Materialsuche mit ChessBase 9.0

von Peter Schreiner – Januar 2006

ChessBase 9 bietet die Möglichkeit, über die Suchmaske gezielte Suchabfragen in Datenbanken nach bestimmten Materialkonstellationen vorzunehmen. Ein Rechtsklick auf das Datenbanksymbol im Datenbankfenster - 'Suche' startet die Suchmaske. Über den Reiter 'Material' wird der Dialog aktiviert, in dem man die Suchkriterien definieren kann.

Der Dialog bietet vielfältige Einstelloptionen. Grundlegend für die Suche nach bestimmten Materialkonstellationen ist der Abschnitt, in dem die Anzahl der verschiedenen Figuren definiert wird.

In der Auswahlbox finden Sie die weißen und schwarzen Figuren, unmittelbar daneben befinden sich die Eingabeboxen, um die Anzahl der ausgewählten Figuren für die Suche festzulegen. Das kann durch Eintippen eines Zahlenwertes oder mit Hilfe der kleinen Pfeile innerhalb der Box erledigt werden. Neben jedem Figurensymbol befinden sich zwei Eingabefelder. Damit können Sie für die Materialsuche die Anzahl der Figuren (Minimal- und Maximalwert) festlegen. Als Beispiel nehmen wir die Einstellung für die Bauern. Ein Wert von '3-4' berücksichtigt in der Suche nur Stellungen, in denen mindestens drei und maximal vier Bauern vorhanden sind. Die Einstellung '0-8' ignoriert die Anzahl der Bauern, d.h. es spielt keine Rolle, wie viele Bauern sich auf dem Brett befinden. Die Möglichkeiten der Materialsuche kann man am besten mit praktischen Beispielen erklären. Nehmen wir an, Sie interessieren sich für Partien, in denen eine Partei zwei Springer, die andere im Besitz der beiden Läufer war.

Nützlich ist bei dieser Suche noch die Option 'Farben ignorieren'. Hier filtert die Suchfunktion alle Partien mit dem Materialkriterium aus der Datenbank, unabhängig von der Farbe. Der Wert für die Springer ist in unserem Beispiel '2-2'. Dies bedeutet, dass die Materialsuche als Minimum und Maximum zwei vorhandene Springer berücksichtigen muss. Die gleiche Einstellung wurde in unserem Beispiel für die Läufer übernommen. Die Anzahl der Bauern wird – wie oben erklärt – durch den Wert '0-8' ignoriert und hat in unserem Beispiel für die Suche keine Bedeutung. Ein Klick auf OK startet die Suche und das Programm öffnet einen neues Fenster mit dem Suchresultat.

Ein Klick auf einen Partieeintrag lädt die Partie und man sie direkt nachspielen. Es ist besonders komfortabel, dass direkt die Stellung in der Partie angezeigt wird, die das Suchkriterium erfüllt. Über diese Ansicht kann man sehr schnell und effizient das Partienmaterial sichten, ein Doppelklick lädt die Partie in ein neues Brettfenster.

Betrachten wir einige weitere Möglichkeiten der Materialsuche. Nehmen wir an, Sie interessieren sich für Partien, in denen ein Spieler einen oder zwei Springer hatte, während der Gegner mit einem oder zwei Läufern agierte. In diesem Fall wird in dem Suchdialog der Wert für die Springer und Läufer auf '1-2' gesetzt.

Turmendspiele gehören zu den häufig vorkommenden Endspieltypen. Mit der Materialsuche ist die Suche nach Partien mit Turmendspielen schnell realisiert. Im folgenden Beispiel suchen wir Partien, in denen eine Partei mit einem Turm und fünf Bauern gegen einen Turm und vier Bauern spielt.

Bei der Definition für die Anzahl der Türme wurde für beide Parteien der Wert '1-1' gewählt. Dies bedeutet, dass jede Partei genau einen Turm auf dem Brett hat. Der Bauernwert '5-5' legt eindeutig fest, dass eine Partei exakt fünf Bauern haben muss, während '4-4' festlegt, dass der andere Spieler genau vier Bauern besitzt. Klick auf OK listet wieder das Fenster mit dem Suchergebnis auf, in dem Sie die gefundenen Partien komfortabel sichten können. Noch eine Anmerkung zu dem Schalter 'Farben ignorieren'. Wie zuvor erwähnt, filtert das Programm unabhängig von Farbe alle Partien aus der Datenbank, auf die das Suchkriterium zutrifft. Wird die Option deaktiviert, listet das Programm nur Partien auf, in denen Weiß einen Turm und fünf Bauern auf dem Brett hatte. Alle Partien, in denen Schwarz den Extrabauern hatte, werden in diesem Fall ignoriert.

Die Figurensymbole werden als Buttons repräsentiert. Klickt man ein Figurensymbol an, wird der Wert für die Figur automatisch auf '1-1' gesetzt. Das ist praktisch, wenn man schnell den Wert für eine Figur auf '1' setzen möchte.

Die Materialsuche ist mit allen anderen Suchkriterien kombinierbar. Es ist z.B. problemlos möglich, alle Partien von Kasparov mit einer bestimmten Materialkonstellation zu suchen. Dazu gibt man zuerst unter Partiedaten den Spielernamen ein und legt dann die Materialsuche fest. Der Suchdialog enthält diverse Schalter, mit denen man die Suchkriterien modifizieren und verfeinern kann. Betrachten wir zuerst einmal die Schalter 'Leichtfiguren' und 'Total' unterhalb der Figurenleisten. Hier kann ebenfalls ein Minimal-/ Maximalwert definiert werden. Unter 'Leichtfiguren' legt man die Anzahl der vorhandenen Leichtfiguren auf dem Brett fest. Mit diesem Schalter spielt es für die Suchfunktion keine Rolle, ob die Leichtfigur ein Springer oder ein Läufer ist.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht das Prinzip. Wir suchen in der Datenbank nach Partien, in denen jede Partei zwei Leichtfiguren auf dem Brett hatte. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Springer oder Läufer waren. In dem Dialog stellt man unter 'Leichtfiguren' die Werte '2-2' ein.

Nach dem obligatorischen Klick auf OK werden alle Partien mit dem gewünschten Kriterium angezeigt, nämlich zwei Leichtfiguren für beide Spieler. Das können Konstellationen wie LL - SS, S+L - LL oder SS-SS usw. sein. Die Partien werden wie gehabt im Fenster mit dem Suchergebnis gelistet und man sie dort komfortabel sichten. Die Definition über den Schalter 'Leichtfiguren' ist also immer dann sinnvoll, wenn man den Figurentyp nicht genau spezifizieren muss.

In der Anwendungspraxis zeigt sich, dass die Materialsuche vor allem bei der Suche nach figurenarmen Mittelspielen und Endspielen sehr gute Dienste leistet. Anhand des Schalters 'Total' wird auch deutlich, warum sich die Materialsuche vor allem für gezielte Abfragen im Endspiel eignet.

Der Schalter 'Total' erweitert die Möglichkeiten der Materialsuche. Mit diesem Wert definiert man die Anzahl der Figuren, die sich auf dem Brett befindet. Die Option 'Total' funktioniert nur dann, wenn man zuvor den Button 'Beliebige Figuren' oder 'Keine Figuren' angeklickt hat! Probieren wir nun einmal den Schalter mit einem praktischen Beispiel. Klicken Sie den Schalter 'Beliebige Figuren'. Unter 'Total' trägt das Programm den Maximalwert 16 ein, schließlich gibt es maximal 16 Figuren.

Wir geben für die Suche unter 'Total' den Wert '1-4' in beiden Eingabeboxen ein und starten unsere Suche mit OK. Ein Klick auf einen Partieeintrag im Suchergebnisfenster ist zuerst einmal irritierend. Jeder Spieler hat drei Figuren auf dem Brett, obwohl in der Suche doch vier Figuren definiert wurden. Was ist passiert? Der Schalter 'Total' sucht nach der absoluten Anzahl von Figuren auf dem Brett, dazu gehört im Schach natürlich auch der König, der im Unterschied zu den anderen Partiephasen im Endspiel eine ausgesprochen aktive Rolle auf dem Brett einnimmt. Wenn man den Button 'Keine Figuren' anklickt, wirkt sich das ebenfalls auf die Option 'Total' aus.

Der Wert unter 'Total' wird automatisch auf '1-9' für jeden Spieler gesetzt. Die Ursache dafür: Das Programm setzt hier ausschließlich einen Wert für den König und die acht möglichen Bauern, Leicht- und Schwerfiguren werden ignoriert. Über diesen Schalter kann man schnell eine Suche nach reinen Bauernendspielen definieren.

Nehmen wir an, Sie suchen Bauernendspiele mit der Verteilung K+3B - K+4B. Klick auf 'Keine Figuren' setzt den Standardwert 1-9. Die Anzahl der Bauern und andere Figuren werden dabei nicht berücksichtigt, sondern nur die Anzahl der Figuren, in unserem Beispiel der König. Der Wert kann unter 'Total' also auch auf '1-1' stehen. Jetzt muss noch die Anzahl der Bauern definiert werden. Dazu setzt man den Wert für die Bauern auf '3-3' und '4-4'.

Ein Klick auf OK startet die Suche und im Fenster mit dem Suchergebnis werden alle Partien mit der gewünschten Materialverteilung aufgelistet. Die Materialsuche in ChessBase 9 eignet sich vor allem vorzüglich für die Erforschung bestimmter Endspiele oder figurenarmer Mittelspiele. Die Materialsuche ist sehr komplex, aber eben auch sehr flexibel. Den schnellsten Zugang bekommt man durch häufiges Experimentieren und Ausprobieren.

Peter Schreiner

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