Anwendertipps zu ChessBase 9.0

Teil 4, von Peter Schreiner – Juli 2005

Browseransicht in Eröffnungsschlüsseln

Das Sichten von bestimmten Eröffnungssystemen innerhalb der Eröffnungsschlüssel ist in ChessBase 9.0 mit der neuen Browseransicht deutlich komfortabler als in den früheren Versionen. Er stellt einen wichtigen Zugang zu dem Partienmaterial dar. Den Eröffnungsschlüssel einer Datenbank startet man in einer Partienliste über den Reiter 'Eröffnungen'. Der neue Schlüssel, der für die MegaBase 2005 verwendet wird, ist sehr fein strukturiert und stammt von Joachim Zunke.

Das Bedienungsprinzip der zweigeteilten Ansicht kennen Sie sicher vom Windows Explorer. Ein Plussymbol vor einem Eintrag weist darauf hin, dass hier noch Untervarianten zu dem Themenkomplex vorhanden sind. Umgekehrt kann man mit einem Klick auf das Minussymbol die angezeigten Untervarianten wieder ausblenden. Mit dieser Methode ist eine komfortable Navigation in dem verschachtelten Eröffnungsbaum möglich.

Wählen wir als Beispiel einmal die französische Vorstoßvariante nach 5...Db6. Im Schlüssel werden für Weiß verschiedene Hauptfortsetzungen angezeigt (6.Le2, 6.Ld3, 6.a3 usw.).

Schlüssel

Am Anfang der Liste sieht man den Eintrag 6.---. Dieser Eintrag im Schlüssel enthält alle Partien, in denen Weiß nicht mit den darunter aufgeführten Hauptvarianten im 6. Zug fortgesetzt hat. Mit jedem Klick auf ein Plussymbol erreicht man die tiefere Ebene eines Schlüssels. Die Zahlenwerte rechts vom Listeneintrag zeigen die Anzahl der in einem Schlüssel enthaltenen Partien an. Der Name der gewählten Eröffnung wird übrigens am oberen Bildrand des Fensters angezeigt.

Eine große Arbeitserleichterung bei der Navigation innerhalb des Schlüssels ist die parallele Anzeige aller Partien einer Variante in der unteren Fensteransicht. Das ist eine sehr nützliche Funktion für das Eröffnungsstudium. Markieren Sie einfach im Schlüssel die gewünschte Variante, um im unteren Fenster die Partien anzuzeigen. Mit F10 lädt man im Brettfenster die Partien nacheinander aus der Liste, STRG-F10 lädt die Partien vor der Markierung.

Die Partienliste in der Schlüsselansicht verhält sich wie alle anderen Partielisten. Eine nützliche Ergänzung für das Eröffnungsstudium bekommt man, wenn man die Partien markiert und sich nach einem Rechtsklick über das Kontextmenü 'Buch aus ausgewählten Partien' den passenden Positionsbaum generieren lässt.

Man kann also mit Hilfe eines Schlüssels eine bestimmte Variante rasch aufspüren und passende Partien dazu studieren. Im Programm ist noch ein direkterer Zugang zum Schlüssel über eine eingegebene oder geladene Partie möglich. Laden Sie eine Partie in das Brettfenster oder geben Sie die Anfangszüge der gesuchten Variante ein. Menü 'Extras - Eröffnungsklassifikation' (schneller geht es mit STRG-Alt-C) veranlasst das Programm, die Eröffnungsvariante zu bestimmen und umgehend den entsprechenden Schlüsseleintrag inkl. der Vergleichspartien zu laden.

Medaillen entfernen

Viele Partien, u.a. auch aus dem ChessBase-Magazin, sind mit Medaillen versehen. Häufig befindet sich eine oder mehrere Medaillen direkt am Partieanfang vor dem ersten Zug. Was ist zu tun, wenn man ausschließlich die Medaillen entfernen will? Die Funktion 'Entkommentieren' löscht alle Kommentare, die anderen Funktionen im Kontextmenü 'Löschen' helfen auch nicht weiter.

Das Entfernen der Medaillen geht, indem man nach dem Laden der Partie in der Startposition über das Tastaturkommando Shift-2 den Kommentierungsdialog für die Medaillen aufruft. Entfernen Sie jetzt die mit einem "Häkchen" markierten Einträge mit der Maus, um die Medaillen aus der Notation zu entfernen. Die Möglichkeit steht in ChessBase 8/9 zur Verfügung.

Varianten beenden

In früheren ChessBase-Versionen konnte man mit der Taste Entf eine Variante beenden. Im aktuellen ChessBase 9.0 funktioniert die Taste nicht mehr. Häufig wird nachgefragt, ob diese Funktion noch über die Tastatur abgerufen werden kann. Es geht, allerdings wurde die Funktion in ChessBase 9.0 auf eine andere Taste gelegt. Mit der Taste Backspace kann man unter CB9 Varianten beenden.

Die Onlinedatenbank

Unter www.chessbase.com steht eine riesige Onlinedatenbank für Suchabfragen zur Verfügung. Diese Datenbank wird lfd. aktualisiert und enthält aktuell den stolzen Partienbestand von insgesamt 3.463.688 Partien. Im Schnitt kommen wöchentlich um die 5000 Partien hinzu. Die Datenbank kann zur Zeit mit ChessBase 8/9 und Pocket Fritz abgefragt werden. Der Zugriff auf diese Datenbank ist natürlich besonders komfortabel und erweitert die Möglichkeiten dieser Programme enorm. Aber auch ohne Zusatzsoftware bietet die Onlinedatenbank einen effizienten Zugriff. Ein Internetbrowswer genügt!

Wegen der enormen Datenmenge ist jede Partie mit der ECO-Klassifikation plus zehn zusätzlichen Halbzügen indiziert. Der Index reagiert flexibel auf Suchabfragen, die größere Partienmengen liefern können. Beispielsweise wäre eine Suche nach 1.e4 wenig sinnvoll, weil diese Stellung sehr häufig in der Datenbank vorkommt. Eine Suche nach 1.b4 b5 wäre stattdessen für die Abfrage schon sinnvoller, auch wenn diese Eröffnungszüge in schachlicher Hinsicht fraglich sind. Wie erwähnt, ist der Zugriff auf die Onlinedatenbank direkt mit einem Browser möglich. Im Hauptmenü der Website von ChessBase gibt es den Eintrag 'Onlinedatenbank'. Damit startet man ein Java-Applet, mit dem man Suchabfragen in der Onlinedatenbank durchführen kann. Hinweis: Die Anzeige eines Suchergebnisses ist auf 1000 Einträge begrenzt!

Die Bedienung des Java-Applets ist weitgehend intuitiv. Der Dialog bietet die Möglichkeit, nach Weiß- oder Schwarzpartien eines Spielers zu suchen. Wie kann man alle Partien – unabhängig von der Farbe – auflisten? Dazu gibt man in den beiden Feldern 'White' und 'Black' den gleichen Namen ein. Aus dem Applet heraus gibt es eine direkte Verknüpfung zur Spielerdatenbank. Markiert man einen Listeneintrag des Suchergebnisses und klickt auf den Schalter 'Show', wird der Entsprechende Eintrag aus der Spielerdatenbank aufgerufen.

Das Applet bietet die Möglichkeit, die Partienotation im PGN-Fomat zu exportieren. Markiert man einen Partieneintrag in der Liste, wird die Markierung mit einem '*' neben der Partie gekennzeichnet. Der Button 'View as PGN' startet ein kleines Textfenster, in dem man die Notation markieren und mit dem Hotkey STRG-C in die Zwischenablage übernehmen kann.

Notation über die Tastatur eingeben

Viele Anwender bevorzugen die Eingabe der Partienotation über die Tastatur. In ChessBase 9.0 und Fritz 8 kann die Partienotation alternativ über die Tastatur eingegeben werden. Dabei ist zu beachten, dass die Eingabetechnik umgestellt wurde. Zur Eingabe der Notation gibt man jetzt einfach nur die Zugkoordinaten ein. Tipp: Die Eingabe per Tastatur ist naturgemäß fehleranfällig. Bei Tippfehlern kann man mit der Taste Entf die Fehleingabe rückgängig machen.

Peter Schreiner

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