Slawisch – D17

Capablanca, José Raul
Euwe, Max

Amsterdam Match 1931

 

1.d4 Sf6 2.Sf3 d5 3.c4 c6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 Sbd7 7.Sxc4 Dc7 8.g3 e5 9.dxe5 Sxe5 10.Lf4 Sfd7 11.Lg2 Le6

11...f6 ist der natürliche Zug. Der Textzug ist gekünstelt und verliert Zeit, deswegen sollte er dem Zug f6 unterlegen sein.
Vor allem Dank Morozevich ist hier seit 2000 der aggressive Zug 11...g5!? in Verbindung mit der langen Rochade populär (Klaus Schumacher).

12.Sxe5 Sxe5 13.0-0 Da5

Als Folge des 11. Zuges ist Schwarz praktisch gezwungen vor Beendigung der Entwicklung einen zweiten Zug mit der Dame auszuführen. In einer Stellung die so offen ist wie die Partiestellung sollte so ein Zeitverlust vermieden werden.

14.Se4 Td8 15.Dc2 Le7

15...Lb4 war die Alternative, aber Schwarz wollte sich gegen 16.Sg5 schützen.

16.b4

Die Stellung ist sehr interessant. Weiß könnte 16.Sg5 spielen und nach 16...Lxg5 17.Lxg5 f6 [nicht 17...Sf3+, weil 18.exf3 Dxg5 19.f4 Da5 20.b4 zum Vorteil von Weiß führen würde.] 18.Lf4 und Weiß hat das Läuferpaar und ein gutes Spiel. Es gab jedoch die Chance auf eine Kombination, die Weiß entscheidenden Vorteil einbringen könnte. Daher der Textzug, der eine Überraschung für Schwarz war.

16...Lxb4

Er konnte natürlich das Bauernopfer ablehnen und 16...Dc7 spielen, aber dies würde seiner Stellung überhaupt nicht helfen, er würde nur seinen eigenen Zug 13...Da5 als Fehlzug brandmarken. In der Tat sieht so aus als ob der Zug 13...Dc7 zu einem Bauernverlust führt: 17.Sc5 Lc8 18.De4 f6 19.Sd3 Ld6 20.b5 c5 21.Tac1 b6 22.Lxe5 fxe5 23.f4 und Weiß gewinnt einen Bauern und erhält außerdem eine ausgezeichnete Stellung.

17.Db2 f6 18.Tfb1

Dies ist ein Fehler, der zu Komplikationen führt. Indem Weiß den anderen Turm nach b1 zieht, würde Weiß zumindest einen Bauern bei einer sicheren Stellung gewinnen. 18.Tab1 Le7 19.Dxb7 Kf7 20.Lxe5 Dxe5 21.Dxc6 und Weiß hat einen Mehrbauern und eine sichere Stellung.

18...0-0

Nach 18.Tfb1 kann Weiß zu keinem Zeitpunkt Dxb4 spielen wegen Td1+. Spielt Schwarz zum Beispiel 18...Sc4 einen Zug, in dem die Experten, die das Spiel beobachteten, einen Gewinnzug für Schwarz sahen, dann folgt 19.Sxf6+ [Weiß kann nicht 19.Dxb4 spielen, wegen 19...Td1+ 20.Lf1 Dxb4 21.Txb4 Txa1 und Schwarz verbleibt mit Turm für einen Läufer und einer guten Stellung, genug um das Spiel zu gewinnen.] 19...Kf7 20.Dxb4 Td1+ 21.Txd1 Dxb4 22.Se4 und Weiß hat Turm und Springer für die Dame und außerdem einen Furcht erregenden Angriff, der wahrscheinlich nicht abgewehrt werden kann. Zum Beispiel 22...Te8 wahrscheinlich am besten 23.Tab1 Da5 [wenn 23...Dxa4 so 24.Sc5] 24.Sg5+ Kg6 25.Td4 und Schwarz wird wahrscheinlich nicht in der Lage sein, die vielen Weißen Drohungen abzuwehren. Eine wirklich höchst bemerkenswerte Stellung.

19.Lxe5 fxe5 20.Sg5

Auf 20.Dxb4 folgt natürlich 20...Td1+ 21.Lf1 Dxb4 und gewinnt.

20...Lc3

Nicht am besten. Die schwarze Verteidigung ist extrem schwierig. Wenn auch sehr riskant, so würde 20...Lf7 wohl das Spiel retten. Nach dem Textzug gewinnt Weiß zwangsläufig.

21.Dc2 Lf5 22.Le4 g6

Wenn 22...Lxa1 so folgt natürlich 23.Lxf5 und Schwarz verliert auch den zweiten Läufer, da Le6+ und Dh7 mit Matt droht. Schwarz hätte jedoch 22...h6 versuchen können 23.Lxf5 hxg5 24.Ta3 und Weiß hätte auch hier aufgrund der exponierten Stellung des schwarzen Königs ein leicht gewonnenes Spiel.

23.Da2+ Kg7 24.Txb7+ Td7 25.Tab1 Da6 26.Db3 Txb7 27.Dxb7+ Dxb7 28.Txb7+ Kg8 29.Lxc6 Td8 30.Txa7 Td6 31.Le4 Ld7 32.h4 Ld4 33.Ta8+ Kg7 34.e3 Lc3 35.Lf3 1-0

Kommentar: Capablanca