Gezielt nach Stellungsmotiven suchen

von Peter Schreiner - Mai 2004

Die Suche nach bestimmten Stellungsmotiven kann vielfältig eingesetzt werden. Eine sinnvolle Anwendung wäre z.B. die Zusammenstellung von Trainingsunterlagen mit strategischen oder taktischen Motiven, die auf bestimmten Bauernstrukturen oder Figurenkonstellationen basieren. In der Suchmaske kann man über den Tabulator 'Stellung' den entsprechenden Dialog zur Festlegung der Suchkriterien aufrufen.

Suchmaske

Die Stellungsmotive kann man über drei unterschiedlichen Bretter beschreiben:

  1. Suchbrett
    Beim 'Suchbrett' setzt man die Bauern und Figuren auf die Felder, auf denen sie in den zu suchenden Positionen zwingend stehen müssen. Es ist wichtig, den Unterschied zum nachstehend beschriebenen Oder-Brett genau zu verstehen. Auf dem Suchbrett werden alle Figuren eingetragen, die sich genau auf einem bestimmten Feld befinden müssen. Auf dem Oder-Brett definiert man hingegen die Figuren, die sich auf einem von mehreren Feldern befinden sollen.
  2. Oder-Brett
    Das 'Oder-Brett' hilft dabei, Stellungsfragmente aufzuspüren, die nicht genau definierbar sind. Damit ist es z.B. möglich, alle Partien zu finden, in denen eine weiße Dame auf e4, der weißfeldrige Läufer hingegen auf d3, c2 oder b1 steht, während sich der schwarze König auf g8 oder alternativ auf h8 befindet. Auf dem Oder-Brett legt man also die Felderbereiche für die Figuren fest. Für die richtige Anwendung des Oder-Brettes muss man unbedingt beachten, dass im Gegensatz zu den anderen Figuren die Bauern nur linienweise berücksichtigt werden. Beispiel: Setzt man weiße Bauern auf a2,a3, b2 und b3 , dann werden alle Partien in der Suche berücksichtigt, in denen ein Bauer auf a2 oder a3 steht und ein weiterer auf den Feldern b2 oder b3.
  3. Ausschlussbrett
    Mit dem 'Ausschlussbrett' wird festgelegt, welche Bauern und Figuren in den gesuchten Stellungen nicht auf bestimmten Feldern stehen dürfen.

Ein praktisches Beispiel

Suchbrett
Diese Eingabe im Suchbrett filtert alle Partien mit einem weißen Läufer auf g7 und schwarzen König auf g8. Der weiße Läufer könnte durch ein Opfer auf g7 gelangt sein, er könnte aber auch durch einen Abtausch eines schwarzen Lg7 auf das Feld gelangt sein. Wie kann man die Suche sinnvoll weiter eingrenzen? In diesem Beispiel hilft uns das Ausschlussbrett weiter. Wir erinnern uns, dass wir auf dem Ausschlussbrett festlegen können, welche Figuren gerade nicht auf einem Feld stehen dürfen. Wenn wir auf dem Ausschlussbrett jetzt zusätzlich einen schwarzen Bauern g6 setzen, werden alle Partien mit einem weißen Lg7 und nicht sBg6, also auch der Läufertausch, aufgelistet, wenn der schwarze g-Bauer nicht mehr auf dem Brett ist oder weiter vorn auf g5/g4 etc. steht.

Ausschlussbrett
Damit die Stellungssuche zuverlässige Resultate liefert, besteht die Möglichkeit, eine Spiegelung der Suchkriterien bei gleichzeitiger Farbvertauschung an der horizontalen Mittelachse vorzunehmen. So findet man bei der Definition der Suche aus weißer Sicht auch das schwarze Pendant und umgekehrt.

Die Spiegelung an der vertikalen Mittelachse des Brettes ergänzt die zuvor beschriebene Funktion und bewirkt eine Spiegelung der Suchkriterien an der Längsachse. Damit vermeidet man z.B. Doppeldefinitionen bei Endspielen mit Bauern auf bestimmten Linien: z.B. werden a- und h-Bauer gleichwertig behandelt. Ein einfaches Beispiel zur Demonstration der Spiegelung ist das Angriffsmotiv weiße Dame auf h5 + Sg5 gegen die typische Rochadestellung mit schwarzem König g8 und den Bauern f7, g7 und h7.


Bei Aktivierung der horizontalen Spiegelung berücksichtigt die Suchroutine das Stellungsfragment mit weißem Kg1 + den Bauern f2, g2, h2 und für Schwarz Dh4 + Sg4. Die vertikale Spiegelung an der Längsachse des Brettes würde in unserem Beispiel diese Angriffskonstellation auch bei einer langen Rochade berücksichtigen, also mit wDa5 + wSb5 und sKb8 oder wKb1 gegen sDa4 + Sb4.

Das Setzen der Figuren auf den einzelnen Feldern ist einfach. Klick auf die gewünschte Figur in der Figurenleiste und ein Klick auf das Zielfeld setzt die Figur. Ein wichtiges Hilfsmittel zur Definition sind die "Joker" (weißer und schwarzer Kreis), mit deren Hilfe man eine beliebige Figur auf dem Eingabebrett definieren kann.

Im Ausschlussbrett kann man maximal vier Figuren für ein Feld ausschließen. Soll eine bestimmte Figur wieder entfernt werden, klickt man sie einfach mit gedrückter STRG-Taste an.

Die Suche kann zusätzlich über die Felder "Erster", "Länge" und "Letzter" verfeinert werden. Damit kann man bestimmen, wann und wie lange das gesuchte Stellungsmotiv in einer Partie vorgekommen ist. Falls die gesuchte Figurenkonstellation erst später als in dem definierten Rahmen in einer Partie vorkam, wird die Partie von der Suchroutine ignoriert und nicht aufgelistet. Damit kann man die gesuchten Motive auf bestimmte Partiephasen begrenzen.

Damit stellt die Kombination von "Suchbrett", "Ausschlussbrett" und "Oder-Brett" ein leistungsfähiges Instrument zur Definition von taktischen oder strategischen Stellungsmotiven dar.

Peter Schreiner

ChessBasePeter Schreiner