezeigten Varianten erhöhen.

Mit Hilfe einer Engine kann man sich nicht nur einen konkreten Eindruck von der Qualität eines bestimmten Zuges machen, man kann die Engine auch zur Kommentierung der Eröffnungsübersicht einsetzen. Rechtsklick in das Analysefenster 'Kopiere in Notation' fügt die Analyse der Schachengine mit Angabe des Enginenamens ein. ChessBase bietet noch viele weitere Funktionen für die Überprüfung von Eröffnungen an, z.B. 'Finde Neuerungen' oder den 'Eröffnungsreport'. Das Anwendungsbeispiel zeigt, wie man die Software interaktiv zum Überprüfen von Eröffnungen einsetzen und seine Eröffnungskenntnisse verbessern kann.

Peter Schreiner

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