Anwendertipps zu ChessBase 9.0

Teil 3, von Peter Schreiner – Mai 2005

Cursornavigation mit geöffnetem Buch

Wenn man unter ChessBase 9.0 über die Cursortasten eine Partie mit geöffnetem Buchfenster nachspielt, fügt das Programm im Unterschied zur Vorgängerversion automatisch eine Variante mit Buchzügen in die Partienotation ein, sobald ein Partiezug nicht mit dem Buchzug übereinstimmt. Sehr häufig wird nach einer Begründung für dieses im Vergleich zur Vorgängerversion abweichende Verhalten des Programms gefragt. Ist es nun ein Feature oder wie von einigen Anwendern vermutet ein Bug?

Der schlimme Verdacht eines Bugs trifft nicht zu. Das Verhalten des Programms in dieser Anwendungssituation wurde bewusst so programmiert. Je nach Arbeitssituation mit einem Eröffnungsbuch macht das automatisierte Einfügen in die Notation ja durchaus Sinn. Wer das Eröffnungsbuch parallel geöffnet hat, wird in der Regel auch damit arbeiten wollen. Viele Anwender möchten daher die einzelnen Varianten im Buch durchspielen und Alternativen anschauen. Mit der aktuellen Lösung ist das problemlos zu realisieren.

Tipp: Wenn man die Züge mit den Nachspielpfeilen unterhalb des Schachbretts nachspielt, wird nicht automatisch eine Variante in die Notation eingefügt. Mit dieser Methode kann man das automatische Einfügen einer Variante in der Notation unterbinden.

Erweitertes Drag & Drop mit ChessBase 9.0

ChessBase 9.0 bietet ein deutlich verbessertes Drag & Drop gegenüber den früheren Versionen. Viele Operationen, die früher zahlreiche Mausklicks erforderten, können jetzt einfach per Drag & Drop beschleunigt ausgeführt werden. Ein typisches Anwendungsbeispiel ist die Anmeldung einer Datenbank im Datenbankfenster. Das kann einfach realisiert werden, indem man das Datenbanksymbol mit gedrückter Maustaste vom Windows Explorer direkt in das Datenbankfenster zieht und dann die Maustaste loslässt. Umgehend ist die Datenbank angemeldet und die entsprechende Partienliste wird geöffnet.

Nützlich bei der Partieneingabe ist die Option, die Partienotation per Drag & Drop direkt auf ein Datenbankicon zu ziehen und dort loszulassen. Damit wird für das Programm direkt die Zieldatenbank für die zu speichernde Partie festgelegt und unmittelbar der Dialog für die Kenndaten der Partie geöffnet. Im Listenfenster kann die Positionierung von Listeneinträgen ebenfalls per Drag & Drop geändert werden, alternativ funktioniert das auch mit den Tastaturkürzeln STRG-C (kopieren) und STRG-V (einfügen).

Variante mit identischem Zug einfügen

Bei der Kommentierung einer Partie kann es sinnvoll sein, eine Variante mit exakt dem Zug einzufügen, der bereits in der Hauptnotation existiert. Beispiel: Nehmen wir an, Sie spielen eine Partie nach, die mit dem Zug 22...Sg6-e5 beendet wurde. Was ist zu tun, wenn man an dieser Stelle eine Variante mit genau dem gleichen Zug einfügen möchte? Nehmen Sie einfach den Zug zurück (Taste T) und geben Sie den Zug mit gedrückter STRG-Taste erneut ein. Der bereits in der Hauptnotation stehende Zug wird jetzt anstandslos als Variante in die Notation eingefügt.

Zusatzinformationen mit Mouseover

Die Mouseover-Funktion wertet den Informationsgehalt der Listenansichten von ChessBase 9.0 deutlich auf. Wenn man beispielsweise mit der Maus über dem Spalteneintrag Endmaterial verharrt, wird die entsprechende Position in der Liste mit einem kleinen Diagramm angezeigt.

Diese Zusatzinformationen mittels Mouseover sind durchgängig im Programm implementiert. Viele Partien sind mit Medaillen in einer Liste gekennzeichnet. Per Mausklick auf den Spalteneintrag Medaillen bekommt man alle mit Medaillen gekennzeichneten Partien übersichtlich in einem Block an den Anfang der Liste. Fährt man mit der Maus über einen Listeneintrag, wird im Klartext angezeigt, welche Motive der Partieeintrag enthält.

Hilfreich ist diese Option auch bei den ECO-Anzeigen innerhalb von Partielisten. Die Klassifikation nach ECO (Enzyklopädie der Schacheröffnungen) ist zwar ein anerkannter Standard, es dürfte aber nur wenige Anwender geben, die bei Ansicht des blanken ECO-Codes sofort wissen, um welche Eröffnung es sich konkret handelt. Auch in diesem Beispiel hilft die in ChessBase 9 implementierte Mouseover-Funktion umgehend weiter.

Verharrt man mit der Maus kurz über dem Listeneintrag, wird die zum ECO-Code gehörende Eröffnung ohne mühselige Recherche im Klartext angezeigt. Bei der Arbeit mit Listen sollte man also immer darauf achten, ob mittels Mouseover Zusatzinformationen vom Programm abgezeigt werden.

Bewertungsgeräusche bei ChessBase 9.0

Die meisten Anwender werden beim Nachspielen oder Eingeben von Partien eine Schachengine im Hintergrund mitlaufen lassen. Das Schachprogramm rechnet im Hintergrund fleißig mit und zeigt seine Bewertungen im Enginefenster an. ChessBase 9.0 bietet eine versteckte, aber extrem nützliche Funktion für die Hintergrundanalyse: Bewertungsgeräusche. Die Option aktiviert man unter Extras - Optionen - Misc.

Tritt während der Hintergrundanalyse eine drastische Änderung in der Bewertung der Engine auf, weist das Programm den Anwender mit einem akustischen Signal darauf hin. Das hat den Vorteil, dass man sich während des Nachspielens voll auf das Geschehen auf dem Schachbrett konzentrieren kann.

Suchabfragen im Spielerlexikon

Im Spielerlexikon von ChessBase stehen etliche Optionen für gezielte Suchabfragen zur Verfügung. Unter 'Bearbeiten - Spieler' suchen (schneller geht es mit STRG-F2) startet man den Dialog zur Definition der Suchabfragen.

Suchabfrage

Am einfachsten funktioniert das Feature, wenn man im Feld 'Nachname' einfach den Spielernamen eintippt (siehe Grafik mit dem Beispielnamen Karpov). Das Programm unterstützt dabei den Anwender und prüft während der Eingabe den Index. In der Regel wird bereits bei der Eingabe der ersten Buchstaben eine Liste mit den verfügbaren passenden Spielereinträgen angezeigt. Das ist die häufigste Anwendung im Spielerlexikon. Es gibt aber noch weitere Kriterien, die seltener zur Anwendung kommen.

  • Nation: begrenzt die Suche auf Spieler aus einem bestimmten Land.
  • Age: ermöglicht die Suche nach dem Alter. Nehmen wir an, Sie interessieren sich für Nachwuchstalente aus Deutschland. Unter Nation definiert man das Land (Ger), unter Age gibt man 1-18 ein und klickt auf Suche. Das Programm listet umgehend die in der Mega erfassten Nachwuchsspieler aus Deutschland auf. Klick auf Details liefert dann die Details zu einem ausgewählten Spieler.
  • Titel: begrenzt die Suche auf Spieler, die einen FIDE-Titel haben.
  • Talent: egrenzt die Suche auf Spieler, die innerhalb der letzten vier Elolisten einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht haben.
  • Lebend: begrenzt die Suche auf Spieler, die noch nicht gestorben sind.
  • Herr/Frau: die Suche kann auch nach Geschlechtern begrenzt werden. Dazu aktiviert man die beiden Optionen am linken Rand des Dialoges. Beispiel: Suche nach allen Nachwuchsspielerinnen aus Deutschland. Unter Nation definiert man GER, Age wird mit 1-20 begrenzt und der Schalter Herr am linken Rand deaktiviert. Klick auf Suche listet die erfolgreichsten Nachwuchsspielerinnen auf.
  • Photo: Begrenzt die Suche auf Spieler, welche mit mindestens einem Bild im Spielerlexikon vertreten sind.

Nach einer Suchabfrage liefert ein Klick auf Details weitere Informationen zu dem ausgewählten Spieler. Eloprofil zeigt den Wertungsverlauf, Dossier bietet Detailinformationen zum Eröffnungsrepertoire, Turniererfolgen usw.

Peter Schreiner

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